Gedanken oder Fragen

07.09.2010 um 17:18 Uhr

Menschenfresser Schule

Es ging darum den Menschenfresser Schule zu besänftigen. Alles tun, damit er mich nicht verschlingt.

Zitat: Daniel Pennac
( Autor, in seinem Buch "Schulkummer"

Ich schrieb letztens über Schule als Lebensverhinderungsanstalten.
Als den grossen Menschenfresser, der die Schüler verschlingt und als konforme produktive Masse wieder ausspeien will, hatte ich diese "Bildungsbetriebe" noch nicht angesehen.
Die Schule, sie bildet, sie schenkt Wissen, aber sie schafft auch Versager.

Alleine schon dieses Wort: "Schulversager", es ist ein unmögliches Wort. Ein Wort welches die so titulierten verstummen lässt, voller Scham darüber erschweigen.

Auch an sie sollten wir denken, nicht nur an Eliteschulen und Eliteschülern.
An diese Kinder, denen die Kindheit genommen wird, indem sie zu Versagern gemacht werden.
Stempel drauf und abgestempelt. Womöglich für immer.

Einen sehr schönen Artikel über Schulangst und Schulversager schrieb

Lisa Nimmervoll
"Der innere Schulkummer" auf stabdard.at


Es mag leicht sein, wenn man immer den Anforderungen genügte, oder auch gute Lehrer hatte.
Doch für die, die schon morgens mit Schulangst und Bauchweh in die Schule gehen, mit Versagensängsten sich quälen müssen, trotz aller Anstrengungen, ist es beileibe nicht leicht. Dieser Schulalltag, der sie mit dem Stempel "Versager" belegen will.
Hoffen wir, es werden nicht allzuviele der jetzigen Schulanfänger von dem Schulbetrieb verschlungen und als "Nichtfähige" irgendwann ausgespuckt.
"Denn wer mit diesem Selbstbild gross wird, wird immer kleiner bleiben, als er oder sie es sein könnte" schreibt Lisa Nimmervoll.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Yaimm schreibt am 07.09.2010 um 17:25 Uhr:Da fällt mir wieder ein, wie die Klassenlehrerin meiner Kleinen anrief, um mir zu sagen, sie sei eine Traumschülerin nur diese Unordnung... ich solle doch den Kinderarzt mal fragen, ob es da nicht eine Therapie gäbe.

    Ich war sprachlos...
  2. ameamagao schreibt am 07.09.2010 um 17:44 Uhr:@Yaimm
    Das ist unmöglich. Deine Sprachlosigkeit steckt mich an. Unmöglich...

    @sternenschein
    Ich wage zu bezweifeln, dass sich das irgendwann legt, so lange die Schule die "Hure" (ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein, dachte an "hörig sein", kam zu "Hure") der Wirtschaft ist.
  3. Nasoetwas schreibt am 07.09.2010 um 19:07 Uhr:"Schafft die Schule ab, die kostet nur Geld"
    und
    "dummes Volk regiert sich leichter"

    eine Ware Hure der Wirtschaft sind inzwischen die Universitäten und Hochschulen geworden. Forschung zu Gunsten der Wirtschaft.
  4. ameamagao schreibt am 07.09.2010 um 19:15 Uhr:
    Nasoetwas:
    eine Ware Hure der Wirtschaft sind inzwischen die Universitäten und Hochschulen geworden. Forschung zu Gunsten der Wirtschaft.


    Und sogar die richtigen Statistiken kann man sich kaufen.

    Ja.. In solchen Fällen will ich gar nicht mehr von "Bildung" sprechen.
  5. AngelInChains schreibt am 07.09.2010 um 20:06 Uhr:
    Nasoetwas:
    eine Ware Hure der Wirtschaft sind inzwischen die Universitäten und Hochschulen geworden. Forschung zu Gunsten der Wirtschaft.


