Gedanken oder Fragen

13.10.2010 um 00:52 Uhr

Er war 20 Jahre lang eingefroren

Vor fast 20 Jahren wurde er eingefroren.
Ein Embryo.
Jetzt, nach diesen langen Jahren, wurde er aufgetaut und einer 42 Jahre alten Frau in den USA eingepflanzt.
Im Mai dieses Jahres brachte sie den Jungen zur Welt.

Ein neugeborenes Kind, ein Kind aus dem vorigen Jahrhundert.
Wir wissen nicht, was sein wird nach userem Tode, wo und ob wir dann noch sind. Als Kind überlegte ich aber noch mehr, wo ich vor der Geburt war.
Eben was und wo ich vorher war.
Dieser Junge, der von der 42 jährigen Frau geboren wurde, er wird wissen wo er vorher war, Jedenfalls die 20 Jahre vor seiner Geburt.
Er war eingefroren.
War seine Seele mit eingefroren? Wartete er auf die Einpflanzung und Geburt, diese ganzen 20 Jahre lang?
Wie wird man sich fühlen, wenn man weiss, man ist schon 20 Jahre älter, als man es nach der Geburtsurkunde ist. Da man 20 Jahre im eingefrorenen Zustand als Embryo verbracht hatte?

Werden im Jahre 2100 Kinder zur Welt kommen, die jetzt oder im vorigen Jahrhundert, als Embryo eingefroren wurden?
Werden sie sich von den auf normalen Wege gezeugten und geborenen Menschen unterscheiden, da sie aus einem anderen Jahrundert kommen?
Würde man es einem Menschen ansehen, anmerken, wenn er heute geboren wird, aber doch schon den Zeiten Neros, den alten Ägyptern oder Griechen entstammte? Zu deren Zeiten als Embryo eingefroren wurde, um erst in den heutigen Zeiten aufgetaut zu werden.
Merkwürdiger Gedanke.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. andrina schreibt am 13.10.2010 um 01:04 Uhr:schon heftig.. mich wunderts, dass sowas von einer ethikkommission erlaubt wurde..
  2. sternenschein schreibt am 13.10.2010 um 01:29 Uhr:@andrina,
    irgendwie habe ich immer die Vorstellung, jeder Mensch hat seine Zeit.
    So wie Diogenes seine Zeit hatte, oder Einstein.
    Was wäre, wenn sie nicht in ihrer Zeit gelebt hätten, sondern in unserer oder einer noch viel späteren?
    Was wäre, wenn wir nicht jetzt unser Leben leben würden, sondern erst viel später? Wäre es dann noch unser Leben, dieses Leben welches uns zugemessen oder bestimmt wurde?
    Natürlich könnte es interessant sein, zu einer anderen Zeit zu leben, aber sollte es so sein. Und was wäre mit den Dingen, die wir jetzt in unserem Leben beeinflussen, wenn wir nicht jetzt da wären, sondern erst viel später? Käme da nicht alles durcheinander.
    Gut, wenn unsere Blogigo Blogs nicht da wären, das wäre vielleicht noch zu verkraften.;-)
    Aber diese ganzen Ketten an Zusammenhängen, die wir durch unser Leben schaffen, an Veränderungen die wir bei anderen Menschen bewirken und diese bei uns, da würde dann doch vieles anders sein, oder nicht mehr stimmen.
    Gute Nacht.;-)
  3. AngelInChains schreibt am 13.10.2010 um 04:50 Uhr:
    sternenschein:
    Was wäre, wenn wir nicht jetzt unser Leben leben würden, sondern erst viel später? Wäre es dann noch unser Leben, dieses Leben welches uns zugemessen oder bestimmt wurde?


    Das ist schon eine reine Glaubensfrage. Ich zB glaube nicht daran, dass uns vorgegeben ist, wann wir leben sollen. Ich denke eher, dass wir auf diese Welt losgelassen werden, völlig unabhängig davon, was gerade los ist. Sprich, ab der Zeugung ist man für sich selbst verantwortlich. Wobei natürlich auch die Möglichkeit besteht, dass alles vorgegeben wäre. Aber wäre das dann nicht Teil des Schicksals, 20 Jahre eingefroren im Glas hocken zu müssen? Das würde dann ja dazu gehören, auf einem vorbestimmten Lebensplan.

    Wegen der Zellalterung finde ich es auch komisch, einen Menschen so lange einzufrieren. Ich frage mich auch, ob das nicht schädlich sein könnte. Um die Seele, falls vorhanden und doch nicht nur eine Wirkung von Hirn- und Hormonfunktionen, würde ich mir weniger Sorgen machen. Vorhanden wird sie ab Zeugung sein, aber ich denke, das wird wie bei einer Vollnarkose bei einer OP sein: Man ist da, aber man merkt von der Zeit nichts. So muss es auch im Eis sein.

