Gedanken oder Fragen

04.03.2009 um 17:44 Uhr

Michel de Montaigne und die Gewohnheit

Stimmung: gut

Am deutlichsten zeigt sich die Macht
der Gewohnheit darin, dass sie es versteht, uns so geschickt zu packen und sich dienstbar zu machen, dass wir kaum in der Lage sind, uns ihrem Zugriff zu entziehen und den Abstand zu gewinnen, der nötig ist , um über ihre Befehle diskutieren und vernünftige Einwendungen dagegen erheben zu können.
Wir schlürfen die Gewohnheiten sozusagen mit der Muttermilch ein; sie gehören selbstverständlich zum ersten Bild der Welt, dass sich uns darbietet;
dieses Verhalten scheint uns wirklich angeboren; die üblichen Vorstellungen, die in unserer Umgebung Geltung haben und die als ein Erbteil unserer Vorfahren tief in unserer Seele liegen, erscheinen uns als allgemeingültig und naturbedingt.
'So kommt es, dass alles Ungewöhnliche zunächst als unvernünftig angesehen wird -- Gott weiss, wie wenig vernünftig dieser Schluss in der Regel ist.'

Zitat: Michel de Montaigne ( 1533 - 1592 )

So kann Vernunft auch schon mal unvernünftig sein. Wieviele Erfindungen wären nicht gemacht worden, wenn die Erfinder immer nur in alten Bahnen gehandelt und gedacht hätten.
Wieviele Bücher und wieviel Musiktitel wären niemals geschrieben worden, wenn die Autoren und Komponisten immer nur das vernünftige getan hätten.
Nicht alles muss man ausprobieren, aber manchmal schadet es auch nicht, ein wenig unvernünftig zu sein und neue andere Wege zu beschreiten.
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