Gedanken oder Fragen

17.06.2009 um 07:22 Uhr

Tag der deutschen Einheit

von: sternenschein   Kategorie: Politisches   Stichwörter: Tag, deutsche, Einheit, 17, Juni, Feiertag, Ostzone, DDR

Stimmung: gut

Der Tag der deutschen Einheit, wäre heute.
Der 17. Juni war ein Feiertag. Meistens ein sehr warmer Tag mit schönem Wetter. Schul und Arbeitsfrei.
Jetzt ist er weg, dieser Feiertag, einfach in der Versenkung verschwnden. Heute ist es nur noch ein ganz normaler Wochentag. Dieser 17. Juni.

Warm soll es trotzdem werden, das Wetter ist diesem Tag treugeblieben.
Wo ist dieser Feiertag hin? Verschwunden in den Analen der Geschichte. Einfach nicht mehr vorhanden.

17. Juni 1953, der sogenannte Volksaufstand in der DDR. Demonstrationen in Bitterfeld und anderen Städten, auch in Berlin. Demonstationen für mehr Einkommen, bessere Arbeitsbedingungen und für eine bessere Versorgung der Bevölkerung.

Demonstrationen bis die sowjetischen Panzer auffuhren um den Tumulten ein Ende zu setzen.

So wurde der 17. Juni in der BRD zum Nationalfeiertag zum Gedenken an diesen Aufstand zum nationalen Feiertag, dem Tag der deutschen Einheit erklärt.

Politiker sprachen von unseren armen Brüdern und Schwestern in der Sowjetzone, die wir nicht vergessen sollten. Zum Gedenken sollten die Menschen Abends eine Kerze ins Fenster stellen, damit unsere Brüder und Schwestern die Zusammengehörigkeit sehen können.
Soweit konnten die DDR Bürger dann wohl aber doch nicht schauen, dass sie die brennenden Kerzen sehen konten. Kerzen die für diesen Tag extra von der Kerzenindustrie angeboten wurden, in weiss mit sich heraufschlängelnden schwarzen Stacheldraht.
Den Brüdern und Schwestern in der Sowjetzone wurde wohl kaum damit geholfen, dafür gab es aber durch die brennenden Kerzen einige Gardinen und Wohnungsbrände in der BRD..
BRD sollte man nicht sagen, dieses erinnerte zu sehr an die DDR. DDR durfte man auch nicht sagen, denn die "ZONE" war nicht als Staat anerkannt.
Später wurde die DDR dann als "DDR" in Anführungzeichen gesetzt.

Pakete sollten an die Brüder und Schwestern in der Zone geschickt werden, da es denen so schlecht ging, wie gesagt wurde. Mag auch sein.
Aber dieses war der bundesdeutschen Regierung wohl auch sehr recht und sie tat wohl auch alles, dass es den DDR Bürgern nicht besserging, in der Hoffnung auf einen Zusammenbruch des Regimes.
Hätte der Westen die DDR nicht als Klassenfeind sondern als Partner beandelt, wie heute z..B. Polen und die Tschechei, mit ihr fairen Handel und technischen Austausch betrieben, dann wäre damals der dortigen Bevölkerung wohl mehr geholfen, als durch dieses Gedenken und Kerzen in den Fenstern.
Vielleicht wäre es ihnen dann "drüben" sogar gut gegangen.
Hätte aber nicht sein dürfen, denn einen "sozialistischen" Staat in denen es den Menschen gut geht ist nicht gewollt gewesen.
Im Gegenteil, es sollte ihnen so schlecht gehen, dass sie flüchten.
"Abstimmug mit den Füssen" nannte es die Bild Zeitung und schrieb in grossen schwarzen Lettern täglich die Zahl der Flüchtlinge auf die Titelseite.

Es war gewollt, dass sie flüchten. Seit der Wende ist es nicht mehr gewollt, und doch sind nach der Wende wohl mehr Menschen aus dem Gebiet der ehemaligen DDR geflüchtet als jemals zuvor.
Nach Bayern und in andere westliche Bundesländer.
Nur dass die Bild Zeitung nicht mehr die Zahlen gross und täglich auf der ersten Seite abdruckt.

