Gedanken oder Fragen

24.07.2010 um 19:46 Uhr

Loveparade Duisburg, noch wird gefeiert, 18 Tote

Trauer in NRW und anderswo.
18 Tote bei der Loveparade in Duisburg.


Sie wollten feiern. Sie wollten Spass haben und lustig sein.

Bei einer Massenpanik, in einem Tunnel einer Zuwegung zum Festgelände auf dem Duisburger alten Güterbahngelände, wurden 18 Menschen totgetrampelt und etwa 150 verletzt.

1,4 Millionen Menschen wollten die Loveparade erleben. Vielleicht zu viele für dieses Gelände welches nicht für so viele Menschen ausgelegt ist.

Bei dem Gedränge in dem Tunnel drückten die auf das Festgelände wollenden nachströmenden Menschen so sehr, dass es zu einer Massenpanik kam, in der etliche Menschen zu Boden fielen, von den nachrückenden zu Tode getrampelt oder teils schwer verletzt wurden.

Die Bässe wummerten während der Rettungsarbeiten weiter. Polizei und Veranstalter beschlossen die Feier weitergehen zu lassen, damit der Menge der sich auf dem Festgelände befindlichen Menschen nicht noch zu einer zweiten Massenpanik beim verlassen des Geländes kommen könnte.

Bahnhöfe und Autobahnen wurden teilweise gesperrt, um eine geordnete Abreise und Versorgung der Verletzten sicherzustellen.

Sie wollten doch nur feiern und jetzt so etwas.
Zahlreiche Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder, hoffen ihnen sei nichts passiert auf dieser Loveparade.

Die Polizei hat ein Notfalltelefon unter der Nummer
0203 94000
eingerichtet.

Mich schockiert es einfach, dass Menschen bei solchen Gelegenheiten/ Paniken von anderen, die kopflos werden, einfach zu Tode getrampelt werden.
Und dabei sollte es doch ein unvergessliches Erlebnis für die Teilnehmer sein. Eine Loveparade die die Veranstaltungen der Loveparade damals in Berlin noch in den Schatten stellen sollte.
Gestern noch machten sich viele Teilnehmer Gedanken, wie sie sich kleiden sollten. zu diesem Anlass.
Morgen werden sie Trauer tragen und mit ihnen NRW.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. ameparia schreibt am 24.07.2010 um 19:54 Uhr:Es ist - gerade was die Masse und den Ort angeht - nicht das Gleiche, aber mir fiel das eben dazu ein: wenn man auf einem Punk- oder Metal-Konzert umfällt, steht man schon wieder, bevor man den Boden berührt hat (vielleicht ist das bei anderen Konzerten auch so, keine Ahnung, war bisher nur bei Punk- und Metal-Veranstaltungen). Ich bin ein mal im Pogokessel hingefallen, aber sofort haben die, die es gesehen haben, die anderen angehalten, mir aufgeholfen, und erst dann ging's weiter.
    Keine Ahnung, woran das liegt - an der Masse, der Panik, den Menschen, keine Ahnung. Ich wünschte aber, es wäre auf der Loveparade auch so wie auf den Konzerten, bei denen ich bisher war - dass man sich gegenseitig hilft und aufeinander acht gibt beim Feiern, selbst wenn ne Panik ausbricht... Das sagen die Toten Hosen, seitdem auf ihrem 1000. Konzert ein Mädchen starb, immer wieder: wenn was ist, gebt uns ein Zeichen. Wir hören sofort auf, bis die Situation okay ist. Achtet aufeinander, wir wollen zusammen einen tollen Abend ohne Verletzte haben.
  2. Yaimm schreibt am 24.07.2010 um 21:37 Uhr:Stimmt mit den Hosen, sie hören auf, sobald sie bemerken, daß was nicht okay ist.

