Gedanken oder Fragen

29.07.2010 um 03:17 Uhr

Die Leiden des Bernd Decker

Unsere Jugend wird immer brutaler.
Heisst es oftmals.
Mag zum Teil auch stimmen.
Wie oftmals den Presseberichten zu entnemen ist, wenn, wie in Sachsen-Anhalt ein 18 jähriger, einem 14 jährigen die Haare abschneidet, ihm brennbare Flüssigkeit auf Kopf und Hand schüttet. Ihn anzündet und alles von einem dritten Jugendlichen filmen lässt.

Doch, was soll auch aus ihnen werden, bei solchen Erwachsenen, wie sie auf einem Bauhof in der 16.000 Einwohnerstadt Hirchenheim gearbeitet haben.
Die Perle des Siegerlandes.

Bernd Decker, ein junger Mann, der, seit er mit fünf Jahren von einem Auto angefahren wurde, unter verschiedenen Behinderungen leidet.
Weswegen er schon während seiner Schulzeit gehänselt und gemobbt wurde.
Er fand eine Lehrstelle auf dem Bauhof der Stadt, war stolz auf seinen Arbeitsplatz.
Doch auch dort wurde es für ihn nicht besser.
Er wurde von seinen Kollegen gehänselt, später gequält, fast täglich auf seinem Arbeitsplatz, ob jetzt auf dem Friedhof oder in den stätdtischen Anlagen, von ihnen verprügelt und zusammengeschlagen.

Nicht etwa von Jugendlichen, nein von gestandenen Familienvätern im Alter zwischen 30 und 50 Jahren.

Was muss es für ein Leben in dieser Zeit für Bernd Decker gewesen sein, an jeden Tag wieder zur Arbeit zu gehen, dem Schrecken entgegen und dabei das Gefühl zu haben, nichts sagen zu dürfen, aus Angst vor den Männern und auch weil er dachte, ihm glaube sowieso niemand.

Das Gericht glaubte ihm jetzt, verurteilte den Rädelsführer dieser Quälereien zu 4 Jahren Gefängnis.

Einen aufwühlenden und dennoch feinfühligen Bericht der Gerichtsverhandlung findet ihr auf:

zeit.de / Die Sadisten von Hilchenbach*klick*

Ich habe mir alle 6 Seiten dieses Prozessberichtes durchgelesen, auch wenn es manchmal schwerfiel.
Und sicher, es wird kein Phänomen von Hlchenbach sein, Hilchenbach ist überall, wie es ein Kommentator dort schrieb.

Ich bin ein positiver Mensch, ein Mensch der an das Gute im Menschen glaubt.
Viel lieber hätte ich über etwas schönes geschrieben. Darüber wie Menschen anderen, die mit einer Behinderung leben müssen helfen, sie wertschätzen, ihnen das Leben ein Stück weit schöner und lebenswerter machen.

Und irgendwie dachte ich an @AngelInChains, wenn sie sagt, wenn Menschen so sind wie diese, dann würde ich lieber kein Mensch sein wollen. Dann kann ich ihre Aussage über das Menschsein verstehen.
Zum Glück aber, sind nicht alle Menschen so, wie diese in der Gerichtsprozessbeschreibung der Zeit.de.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. ameparia schreibt am 29.07.2010 um 11:38 Uhr:Ich stimme AngelInChains zu. Wenn ich von soetwas lese, schäme ich mich hin und wieder dafür, ein Mensch zu sein; und muss an meinen Bruder denken, der immer wieder sagt: "Mein Lebensziel ist, ein perfekter Mensch zu werden." Dann lacht er immer und fügt hinzu: "Werd ihc zwar nie schaffen, aber mal schaun, wie nah ihc da ran komme."
  2. Sandsturm schreibt am 29.07.2010 um 13:10 Uhr:Da stimme ich ameparia, sowie AngelInChains vollkommen zu. Man sollte wahrscheinlich versuchen das Beste zu tun, was gar nicht immer so leicht ist...
    Lg sandsturm
  3. andrina schreibt am 29.07.2010 um 19:33 Uhr:ja ame da kann ich nur dazustimmen, genau das wollt ich auch schreiben, bzw ist mir als erstes in den sinn gekommen. für solche menschen kann man sich einfach nur schämen
  4. Muffin schreibt am 29.07.2010 um 23:00 Uhr:Das Phänomen des Fremdschämens, ja, das trifft hier voll und ganz zu.
    Es scheint den Menschen eben zu gefallen in einer Machtposition zu stehen und andere Menschen unter sich zu haben, die man kommandieren oder maltretieren kann und wenn es nur ein Arbeitskollege ist, der unter einem steht aufgrund einer Behinderung. Schade dabei ist, dass man darüber das Menschsein vergisst...
  5. Wari schreibt am 30.07.2010 um 09:59 Uhr:Mir fehlen grad einfach nur die Worte und das Atmen fällt schwer, ob dieses Sadismus!
  6. grigolaris schreibt am 01.08.2010 um 12:25 Uhr:Ehrlich gesagt sind mir die Tränen gekommen, als ich den Artikel in der Zeit gelesen habe, aber nicht nur weil ich soviel Mitgefühl für die Leiden des Bernd Decker empfinde, sondern mehr noch deshalb, weil so viele andere Menschen wie in diesem Artikel der Zeit beschrieben entweder so naiv oder aus Angst dieses Geschehen toleriert bzw. verharmlost haben . Erinnert mich irgendwie an die Holokaust Zeit. Da zeigt sich deutlich in welch tiefen Abgrund sich die Menschheit bewegt. Nein es ist nicht irgendein Kriegsschauplatz irgendwo auf der Welt weit weg von uns, es findet gleich neben uns statt, unseren Nachbarn, Freunden, sogar selbst in unserer Familie und wir bekommen nichts mit davon? Es ist der alltägliche Wahnsinn wie Anders denkende oder Schwächere massakriert werden und leider noch zu viele einfach wegschauen. Die sind genau so schlimm wie die Täter selbst, denn nur dadurch haben diese Bestätigung in ihrem Tun. Liebe Leser bringt mehr Aufmerksamkeit in euren Alltag, habt Mut Ungerechtigkeiten entgegenzutreten, unterstützt diese Perversität nicht. Zum Glück gab es auf der Richterbank einen gesunden Menschenverstand neben den Fakten. Danke dem Redakteur der Zeit für diesen gut geschriebenen Artikel. Und Bernd Decker und seiner Familie möchte ich wissen lassen, dass sie nicht allein sind damit, auch wenn es in der Stadt Hechenbach den Anschein haben sollte. Es gibt viele andere gute Plätze zum Leben, wo die Menschen zum Glück noch menschlich sind.

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