Gedanken oder Fragen

25.02.2009 um 21:48 Uhr

Rüdger W. , sah er sich als eine tickendeZeitbombe?

War Rüdiger W., der in Bad Bramstedt, seine Frau, deren zwei Kinder und sich selbst tötete, eine tickende Zeitbombe?
Was führt solche Menschen, vorwiegend Männer, aber manchmal auch Frauen, zu solchen Taten?

Ich begreife es nicht, kann es nicht verstehen, wenn sie das, welches sie angeblich so sehr lieben, töten.

Rüdiger W. (36) heirate seine Jennifer (33) erst im letzten Jahr. Sie brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Einen Sohn (12) und die Tochter Angelina (11).

Da schrieb Rüdiger W. noch in seinem Blog, wie sehr er sich freut, dass Jennifer das beste sei, was ihm passieren konnte, er alles dafür tun würde, dass es für immer hält.
Die grosse Liebe, und jetzt sind sie alle tot, wahrscheinlich von ihm getötet.

Die Polizei geht davon aus, dass er diesen erweiterten Selbstmord aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beging. Denn Rüdiger W. musste im letzten Jahr den Offenbarungseid ablegen, sein BMW wurde gepfändet, der Kredit zurückverlangt, den sie für die Wohnungseinrichtung aufgenommen hatten.

Aber ist dieses ein Grund, seine Frau und deren Kinder, sowie sich selbst zu töten? Die Kinder hatte er ganz sicher nicht gefragt, hat ihnen das Leben genommen, auch wenn sie erst elf und zwölf Jahre alt waren und ganz sicher noch leben wollten.

Was geht in solch einem Menschen vor sich, der so handelt, frage ich mich oftmals bei derartigen Meldungen?
Ich habe auf seinem Blog gelesen, es deutet kaum etwas auf diese Tat hin.
Einmal im letzten Jahr schrieb er dort:

"An Tagen wie diesen flippt wohl alles aus.
Naja, jetzt weiss ich wenigstens wie sich so eine 'wandelnde Zeitbombe' fühlen soll.
Wehe einer hustet auch nur den Zünder an!

Kurzfassung von einem Tag: morgens war die Welt noch in Ordnung und heute abend könnte ich vor Wut platzen."

Was ging in ihm vor, dass er jetzt, fast ein Jahr später wirklich vor Wut oder Verzweiflung 'platzte'?

Er schrieb auch:

"Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wir für die Zukunft, in der Hoffnung schwere Fehler nicht noch einmal zu begehen."

Was führte dazu, dass er diesen, den schwersten Fehler seines Lebens, dann doch zu begehen?

Im Hamburger Abendblatt schreibt eine Psychologin, wegen Geld und finanziellere Probleme bringt niemand seine Familie um.
Für sie liegt es eher an der Verbitterung, Verzweiflung und der Kränkung um das Sorgerecht und die Besuchserlaubnis für seinen Sohn aus einer vorherigen Beziehung.
Die Mutter seines Sohnes versuchte angeblich den Kontakt zum Vater zu unterbinden, womit sich Rüdiger W. scheinbar später abfand.
Zum Wohle des Jungen, wie er in seinem Blog schrieb. Fand er sich wirklich damit ab, und ewas können die zwei Kinder seiner neuen Lebensgefährtin dafür?
Ja, wäre nicht sogar sein eigener Sohn und deren Mutter in Lebensgefahr gewesen, wenn dieses Besuche hätten stattgefunden?

Sein letzte Blogposting schrieb Rüdiger W. am 22.November letzten Jahres. Eine Mitteilung an seinen Sohn, auf den er warten würde, bis dieser die Machenschaften der Mutter versteht.
Danach schrieb er nicht mehr, und jetzt tötete er seine neue Familie.

Nebenbei fragte ich mich, was gewesen wäre, hätte Rüdiger W. anstatt auf blogspot.com hier bei Blogigo geblogt. Er schrieb nicht sehr viele Einträge.
Bekam dort bei Blogspot wohl nur 4 oder 5 Kommentare zu seinen Äusserungen insgesamt.
Hätte er hier mehr Kommentare bekommen? Hätte es sein können, dass dadurch sein Denken sich ein wenig geändert hätte. Das es dann, aufgrunde der Auseinandersetzungen mit anderen, vielleicht diese Morde und Selbsttötung garnicht gegeben hätte?
Nur aufgrund der Auswahl des Bloganbieters. Weit hergeholt, ich weiss, und dennoch, wissen kann man es nicht.

