Gedanken oder Fragen

08.03.2010 um 17:19 Uhr

Schiller und die Gewalt

Des Menschen ist nichts so unwürdig,
als Gewalt zu erleiden, denn Gewalt hebt ihn auf.
Wer sie uns antut, macht uns nichts gerigeres als die Menschheit streitig; wer sie feigerweise erleidet, wirft seine Menschheit hinweg.

Zitat: Friedrich Schiller (über das erhabene)

Dieses schrieb Schiller vor über 200 Jahren.
Und doch leben wir immer noch in einem Zeitalter welches voll mit Gewalt und von ihr durchzogen ist.
Einem Zeitalter in dem tagtäglich fast überall auf der Welt Menschen Gewalt angetan wird, sie ihrer Menschheit beraubt werden.

Seine Worte von "feigerweise erleidet" lasse ich mal so dahingestellt. Sie sind diskussionswürdig und die Frage bleibt, ist es feige nur noch überleben zu wollen im Angesicht der Gewalt?
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFool schreibt am 08.03.2010 um 17:25 Uhr:Da hängt sich der Herr Schiller recht weit aus dem Fenster....denn die Worte "feiegerweise erleidet" kann man sehr schwer rausdenken.
    Aber ...jeder wie er denkt.
  2. zitierenameparia schreibt am 08.03.2010 um 18:04 Uhr:Ich denke, was er meint ist: wer nichts gegen die Gewalt tut, sondern sie feig nur aushält, anstatt aufzustehen und sich zu wehren.
    Schwierig. Es gibt Situationen, in denen kann man nur aushalten, weil man in dem Moment zu schwach ist. Ich muss gerade an eine Reportage denken, die ich gestern sah.

    In einem Dorf in Afrika werden vor allem ältere Frauen um die sechzig vergewaltigt. Vergewaltigung ist dort ein "Statussymbol", eine Machtdemonstration. Bei den älteren können die meist Jugendlichen sicher sein, dass sie kein Aids haben. Eine Frau stand auf und organisierte eine Selbstverteidigungsgruppe. Diese habe starken Zuwachs bekommen und die alten Frauen lernen, sich zu verteidigen. Sie lernen, laut "nein" zu brüllen, ihre Gehstöcke einzusetzen und wo die empfindlichsten Stellen sind, die sie bei einem Mann treffen müssen, um den Überfall zu beenden.

    Daran musste ich gerade denken... Sie erleidgen nicht "feigerweise" die Gewalt, sondern setzen ihr etwas entgegen - Selbstverteidigung.
  3. zitierensternenschein schreibt am 10.03.2010 um 03:04 Uhr:@Fool,
    finde ich auch, dass Schiller sich da weit aus dem Fenster hängt.

    @ameparia,
    das scheint ja eine harte Doku gewesen zu sein.
    Fragte mich auch oftmals wenn ich die Dokus über die Tutsis und Hutus sehe, die jetzt wieder zusammenleben müssen, im Dorf die Mörder ihrer Eltern und Kinder haben und ihnen täglich begegnen.
    Im Grunde fragt man sich immer wieder, kann die Gewalt unter Menschen nicht endlich mal ein Ende haben.

    Ist ein sehr schwieriges Thema, ich habe dabei Chile unter Pinochet, Afghanistan jetzt und unter den Taliban, die Nazizeit etc, im Kopf.
    Die Häftlinge in Guatanamo haben wohl auch garkeine Möglichkeit sich gegen Gewalt zu wehren.
    Frage mich, was hätten diese menschen machen sollen?

    Liebe Grüsse
  4. zitierenameparia schreibt am 10.03.2010 um 10:18 Uhr:Die Reportage war...irgendwie nicht hart, nein. Sie war traurig in sofern, dass man sah, dass diese Gewalt dort stattfindet. Aber es war unglaublich, was diese alten Damen leisteten, um sich zu wehren. Da empfand ich kein Mitleid. Mitgefühl, ja, Betroffenheit, ja, aber auch einen grimmigen Zorn. Die Kraft und der Kämpfergeist war für mich so spürbar, dass ich Respekt hatte und sie anfeuern wollte. Es war belebend und anregend, sich zu wehren und es nicht zu erdulden.
    Verstehst du, was ihc meine...?

    "Die Häftlinge in Guatanamo haben wohl auch garkeine Möglichkeit sich gegen Gewalt zu wehren.
    Frage mich, was hätten diese menschen machen sollen?"
    In der Situation? Nichts. Sie konnten nichts machen. In so einer Situation ist der Mensch ausgeliefert und hat einfach keine Handlungschancen.
    Ich muss aber gerade an Boston Legal denken. In einer Folge geht es darum, dass ein ehemaliger Guatanamo-Häftling gegen das Militär (oder gegen die Regierung?) klagt wegen Missbrauch und Freiheitsberaubung. Er war Arzt im Irak, hatte ein Visum für die USA und wurde festgenommen. Er hatte keine Chance sich zu verteidigen, wurde vor kein Gericht gestellt sondern als potentieller Terrorist behandelt. Er wurde gefoltert und misshandelt. Ein anderer Arzt, der mit ihm eingeliefert wurde, brachte sich um.
    Ich denke, das kann man nach Guatanamo tun. Es gibt nicht nur die Möglichkeit, sich in der Situation der Gefahr und Gewalt zu wehren, sondern es gibt auch ein danach. Nicht die erlebte Gewalt hinnehmen, sondern im Nachhinein aufbegehren, sobald es möglich ist.


    Ich weiß, ich hab gut und leicht reden. Hätte man mich nach Guatanamo gebracht, ich weiß nicht, ob ich jetzt aus meinem Bett rauskäme und irgend etwas tun könnte nach den Gräueln, die dort Menschen angetan werden. Ich versuche nur Schiller zu interpretieren, wie ich dieses Zitat oben verstehe.

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