Gedanken oder Fragen

29.11.2009 um 21:08 Uhr

Menschlicher Müll

Sie helfe menschlichem Müll.
Leuten die keinen Nutzen mehr haben.
Wird Lisa, die Ärztin oftmals angefeidnet, wenn sie zu den Obdachlosen auf Moskaus Strassen fährt um ihnen zu helfen.
Welch eine Weltsicht, von menschlichem Müll zu sprechen, die Menschen nur noch nach ihren Nutzen einzuteilen.

Lisa lässts sich davon nicht beirren, sie hilft ihnen allen. Parkt mit ihrem Ambulanzwagen auf dem Müllplatz am Moskauer Paweletzer Bahnhof um dort die Bedürftigen medizinisch zu versorgen. Auch Kleidung und Nahrung bekommen von ihr die Menschen, um die sich keiner mehr kümmert.
Selbst ein Baby, gerade ein halbes Jahr alt, lebt mit seinem Vater und Mutter dort auf der Strasse. nachdem der Mann seinen Job und damit auch die Wohnung verloren hat.

Lisa sagt, als sie einer älteren obdachlosen Frau die offenen Beine verbindet:
"Sie schlafen alle im sitzen, sie sind alle fehernährt, sie werden alle krank".

Menschlicher Müll in Moskau. Erschreckend und so ganz weit ist Moskau auch nicht.
Auch hier in Deutschland wird manchmal von menschlichem Müll gesprochen, von Menschen ohne Nutzen, die nur noch und immer öfter nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden.
Von Bevölkerungsgruppen denen man eher weniger Geld geben sollte, oder allenfalls Gutscheine, da sie sonst noch mehr saufen und rauchen würden.
Das scheuen sich auch deutsche Politiker nicht, solche Sprüche in den Mund zu nehmen. Und ja, manchmal sind es sogar SPD Politiker, wie der Neuköllner Bezirksbürgermeister, oder der ehemalige Berliner Finanzsenator.

Menschenverachtung braucht scheinbar keinen Anlass mehr, sie nimmt scheinbar auch so in diesen Zeiten ungebremst zu.

Und manchmal frage ich mich, ob der Kapitalismus wirklich die für alle Menschen gute Weltordnung ist, wenn die Menschen in ihm wie eine Ware behandelt werden, nur noch nach ihrem Nutzen und ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden.

Es gab wohl niemals vorher, seit der Nachkriegszeit, soviele derart reiche Menschen in Moskau, aber wohl auch niemals soviele Arme und Obdachlose.
Ist es bei uns wesentlich und ganz anders als in Moskau, der Stadt aus der der Weltspiegel berichtete.
Der Bericht ist hier nachzulesen, wahrscheinlich auch über die ARD Seite im Internet anzusehen.

Weltspiegel Lisa in Moskau

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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Sarah_Marwing schreibt am 29.11.2009 um 21:55 Uhr:Sternenschein, dein Beitrag und seine kritischen Überlegungen sprechen mir aus tiefster Seele. Zusätzlich würde ich gerne erwähnen, daß ich letztes Jahr beruflich in Moskau war. Die Gegensätze haben mich wirklich abgestossen. Dort gibt es eine Art von Obdachlosen, wie man sie hier (noch) nicht sieht. Und viele arme Kinder. Und daneben unglaubliche Reiche - und noch viel mehr Möchtegern-Reiche mit Glitzer, Glitter und falschem Tamtam. Noch schlimmer war es, als ich meine Reise in eine Stadt namens Samara fortsetzte. Hast du vielleicht noch nie gehört, ist aber eine der größten Rußlands. Weil Samara eine Wirtschaftsmetropole ist (Diamanten& Co) gab es dort sehr viele Geschäftsleute aus allen möglichen Ländern. Täglich fliegt auch die Lufthansa von Frankfurt am Main dorthin. In der Stadt 2 Nobelhotels, eine Straße mit Gucci & Co und dann darf man am schönen Wolgastrand bitterste Armut bewundern. Vergessene, sturzbetrunkene, vollgepisste Menschen, die umeinander torkeln. Trostlose, halb verfallene Gebäude in denen die Menschen neben Gucci& Co leben. Junge, eher kindliche Soldaten in einer Kaserne. Es hat mich zutiefst berührt und verstört. Doch wie du schreibst, sind auch unsere Verhältnisse in vielerlei Hinsicht mittlerweile bedenklich. Unser Umgang mit denen, die den (unerreichbaren!) Idealen nicht entsprechen und durch das (Leistungs-)Raster fallen.
  2. AngelInChains schreibt am 29.11.2009 um 22:06 Uhr:"Junge, eher kindliche Soldaten in einer Kaserne."

    Also entweder, das war eine Militaerschule, oder aber, das waren Wehrdienstleistende. Die sind in Deutschland auch nicht zwangslaeufig aelter. (Weshalb ich Wehrpflicht allgemein ziemlich krank finde)

    Ansonsten wundert es mich, dass Samara unbekannt sein soll?!

