Gedanken oder Fragen

29.08.2010 um 17:24 Uhr

Lebensverhinderungsanstalten

Manchmal frage ich mich, ob unsere Schulen
Lebensverhinderungsanstalten sind.
Immer mehr Schüler leiden unter psychischen Erkrankungen heisst es.
Trägt dazu auch die Schule bei?
Beinahe jedes Kind freut sich darauf "endlich" zur Schule gehen zu dürfen. Will etwas lernen.
Doch wie schnell verpufft diese Freude am lernen im grauen Schulalltag. In dem ganzen Regelwerken der Kultusministerkonferenzen.

Wieviel Individualität wird dort zerstört, wieviel Angepasstheit gefördert, um den jungen Menschen fit zu machen, für das Arbeitsleben, für die Wirtschaft.
Fit für das Leben?

Klar, es ist gut dass wir lernen dürfen, uns Wissen aneignen können.
Es ist gut auf Wissen begierig zu sein. Da sollte diese Wissensgier gefördert werden und nicht zunichtegemacht werden.

Unsere Schüler müssen und sollen noch viel lernen, aber wichtiger noch, auch die Schulen, der allgemeine Schulbetrieb sollte dazulernen.
Es gibt wohl noch vieles zu lernen um eine bessere Schule für alle zu gestalten.
Vielleicht sollten auch Schulen und die Lehrer von den Schülern und Eltern benotet werden.
Und bei einer 5 = mangelhaft, nicht versetzt werden.;-)

Siehe dazu auch

MariaHilf's Eintrag über Schule und Erziehung

.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Rabenmutter schreibt am 29.08.2010 um 17:42 Uhr:Ach, das ist wohl schwer am einzelnen Lehrer festzumachen - das eine Kind kommt mit ihm klar, das andere nicht - oder umgekehrt...
    Bestimmt ist es auch schwierig, alle Kinder der unterschiedlichen Wissensstufen unter einen Hut zu bekommen. Dennoch werd ich das Gefühl nicht los, dass Schule den Kindern immer mehr den Wissensdurst nimmt statt stillt oder fördert, es geht mehr nur um Konkurrenzklampf und nicht um Miteinender (bei uns gab es Lernpatenschaften von guten Schülern für solche, denen es schwer fiel).
    Man konnte früehr keien Fächer abwählen - heutzutage machen es sich manche Lehrer recht einfach, wenn ein Schüler irgendwo Schwächen hat, heißt es schnell. "Er soll auf die und die Schule gehen, dort kann er das Fach abwählen!" Halloooo????!
  2. Nasoetwas schreibt am 29.08.2010 um 17:43 Uhr:Die Idee hat was.

    Letztendlich ist es ja ein Gesamtgesellschaftliches Problem.
    In MV spielt die Alterstruktur eine erhebliche Rolle, denke ich.

    LG
    nasoetwas
  3. Rabenmutter schreibt am 29.08.2010 um 17:46 Uhr:Mir fällt allerdings gleich nochwas ein... Mein Sohn hat in der Schuel das Fach "Hauswirtschaft". Ich stellte mir nun vor, da lernt man z.B. Kochen, Haushalt führen, Finanzplanung und so was.
    Aber ich wurde aufgeklärt: Man lernt da zum Beispiel, wie man einen Hartz IV Antrag ausfüllt. Oder wie man als 4-Köpfige Familie eine 2-Raum-Wohnung optimal ausnutzen kann. Die Vorberetung aufs wahre Leben halt...
  4. AngelInChains schreibt am 29.08.2010 um 18:01 Uhr:Ich wär froh, hätte man uns gelehrt, wie man nen H4-Antrag ausfällt oder wie man ne winzige Wohnung nutzt. Das blüht einem nämlich in manchen Regionen recht sicher, wo man mit nem 1er-Abi keinen Studienplatz bekommt und auch Probleme hat, ne Ausbildungsstelle zu bekommen, weil alles gnadenlos überlaufen ist. So zynisch das klingt, solche Infos hätten im Gegensatz zu irgendwelchen "Wie nähe ich eine Hose um"-Kursen wirklich geholfen...

    Wobei ich sagen würde, das Schlimmste an Schulen sind nicht unfähige Lehrer, sondern gewalttätige Mitschüler. Was ich da mitbekomme, was da mittlerweile selbst auf Gymnasien abläuft - das ist übel. Da hätte als Schüler mehr Angst vor, als vor nem Lehrer, der schlecht erklären kann.
  5. Nasoetwas schreibt am 29.08.2010 um 18:25 Uhr:ja, da sind wir wieder bei einem (von vielen) gesamtgesellschaftlichen Problem.

