Merkwuerdiger Briefanfang
Stimmung: gut
Mit dieser merkwürdigen Einleitung beginnt Kafka, seinen Briefwechsel mit Felice Bauer.
Er hatte sie Wochen vorher in Prag einen Abend lang gesehen, mit ihr viel gesprochen.
Das einzige was ihm an diesem Abend an Felice Bauer missfällt, ist das Zitat der jungen Frau über Goethe:
"...er bleibt ein König auch in Unterhosen".
Auch wenn er Felice Bauer sehr distanziert beschreibt, "Ihr Gesicht ist leer, geprägt von einer knochige Leere", so ist er doch von der jungen Frau fasziniert. Beim heimbringen in ihr Hotel, durch das nächtliche Prag, erwähnt Kafka, dass sich in der Drehtür ihre Füsse berührten. Welch ein Schwall an Gefühlen mag ihn dabei durchflutet haben? Scheinbar soviele, dass er sich vornahm, sie am Morgen ihrer Abreise, am Bahnhof mit Blumen zu empfangen.
Dieses unterließ er dann doch, ob aus Müdigkeit oder Hemmung sei dahingestellt.
Ähnliche Vorstellungen, was man machen könnte, kennen wir ja alle mehr oder weniger. Manchmal lassen wir uns zu diesem Handeln hinreissen. Kafka jedenfalls tat es nicht.
So schrieb er eben nach Wochen diesen Brief an Felice Bauer. Aus dem einen Brief wurden 195 Briefe, an manchen Tagen 3 Briefe auf einmal.
Es war eine Briefliebesbeziehung, die von Kafkas Zweifeln geprägt war.
Nun mag ich ungebildet sein, da ich keines von Kafkas Werken je gelesen habe. Ebensowenig Böll, und andere hochgelobte Mainstreamschriftsteller.
Selbst "Zettels Traum", von Arno Schmidt habe ich nur teilweise gelesen.
Mir wiederstreben sproede geschriebene Romane die sich in langatmigen Sinnbildern, die mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun haben, ergehen.
Viele von euch mussten ja diese Werke in der Schule lesen und interpretieren.
Ob man weniger weiss, etwas im Leben fehlt, das Leben gar ein schlechteres wird, wenn man es nicht tat, ich bezweifel es. Ob Literatur einem durch wiederwilliges Lesen, nähergebracht werden kann, ebenso.

Ich finde schon, dass Literatur einem im Leben weiterhelfen kann (und mir gehts dabei nicht (nur) um Allgemeinwissen). Auch die Faehigkeit, zu interpretieren, zwischen den Zeilen zu lesen und nicht ganz so deutliche Zusammenhaenge zu erkennen. In jedem Fall ist es eine Uebung fuers Gehirn. Ausserdem koennen bestimmte Werke einem eine neue Perspektive auf die Gesellschaft eroeffnen. Natuerlich bringt Zwang rein gar nichts, vielleicht gerade noch mehr Trotz, aber es waere schon von Vorteil, Menschen das Lesen nahe zu bringen - und zwar so, dass sie es auch gerne tun.
Ich frage mich nur... Du sagst selbst, nie Kafka gelesen zu haben. Wie kannst du dann ueber ihn urteilen? Das ist doch oberflaechlich. (Ausserdem verstehe ICH unter "Mainstream" etwas anderes - den ganzen Murx von Dan Brown, Ken Follett und Konsorten, beispielsweise, der keinen tieferen Sinn hat und nicht einmal sonderlich unterhaltsam ist - Find ICH, aber das kann natuerlich jeder anders sehen)
Ausserdem hat jeder noch so "sproede" sinnbildliche Roman einen Bezug zur Wirklichkeit. Sonst koennte ihn naemlich kein Leser verstehen.
P.S.: Ich wuerde nichts als "seltsam" bezeichnen, nur, weil ich es selbst anders tun wuerde...
Aber der Schlüssel zu einem erfüllten Leben ist hier allein sicher nicht zu finden, lieber sternenschein!
Wenn es so wäre, wüßten wir es längst, dann auch das könnte man ihnen an den Augen und den Gesichtern ablesen - wir hätten dieses Strahlen bestimmt nicht übersehen *lächel* stimmt´s?
In der Schule wird ja sämtliche Literatur vorgeschrieben, und wir müssen sie lesen, ob wir wollen oder nicht - dieses aufgezwungene Lesen empfinde ich zwar z.T. als mühsam weil mich die Texte einfach nicht ansprechen, z.T. bringt es mir aber auch Literatur nah, die ich mitlerweile sehr mag.