    Das würde ich absolut unterschreiben.
  6. Rabenmutter schreibt am 07.09.2010 um 23:20 Uhr:Die Wirtschaft finaziert die Forschung - natürlich in eigenem Sinne.
  7. AngelInChains schreibt am 07.09.2010 um 23:26 Uhr:Wobei es ja nicht nur die Forschung ist. An meiner Uni kommt es mir eher vor, als würden sie uns nur dazu dressieren, in Unternehmen gut zu funktionieren. Es geht nicht einmal mehr um Forschergeist! Keine Neugierde, kein Interesse am Fach, bloß irgendwo in die Wirtschaft gehen, produzieren, Geld machen. Und die meisten Studis findens gut, weil es sowieso nur ums Geld geht. Ich finds für mich widerlich.
  8. ameamagao schreibt am 07.09.2010 um 23:31 Uhr:Ich bin gerade wirklich froh, so einen verdammt guten Prof zu haben, der sich genau gegen diese Entwicklung wehrt, der sagt: "nehmt euch Zeit!" Der sich einsetzt gegen diese Entwicklung und nicht müde wird, dagegen anzureden/anzuschreiben. Ich hoffe, diese Entwicklung wird stagnieren und schließlich irgendwann verschwinden.
  9. Nasoetwas schreibt am 08.09.2010 um 08:32 Uhr:ameamagao: ich wünsche deinem Prof. Durchhaltevermögen und dass er dadurch nicht auf den Schleudersitz gerät. In einer Gesellschaft wo (Wirtschafts)Ethik und (Wirtschafts)Moral kaum noch zu finden sind.

    "Forschung zu Gunsten der Wirtschaft" wäre ja eigentlich auch ok. (Jeder Forschung kommt letztlich der Wirtschaft auch zu gute) Leider aber ...

    "Besser würde mir gefallen zu Gunsten der Menschheit"

    Toll, dass es noch solche Menschen wie Deinen Prof. gibt.
    (Die meisten Menschen,(das konnte ich in den letzten 20 Jahren meiner beruflichen Tätigkeit beobachten, passen sich wie Chamäleons ihrem Umfeld an und verbiegen sich völlig nur um zu gefallen, immer auf ihren Vorteil bedacht. Selbst Mimik und Stimmlage sind dressiert)

    Ich wünsche allen einen schönen Tag
    nasoetwas
  10. AngelInChains schreibt am 08.09.2010 um 16:55 Uhr:Genau das ist es, nasoetwas, Forschung soll dem Menschen dienen, nicht der Geldmacherei! Auch, wenn Pharmakonzerne an Medikamenten verdienen, so sollte der Sinn der Forschung nicht die möglichst teure Vermarktung eines neu erfundenen Medikaments sein, sondern die Hoffnung, damit bislang unheilbare Krankheiten heilen oder zumindest Beschwerden lindern zu können.

    Wobei der medizinische Bereich in dieser Hinsicht vielleicht besonders extrem ist. Aber ich finde auch, dass zB Historiker nicht forschen sollten, damit sie ihre Erkenntnisse teuer als Buch verkaufen können, sondern, um Licht ins Dunkel zu bringen, die Erinnerung an bestimmte Ereignisse und Völker zu konservieren und, um möglicherweise durch Vergangenes für die Zukunft zu lernen. So nutzlos sind Historiker also gar nicht ;) Aber vielleicht leg ichs mir zurecht, damit ich nicht zugeben muss, etwas für mich Interessantes aber eigentlich gänzlich unnützes zu studieren.
  11. ameamagao schreibt am 08.09.2010 um 17:31 Uhr:@Angel
    Unnütz vielleicht, da man es nicht direkt praktisch "verwerten" kann - aber für dich ist es wohl sehr nützlich. Es macht dir Spaß, oder? Deine Neugierde und dein Interesse werden befriedigt. Ich finde das wertvoll :).
    Aber sag mal, wieso sind die Bücher denn so teuer? Ein Kumpel studiert alte Geschichte und er meinte, seine Bücher seien so teuer, weil sie kaum verkauft werden und daher die Kosten durch einen erhöhten Preis wieder rein müssen.
  12. Nasoetwas schreibt am 08.09.2010 um 18:24 Uhr:oje, nun habe ich wieder in eine andere Richtung gelenkt. Es ging ja um Schule !

    sorry
  13. AngelInChains schreibt am 08.09.2010 um 19:36 Uhr:Es macht Spaß, naja, jedenfalls Dinge, die in mein Interessengebiet fallen. Leider muss man im Studium ja jede Epoche einmal manchen, da sind auch paar Teilchen dabei, die mich nicht so interessieren (ich interessier mich hauptsächlich für Antike, Mittelalter und Frühe Neuzeit, aber muss dann zB auch die Neuzeit behandeln, inklusive Industrialisierung, britischer Kriegsmarine und dem ersten Weltkrieg, was natürlich auch interessant ist, aber halt dennoch nicht so ganz mein persönlicher Geschmack).

