Gedanken oder Fragen

28.01.2009 um 20:32 Uhr

Komasaufen, Mädchen überholen Jungen

Stimmung: gut

2000 Mädchen und 1800 Jungen, im Alter zwischen 10 und 15 Jahren, wurden im Jahr 2007 mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert.
Damit haben die Mädchen unter 15 Jahren den Jungs beim sogenannten "Komasaufen" den Rang abgelaufen.

Insgesamt wurden 23.165 Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren im Jahr 2007 mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt.
Diese Zahlen gab die Drogenbeauftragte des Bundes, Frau Bätzing heute in Berlin bekannt.
Die Zahlen der Jugendlichen mit Alkoholvergiftung haben sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

Die Drogenbeauftragte machte unter anderem die leichte Verfügbarkeit alkoholischer Getränke, aber auch die Werbung der Getränkeindustrie, die sich teils gezielt an Jugendliche wendet, wie z.B. bei Biermischgetränken, mit für diesen Zuwachs verantwortlich.

Sie regt bundesweite Testkäufe, wie in Niedersachsen üblich , an. Bei diesen Testkäufen kaufen Jugendliche unter Aufsicht der Behörden alkoholische Getränke, um den Ladenbesitzer beim Verstoss gegen das Verbot an Jugendliche Alkohol zu verkaufen, zu überführen.

Erklärt sich der zunehmende Anstieg beim Komasaufen Jugendlicher wirklich mit einer besseren Verfügbarkeit von Alkohol oder einer verstärkten Werbung an Jugendliche?
Oder kann es sein, dass die zunehmende Perspektivlosigkeit, der immer höher werdende Leistungsdruck,die immer weiter eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten der Jugendlichen, aufgrund von Sparmassnahmen, einen grossen Teil der Mitschuld daran tragen?
Weshalb hat der Anteil der Mädchen am Komasaufen so stark zugemommen?

Gesagt werden muss aber auch, dass lange nicht alle Jugendlichen diese Saufgelage und das Komasaufen gutfinden, oder sich an diesen Gelagen beteiligen.
Die die Welt noch mit nüchternen Augen und freiem Kopf sehen wollen. Selbst wenn diese Welt und die Dinge die in ihnen geschehen, nüchtern wohl manchmal nur schwer zu ertragen sein mag.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. AngelInChains schreibt am 28.01.2009 um 21:22 Uhr:Testkaeufe finde ich ein wenig kritisch, weil man sich nicht sicher sein kann, ob die Kinder, man von den Behoerden instrumentalisiert wurden, nicht danach mal versuchen, wirklich fuer sich selbst an Alkohol zu gelangen.

    Und die Ausrede mit den Mix-Getraenken ist auch nur ein Versuch, von wirklichen Problemen abzulenken (und vielleicht, noch mehr Geld mit Zusatzsteuern o.ae. zu verdienen). Auch, wenn Mixe suesser und weniger nach Alkohol schmecken, keiner faengt nur deswegen zu trinken an - da muss sowieso schon der Wille, sich zu betrinken, da sein.

    Ob Alkohol heute leichter zu haben ist, als frueher? Ich wuerde fast das Gegenteil behaupten, denn frueher hatten Verkaeufer keine Angst davor, dass Kinder und Jugendliche sich betrinken und rauchen wuerden, falls sie (vielleicht vorgeblich) vorbeikommen und Zigaretten und Bier kaufen. Jedenfalls gab es sie mal wirklich, die Kinder, die zum Kiosk liefen und Opa eine Schachtel Zigaretten mitbrachten. Und sie haben sie bekommen, weil keiner eben fuerchtete, die koennten es selbst konsumieren. Heute? Undenkbar.

    Alkohol- und Zigarettenwerbung gab es auch schon immer. Mittlerweile wurde die Werbung fuer Zigaretten juristisch sogar weiter eingedaemmt. Wieso ist der Konsum dennoch angestiegen?

    Ich denke, zum einen ist es der Leistungsdruck und die Unzufriedenheit, die immer mehr zunimmt. Zum anderen der Gruppenzwang. Wieso heute mehr Jugendliche sich von Gleichaltrigen unter Druck setzen lassen? Vielleicht, weil es von der Familie keinen Rueckhalt gibt. Da hat man eben nur die "Freunde" und tut, was sie wollen, um dabei sein zu duerfen. Maedchen sind davon natuerlich nicht ausgenommen.