    Was die Love Parade betrifft... Hab es den ganzen Abend verfolgt und es macht mich wirklich einfach sprachlos.
  3. aenne schreibt am 24.07.2010 um 22:30 Uhr:Für mich ist es immer wieder erschreckend, wie dicht doch Freud und Leid bei einander liegen können. Und der Gedanke, dass diese 15 Menschen tot getrampelt wurden, ist gruslig und macht mich fassungslos.
  4. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 00:04 Uhr:Also meine Erfahrungen (Konzerte ausm Metal-Bereich und derartige Festivals, sowie Mittelalterfeste mit Konzertprogramm) sind wie die von ameparia. Man bekommt sofort aufgeholfen. Dass das nicht überall und immer klappt, ist traurig.

    Und irgendwie befremdlich, wie Menschen so drängeln können, dass sie einfach andere Menschen tottreten. Zum Teil ja auch schon ohne Panikanfälle.
  5. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 09:21 Uhr:Also ich stell mir das so vor, dass die hinteren Menschen, die nicht wussten was weiter vorne abging vielleicht drückten und die weiter vorne so nicht anders konnten als weitergehen. Weiß nicht. In so einer Masse ist man manchmal ziemlich ausgeliefert, je nachdem, wo sie einen hintreibt, so meine Erfahrung.
  6. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 17:35 Uhr:Aber wieso drückt man überhaupt? Wieso drängelt man? Wenn man sieht, es geht nicht weiter, bleibt man stehen und wartet, BIS es weitergeht - sollte man meinen. An ner Kasse im Supermarkt zB wird ja auch nicht von hinten geschoben.

    Es gibt so viele Veranstaltungen, bei denen viele Menschen sind und wo man nur eine kleine Tür als Ein-/Ausgang hat. zB Kino, Oper, Theater, usw. Ich habe da noch von keinen Tottrampelungen gehört.

    Also wieso funktioniert es bei einigen Veranstaltungen, bei anderen nicht? Liegt es an der Sauferei? An der größeren Menschenmasse?
  7. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 18:23 Uhr:Ja, ich denk es liegt an der großen Masse. Tipp ich mal drauf. An der Sauferei sicher auch. Ich versteh es selbst auch nicht so ganz. Auch, dass die Leute sich im Suff nicht im Griff haben. Das ist bei vielen so scheint mir. Wenn ich trinke, selbst wenn ich sturzbesoffen bin, mach ich immernoch was ich soll - zwar etwas ungeschickter ;) aber naja.
  8. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 19:29 Uhr:Ich verstehe nicht einmal, wieso man sich besäuft. Ich war in meinem gesamten Leben noch nicht einmal betrunken und habe es auch nicht vor.
  9. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 19:36 Uhr:Naja, in jungen Jahren, besonders in den Teens, will man sich eben ausprobieren. Man will wissen wie das ist, und viele machen eben mit, wenn die Freunde trinken. Nur die wenigsten sind vernünftig und sagen nein. Und auch Erwachsene kippen sich gerne mal einen hinter die Binde wenn sie in Gesellschaft sind. Und wenn der Abend lang ist, wird es auch mal zu viel. Da kommt kaum einer auf die Idee, sich einfach irgendwann mal was nicht-alkoholisches einzukippen oder zu bestellen. Wahrscheinlich ist es "irgendwann" dann auch schon längst zu spät für so einen Gedanken :/
  10. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 21:05 Uhr:Denkst du, ich war nie jung? ;) Da war es dann halt mal eine kleine Flasche Wein in irgendeinem Park. Aber so besoffen, dass ich nicht gewusst habe, was ich tue, enthemmt gewesen wäre oder nicht mehr hätte stehen können, war ich nie. Ich weiß auch nicht, wo da der Sinn liegt. Spass kann man auch ohne besoffen zu sein haben. Wobei, ich habe schon 13-Jährige gehört, die meinten, zu Spass gehöre IMMER Alkohol dazu, ohne ginge es nicht. Echt traurig.

    Aber wieso sich einige den Vollsuff antun, verstehe ich echt nicht. Gerade, wenn ich dann von Leuten immer wieder höre, wie peinlich ihnen vieles ist, was sie in besoffenem Zustand getan haben. Oder wenn sie klagen, weil ihnen vom Saufen kotzübel ist und die Kopfschmerzen haben. Wieso tun sie sich das an? Ist es das Wert? Wenn ich weiß, ich bekomme von etwas die Kotzerei und Kopfschmerzen und ich will das nicht, dann lasse ich das einfach.