    Wieso die Bücher so teuer sind, weiß ich nicht. Ich verfasse sie ja nicht. Ich erahne aber irgendwie, dass die Verleger selbst schuld dran sind. Wollen ihren Kram möglichst teuer verkaufen, wodurch es dann aber so teuer ist, dass es kaum einer kaufen kann. Resultat: Wenige Verkäufe, und ein noch höherer Preis ist nötig, damit wenigstens die Kosten wieder reinkommen. Ich denke, würden sie die Sachen günstiger anbieten, gäbe es mehr Käufer und der günstige Preis würde auch ausreichen.

    Die hohen Bücherpreise sind jedenfalls ein Fluch. Pro Semester werden schonmal 500 Euro und mehr fällig (weshalb ich mir gar nicht alle Bücher kaufen kann, die sie uns empfehlen, ich mogel mich halt so irgendwie durch), dazu dann noch 300 Euro Verwaltungsgebühr der Uni, in einigen Bundesländern noch Studiengebühr - da soll mal noch jemand behaupten, auch Arme könnten studieren!

    Ich merks grad bei meinem Freund, bei dem ist der Studienkredit gekippt und jetzt stellte sich die Frage, wie das denn finanziell alles weitergehen soll. Hartz-4 bekommt er, das ist recht sicher, das reicht für Miete und Essen, aber die hohen Studienkosten? Ich sags ungern, aber legal klappt das nicht. Denn wenn man so viel dazu verdienen würde, dass es für die Studiengebühren zusätzlich reicht, dann hätte man die erlaubte Grenze überschritten und bekäme kein Hartz-4 mehr, bzw würde weniger bekommen. Und dann reichts wieder nicht für Miete und Essen. Aber ein Studium 1,5 Jahre vorm Ende abbrechen, nachdem man schon mehrere Jahre gemacht hat? Ist ja auch bescheuert!
  14. ameamagao schreibt am 08.09.2010 um 20:14 Uhr:Hm, also...ich bin aus einer ärmeren Schicht, kriege - Gott sei dank - BaFög, aber kann meine Studiengebühren (600€ im Semester) zahlen. Jeden Monat 100€ auf die Seite, das ist unter dem Betrag, den ich verdienen darf und ich kann studieren. Okay, meist spar ich die 100€ durch das Kindergeld, das ihc noch bekomme. Aber ich komme ganz gut durch :).
    Jedes Buch kann ich mir natürlich nicht kaufen, das sie uns empfehlen, aber wofür gibt's die Bib und nen Kopierer? ^^ Wenn ich unbedingt was zuhause brauche und mir das Buch nicht leisten kann, kopier ich's einfach :). Ein Freund durfte Bücher nicht kopieren, konnte sie sich aber auch nicht leisten. Die Lösung: er hat das abfotografiert, was er brauchte ^^.

