Gedanken oder Fragen

12.01.2010 um 18:34 Uhr

Katastrophenberichterstattung

Katastrophenberichterstattung im TV ist schon manchmal etwas merkwürdig.

Da bauen sich Fernsehteams des MDR auf verschneiten Strassen auf, ich glaube es war in Mecklenburg-Vorpommern.
Landstrasse mit einigen Schneewehen von etwa 50 cm Höhe. Kalter Wind.
Zwei Fahrzeuge fahren in die Schneewehen, Reifen drehen im Schnee durch, sie bleiben stecken.
Logisch, sonst wäre es ja keine Schneekatastrophenberichterstattung.

Der Reporter verkündet:
"Auch hier kein durchkommen mehr, die Autos bleiben in den Schneewehen stecken".
Gut, das kann man ja auch sehen.
Aus dem einen steckengebliebenen Wagen steigt der Fahrer aus, zeigt auf ein Haus in der Ferne an der Landstrasse.
"Dort hinten in dem Haus, das sind nur 800 Meter Luftlinie von hier, dort wohnen meine Grosseltern die ich besuchen wollte.
Aber sie sehen ja, alles zugeschneit, kein Durchkommen mehr. Die Höfe dort sind von der Umwelt abgeschnitten. Ich kann meine Grosseltern nicht mehr erreichen, mache mir Sorgen".
Verkündet der Autofahrer, traurig zum Gehöft seiner Oma schauend, in die Kamera.

800 Meter, mit Schee von 30 bis 80 cm Höhe dazwischen.

Da frage ich mich, wieso das Gehöft von der Aussenwelt abgeschnitten sein soll?
Wieso er es angeblich nicht erreichen kann?
Kann er dieses Stück Weg nicht zu Fuss gehen? 800 Meter durch den Schnee gehen ist doch nicht sooo schlimm.
Ohne Auto geht es scheinbar nicht, so muss er sein i Auto wieder aus der Schneewehe befreien und umkehren, ohne seine vom Schnee eingeschlossenen Grosseltern besucht zu haben.

Die Bilder von den Inseln Rügen und Fehmern sahen schon heftiger aus. Und wenn ein Dialysepatient oder Frauen die entbinden in die Klinik müssen, dieses eventuell wegen des Schnees nicht möglich ist, dann ist es schon dramatisch. Aber diese Fälle wurden ja vom Fehmarner Bürgermeister vorrangig behandelt und dafür gesorgt dass der Rettungsdienst dann durchkommen könnte.

Katastrophenberichterstattung ist schon manchmal recht seltsam. Meistens wird der Reporter auch vor dem höchsten Schneeberg gestellt, der zwar nicht auf der Strasse liegt, sondern von den Räumdiensten am Strassenrand hochgeschoben wurde.
. Und hier noch ein Gruss an
Hedera *klick*, die auf der Insel aushält und live von dort bloggte.. Aber leider nicht von der TV Katastrophenberichterstattung interviewt wurde. Schade aber auch.. ;-)
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. AngelInChains schreibt am 12.01.2010 um 22:35 Uhr:Das mit dem Autofahrer erinnert mich an ein Erlebnis, das ich mal mit einem US-Amerikaner habe. Ich mag ja keine Klischees und Vorurteile, aber der Typ hat genau das Klischee "Amis können keine 5 Meter mehr ohne Auto überwinden" getroffen hat.

    Und zwar ging es darum, dass er klagte, er habe keine Freundin und könne auch nie eine haben. Ich habe dann gefragt, wieso er meinte, er würde nie eine haben können. Woraufhin er antwortete, na, zumindest die nächsten 5 Jahre nicht. Da hab ich natürlich gefragt, wieso. Die Antwort: Na, so lange würde er wohl noch für Schulabschluss und Studium brauchen, und in der Zeit könne er sich kein Auto leisten. Ich meinte dann, man bräuchte dazu doch kein Auto. Er könnte ja auch in der Schule und dann an der Uni Leute kennen lernen, oder bei sich in der Nachbarschaft. Der Mann daraufhin: Nein, das sei uninteressant für ihn, er habe sich ja schon in ein Mädchen verliebt. Ich hab dann gemutmaszt, dass sie wohl sehr weit weg wohnen wuerde, und habe gefragt, wie viele km die Stadt denn weg sei. Daraufhin seine Antwort, und das hat mich umgehauen: Sie wohnt nicht in einer anderen Stadt, sondern im gleichen Viertel wie er. Aber bis zu ihrem Haus sein es "fast ein Kilometer", ohne Auto ginge das doch niemals!
  2. Hedera schreibt am 13.01.2010 um 16:34 Uhr:Vielen Dank Sternenschein für diese Verknüpfung. Ich habe einmal einen Übertragungswagen von N24 kurz vor dem Südstrand gesehen und mich auch gefragt, warum die gerade da den ganzen Morgen rumgelungert haben.Da gab es nix, aber auch gar nix zu sehen. Da hätte ich ihnen ja noch die Schneewehe gigantischen Ausmaßes direkt neben der E47 nennen können. Dort führt keine hochwichtige Straße lang aber die Wehe war wohl richtig hoch (4 m lt. Männe und der neigt nicht zu Übertreibungen). Heute wehte es wieder, zumindest in Anfängen, bei steifem Ostwind Schnee auf die Straßen. Da aber dort, wo es am WE am heftigsten geweht hat, nun heftige "Turmbauten" links und rechts die Straße säumen, weht es von eben diesen Bauten auf die Straßen, das ergibt dann das neue Problem, das Räumfahrzeuge keinen Platz finden das Zeug mal eben an die Seite zu schieben.....Mein Chef, der auf dem Festland wohnt, bekam auch schon einen Anruf seiner Frau, die HOfeinfahrt wäre zugeweht und ihr Auto steckengeblieben.
    Ich glaub ich fahr gleich schnell nach Hause......;0)))
  3. Hedera schreibt am 13.01.2010 um 16:38 Uhr:Ach so: "klugscheißermodus" an:
    Wir lernen, es heißt Fehmaraner, nicht Fehmarner!!! Wieder was dazugelernt...auch wenns eigentlich egal ist, aber hier weiß man sofort bescheid, wenn jemand nicht von hier ist und fälschlicherweise fehmarner sagt....biste direkt unten durch....nur für den fall, dass es dich mal herverschlägt!!!
  4. AngelInChains schreibt am 13.01.2010 um 22:51 Uhr:Na, aber mit so oberflächlichen Leuten will man doch eh nix zutun haben, oder? Jedenfalls kommen mir Leute nie sympathisch vor, bei denen man wegen ner Formalität "direkt unten durch" ist.