    Die Hemmschwellen werden immer geringer. Antiautoritäre Erziehung wird falsch verstanden. Die Lehrer bzw. Erwachsenen verlieren ihre Autorität. Wie man sich durchsetzt wird in Kriminalfilmen und über die Medien vermittelt.
    Regeln fehlen oder werden inkonsequent durchgesetzt.

    Und- nicht selten habe ich schon erlebt, dass Lehrer selbst nicht das vorleben was sie den Kindern vermitteln wollen. Kinder sind gute Beobachter und bewerten die Lehrer.

    Letztendlich sollen Kinder aber zu Hause erzogen werden und nicht in der Schule. Damit kommen wir automatisch wieder zu einem gesellschaftlichen Problem.

    Kinder können nur in einem gut funktionierenden Staat, dazu gehören: gut organisierte Bildungseinrichtungen, gut ausgebildete Lehrer, ein gutes soziales Umfeld. Arbeit für alle!

    Ich hör jetzt auf! Macht Ihr weiter!
  6. aenne schreibt am 29.08.2010 um 18:27 Uhr:Ich denke, im Grunde ist alles irgendwo ein Teufelskreis, nur leider muß wie überall das schwächste Glied in der Kette - in dem Fall die Schüler, unsere Kinder alles ausbaden. Egal, ob es um überlastete oder unfähige Lehrer geht, Stundenausfälle, Gewalt an den Schulen, mangelhafte Lehrmittel, nicht motivierte Kinder, die den Unterricht stören oder gar manchmal unmöglich machen.... Der Kern der Problematik liegt letztlich, so meine Meinung, in unserem Bildungssystem, im gesellschaftlichen und familiären Ansatz für die Erziehung unserer Kinder. Solang das materielle Gut oder auch das eigne Ego höher bewertet wird und wir mehr Anstrengungen hierfür investieren, als um uns darum zu kümmern, dass die wirklichen Schutzbedürftigen in unsere Gesellschaft und in den Familien die Aufmerksamkeit und Zuwendung erhalten, wird sich nichts ändern. Das würde nämlich bedeuten, dass die Prioritäten sich ändern müßten.
  7. Rabenmutter schreibt am 29.08.2010 um 21:51 Uhr:Oh - ich habe nichts dagegen, dass man in der Schule lernt, Anträge auszufüllen oder so - aber was hat das mit "Hauswirtschaft" zu tun???
    Ich hätte gern gelenrt, wie man eine Hose kürzt oder würde es begrüßen, wenn meine Kinder lernen würden, wie man eine flickt - dann würden sie vielleicht nicht so viel kaputt machen... ;-)

    Nun, was beim Bildungssystem einfach alles zusammen kommt - mangelnde finazielle Mittel, unmotivierte Lehrer, möglicherweise auch nicht genügend ausgebildete Lehrer, unmotivierte, konsumorientierte Schüler...

    Und diejenigen Lehrer, die noch mit Leib und Seele welche sind (oder waren), sind in psychiologischer Behandlung - meine Therapiegruppe bestand zu 2/3 aus solchen... (und zur Reha waren's, glaub ich, sogar an die 50 %).
  8. ShaBuSha schreibt am 29.08.2010 um 23:02 Uhr:Hey

    dein eintrag stimmt mich traurig.
    Weil ich auf meine eigene Schulzeit erinnere.
    Da haben meine probleme angefangen
    mit denen ic hheute noch zu tun habe...