    Wo die Freizeitgestaltungsmoeglichkeiten abgenommen haben sollen, sehe ich aber uebrigens nicht. Eher ist es doch wohl so, dass viele heute gar nicht mehr wissen, was sie mir ihrer Freizeit anfangen sollten. Nicht, weil Moeglichkeiten fehlen, sondern die Kreativitaet, die Ideen, das Interesse.
  2. Zebulon schreibt am 28.01.2009 um 21:46 Uhr:Deutschland, deine Blagen!
  3. 1mishou schreibt am 29.01.2009 um 00:42 Uhr:Hm, das ist die andere Seite, der Emanzipation. Kann im nächsten Jahr schon wieder umgekehrt sein. Ich erschrecke mich auch immer, wenn ich Kinder seh, die sich zusaufen. Als ich Silvester in Hamburg war, da war es wirklich saukalt. Auf der großen Freiheit stand ein Teeniemädel nur mit Neckholdershirt und Mini bekleidet auf der Gasse und wurde von ihrem Begleiter gestützt, weil sie nicht mehr gerade gehen konnte. In dieser Nacht ist in einem Hamburger Stadtteil auch ein Jugendlicher erfroren, weil er stockbesoffen heimlaufen wollte, in ein Gebüsch gefallen ist und eingeschlafen ist. Das finde ich sowas von traurig. Seine Eltern werden ihres Lebens nicht mehr froh und er hat nichtmal was davon mitbekommen!
  4. sternenschein schreibt am 29.01.2009 um 06:22 Uhr:@AngelInChains,
    diese Testkäufe sehe ich auch kritisch.
    Es stimmt, früher wurden die Kinder, auch wenn sie noch klein waren, oftmals Zigaretten und wohl auch Bier holen geschickt.
    Da krähte kein Hahn nach.
    Hätten sie es füe sich selbst gekauft, keiner hätte es bemerkt.
    Also war der Zugang zu diesen Dingen wesentlich einfacher als heute.
    In den Gaststätte durfte allerdings, auch damals schon kein Alkohol an Jugendliche unter 16 Jahren ausgeschenkt werden.
    Also kann es an den Beschaffungsmöglichkeiten nicht liegen.
    Freizeitangebote werden, wie ich finde aber doch eingeschränkt aufgrund derStreichung von Geldern und anderen Prioritäten.
    Das geht von der Schliessung von Schwimmbädern, über Bibliotheksschliessungen, Häuser der Jugend die dichtgemacht werden bis hin zu mangelnden oder weniger werdenden Spielplätzen.
    Von den, für viele Kinder und Jugendliche kaum aufzubringenden Eintrittspreisen ganz zu schweigen.
    Selbst die Fahrten in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln sind zu teuer.
    @Zebulon,
    ein wenig mehr sollte man schon für die "Blagen" machen.
    Für den Preis einer Fahrkarte können sie sich ja heute schon fast ins Koma saufen.
    @1Mishou,
    eine erschreckende Geschichte. Vielleicht hat die Emanzipation damit zu tun.
    Glaube ich aber nicht so ganz.
    Es kann ja auch mal passieren, dass ein Jugendlicher aufgrund Unkenntnis zuviel trinkt. Mehr als er abkann und dann daraus lernt. Aber dieses gezielte Komasaufen, wie es ja selbst von den Jugendlichen genannt wird, als Freizeitbeschäftihung anzusehen ist ja doch eine andere Qualität.
    Liebe Grüsse
    sternenschein
  5. AngelInChains schreibt am 29.01.2009 um 18:18 Uhr:"Das geht von der Schliessung von Schwimmbädern, über Bibliotheksschliessungen, Häuser der Jugend die dichtgemacht werden bis hin zu mangelnden oder weniger werdenden Spielplätzen."

    Naja, wenn ich das mal anhand der Verhaeltnisse hier in B. kommentieren woellte... Spielplaetze gibts hier sehr viele. Da sitzen die Jugendlichen eben herum und betrinken sich. Bibliotheken sind sowieso mal ganz "uncool", da koennte es hunderte gehen und diese Leute wuerden sie nicht aufsuchen. Jugendclubs werden zwar dicht gemacht, das stimmt, aber als ich das letzte Mal in einem war, wurde da auch nur dumm gepoebelt (da haette man sich gleich auf die Strasse setzen koennen), und die, die "Verbotenes" machen wollten (heimlich rauchen, trinken, etc) sind nicht hingegangen, weil sie dort beaufsichtigt waren, was sich natuerlich nicht zum heimlichen Trinken eignet. Wie es mit Schwimmbaedern aussieht, weiss ich allerdings nicht. Mir erscheint es aber trotzdem eher so, dass die Jugendlichen sich nicht mangels Alternativen, sondern ganz bewusst trotz dieser betrinken. Sie betrinken sich nicht aus Langeweile, sondern, um als "cool" zu gelten ("weil das alle machen") oder eben, um ihre Probleme zu vergessen. Bei Familienproblemen hilft auch kein Schwimmbad.

    "Von den, für viele Kinder und Jugendliche kaum aufzubringenden Eintrittspreisen ganz zu schweigen."

    Das ist tatsaechlich uebel. Zum Beispiel fuer mich, weil ich Interesse an einigen eintrittspflichtigen Orten habe. Aber haben die, die sich betrinken, das? Wobei ich mich dann auch frage, wo das Geld der Jugendlichen fuer den Alkohol herkommt? Fuer den Preis einer Flasche Vodka kann man weiss ich wo hinein. Und die, die sich in Discos betrinken, zahlen ja auch so einiges fuer den Alkohol dort, Flatrates hin oder her. Ich hoere von Jugendlichen, die an einem Abend am Wochenende 50 Euro und mehr vertrinken. Und an Kleidung muessen es auch immer "Markenklamotten" sein. An Geld kanns da doch wohl nicht mangeln, oder?

    "Selbst die Fahrten in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln sind zu teuer."

    Das stimmt, aber da der Grossteil der Jugendlichen hier zur Schule oder Ausbildungsstelle fahren muss, haben zumindest die, die keinen Fuehrerschein haben, sowieso ein Monatsticket.

    Ich weiss natuerlich nicht, wie es in anderen Staedten (gerade kleineren) aussieht; ich aeussere mich hier wohlgemerkt nur fuer B. und die Leute hier. Aber zumindest hier habe ich wirklich den Eindruck, es wird nicht aus Langeweile getrunken, weil sonst keine Unternehmungen moeglich sind, sondern sehr gezielt und bewusst, weil man sich dafuer entschlossen hat.
  6. Ford_Prefect schreibt am 30.01.2009 um 02:26 Uhr:Mädchen haben einen Vorteil: sie sind (meist) leichter.
    Also leicht Mädchen und schwere Jungs. Gib einer 70 Kilo Person die gleiche Menge Alkohol wie einer 48 Kilogramm schweren Person.

    Davon abgesehen sauf ich auch nur um wieder Kind zu sein und mich meiner Verantwortungen zu entledigen.

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