    Wieso ist denn der Studienkredit gekippt? Keine gute Sache. Wie geht das denn? Musste er Leistungsnachweise erbringen? Sobald die wieder drin sind, oder jemand bescheinigt, dass er sie bisher - aus guten Gründen - nicht erbringen konnte, müsste der Kredit doch weiter gehen, oder? War bei nem Kumpel der Fall. Die Nachweise sind da und so läuft's weiter.
    Jetzt abzubrechen wäre echt dämlich, ja. Aber die Studiengebühren kann man doch durch einen kleinen Nebenjob reinkriegen, oder...? 100€ im Monat reichen ja. Ein Semester - 6 Monate - 600€. Weiß ja nicht, was er studiert, bei Medizin wär ein Nebenjob wohl eine saftige Belastung.
  15. AngelInChains schreibt am 09.09.2010 um 16:14 Uhr:Wenn man Befög bekommt, ist es weniger problematisch, gerade, wenn noch Kindergeld dabei ist. Aber was würdest du machen, würde dir beides fehlen? Das sind doch einige Hunderter. Dann schnell Ersatz finden, nachdem sowas wegfällt? :/ Übrigens hat das Sozialamt Hartz 4 jetzt doch abgelehnt, es widerspräche sich mit irgendeinem Gesetz. Wer irgendwo immatrikuliert sei, gelte als arbeitend und daher gäbe es kein Arbeitslosengeld (weder 1 noch 2), egal, ob abends oder morgens vor/nach dem Unterricht noch Zeit zum Arbeiten wärund egal wie knapp das Geld ist, und dass kein Bafög-Anspruch besteht, wegen des Alters und der bereits vorhandenen Erstausbildung, interessiert alles auch keinen. Jetzt muss ich irgendwie bis Anfang nächsten Monats zumindest genug Geld für die Miete auftreiben, naja, mal sehen :/ Ich geb erst auf, wenns wirklich zu spät ist.

    Übrigens, es geht hier nicht nur um die Semestergebühren, sondern auch um Miete, Nahrung, Strom, all das. Das kriegt man nicht mit nem kleinen Nebenjob rein.

    Ja, die Nachweise konnten nicht erbracht werden. Man musste bis zu ner bestimmten Zeit ne bestimmte Anzahl Punkte haben (European Credit Points), das Studium wurde aber zwischenzeitlich so umgestellt, dass die nötige Punktezahl bis zu der Semesterzahl, wo der Nachweis fällig ist, gar nicht erreicht werden konnte! Natürlich gab es eine lange Diskussion mit Kreditgeber und Uni, aber die Uni interessierts nicht, wäre ja nicht ihr Problem, und den Kreditgeber interessiert es ohne irgendeine Bescheinigung der Uni, die diese aber nicht ausstellt, auch nicht. Also den Kredit kann man vergessen, da muss was Anderes her.

    Wegen dem Bücherkopieren ist es auch so ne Sache, zum Teil sollen wir uns Bücher kaufen, die gibts in ganz Berlin in keiner Bibliothek. Ich sollte mir mal eins für 200 Euro(!) kaufen, die einzige "nähere" Bibliothek, die das hatte, wo ich es hätte kopieren können, wäre in Schwerin gewesen... Klar, gerade, wo man wenig Geld hat, fährt man mal paar Tage im Semester nach Schwerin, um ein Buch zu kopieren *kopfschüttel*
  16. ameamagao schreibt am 09.09.2010 um 16:49 Uhr:Würde BaFög wegfallen, würde ich einen Studienkredit beantragen. Würde auch der wegfallen, müsste ich mein Studium abbrechen.

    Dass Hartz IV abgelehnt wurde, ist ja eine Schweinerei! Nein, das Geld für's Studium und zum Leben nebenbei aufzutreiben, kann man von deinem Studenten nicht erwarten. Da fehlen mir die Worte. Schöner Sozialstaat.
    Das Geld aber für die Semestergebühren kann man durch nen Nebenjob reinkriegen. Ich dachte, darum ging es. Sorry, wenn ich dich da falsch verstanden hab.

    Zum Nachweis: scheiß Uni (sorry). Wenn die das umstellen und deshalb die ECP nicht erbracht werden konnten, ist das nicht der Fehler des Studenten. Ich bin baff bei solch einer Ignoranz. Bei nem Kumpelt hat es zum Glück geklappt.
    Kann ihm nicht ein Prof oder die Studienberatung helfen? Das kann doch echt nicht angehen!
  17. AngelInChains schreibt am 09.09.2010 um 17:24 Uhr:Es ist eine scheiß Uni. Ich würd sie allein daher schon verlassen wollen, also, wenn ich in der Situation wär und nicht mein Freund. Aber andererseits hat er auch Recht: Dann wären die 2 Jahre ja auf jeden Fall umsonst gewesen, also weitermachen sollte man schon, so gut es geht. Auch, wenn man sich dagegen sträubt, an so einer asozialen Uni arbeiten zu müssen. Übrigens gibt es auch keinen Prof, der helfen will. Die Studienberatung meint auch nur, wenn die ECP nicht ausreichen, kann man halt nichts machen. Ich denke daher wirklich, den Kredit kann man vergessen. Da muss man einen anderen Weg finden.