    Gruppenzwang ist übrigens sowieso idiotisch, finde ich, und ich verstehe nicht, wieso so viele das mitmachen. Wieso ist das Umfeld vieler Leute so kaputt, dass sie sich sowas bieten lassen? Wieso haben so viele Menschen so ein trostloses Leben? Das frage ich mich schon... Und das gilt für Jugendliche UND für Erwachsene.

    Wobei ich schon weiß, wer sich nicht an Konventionen hält (und mag die bescheuerterweise auch lauten "Auf Festen muss man mindestens mal Sekt trinken"), bekommt schon gesellschaftliche Sanktionen. Je nach Umfeld hat man nichts zu sagen und ist gesellschaftlich ganz draußen, wenn man anders ist, als die Masse. Nur, wieso haben einige Menschen die Kraft, trotzdem ihren eigenen Weg zu gehen, andere nicht? Was ist da anders gelaufen? Und wieso sind die Menschen überhaupt so bekloppt, Menschen wegen Andersartigkeit auszuschließen? Ohne das gäbe es keinen Gruppenzwang.
  11. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 21:29 Uhr:Ich weiß auch nicht. Ich denke, das ist ein Gefühl von "etwas gemeinsam haben". Man will sich mit seiner Umwelt verbunden fühlen. Das schweißt die Gruppe enger zusammen denk ich. Allerdings geb ich dir Recht, dass man schon seinen eigenen Weg gehen sollte. Ich finde es gut, dass du das tust. Eigene Gedanken und Meinungen haben war noch nie falsch, auch wenn einen das die Masse eintrichtern will. Ich trinke inzwischen auch nicht mehr so viel. Manchmal schmeckt es und manchmal eben nicht. Ich muss nicht alles mitmachen was andere tun. Damals hab ich es gemacht, weil es mir Spaß machte (auch wenn du das vielleicht nicht ganz nachvollziehen kannst *g*). Es war halt ganz witzig, mit einer Gruppe einiges an Promille intus zu haben und lustig zu sein. Ich kann beide Seiten ganz gut verstehen. Heute kann ich in einer Gruppe nur noch schwer "lustig" sein. Man verändert sich.
  12. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 21:41 Uhr:Hm... Also etwas gemeinsam haben muss ja nicht bedeuten, gemeinsam besoffen zu sein ;) Und man muss in seiner Gruppe ja auch nicht unbedingt in allem gleich sein. Denk ich an meine Freunde, haben wir paar Sachen gemeinsam, aber sind in manchen Punkten auch extrem unterschiedlich. Wieso auch nicht?

    Gemeinsam saufen find ich irgendwie... also, ich weiß nicht, aber meinem Empfinden nach ist das irgendwie keine gemeinsame Tätigkeit. Irgendwie hockt man da, man tauscht evtl Gedanken aus, okay. Aber teilt man wirklich was? Klar, es ist jedem selbst überlassen, was er macht, aber mir persönlich kommt das seltsam vor. Also, ich persönlich würde das nicht unbedingt wollen. Gemeinsam singen, Instrumente spielen, klettern gehen, meinentwegen auch im Netzwerk PC spielen... da interagiert man meiner Meinung nach "intensiver". ;) Aber muss jeder selbst für sich wissen.

