Gedanken oder Fragen

20.08.2010 um 07:49 Uhr

Montaigne und das sinnlose Denken

Auf Brachland wuchert,
wenn der Boden fett und gehaltvoll ist, vielerlei nutzloses Unkraut:.......

so ist es auch beim menschlichen Geist; wenn dieser sich nicht auf ein bestimmtes Thema konzentriert, durch das er in Zucht gehalten wird, schweift er ordnungslos nach allen Richtungen in dem unbegrenzten Reich der Phantasie umher;.....

bei diesem unruhigen Schweifen bringt er lauter Torheiten und Grillen hervor: "Wahngebilde werden geschaffen wie Fieberträume".
Das menschliche Denken wird sinnlos, wenn es kein bestimmtes Ziel hat; denn so heisst es im Sprichwort, wer überall ist, ist nirgends:
"Wenn einer viele Heimaten hat, hat er keine Heimat".

Zitat: Michel de Montaigne ( 1533 - 1592 )

Ob es wohl so ist, wie Montaigne es behauptet?.
Muss und sollte unser Denken immer ein Ziel haben, zielgerichtet sein?

Ist es Verschwendung auch einfach mal nur so zu denken, ganz ohne bestimmtes Ziel, ganz ohne Verwertungs oder Bereicherungsabsichten?
Auch dieses ziellose Denken, dieses die Gedanken mal einfach fliessen lassen, kann unter Umständen bereichernd für uns sein.

Hauptsache der Boden ist fett und fruchtbar, auf dem diese Gedanken spriessen können.
Unkraut lässt sich vielleicht nicht vermarkten, und doch hat es seinen Sinn und Nutzen. Ohne Unkraut wäre wohl kaum ein Leben möglich, selbst wenn wir keinen direkten Gewinn daraus ziehen können, so brauchen wir es doch.
Vielleicht nicht gerade im Garten, jedenfalls nicht in Mengen, aber doch hat es selbst da seinen Nutzen.

Denken wird sinnlos, sagt er, aber denken wir nicht immer? Das Denken lässt sich nicht einfach so abschalten.
Es ist einfach da, egal was wir machen. Selbst in der Meditation. Nur dass es da sich einfach mehr oder weniger verselbständigt.
Ungesteuert und ganz und gar ziellos. Da denken wir nicht, da denkt es uns. Und ja, da kann es uns in dem unbegrenzten Reich der Phantasie herum oder entführen.
Brauchen wir da immer dieses in Zucht halten, sofern es uns gut tut, nicht schadet?

Oder müssen wir es bremsen, ausbremsen und auf ein Ziel richten? Anstrengend, sofort jeden Gedanken auf seine Zielführung zu überprüfen.

Nein, ich denke gerne, auch mal einfach ziellos.
Es mag dabei auch Unkraut wuchern, aber hin und wieder ist oder entsteht dann auch eine wunderbare Nutzpflanze dabei.

Natürlich kenne ich auch diese Torheiten und Grillen, die dabei entstehen können. Diese Wahngebilde, die wie Fieberträume erschaffen werden können.
Ganz besonders, wenn ich vor dem schlafen noch den Tag oder anderes Revue passieren liess.
Was ich früher gerne tat, doch es hindert letztendlich am schlafen, deshalb liess ich diese Gewohnheit irgendwann einfach sein. ;-)

Es kommt immer ein neuer Tag, der noch genug Zeit bietet, nachzudenken. Ich glaube, dieses sollte man nicht kurz vor dem einschlafen, es hindert und der Schlaf sowie die Träume ordnen die Gedanken besser als das Nachdenken am sehr späten Abend.

Nicht umsonst heisst es::
"Erst einmal eine Nacht drüber schlafen".

"Wer überall ist, der ist nirgends". Da stimme ich Montaigne zu. Ich bin hier, und das ist gut so. Ich will garnicht woanders sein.
Glücklich kann ich mich schätzen, denn ich verspüre keine Leere, wie so viele andere es tun. Leere die ich mit gänzlich untauglichen Mitteln zu bekämpfen versuchen müsste.
Ich kann mit mir sein, ohne vor mir selbst fliehen zu müssen.
Ja, ich halte mich aus. Gut sogar.;-) Ob nun die Gedanken ein Ziel verfolgen oder auch nicht.

So, da habe ich jetzt aber sehr viele Ich's in diesen Text hineingebracht, auch wenn ich lieber diese ominösen und unbestimmten "man's" gebrauche. Aber das hatte ja Michel de Montaigne schon für mich übernommen.
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