    Was alles andere betrifft, kann ich dir aber zustimmen.
  3. grenzgaenger schreibt am 29.11.2009 um 22:09 Uhr:auch ich kann mich dir und deinen diesbezüglichen gedanken nur anschließen. ich könnte - mit verlaub - kotzen, wenn menschen andere menschen als müll bezeichnen, und ich kann noch nichteinmal erahnen, wo dieser hass, wo diese aggressionen herkommen. ich habe noch nie verstanden, wie man menschen nach dem, was sie leisten, oder eben nicht leisten (können) beurteilen, bewerten kann. niemand, niemand auf dieser welt hat das recht dazu. und ich ziehe den hut vor all jenen, die sich nicht aufhalten lassen, diesen menschen zu helfen, ihnen medizinische hilfe oder essen zukommen zu lassen. als angehende ärztin kann ich nur sagen, ich wäre sofort dabei. wir haben hier in f. eine stelle für illegale/migranten, die sonst nirgendwo anders medizinisch versorgt werden (können/dürfen), da war ich auch schon beratend mit an bord. es hat spaß gemacht und mir ein art befriedigung verschafft, die ihresgleichen sucht.
  4. VomFeuerkind schreibt am 30.11.2009 um 19:21 Uhr:Ist schon traurig, was aus unserer Gesllschaft so passiert! Dass plötzlich Werte, die früher mal wichtig waren nicht mehr gelten. Und dabei steht schon in unserem Grundgesetz "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller STAATLICHEN GEWALT." Liebe SPD: noch mal die Basics nachlesen, bitte!
  5. mockingbird schreibt am 30.11.2009 um 21:43 Uhr:Mir fehlen die Worte...ich bin erschüttert...welch eine Verrohung von menschlichem Müll zu sprechen...
  6. VomFeuerkind schreibt am 30.11.2009 um 22:23 Uhr:da fragt sich doch wer denn nun wirklich menschlicher Müll ist. Derjenige, der auf der perpektivlos Straße lebt oder der, der ihn als solchen bezeichnet.
  7. AngelInChains schreibt am 30.11.2009 um 23:31 Uhr:Keiner davon. Menschen sind kein Müll. Wer selbst IRGENDWEN aus welchem Grund auch immer als Müll bezeichnet, stellt sich doch auf dieselbe Stufe und ist damit genauso schlimm.

    Abgesehen davon wunderts mich, dass hier so viele verwundert ueber diese Entwicklung sind. Da bin ich ganz ehrlich. Eine sprachliche Verrohung und auch diese Tendenz, bestimmte Bevoelkerungsgruppen als Muell darzustellen, ist ja nichts Neues. Die gibt es seit Jahrhunderten.
  8. sternenschein schreibt am 05.12.2009 um 12:13 Uhr:@Sarah,
    kann ich mir vorstellen, dass es verstörend ist, diesen Reichtum neben der grenzenlosen Armut zu sehen.
    Finde es auch "merkwürdig" was für junge Menschen zum Wehrdienst eingezogen werden.
    Sowohl dort, wie auch hier, wie @angelInChains sagt, und in den USA ja auch. Da wird ja an den Schulen schon um Nachwuchs geworben.
    Und ich weiss nicht, ob es gut ist achtzehnjährigen Waffen oder Panzer in die Hand zu drücken. Wahrscheinlich ist es auch für ältere nicht gerade gut.

    @Grenzgaengerin,
    die hier auf der Strasse leben haben es mit der ärztlichen Versorgung auch nicht gerade leicht. Und die illegal hier lebenden schon garnicht. Gute Sache, die ihr da macht. Denke die haben trotzdem immer Angst, dass sie auffliegen und abgeschoben werden.

    @Mockingbird, Feuerkind und AngelInchains,
    finde es auch eine sprachliche Verrohung, die aber scheinbar von einige gewollt ist.
    Politiker sagen immer öfter, sie könnten es nicht mehr hören, von der Armut und den Hartz VI Empfängern zu sprechen. Sie meinen es soltle lieber über die "Leistungsträger" in unserem Lande gesprochen werden, für die gesorgt werden, da sie die Leistungen erbringen.
    So soll die Armut unter den Tisch gekehrt werden. Die Worte Sozialschmarotzer, Menschen die ihr Geld in Alkohol und Tabak umsetzen um kleine Kopftuchmädchen zu produzieren, sagt ja von der Wortwahl schon alles.
    Damit wir nicht merken, dass Geringverdienende zuwenig Geld bekommen und ausgenutzt werden, heissen sie Aufstocker oder auch Prekariat. Hört sich wohl besser an als in Armut lebende.
    Und es wird ja auch von den "Überflüssigen in der Gesellschaft" gesprochen. Von denen die keiner braucht.
    Ich finde es traurig und bedenklich.
    Und Angel hat recht, so neu ist dieses alles nicht, allerdings erreicht es in unserer Wirtschschaftswunderwelt zur Zeit schon seltsame Ausmasse, dass man denken könnte es sei gezielt und so gewollt von den Herrschenden.

    Liebe Grüsse

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