    Ich denke übrigens nicht, dass eingefrorene Menschen von früher heute auffallen würden. Menschen sahen bisher über die Jahrtausende immer gleich aus, da hat sich noch nichts getan, und ich glaube auch nicht, dass in 100 Jahren die Menschen anders aussähen. Da fiele jemand von heute nicht auf. Zumal die eingefrorenen Embryos ja gesellschaftlich noch gar nicht geprägt sind. Wenn man vorher kein Leben hat, und dann eben erst zB 2100 auf die Welt kommt, dann kennt man nur das Leben zu dieser Zeit. Man kann sich gar nicht fremd fühlen (bzw nicht mehr, als ein normal geborener Mensch auch), weil man nicht weiß, wie es denn zum Zeugungszeitpunkt war. Weil man vorher auch nicht aktiv mit anderen Menschen umgegangen ist, wird man auch keine gesellschaftlichen Regeln kennen, die in der Zukunft seltsam wirken.

    Meine persönliche Auffassung ist, dass das Leben da beginnt, wo man wirklich mit seiner Umwelt interagiert. Also, nicht allgemein, sondern für einen selbst. Für mich zählt die Zeit, von der ich noch etwas weiß. Und das ist nicht, wo ich vor meiner Geburt war, ob ich da in einer Plazenta, in einem Glasbehälter oder weiß ich wo war. Ich würde mir mein Leben mit dem Wissen nicht künstlich erschweren, sondern es einfach leben. Es ist so manchmal schon schlimm genug.
  4. andrina schreibt am 13.10.2010 um 09:51 Uhr:ja sternenschein, auch ein interessanter denkansatz... was mich medizinisch interessieren würden.. woher wussten die, dass dieses befruchtetet ei noch "gut" ist, woher wussten die, dass sich daraus ein normales kind entwickeln kann... hätte ja auch sein können, dass da was total schief geht, nach so langer zeit des eingefroren seins... das könnte ja auch schädlich sein, für die dna oder was weiß ich...
  5. AngelInChains schreibt am 13.10.2010 um 17:50 Uhr:Ich nehme mal an, da gab es vorher Zell- und Tierversuche. Ist in der Medizin doch oft so.
  6. AngelInChains schreibt am 13.10.2010 um 17:55 Uhr:
    sternenschein:Und was wäre mit den Dingen, die wir jetzt in unserem Leben beeinflussen, wenn wir nicht jetzt da wären, sondern erst viel später? Käme da nicht alles durcheinander.


    Es käme auch alles durcheinander, wenn ich jetzt spontan, um einige extreme Beispiele zu nennen, aus dem Fenster springen, den Nachbarn erschlagen oder aber auch mein gesamtes Geld an ein Kinderheim spenden würde. Wir können auch jetzt urplötzlich unseren Weg verändern, das hat keinen Unterschied dazu, lebten wir zu einem anderen Zeitpunkt. Jederzeit können wir alles ändern. Kann man da überhaupt von Durcheinander sprechen? Ist nicht alles irgendwie eine logische Ordnung, egal, was man tut?

    Klar, hätte Einstein früher gelebt, oder Hitler später, die Geschichte wäre anders. Aber wäre das falsch? Ist doch sowieso alles Zufall und auslöserbestimmt (es sei denn, man hat ein enorm teleologisches Weltbild, und das habe ich nicht). Hätte Edison Elektrizität nicht nutzbar gemacht, hätte ein anderer Mensch dieselbe Erfindung gemacht. Möglicherweise erst später. Natürlich wäre die Welt anders. Aber da gibt es doch kein Richtig und kein Falsch.
  7. sternenschein schreibt am 13.10.2010 um 21:54 Uhr:@andrina,
    es sollen fünf "überzählige" Embryos von unbekannten Spendern gewesen sein.
    Davon überlebten nach dem auftauen zwei, die der Frau dann eingepflanzt wurden.
    Bei einem führte es dann zu der Geburt dieses Jungen.
    Ob bei diesen tiefen Temperaturen eine Zellalterung stattfinden kann glaube ich kaum.
    Liebe Grüsse
  8. sternenschein schreibt am 13.10.2010 um 22:15 Uhr:@AngelInChains,
    an Hitler dachte ich auch.;-)
    Es wäre wohl vieles anders, wenn er nicht zu seiner Zeit gelebt hätte. Merkwürdige Vorstellung, wenn er eingefroren auf seine Geburt hätte "warten" müssen.
    Eventuell in der heutigen Zeit einer Amerikanerin eingepflanzt worden wäre.
    Welchen Lebenslauf hätte er dann als Amerikaner wohl genommen.
    Vielleicht hätte sich sein Wunsch Künstler zu werden, bei einer anderen Sozialisation , erfüllt und uns wäre vieles erspart geblieben.