    Das Amt stellt wie gesagt zwei Auswahlmöglichkeiten: Endweder das Studium wird abgebrochen und es gibt Hartz 4, oder aber das Studium wird weitergeführt und es gibt gar kein Geld.

    Was mich besonders ärgert, ist, dass das erst beim heutigen Termin herauskam, während mein Freund vorher zweimal dort war, wo man noch versicherte, dass er Hartz 4 bekäme. Man sagte sogar wörtlich, er solle auf keinen Fall ein fast beendetes Studium abbrechen und auf jeden Fall schon die Gebühren für das nächste Semester zahlen, bevor die Frist um sei, Hartz 4 bekäme er auf jeden Fall. Das sei kein Problem, denn man sei darum bemüht, eine gut laufende Ausbildung nicht zu unterbrechen. Tja, vor paar Tagen hat er die Gebühren (dieses Jahr soweit ca 400 Euro) überwiesen, und jetzt heißt es, er muss das Studium doch abbrechen. Das hätte denen doch bitte schon ein paar Tage vorher einfallen können, so sind jetzt auch noch 400 Euro in den Sand gesetzt. Da kann man echt nur heulen.
  18. ameamagao schreibt am 09.09.2010 um 17:50 Uhr:Familie, die aushelfen kann?
    Und, sobald die Credits gebracht sind, müsste der Kredit doch weiter laufen, oder? Würde er das dieses Semester schaffen? Dann bekäme er, sobald die Credits da sind, wieder den Kredit. Und wäre ein Nebenjob irgendwie drin? So gesehen wären es "nur" drei Semester - die der Vorlesungszeit - die er irgendwie rumkriegen würde. Leichter gesagt als getan, ich weiß. Aber eine Möglichkeit muss es geben. Mit nem 400€-Job würde man zumindest irgendwie über die Runde kommen, oder?
    Es wär eine Schande, wenn er das Studium abbrechen müsste.
  19. AngelInChains schreibt am 09.09.2010 um 18:11 Uhr:Die Familie stellt sich quer. Wobei ich sagen würde, da kann man evtl noch diskutieren. Das ist noch nicht ganz sicher. Jedenfalls ist das eine von den Optionen, die ich noch für relativ offen halte.

    Nein, bei dem Kreditgeber (KfW) heißt es, wenn bis zu dieser bestimmten Frist nicht genau ECP da sind, gilt der Kredit als beendet und muss, allerdings mit einigen Monaten Aufschiebung, zurückgezahlt werden. Weiterführen durch ein Nachreichen von Punkten darf man es nicht.

    Von "das Semester schaffen" kann man übrigens gar nicht so wirklich reden. Es gibt halt einen Haufen Kurse, die man irgendwann machen muss. Da kann man sich im Grunde die Kurse selbst zurecht legen, was man wann macht. Die einzige Ordnung ist, dass einige Kursreihen eben hintereinander weg absolviert werden müssen, hat man zB "Teil 1" nicht, dann gehen natürlich Teil 2-5 auch nicht. Das ist so die einzige Begrenzung dafür, was man pro Semester machen kann, denn man kann die Teile nicht parallel, sondern nur hintereinander machen. Das heißt, wenn man von Kurs A in einem Semester Teil 3 macht, dann kann man Teil 4 und 5 nur in den folgenden Semestern machen. Aber was das betrifft, geht es bei meinem Freund schon gut vorwärts.

    Nur waren es in den ersten paar Semestern relativ wenige belegbare Kurse (in den höheren Semestern werden es immer mehr, weil dann auch noch sowas wie "Teil 4 A", "Teil 4 B" und "Teil 4 C" kommt, also die Richtungen nochmal in mehrere Kurse mit unterschiedlicher Gewichtung geteilt werden, die alle jeweils einzeln so viele ECP abwerfen, wie zB im ersten Semester nur "Teil 1" ohne weitere Kurse), sodass anfangs die ECP eben zu wenig waren, um den Kredit zu halten. Da hätte man gar nichts gegen machen können, das ist ja das Absurde.