    Mein Therapeut sagte in etwa das gleiche wie der eintrag,
    in der schul wirds immer mehr "psycho",
    man wird schnell abgestempelt und der druck
    macht es auch nicht leichter...
    lg
    Shabusha
  9. Hedera schreibt am 30.08.2010 um 11:43 Uhr:Jede Medaille hat zwei Seiten, so gibt es mit Sicherheit mehr als eine Geschichte über Schüler, die den Lehrern das Leben schwer machen, deren anfänglichen Elan im Laufe der Zeit zerstören etc...aber es gibt halt eben auch die Lehrer, die anscheinend den falschen Beruf ergriffen haben, die Kinder beleidigen und denen kaum beizukommen ist - so geschehen auf der Schule hier und berichtet von diversen Eltern. Nun hat man aber als Eltern den Eindruck, das dem schwer beizukommen ist. Wer glaubt den Kindern, die von Beleidungen und Demütigungen berichten, die mit Magenschmerzen zur Schule gehen, deren Leistungen schlecht benotet werden...manche Mütter trauen sich, aber auch mit mäßigem Erfolg (im Endeffekt wurde das Kind in eine andere Klasse gesteckt), wieder andere (Freundin von mir) traut sich nicht den Lehrern paroli zu bieten und so leidet ihr Sohn und wünscht mittlerweile zu seinem Vater zu ziehen, da er solche Probleme hat....Eine Krähe hackt der anderen nun mal kein Auge aus....
    Der Lehrer meiner Tochter war sogar stllv. Rektor, hat keinen Bock zu unterrichten und lieferte nur vorbildlichen Unterricht ab, wenn ein Elternteil (nach natürlich langer Voranmeldungszeit!) seinem Unterricht beiwohnte. Ansonsten interessierte ihn eigentlich nichts. DIesem Mathelehrer war mein Kind jahrelang ausgesetzt, so dass ihr Problemfach für immer Mathe sein wird. Vielen Dank! Kein Elternteil wollte diesen Lehrer bei seinem Kind im Unterricht wissen..irgendwer bekam ihn aber doch immer ab. Da hieß es nur auf seine Berentung hoffen.....das ist ein Teil der anderen Seite der Medaille........
  10. AngelInChains schreibt am 30.08.2010 um 15:57 Uhr:Letztendlich frage ich mich aber gerade, ob man, so absurd es vielleicht auf den ersten Blick klingen mag, Schule nicht für das weitere Leben manchmal ein wenig überbewertet. Klar, der Abschluss kann bei der Berufswahl sehr entscheidend sein. Schweres Mobbing während der Schulzeit kann zu andauernden psychischen Krankheitn führen. Nur wnn ich an mein eigenes Leben denk, irgendwie merk ich, dass von der Schule aktuell nichts mehr zählt. Mit meinem Abi bin ich an meine Uni gekommen, und jetzt interessierts kein Schwein mehr, was mal in Sachen Schule war.

    Viel Unterrichtsstoff, zB aus Physik, Chemie, Biologie (obwohl mir zumindest Bio schon Spaß machte, immerhin), brauche ich nie mehr im Leben. Wann muss ich im Alltag die Beschleunigungsgeschwindigkeit von was ausrechnen, oder wissen, was für Chemiekalienmischungen endotherm oder exotherm ablaufen? Wozu muss ich noch alle Teile meines Innenohrs auf einem Schaubild benamen können? Mit dem Innenleben von Ohren werde ich, wenn ich nicht gerade Ohrenarzt werde, wohl eher nur zutun haben, wenn ich selbst Probleme mit den Ohren bekomme, und dann gehe ich zum Arzt und der schaut sich das da, ohne dass ich da noch viel wissen muss.

    Soll heißen (abgesehen davon, dass Unterricht gern lebensnäher sein könnte, aber dann könnte man zum Teil ja nach den 4 Grundrechenarten schon aufhören *hust* und selbst für die gibts Taschenrechner ;) ), dass ich von meiner Schule in meinem derzeitigen Leben keinerlei Einfluss spüre. Natürlich werden die Begegnungen dort mich geprägt haben, wie alles im Leben, und ich werde sicher Einflüsse aus der Schulzeit bzw dem dort Erlebten haben. Nur viel an die Schule muss ich direkt kaum denken, es gibt im Alltag keinen Anlass dazu.