    Ich bin kein unlustiger Mensch. Vielleicht brauche ich deswegen keinen Alkohol? Wenn ich lese, ist halt lustig, mit anderen Leuten zusammen zu sein... Hm... Also mit "meinen" Leuten habe ich früher oft herumgesessen und wir sind aus dem Lachen stundenlang nicht mehr rausgekommen. Ohne einen Tropfen getrunken zu haben. War halt auch so lustig.
  13. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 21:52 Uhr:Ich denk, es gibt solche und solche Menschen. Wenn es um Kannabis geht, geht's mir da genauso wie du. Ich hab es ein paarmal probiert und denke inzwischen, ich bin eine der wenigen Leute, die sowas nicht gebrauchen können. Ich denke da einfach, dass es mir verglichenerweise besser geht, wenn ich nichts genommen habe. Ich glaube, so ähnlich geht's dir mit dem Alkohol. Manche denken, sie fühlen sich besser mit, und andere kommen besser ohne aus. Worüber man wieder diskutieren könnte, da Drogen im Allgemeinen besser sind, wenn man sie meidet.
  14. AngelInChains schreibt am 25.07.2010 um 22:26 Uhr:Das wär auch wieder so ne Frage: Wieso sind so viele Menschen der Meinung, ohne bestimmte Drogen (= Stoffe, die dem Körper auf jeden Fall zumindest körperlich schaden, egal, ob man sich damit lustiger findet, oder nicht) könnten sie nicht leben.
  15. Schlafblume schreibt am 25.07.2010 um 22:29 Uhr:Ich glaube, das liegt daran, dass bestimmte Inhaltsstoffe bei ihnen das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Hab ich zumindest mal gehört. Vielleicht funktioniert bei bei den Meisten, bei einigen Wenigen aber nicht.
  16. ameparia schreibt am 25.07.2010 um 22:42 Uhr:Alkoholmissbrauch ist ein "Symptom", das irgend etwas Unangenehmes überlagern soll. Nicht fühlen wollen, nicht die "Realität" wahrnehmen wollen. Zumindest, wenn man Alkohol missbraucht.

    Aber ich frage mich, ob diese schrecklichen Todesfälle wirklich so sehr mit Alkohol zu tun haben. Auf den Konzerten, auf denen ihc war, gab's auch immer strunzbetrunkene Menschen, aber dennoch ist nie was passiert, dennoch haben sogar die taumelnd den Anderen zu verstehen gegeben, dass sie mal kurz innehalten sollen.
    Ich denke, es hat eher was mit dieser Panik zu tun, die da ausbrach (und die unter Alkoholeinfluss vielleicht schneller aufkommt). Mein Bruder hat heute etwas Interessantes gehört und mir davon erzählt: große Konzerte, wie acuh die Loveparade, verursachen ein Gefühl von Zusammenhalt, ein Kollektivbewusstsein, sozusagen. Wenn man jedoch Panik bekommt, empfindet man sich weniger als Teil des Kollektivs, als viel mehr als ein Individuum, das vom Kollektiv "bedroht" wird. Daher das rücksichtslose Verhalten. War wohl das Statement eines Psychologen.
  17. sternenschein schreibt am 28.07.2010 um 04:23 Uhr:@ame und @Yaimm,
    so, wie ihr es schildert, mit dem hochhelfen, so sollte es wohl auch sein.
    Wäre wünschenswert, wenn es überall so wäre.

    @all,
    ich glaube, diese Katastrophe hatte nicht unbedingt mit Alkoholkonsum zu tun.
    In der Sueddeutschen wurde ein Mädel interviewt, die inmitten der Massen stand und Todesangst hatte. Sie konnte sich absolut nicht mehr bewegen, bekam von dem Druck kaum noch Luft. Hätte sich am liebsten zu Boden sinken lassen. Ging aber auch nicht.
    Die Menschen sind ja laut Opduktionen gestorben, da der Brustkorb gequetscht wurde.
    Natürlich denkt man, man würde sich schützend vor einem gefährdeten Menschen stellen, oder vor einem der am Boden liegt.
    Nur wissen wir wirklich, wie wir reagieren würden, wenn es um unser eigenes Leben ginge und keine Möglichkeiten zum ausweichen da sind?
    Wieweit kann man da noch rational vernünftig reagieren, wenn die Angst einen packt?

    Liebe Grüsse
  18. Yaimm schreibt am 28.07.2010 um 18:03 Uhr:Mich erstaunt so sehr, daß sie nicht zurück gelaufen sind... nur wenige Meter weiter hinten war so viel Platz.... wieso sind sie alle nach vorne gedrängt und zu den Seiten geflüchtet?
    Man kann sich nicht reinversetzen, man kann sich nicht vorstellen, wie es in so einer Situation ist oder wie man reagieren würde.
    Die Bilder der panischen Masse haben mir eine Gänsehaut verpaßt.

    Und nun sind es schon 21 Todesopfer, die beiden Schwerverletzten sind auch gestorben :(

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