    Ein Nebenjob bleibt natürlich eine der wenigen Hoffnungen, darum wird er sich natürlich auch bemühen. Nur ist das eben recht unsicher, wie man so schnell einen findet. Die Marktlage hier ist ja nicht die beste. Und 400 Euro werden leider nicht reichen, allein die Fahrkarte (die er ja braucht, um zur Uni zu kommen) kostet hier ja monatlich schon ca 70 Euro. Internet braucht er fürs Studium auch (es müssen regelmäßig online Arbeitsbögen abgerufen und eingesendet werden), kostet 35 Euro (wobei der Festnetzanschluss mit drin ist). Versicherung frisst ca 70 Euro. Da sind dann schon ca 175 weg. Das Wohngeld, das man bekommen könnte, reicht auch nicht ganz für die Miete (obwohl wir die billigste Wohnung haben, die es weit und breit gibt, und mit 35 Quadratmetern auch eine recht kleine), da sind dann auch 90 Euro, die wir selbst zahlen müssen. Sind also schon 265 weg von den 400. Blieben sage und schreibe 135 Euro für zwei Leute für Ernährung, Kleidung, Studienbedarf... Bisschen knapp.
  20. AngelInChains schreibt am 09.09.2010 um 18:15 Uhr:Hab mich verschrieben, währen 135 Euro für EINE Person, die am Ende übrig wären. Aber auch das ist ja n bisschen wenig. Grad wenn man dauerhaft Medikamente braucht (Antihistaminika für 10-15 Euro pro Monat auf jeden Fall).
  21. ameamagao schreibt am 09.09.2010 um 18:21 Uhr:Das ist echt eine absolut beschissene Lage.. Es tut mir wirklich leid, dass es für deinen Freund gerade so schlecht läuft. Ich bin wirklich sprachlos, wie die Uni so einen Bockmist machen kann.
    Ja, 135€ im Monat für eine Person ist ziemlich wenig. Aber vielleicht würde es ja klappen so, irgendwie. Wenn die Eltern noch 100€ drauf legen, würde es etwas besser gehen.
    Ich drück euch jedenfalls die Daumen, dass ihr eine gute Lösung findet.
  22. AngelInChains schreibt am 09.09.2010 um 18:35 Uhr:Danke. Ich denke, irgendetwas wird man schon finden. Es wird schwierig werden, aber das Problem ist ja auch nicht gänzlich unüberwindbar.
  23. sternenschein schreibt am 10.09.2010 um 17:48 Uhr:Ja, da stimme ich euch zu, die Bildung gibt sich wie eine Hure.
    Die Bildung stellt sich in den Dienst der Wirtschaft, ebenso wie sie sich früher in den Dienst der Kirche stellte, oder auch unter den jeweils Regierenden, wie in der Nazi Zeit.
    Aber sehr selten in den Dienst der Menschen.

    @AngelInChains,
    wollte schon fragen, was aus dieser Kreditkündigung geworden ist.
    Hatte mich gewundert, dass sie sagten, Hartz IV sei kein Problem.
    Und jetzt kam scheinbar wieder alles ganz anders.
    Dabei sollte es doch sehr sinnvoll sein, wenn ein Studium nicht abgebrochen werden muss, da es die Berufsmöglichkeiten im Anschluss doch befördert. Aber diese Art von Bildung sieht Hartz IV scheinbar nicht vor.
    Auch wenn sie das nachholen von Hauptschul- oder Realschulabschlüssen wohl anbieten und fördern.
    Da fragt man sich dann, weshalb nicht die Beendigung eines Studiums?
    Wo doch von der Politik immer behauptet wird, Bildung sei unser höchstes Gut.
    So wird dann auf der anderen Seite, Bildung durch Streichung von Mitteln, für einige finanziell fast unmöglich gemacht.
    Hoffe es finden sich bei euch Wege.