    Alles als vorherbestimmt will und möchte ich auch nicht sehen. Und wahrscheinlich haben wir die volle Handlungsfreiheit. "Wahrscheinlich", weil wir es wohl nicht merken würden wenn es nicht so ist. Zumindest können wir es glauben, uns entscheiden zu können, uns selbst zu steuern. Wir werden wohl auch nichts an Hinweisen finden können, die dagegen sprechen.
    Und doch, du sagst es wäre relativ egal zu welchem Zeitpunkt du leben würdest.
    Dein Einfluss auf deinen Freund würde es nicht geben, er lebte dann ja zu einer anderen Zeit. Wäre wahrscheinlich nicht einmal in B.
    Vielleicht würdest du auch zu anderen Zeiten deine Zeichnungen gestalten.
    Doch die, die es heute von dir gibt, sie würden dann wohl nicht vorhanden sein.
    Ja, einige der Engelsfiguren, der Friedhofsbilder könntest du in einem anderen Jahrhundert garnicht gestalten, da es sie dann vielleicht garnicht mehr geben wird.
    So legst du Zeugnis ab von der heutigen Zeit. Tossies Zeilen an dich, gäbe es nicht, etliche aus deinem Umfeld auf die du einen gewissen Einfluss hattest, würden eventuell anders denken oder leben.
    da so vieles miteinander verknüpft ist, ein ganzer Strang an Folgen durch unser Leben bei anderen, und dadurch auch wieder bei noch anderen ausgelöst wird, würde wohl einiges anders sein und aussehen. Wir denken im allgemeinen ja, wir könnten nicht viel bewirken, und doch bewirken wir alleine durch unser Sein schon so unendlich vieles.
    *lach*..und einige Versteinerungen wären noch in irgendeiner Höhle, anstatt in deiner Wohnung. Würden darauf warten, dass sie ein anderer findet, was er jetzt ja nicht mehr kann.;-)
    Ich finde, das ist schon ein Durcheinander.
    Liebe Grüsse
  9. AngelInChains schreibt am 14.10.2010 um 01:11 Uhr:Ach, "Durcheinander" wäre das für mich nicht. Sehr anders schon, das stimmt. Aber ich bin sowieso kein ordendlicher Mensch ;)
  10. Rabenmutter schreibt am 14.10.2010 um 21:42 Uhr:Ich denek, wenn dieser Junge sich irgendwie anders netwickelt als "normal" - man wird es in den Medien erfahren...
    Ob's dann am Frost lag, ist jedoch auch noch dahingestellt..
    Ich als Frau würde die Vorstellung nicht mögen, ein 20 Jahre altes Baby im Bauch zu tragen, aber da denkt halt jede anders.
  11. nacktschnecke schreibt am 23.10.2010 um 14:11 Uhr:Ich bin sehr überrascht, dass so etwas überhaupt funktioniert. So ein Embryo ist doch ein lebendes, sich entwickelndes Wesen. Müsste es dann nicht auch möglich sein, fertige Menschen einzufrieren? Nur mal so rein theoretisch und wissenschaftlich gedacht. Die Vorstellung an sich ist schon sehr gruselig.
  12. AngelInChains schreibt am 23.10.2010 um 15:50 Uhr:Gruselig? Naja. Ich finde es nicht gruselig, aber das sieht jeder anders.
  13. sternenschein schreibt am 23.10.2010 um 23:48 Uhr:@Nacktschnecke,
    in der Zeit des eingefrorenen Zustandes entwickeln sich die Zellen nicht weiter, denke ich.
    In den USA kann man sich nach dem Tode einfrieren lassen, um vielleicht irgendwann mal wieder aufgetaut zu werden.
    Lebende Menschen könnte man wohl auch einfrieren, nur gibt es da Probleme mit dem Blut und der Körperflüssigkeit.
    Da durch die sich bildenden Eiskristalle die Zellen beschädigt werden.
    Da müsste dann eine Art Frostschutzmittel her.*g*
    Liebe Grüsse
  14. Rabenmutter schreibt am 24.10.2010 um 12:56 Uhr:Aber so ein Embryo IST ein lebender Mensch...
  15. AngelInChains schreibt am 24.10.2010 um 16:49 Uhr:Ja, aber er hat einen kleineren Blutkreislauf. Ich denke, das ist nochmal was anderes, als wenn man einen ausgewachsenen Menschen einfriert.
  16. sternenschein schreibt am 24.10.2010 um 18:00 Uhr:Zu dem Einfrierprozess von Embryonen und dem Zellschutz der dabei verwendet wird, habe ich noch einen neuen Eintrag geschrieben.
    Bei diesem Prozess überleben auch nicht alle Embryonen nach dem Auftauen.
    Wer würde sich als Mensch schon eifrieren lassen wollen, wenn es nicht sicher ist auch den Auftauvorgang zu überleben?;-)
    Diese Zellmembranschützende Wirkung wäre wohl bei einem ausgewachsenen Menschen auch viel schwieriger zu erreichen. Wenn schon unbefruchtete Eizellen aufgrund ihres höheren Wassergehaltes, dieses meistens nicht überleben.
    Eine spannende Sache ist es schon, teilweise ja auch ein Menschheitstraum, sich einfach einfrieren zu lassen, um nach etlichen, vielleicht hunderten von Jahren einfach weiter zu leben.
    Da gab es mal einen US Spielfilm, in dem ein Pilot sich einfrieren liess, und irgendwann von einem Jungen gefunden wurde.
    Sich in der neuen Zeit zurechtzufinden war nicht einfach für ihn.
    Liebe Grüsse
    Liebe Grüsse

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