    Also kann man Schulen gleich als "Lebensverhinderunganstalten" hinstellen? Das heißt so, als sei nach dem Schulbesuch bis ans Lebensende alles versaut. Das kann ich halt so nicht bestätigen. Ich wurde an der Grundschule 6 Jahre gemobbt (hier im Bundesland waren es, leider, regulär 6 Jahre Grundschulzeit), und danach hab ich bloß gedacht, ein Glück bin ich die Deppen los. Am Gymnasium gabs keine Gewalt mehr, aber zum Teil nervige unfähige Lehrer. Aber auch da wars mit dem Abi halt gelaufen: Die Leute seh ich nie mehr wieder, also was solls? Das bisherige Leben ist zumindest auf schulischer Ebene vorbei, das ganze Leben steht einem mit Neuem offen. Einige Jahre "schlechte" Schule müssen einem nicht das ganze Leben versauen.
  11. ameamagao schreibt am 30.08.2010 um 23:58 Uhr:Ich denke bei dem Thema an die schönen Gedanken von Andreas Dörpinghaus. Er hat sich (und tut es immernoch) mit dem Thema "Zeit und Bildung" beschäftigt. Zeitpraktiken, "wie viel Zeit braucht Bildung", etc. pp. Ganz grob zusammen gefasst: Schule verhindert Bildung, da sie den Schülern dafür keine Zeit lässt.
    (Er unterscheidet zwischen Wissen, Ausbildung und Bildung.)
  12. Sandsturm schreibt am 01.09.2010 um 14:27 Uhr:Ich finde du hast Recht. Bei vielen verpufft die Freude am Lernen und ich muss zugeben: Obwohl ich in der Schule ziemlich gut bin und auf vielen themen sehr wissbegierig, gehe auch ich nicht immer gerne zur Schule. Das Problem ist schnell in einen Alltagstrott zu fallen der einen psychisch eher runterzieht. Man hat keine Lust mehr auf Schule. Dazu kommt auch das Umfeld zu Hause, dass besonders im Teenageralter einem zu schaffen macht. Und wenn man dann sowieso nicht gerne zur Schule geht, ist das Fass voll.

    Ein weiterer Punkt ist die Invididualität. Es ist mir bewusst, dass ein Schüler der von Natur aus frech ist sich im Unterricht zusammen nehmen sollte wie jeder andere. Dem ist nichts auszusetzen. Respekt und gewisse Regeln sind nun eben nötig, aber bei solchen Details wie z.B: Wie halte ich einen Spitzer, wie eine schere, wie ein Bleistift, wie radiere ich, wie sieht meine Schrift aus... Es ist klar, dass die Schrift oder Darstellung nicht aussehen sollte wie Sau. Das natürlich nicht, aber die Anweisungen wie man nun beispielsweise den a machen sollte, (breiter, schmaler, etc.) ist völlig überflüssig! So geht ein Stück Invidualität verloren. Und früher in der 1.Klasse, da macht einem das noch nichts aus. Man begreift es ja logischerweise noch nicht, doch später, in der 6.Klasse oder der 7. oder 8. da wird einem das wohl bewusst. Mir zumindest.

    Und das finde ich schade...
  13. AngelInChains schreibt am 01.09.2010 um 16:56 Uhr:...und ich habe es nie erlebt, dass man in der Schule irgendwie versucht hätte, uns solche irrelevanten Dinge wie die Kipprichtung der Handschrift vorzuschreiben. Klar, in der 1. Klasse hat mans den Kindern beigebracht, wie ein Buchstabe aussieht. Wie sollen sie sonst schreiben lernen? Aber schon ab spätestens der 3. Klasse war es herzlich egal, wie die Schrift aussah, hauptsache, man konnte sie lesen.

    Das einzige, wo mir sowas mal untergekommen ist, dass man zwangshaft etwas Unsinniges normieren wollte, war, dass meine eine Kunstlehrerin mir mal eine schlechte Note gab, mit der Begründung "Das Bild sieht sehr gut aus, aber Sie haben den Pinsel nicht korrekt im Winkel von x Grad zum Papier gehalten, daher kann ich Ihnen nichts Besseres als eine 3 geben". Da hab ich erst gedacht, um ganz ehrlich zu sein, "Ist die Kuh jetzt völlig bekloppt?". Geantwortet habe ich: "Sind Sie sich sicher, dass es darauf ankommt und nicht auf das Resultat?" worauf sich eine längere Diskussion ergab, mit dem Schluss, dass sie als Lehrerin natürlich am längeren Hebel saß. Da war die Lösung dann aber auch: "Egal, in einem oder zwei Jahren seh ich die nie wieder, sch..ß drauf."

    Das war auch immer meine Attitüde, wenn Lehrer meinten, eine einseitige politische Meinung darzustellen, nämlich ihre eigene. Es hat mich nie interessiert, ich hab weiter mein Ding gemacht. Und wer das nicht tut, nunja, es mag hart klingen, aber ist das nicht jedem selbst überlassen, ob er seinen Weg gehen kann oder ob er sich so leicht beeinflussen lässt, von dem, was irgendein Lehrer ihm weißmachen will?
  14. Sandsturm schreibt am 01.09.2010 um 17:06 Uhr:@AngelInChains: Mir ist auch klar, dass man in der 1.Klasse zurechtgewiesen wird wenn man beispielsweise ein a statt ein u macht, oder das o wie ei e aussieht. Aber bei uns haben sie unseren Schreibstil bis in die 6.Klasse unter die Lupe genommen und kritisiert. Das ergab dann auch eine Schriftnote.