    Liebe Grüsse
  24. ameamagao schreibt am 10.09.2010 um 18:21 Uhr:"Ja, da stimme ich euch zu, die Bildung gibt sich wie eine Hure.
    Die Bildung stellt sich in den Dienst der Wirtschaft, ebenso wie sie sich früher in den Dienst der Kirche stellte, oder auch unter den jeweils Regierenden, wie in der Nazi Zeit.
    Aber sehr selten in den Dienst der Menschen."

    Ich würde zwischen Schule/Uni, Wissen, Ausbildung und Bildung unterscheiden. Bildung eine Hure...? Nein, da widerstrebt sich alles in mir. Aber es kommt wohl drauf an, wie man Bildung definiert. Was größtenteils in Schulen oder an der Uni abgeht, ist m.E. Ausbildung - Fertigkeiten und Wissen erwerben, um etwas damit anzufangen. Bildung aber ist - m.E. - erstmal zweckfrei und dient nur dem Menschen und seiner Entfaltung. Ich muss an die "Idee des Guten" bei Platon denken, der Wissens- und Erkenntnisdrang, wobei es erstmal nur um die Erkenntnis/Erfahrung selbst geht. Natürlich kann man diese Erkenntnis, die Bildung, die Verändung im Menschen dann für den Alltag nutzen und einsetzen - aber primär ist Bildung zweckfrei, für den Menschen, um seiner Entfaltung und Erkenntnis Willen.

    Zumindest wenn man es so definiert ^^. Gibt zig Definitionen, aber diese hier mag ich sehr gern. Und wenn man sie voraussetzt, kann Bildung keine Hure der Wirtschaft sein, sondern höchstens Ausbildung, Fertigkeiten und Wissen - das, was heute meist in der Schule zählt und wie Bildung gemeinhin definiert wird. Aber Bildung kann man eben auch ganz anders denken - zweckfrei und für den Menschen um seinetwillen.
  25. AngelInChains schreibt am 10.09.2010 um 18:26 Uhr:Ich bin zuversichtlich, dass es irgendwie klappen wird. Es wird sicher nicht optimal laufen, das kanns in der Situation wohl auch nicht, aber man wird irgendwie über die Runden kommen.

    Übrigens war diese anfängliche Aussage, man könne auf jeden Fall H4 bekommen, gar nicht so unrealistisch. Ich habe die Gesetzbücher gewälzt und habe eine interessante Passage gefunden, in der steht sinngemäß, Studenten, die Bafög-berechtigt sind, bekommen kein H4, egal, ob sie Bafög annehmen oder nicht. Darunter steht ein anderer Ansatz, direkt anschließend: Auf Studenten, die nicht Bafög-berechtigt sind, trifft das nicht zu.

    Und was sollte es logischerweise heißen, wenn Bafög-Studenten kein H4 bekommen dürfen und dieses auf Nicht-Bafög-Studenten NICHT zutrifft?

    Damit werden wir es noch einmal versuchen.

    Wobei natürlich klar ist, von H4 allein wollen wir nicht leben. Arbeit muss auf jeden Fall her. Nur wäre, wenn man wenigstens diese H4-Zahlungen hätte, wenigstens eine Basis gegeben, die einem ein wenig Sicherheit gibt. Dann müsste man sich nicht um Nahrung und Wohnung sorgen, falls man nicht so schnell Arbeit findet. Falls man schnell welche findet, super, aber wenn nicht? Dann stünde man ja ohne ALG direkt ohne Miete da.

    An sich ist es ja sowieso absurd. Dass Arbeit gefunden werden muss, ist klar. Es heißt immer, das Arbeitsamt helfe einem bei der Arbeitssuche. Und hier weigert es sich, weil man nebenbei studiert?! Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass Studenten nicht in der Arbeitslosenstatistik vorkommen, könnte ich mir fast vorstellen, allein deswegen werden sie nicht betreut. Es geht gar nicht darum, Menschen Arbeit zu beschaffen, sondern nur, die Statistik besser zu bekommen, indem man statistisch Arbeitslose in irgendwelche Weiterbildungen oder 1-Euro-Sklaven-Jobs schiebt, da sie dann nicht mehr als arbeitslos gelten.

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