Gedanken oder Fragen

20.04.2010 um 15:00 Uhr

Von Schwermut überschattet

Ich komme jetzt eben aus einer Gesellschaft,
wo ich die Seele war, die Witze strömten aus meinem Munde, alle lachten, alle bewunderten mich - aber ich, ja der Gedankenstrich müsste genauso lang sein wie die Radien der Erde - - - ging fort und wollte mich erschiessen.

Zitat: Søren Kierkegaard (dänischer Philosoph) 1813 - 1855
( Das Tagebuch des Verführers )

Überspielte Schwermut, die sich kaum besser beschreiben lässt, als mit diesem Satz des Søren Kierkegaard.
Eines Menschen, der sich mit seiner schwermütigen Art wohl oftmals selbst im Wege stand und von sich selbst sagt:

"Ich bin ein Mensch,
der von Kind auf in die elendste Schwermut gefallen ist. Das ganze Dasein ängstigt mich, von der kleinsten Mücke bis zu den Geheimnissen der Inkarnation; es ist mir alles unerklärlich,
am meisten ich selbst"


Ja, er geht sogar soweit, die Liebe seines Lebens, die Frau die er über alles liebt, von sich zu stossen.
Regine Olsen ist fünfzehn Jahre alt, als der 24 jährige Kierkegaard sie kennenlernt, sie sich ineinander verlieben. Als Regine Olsen 18 wird verloben sich die beiden.
Doch Kierkegaard fühlt sich ihrer nicht wert, denkt er hätte nicht das Recht sie an sich zu binden und eine Ehe mit ihr zu führen.
Regine zu verlassen bringt er aber nicht übers Herz.
So sinnt er darauf, sich als unwert darzustellen, damit sie die Verlobung löst, sich von ihm trennt..

"Aus dem Verhältnis als ein Schurke,
wenn möglich als ein Erzschurke hervorzugehen, war das einzige, was zu tun war, um sie wieder frei zu machen."

Schrieb Kierkegaard. Und seine Strategie ging auf. Er brach ihr das Herz, Regina nahm sich später einen anderen.
Doch Kierkegaard kam zeitlebens nicht über seine grosse Liebe hinweg, die er, da er sich unzulänglich fühlte, so schnöde von sich gestossen hatte.

Die Motive der Menschen sind rätselhaft. Und sicher handeln auch heute noch Menschen nach ähnlichen Mustern, auch wenn sie nicht Kierkegaard heissen mögen.
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