Aber generell finde ich diese sogenannten "Familiendramen" zum kxxxxx! Es sind keine Familiendramen, es sind in meinen Augen Morde. Heimtückische Morde begangen aus Egoismus und Selbstsucht, sich als den Mittelpunkt des Lebens zu sehen.
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25.02.2009 um 15:08 Uhr

Eine Träne für einen Tropfen Wasser

Stimmung: gut

Quasimodo wurde am Schandpfahl aufs Rad gebunden. Die Volksmasse von Paris stand johlend davor, um das Schauspiel seiner Peinigung mit anzusehen.
Das Rad drehte sich langsam, damit auch jeder das Gesicht des Opfers sehen konnte. Die Peitsche des Henkers sauste auf Quasimodo nieder, riss seinen Rücken auf, doch er stiess keinen Seufzer aus.

Die Bestrafung war vorbei, aber er musste noch eine Stunde am Schandpfahl ausharren.
Die Menge lachte, man warf mit Steinen nach ihm.
"Alle hatten einen Groll auf ihn, die einen wegen seiner Bosheit, die anderen wegen seiner Hässlichkeit. Letztere waren die wütendsten. Es regnete tausend Schimpfreden, Hohngeschrei, Verwünschungen und hier und da Steine auf ihn....
Die Zeit verfloss. Schon länger als eineinhalb Stunden stand er da, zerfleischt, gemisshandelt, unaufhörlich verspottet und fast gesteinigt....

Plötzlich....schrie er mit einer so heiseren und wütenden Stime, das sie mehr dem Gebell eines Hundes als einer menschlichen Stimme glich: "Wasser!"

Dieser verzweifelte Ausruf erhöhte noch das Vergnügen des Pariser Pöbels. Keine einzige Stimme erhob sich für den Unglücklichen, sein Durst wurde nur verspottet. Freilich war sein Gesicht mit diesem irren Blicke, vor Schmerzen schäumenden Munde, mit seiner halb heraushängenden Zunge eher fratzenhaft abstossend, als Mitleid erregend.
Die Menge lachte umsomehr, als er den Ruf nach Wasser noch zweimal wiederholte. Sie warfen mit zerbrochenen Krügen nach Quasimodo, beschimpften ihn.

Da sah Quasimodo plötzlich, wie die Menge sich teilte. Ein junges, seltsam gekleidetes Mädchen trat aus dem Gedränge hervor. Es trug ein Tamburin in der Hand. Er zweifelte nicht, dass auch sie käme, sich zu rächen, und ihm, wie die übrigen einen Streich versetzen wollte.
Rasch kletterte die Zigeunerin die Leiter empor. Ohne ein Wort zu sagen näherte sie sich dem Unglücklichen auf dem Schandpfahl, der vergeblich sich hin und her wand, um ihr zu entgehen, machte die Kürbisflasche von ihrem Gürtel los und setzte sie langsam an die Lippen Quasimodos.

Da sah man aus diesem bisher so trockenen, glühenden Auge eine dicke Träne herabrollen, sie floss langsam über das entstellte und lange Zeit von Verzweiflung verzerrte Gesicht herab. Das war vielleicht die erste Träne, welche der Unglückliche jemals vergossen hatte. Jedoch vergass er zu trinken.
Die Zigeunerin warf ungeduldig ihre Unterlippe auf und setzte lächelnd den Hals ihrer Flasche an Quasimodos Mund. Er trank mit langen Zügen, sein Durst war brennend.
Als er fertig war, schob der Unglückliche seine schwarzen Lippen vor, ohne Zweifel um die schöne Hand zu küssen, welche ihm so hilfreich beigestanden hat. Aber das junge Mädchen, welches vielleicht nicht ohne Misstrauen war, zog ihre Hand zurück, wie ein Kind, welches fürchtet von einem Tier gebissen zu werden.
Da heftete der arme taube Mensch einen vorwurfsvollen und unaussprechlich traurigen Blick auf sie. Es war gewiss ein rührendes Schauspiel, dieses schöne, frische, reizende und doch zugleich so zarte Wesen mitleidig herbeieilen zu sehen um dem Elend, der Hässlichkeit und Bosheit beizustehen. Auf einem Schandpfahle war es ein erhebendes Schauspiel. Das Volk selbst wurde davon ergriffen und fing an in die Hände zu klatschen und Beifall zu rufen.
Esmaralda stieg schwankend vom Schandpfahl herab, als die Einsiedlerin sie als Zigeundirne verfluchte.
Quasimodo band man los und die Menge zerstreute sich.

Eine eigenartige Szene aus "Der Glöckner von Notre-Dame", eine Szende die sehr berührt.
Wünschen wir es uns nicht alle, dieses Gefühl, selbst wenn alles und alle gegen uns zu scheint, wir am Ende sind, keine Kraft mehr haben, dass dann die Menge sich teilt und dieser eine Mensch zu uns kommt, der an uns glaubt, der uns helfen will, ganz egal was die anderen sagen oder denken.
Dieser eine Mensch, der so anders ist als die anderen. Dieser eine Mensch, der mitfühlt, der uns Wasser reicht, wenn wir seelisch am verdursten sind.