    Vergleichbar: Wenn einer zu mir versehentlich Berlinser statt Berliner sagen würde oder meinentwegen auch Mariendörfler (statt Mariendorfer), dann würd ich mir denken - ist doch egal.
  5. sternenschein schreibt am 14.01.2010 um 02:36 Uhr:@AngelInChains,
    dein Beispiel ist für die heutige Zeit wohl teils bezeichnend.;-)
    Gibt ja auch hier Menschen die 200 Meter zum Bäcker mit dem Auto fahren "müssen".
    Wenn das Auto nicht anspringt gibt es eben keine Brötchen. Und eine Freundin, wie in deinem genannten Fall sowieso nicht.

    @Hedera,
    war zwar erst zweimal auf dieser
    schönen Insel, wäre aber dabei fast dein "Nachbar" geworden. Hätten dann im Sommer im Biergarten der Dorfkneipe sitzen können.;-)

    Wusste garnicht, dass ich dann ein Fehmaraner gewesen wäre.
    Obwohl ich glaube fast man kann es nicht werden, dafür muss man wohl dort geboren sein, oder?

    Hier hatten sie heute übrigens eine Schneefräse eingesetzt. Hatte ich hier noch nie gesehen. Die kommt irgendwie nur sehr langsam vorwärts.. Schmeisst den Schnee ziemlich hoch und der schneidende Wind verteilt ihn dann wieder auf der Strasse, wenn ich mich nicht ganz täusche.


    Hättest ja in deinem Hexen oder Bauchtanzkostüm auf die Strasse in den Schnee gehen können, dann hätte N24 Südstrand Südstrand sein lassen und dich um ein Interview zur aktuellen Schnee und Faschingslage gebeten.
    "Lassen sie mich durch, ich bin Hedera" hätte es aber auch getan.;-)

    Liebe Grüsse
    sternenschein
  6. Yaimm schreibt am 14.01.2010 um 18:11 Uhr:Ich muss immer lachen, wenn ich diese Berichte sehe, denn seltsamerweise schaffen die Reporter es ja auch dahin und auch wieder weg (außer wohl die Tante, die vom Brocken berichtet hat).
    Amüsant schon, aber dadurch wird die Berichterstattung auch immer unglaubwürdiger und man weiß gar nicht mehr, was man überhaupt noch glauben kann...

    Sehr bezeichnend allerdings die Stelle mit dem jungen Mann, dem 800m unüberwindbar scheinen, das ist ja geradezu lächerlich, aber absolut typisch irgendiwe. Kenne leider auch viele solcher Leute.
  7. AngelInChains schreibt am 15.01.2010 um 00:01 Uhr:Na wenns so offensichtlich unglaubwürdig ist, dass Leute anfangen, die Medien zu hinterfragen, dann ist das doch gut... Vielleicht endlich ein Ende des blinden Glaubens.
  8. Hedera schreibt am 15.01.2010 um 15:02 Uhr:
    AngelInChains:Na, aber mit so oberflächlichen Leuten will man doch eh nix zutun haben, oder? Jedenfalls kommen mir Leute nie sympathisch vor, bei denen man wegen ner Formalität "direkt unten durch" ist. Vergleichbar: Wenn einer zu mir versehentlich Berlinser statt Berliner sagen würde oder meinentwegen auch Mariendörfler (statt Mariendorfer), dann würd ich mir denken - ist doch egal.

    natürlich ist das grundsätzlich egal. aber man lächelt und verteilt dennoch kleine verbale spitzen. und wie sternenschein richtig vermutete, werde auch ich nie eine insulanerin reinen blutes, weil ich hier nicht geboren bin, wenn man es genau nimmt, müßte es sogar hier auf der insel selbst sein (derzeit nur bei hausgeburt möglich)aber das, DAS wäre wirklich jetzt Konrinthenkackerei...sozusagen.
  9. AngelInChains schreibt am 15.01.2010 um 18:40 Uhr:Man sucht sich sein Umfeld selbst aus, soweit es geht, und ich kann dazu nur sagen, Leute, die einem aus so einem Schnickschnack einen Strick drehen, auf die haette ich persoenlich ohnehin keine Lust. ;)

    Ist wie mit den Paaren, die sich ueber offene Zahnpastatuben streiten - ich werd nie verstehen koennen, wieso man sich an so einem Fliegenschiss irgendwie stoeren kann, sich damir auch nur beschaeftigen kann. Dazu waer mir mein Leben zu schade. Ob es nun um die Namen von Einwohnern bestimmter Orte geht, oder um offene Zahncremetuben. Dann lieber ne kleine Diskussion ueber die Ausdehnung des Alls oder ueber Quantenmechanik.

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