Gedanken oder Fragen

27.08.2008 um 22:26 Uhr

Dr. Schiwago und die Galloway Rinder

von: sternenschein   Kategorie: persönliches   Stichwörter: Galloway, Rinder, Dr, Schiwago, General, Weide, Vater, Schwimmbad

Merkwürdiger Titel, ich weiss.
Meine Ex - Ex in zweierlei Beziehung, war einige Tage zu Besuch. Es war schön. Gute Gespräche und einiges unternommen.
Ihre Tochter hatte eine Freundin mitgebracht. Sie wollten im Freibad schwimmen. Hatten das Bad fast für sich alleine. Denn hier sind die Ferien schon zu Ende und wirklich warm war es auch nicht. So konnten sie die Riesenwasserrutsche so oft hinunterrutschen wie sie wollten.

Am Nachmittag wollten wir die beiden abholen. Sie aber wollten noch nicht. Eine Stunde noch. Zeit für uns, die wir mit einem Waldspaziergang verbrachten. Den Hügel zur Weide hinunter. Eine einladende Bank, von der aus wir über die grüne Grasfläche hinweg den weissen Galloway Rindern beim grasen zuschauten. Idyllisch.

Über vieles sprachen wir. Auch über den Film
Dr. Schiwago, den ich so gut fand, im Gegensatz zu ihr.
Ein Film über Krieg, Revolution, und Liebe. Viel Liebe, Liebe zu zwei Frauen, Liebe zu Lara, die Omar Sharif in der Rolle des Dr. Schiwago, als junger Arzt kennenlernt und die in seinem ganzen Leben eine bestimmende Rolle spielt.
Über den Tod hinaus. Sie hatten sich aus den Augen verloren. Als älterer Mann sieht er aus der Strassenbahn heraus, zufällig seine Lara (Julie Christie ) auf der Strasse gehen. Klopft von innen an die Scheiben der Bahn, ruft. Lara hört es nicht. An der nächsten Haltestelle springt er aus der Strassenbahn, erleidet vor Aufregung einen Herzinfarkt und stirbt, keine hundert Meter entfernt von seiner Lara, die von dem allen nichts mitbekommt. Weitergeht.

Dieser Film, in dem ein General der den Bau eines riesigen Staudammes beaufsichtigt, eine der vielen jungen Frauen, die in blauen Kitteln an ihm vorbeigehn zu sich ruft. Es ist Laras Tochter.

Der General fragt das Mädchen, wie sie ihren Vater, als sie Kind war, während der Revolution verloren hatte.

Scheu mit grossen Augen schaut sie den General an. Antwortet, dass sie sich in einer riesigen Menschenmenge während dieser Wirren verloren hätten. Auf einmal war ich alleingelassen, zwischen diesen ganzen Menschen. .
Der General fragte:
"Hast du dich wirklich von deinem Vater getrennt?"
Sie schaute traurig auf den Boden und antwortete nicht. So stellte er die Frage noch einmal.
Nach einer Weile sagte sie :
"Mein Vater hatte meine Hand losgelassen"

Der General erwiederte, " Das ist es was ich dir die ganze Zeit zu erklären versuche. Dieses war nicht dein wirklicher Vater.
Dr. Schiwago ist dein richtiger Vater und er hätte niemals deine Hand losgelassen."

Gut wenn es Menschen gibt, die unsere Hand niemals loslassen würden. Die uns halten, egal was geschieht, egal welche Wirrnisse und Tumulte im Leben stattfinden.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Arydale schreibt am 27.08.2008 um 22:55 Uhr:Hab heut auch schon an Schiwago denken müssen. Guter Film und die Hauptfilmmusik die bewegt.

    Ja, es gibt Menschen die niemals die Hand loslassen würden und noch andere Dinge für Jemand tun würden dem gegenüber sie starke liebvolle Gefühle hegen... Der Stoff (Hormon) der dem zugrunde liegt, nennt sich Oxytocin (Liebes-/Bindungshormon)... Kann ungemein hilfreich und auch lebensrettend sein, aber auch das Gegenteil, wenn man dafür das eigene Leben auf's Spiel setzt/setzen muß.
    Gruß Arydale
  2. 1mishou schreibt am 28.08.2008 um 07:31 Uhr:Ja das stimmt!
  3. Sadeyes schreibt am 28.08.2008 um 14:41 Uhr:Ich hab den Film nie gesehen...
    Aber ich kann nur zustimmen, dass es unheimlich wichtig ist, dass wir Menschen in unseren Leben haben, die auch in schlechten Zeiten zu uns stehen. Selbst auch noch dann, wenn sie anderer Meinung sind...
    Manchmal reicht es ja auch schon, wenn man da ist... ganz leise und stumm... einfach nur die Hand hält... diese wortlose Kommunikation kann manchmal mehr sagen, als tausend Worte...
  4. sternenschein schreibt am 28.08.2008 um 18:42 Uhr:@Arydale,
    die Filmmusik sie hatte mir, als ich den Film das erste mal im Kino sah, Gänsehautfeeling beschert. Denn sie setzte immer, wie in Filmen üblich;-) an den passenden Stellen ein. *schwärm*
    @1Mishou, danke!

    @Sadeyes,

    manchmal reicht es, wenn nur die Hand gehalten wird. Da braucht es dann garkeiner Worte.

    Ich glaube am schlimmsten ist es, wenn man selbst seine eigene Hand loslässt, sich selbst fallen lässt. Nicht mehr zu sich selbst steht, nicht mehr an sich selbst glaubt. Sich enfernt und dieses selbst alleine und hilflos zurücklässt.

    Liebe Grüsse
    sternenschein

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