    Und ehrlich gesagt, interessiert es mich auch nicht wirklich was die Lehrer über meine Schrift denken, doch gewissen Leuten setzt das zu. Sie können mit dem nicht umgehen und gehen entweder auf Konfrontation oder Depression. Da man als Schüler bei Kofrontation sowieso den Kürzeren zieht und bei Depression es einem sch...sse geht, ist beides nicht gerade toll.
  15. AngelInChains schreibt am 01.09.2010 um 18:04 Uhr:Dass man das bei euch bis in die 6. Klasse so pingelig sah, ist natürlich blödsinnig. Aber kann man wegen einiger daneben liegender Schulen gleich alle Schulen als "Lebensverhinderungsanstalten" und schlecht darstellen? Darum ging es mir. Es gibt durchaus gute Schulen.

    Dass schlechte Noten Schüler sehr mitnehmen können, oder unnötiger Tadel, ist natürlich auch wahr. Aber auch da stellt sich irgendwie die Frage: Darf man jegliche Kritik von Menschen fern halten, nur, weil sie darüber unglücklich werden könnten? Sollte man Menschen nicht eher irgendwie beibringen, dass Kritik im Leben nunmal auch notwendig ist, aber dass es Wege gibt, damit zu leben? Fakt ist, früher oder später bekommt jeder mal im Leben irgendwie Kritik oder durchlebt eine unglücklichere Zeit. Man kann nicht alles Übel von Menschen fernhalten. Man sollte also eher, ja, lernen, mit unangenehmen Dingen fertig zu werden. Dann isses auch nicht schlimm, wenn ein Lehrer lächerlicherweise über linksgekippte Schrift oder was auch immer motzt.
  16. ameamagao schreibt am 01.09.2010 um 21:22 Uhr:"Aber kann man wegen einiger daneben liegender Schulen gleich alle Schulen als "Lebensverhinderungsanstalten" und schlecht darstellen?"

    Hm, kommt drauf an, wie man "Leben" definiert, denke ich... Ich bin grad an dem Satz von dir hängen geblieben und schreib mal frei heraus meine Gedanken auf.

    Wenn "leben" "existieren" meint - also wissen/fähig sein, in der Welt zu leben - dann verhindert die Schule das nicht.
    Wenn "leben" auch eine Sorge um sich beinhaltet, würde ich schon - bedingt! - sagen, dass Schule leben verhindert. Ich hab zumindest nie in der Schule gelernt, auf mich zu achten, zu schaun, was mir gut tut oder nicht, welches Tempo ich habe/brauche etc. Da war es primär "Abfertigung" des Lehrstoffes (den Lehrern schieb ich dabei keine Schuld zu, was sollen sie schon anderes machen bei einem vollen Stundenplan?) und damit auch in gewisser Weise "Abfertigung" der Schüler (krasser ausgedrückt als gemeint).
    Ich folge dem Gedanken noch, "fertig" oder "perfekt" ist er gewiss nicht, aber ich denke, es lohnt sich, über "Lebensverhinderungsanstalten" nachzudenken und die Aspekte zu beleuchten; gerade auch mit dem G8, das den Kids wohl sehr viel abverlangt. Ich frage mich, was Schulen leisten sollten - und ganz ehrlich, ich finde keine Antwort darauf. Was genau ist der Sinn von Schule, was gehört alles dazu und was nicht? Und wie geht das? Ich weiß es nicht.

    Wie gesagt - spontane Gedanken, von denen ich nicht sage, dass sie stimmen oder perfekt sind.
  17. AngelInChains schreibt am 01.09.2010 um 22:42 Uhr:Gut, Schule lehrt einem nicht, sich um sich selbst zu sorgen, schreibst du. Sehe ich auch so (wobei ich mich frage, ob das Aufgabe einer Schule ist, die Lehrstoff vermittelt - sollten sich nicht lieber Verwandte und Freunde darum kümmert?).