Und so ganz Mainstream finde ich diese "Klassiker" nun auch wieder nicht ... hmmm, wobei; Klassiker sind doch gewissermaßen alteingesessener Mainstream?! ;)
Liebe Grüße
War immer merkwuerdig mit 13 in der Erwachsenenabteilung Psychologiebuecher und aehnliches auszuleihen. Die anderen schauten dann immer so seltsam. Auch jede Art von Statistiken fand ich interessant. Romane nur teilweise, sie sollten dann schon mit der Wirklichkeit zu tun haben.
Mainstream meinte ich in dem Sinne, dass gesagt wird, das muss man gelesen haben. Und dieses ist ja bei Kafka, der Fall.
Jedenfalls nach Meinung etlicher Lehrer. Zu seinen Lebzeiten wurde er wohl eher wenig gelesen.
Merkwuerdig finde ich seine Briefeinleitung in dem Sinne, dass es von wenig Selbstbewusstsein spricht, wenn er denkt, man koenne sich nicht an ihn erinnern, oder eben als Kunstgriff um auf sich aufmerksam zu machen.
Aehnlich den Menschen, die immer von sich als /meine Wenigkeit/ sprechen.
Da habe ich bis heute noch icht herausbekommen, weshalb sie es so machen. Was sie damit ausdruecken wollen.
Der Mensch Kafka interessiert mich mehr, als seine Werke.
Seine Abhängigkeit vom Vater, oder dass er als Kind schon in dessen Betrieb mitgearbeitet hat.
Ein Roman muss mich gefangen nehmen, spaetestens nach den ersten 50 Seiten..ich muss in die Handlung eintauchen koennen, sonst ist das Lesen eher unschoen und muehselig.
Die Worte muessen mich beruehren, erreichen im innersten.
Danke fuer Eure Kommentare..
Ansonsten... Ich habe mich zwar weniger fuer Sachbuecher interessiert (mal abgesehen von meinem regelmaessigen Lesen in Lexika - einfach mal zufaellig irgendeine Seite aufschlagen und durchlesen, was da steht ;) ), aber fuer typische Jugendbuecher habe ich mich eigentlich nie interessiert... Dann eher literarische Klassiker. Sprechen und sprachen mich sprachlich und vom Niveau her einfach mehr an, auch damals mit 12/13 schon.
Ich durfte "Die Verwandlung" lesen ....Schon allein der erste Abschnitt "Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen" sagt doch alles, oder?
Aber an sich fand ich das Buch gut.....nur immer wieder diese Interpretationen mit Rücksicht auf das Leben und vorallem die Beziehung Kafkas zu seinem Vater....anstrengend.
Als Parabel bekamen wir "Die Brücke" und ich habe alles andere daran gesehen, nur nicht sein Verhältnis zur Mutter!!!!
Trotzdem möchte ich diese Literatur nicht missen!
Ich durfte auch Lessing, Schiller, Brecht lesen und ich habe ise heute noch in meinem Bücherregal stehen (und stöber immer wieder gerne drin).
Ob es unbedingt ein "Muss" ist wage ich zu bezweifeln. Aber ich denke es gehört schon zu einer halbwegs gesunden Allgemeinbildung hinzu, wenn man wenigens weiß, wer diese Menschen waren. Allerdings den kompletten Lebenslauf dann runterzurasseln finde ich übertrieben (wir mussten die im Abi alle im Kopf haben *stöhn*).
Lieben Gruß,
Sarah
Und gelesen haben müssen sollte man nichts, denke ich. Etwas müssen ist ohnehin weniger toll als wollen *blah*.
Danke fuer den Text, er sagt wirklich schon alles. Es mag ja eine Parabel sein, aber ich persoenlich finde dann die einfachen wie sie zum Beispiel in Maerchen vorkommen besser. Die sprechen mich und mein inneres mehr an. Mehr als diese Vorstellung als Kaefer mit duennen Beinen aufzuwachen. *lach*
@Rougenoir, ich finde es garnicht dumm, und vergleichen sollte man wirklich nicht. Was spricht dagegen z.B. *Hanny und Nanny* als Kind zu lesen, oder Pippi Langstrumpf.
Vielleicht auch Maerchen. Romane und Geschichten von Kindern und Jugendlichen, die auch in dem Alter sind wie man selbst es ist.
Und mit dem Zwang stimme ich Dir uneingeschraekt zu, denn der fuehrt zu nichts.
Liebe Gruesse
Ausserdem koennen Maerchen auch in hoeherem Alter noch ganz interessant sein. Ich habe mich bsp vor wenigen Jahren mal eine Zeitlang mit (aus mitteleuropaeischem Standpunkt) auslaendischen, hier nicht so gelaeufigen Sagen und Maerchen beschaeftigt. War fuer mich interessant.
Man sollte wahrscheinlich einfach nur davon überzeugt sein, dass man gut ist, wie man ist und war. Wenn das mal alles so einfach wär.
LG