    Aber wo liegt da die VERHINDERUNG? Nur, weil die Schule etwas nicht lehrt, heißt es nicht, dass sie es verhindert. Ein Kochkurs verhindert ja nicht, dass ich Altgriechisch lerne, nur, weil es darin um das Kochen geht und nicht um tote Sprachen ;)
  18. ameamagao schreibt am 01.09.2010 um 22:59 Uhr:Das wäre eben die Frage - ist das die Aufgabe einer Schule? Ich hab mal was Schönes gelesen über das antike Griechenland. Sokrates stellte Alkibiades, der ein Staatsdiener werden wollte, die rhetorische Frage, wie er sich um ein Volk sorgen wolle (im Sinne von "um etwas kümmern"), wenn er sich nichtmal um sich selbst sorgen könne... Ich glaube, es ist eher eine Haltung. Zumindest gerade von meinem Gefühl her. Eine gewisse Achtsamkeit für sich selbst, die eigene Gedankenwelt, die in der Schule eigentlichnicht möglich ist.
    Geht es in der Schule um die Vermittlung von Lehrstoff? Nicht nur, denke ich, nein... Zumindest für mich sollte es nicht nur darum gehen. Auch, natürlich - aber nicht nur. Kann es noch nicht ganz in Worte fassen, werde weiter suchen.

    Vielleicht lehrt die Schule das Gegenteil von "der Sorge um sich", der "Achtsamkeit für sich", weil man nicht sein eigenes Tempo finden kann, weil man kaum eigenen Gedanken hinterher gehen kann, weil man kaum Zeit findet, Gedanken fliegen zu lassen - weil es mehr eine Wissens-Abfertigung ist. Ich muss nochmal nachlesen, wie es in der Antike mit der "Sorge um sich" war.. Vielleicht kann ich dann etwas Sinnvolleres schreiben *lach*.
  19. AngelInChains schreibt am 01.09.2010 um 23:13 Uhr:
    ameamagao:Eine gewisse Achtsamkeit für sich selbst, die eigene Gedankenwelt, die in der Schule eigentlichnicht möglich ist.


    Das eben habe ich in meiner Schulzeit kein bisschen so empfunden. Da gab es immer zwei Teile: Die Lehrer und ihr Kram, und gleichzeitig ich mit meinem. Ich habe zB neben dem Unterricht gezeichnet. Bisschen Zeit für seinen eigenen Willen hat man immer - wenn man sie sich nimmt.

    Auch muss man sich nicht um sich selbst kümmern können, um anderen Menschen eine Hilfe sein zu können. Glücklicherweise.

    Und zum Glück gibt es ein Leben neben der Schule - das ALLES ausgleichen kann. Daher meine ich, kann die Schule nichts verhindern. Alles lässt sich neben der Schule nachholen.
  20. ameamagao schreibt am 02.09.2010 um 15:25 Uhr:Natürlich, neben der Schule kann man viel nachholen. Man kann sich seine Zeit in der Schule nehmen, indem man einfach malt etc. Ein Leben konkret verhindern würde sie nur, wenn sie den Menschen umbringt.
    Und dennoch finde ich Schule, wie sie derzeit läuft, einfach nicht okay. Sie könnte "mehr" sein, nicht nur zur Wissensabfertigung dienen. Sie bringt keinen um, nein. Aber ihren aktuellen "Auftrag" (Wissen vermitteln, bereit für den Berufmarkt machen) stellt mich nicht zufrieden.

    Und vielleicht muss man manchmal krasse Bezeichnungen wählen (Lebensverhinderungsanstalt), damit darüber geredet und hinterfragt wird.
  21. AngelInChains schreibt am 02.09.2010 um 18:35 Uhr:Hinterfragt wird schon ne Menge - sonst gäbe es nicht jedes Jahr mindestens eine Schulreform (die meist alles noch schlimmer macht).
  22. Rabenmutter schreibt am 02.09.2010 um 22:31 Uhr:Hatte zur Grundlegnden Frage gestern ien interessants Erlbenis.
    Elternabend bei meiner Tochter.
    Andere Eltern "beschweren" sich über die neue Mathelehrerin, sie würde nicht gut erklären, die Kinder würden es nicht verstehen, und die Tafelbilder wären unvollständig.
    Ich frage natürlich sofort meine Tochter. (Ohne ihr von den Worten der anderen Eltern zu erzählen. Ich hab nur gefragt, wie die neue Mathelehrerin denn so ist.) Und bekomme zu hören: "Mama, die Frau ist super! Die kann alles sooo geduldig und gut erklären! Und tolle Tafelbilder macht sie!!!"
    Also - alles eine Frage des Betrachters!

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