Tag der deutschen Einheit, es gibt ihn nicht mehr. Dafür gibt es jetzt den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober. Mit einem grossgeschriebenen Deutschen nach der Wende. Ist halt alles etwas grösser geworden. Auch die Deutsche Einheit.
Schröder wollte diesen Einheitstag wieder abschaffen, damit die Menschen auch an diesem Tag produktiv tätig sein könnten. Es gelang Schröder nicht.
So, genug vom 17.Juni. Ist eh kei Feiertag mehr und langsam schwindet er aus der Erinnerung.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Rabenmutter schreibt am 17.06.2009 um 07:37 Uhr:Obwohl der vor meiner Zeit liegt, ist er in meiner Erinnerung immer noch aktiv... Aktiver als der 3. Oktober! Und steht für mich dafür, dass wir was ganz anderes wollten, als wir an dem 3. Oktober bzw. mit der Wiedervereinigung dann bekommen haben.
    Ja, ehrlich gesagt, uns in der "Zone" hätte es gnügt, dass es uns gut gegangen wäre. Obwohl ich das mit der wirtschaftlichen Unterstützung in einem etwas anderen Licht sehe, denn viele Güter für die damalige BRD wurden ja in der DDR hergestellt und dann für Devisen verkauft, damit es uns überhaupt irgendwie ging... Wenn wir das Zeug hätten einfach selber nutzen können - ich glaub, uns wär es richtig gut gegangen - politische Schikanen jetzt außen vor gelassen, ich meine nur den wirtschaftlichen Bereich.
    Aber was nützt alles graben in der Vergangenheit - wir haben, was wir haben, und müssen damit nun leben...
  2. sternenschein schreibt am 17.06.2009 um 08:16 Uhr:@Rabenmutter,
    es hilft heute nichts mehr in der Vergangenheit herumzugraben, das stimmt.
    Und doch sind es interessante Gedankenspiele, wie es wäre, wenn die DDR als Partner und nicht als Feind angesehen worden wäre, den man vernichten muss.
    Es stimmt, viele Produkte musstet ihr zu Dumpingpreisen an uns verkaufen um an Devisen zu kommen.
    Zum Beispiel kaufte der Otto Versand von euren Textilkombinaten Herrenanzüge für 10 oder 15 DM und hier wurden sie dann für 150 DM weiterverkauft.
    Wenn eure Ware zu fairen Preisen abgenommen worden wäre, dann hättet auch ihr etwas davon gehabt.
    Die Gier des Westen war gross. Vor dem Mauerbau kauften ja auch viele Westberliner bei euch das Brot zu Pfennigbeträgen, weil es eben bei euch viel billiger war.
    Frage mich auch, wenn es eher eine Art Partnerschaft gewesen wäre, ohne Handelsembargo, Computer etc. durften ja auch nicht in die DDR verkauft werden.
    Dann hätten wir alle weniger Rüstung gebraucht, uns wäre es wohl allen besser dadurch gegangen. Ausser natürlich der Rüstungsindustrie.

    Vielleicht hätte es, wenn es euch besser gegangen wäre, auch garnicht die Stasi in dieser Form gegeben und vielleicht sogar Reisefreiheit.
    Denn weshalb hättet ihr Republikflucht begehen sollen, wenn es euch gut gegangen wäre?
    Nachteil, vielleicht hätte es dann immer noch zwei deutsche Staaten gegeben.

    Wenn es euch allerdings zu gut gegangen wäre, dann hätten vielleicht hier die Menschen irgendwann gerufen "wir sind das Volk" den BND und Verfassungsschutz gestürmt, in Bonn runde Tische eingerichtet. Kohl verhaftet und die BRD wäre der DDR beigetreten.
    Vielleicht würden wir dann heute alle singen "Auferstanden aus Ruinen"*g*
    Nur die jungen Pioniere mit ihrem blauen und goldenen Halstuch wären mir suspekt.
    Und die Politpropagandaabteilungsleiterin von damals, Angela Merkel, wäre jetzt vielleicht die 1. Vorsitzende des ZK der SED, Parteichefin und Regierungschefin des vereinigten sozialistischen Deutschen Demokratischen Repbublik. Und natürlich Vorsitzende des Vertreidigungsrates, bevor ich dieses vergesse.
    Krise gäbe es nicht, dafür ein lächelndes "Baut auf" von ihr und vielleicht eine schnellere Internetzensur.
    Das Trabbi Werk hätte man mit einigen Milliarden wohl auch retten können. Und der Palast der Republik würde noch stehen.
    Die ganzen Fernsehmitarbeiter und Journalisten die als IM beim Verfassungsschutz und BND gearbeitet hatten wären aus ihren Ämtern entlassen worden. Einige Westpolitiker hätten heute noch Angst, dass die Birthler Behörde in den BND und Verfassungsschutzakten noch verfängliche Hinweise auf ihre Tätigkeiten als IM von damals finden.
    Dabei ist es doch schon 20 Jahre her. Sie waren jung und brauchten das Geld.;-)
    Liebe Grüsse
  3. sternenschein schreibt am 17.06.2009 um 08:26 Uhr:Noch zwei Nachsätze...*lach*
    Kohl wäre seiner Verhaftung wohl zuvorgekommen, in dem die amerikanische Botschaft ihn aufgenommen hätte.
    Dort wäre er dann im Park hin und hergegangen, während in der Fernsehsendung "99" das innere seiner Villa gezeigt wird.
    Später wurde er dann in die USA ausgeflogen, die sich weigern ihn auszuliefern.
    Schäuble würde sagen, "Ich liebe euch doch alle" ob jetzt mit schwarzen Koffer oder ohne. Mit aber noch mehr.
  4. Rabenmutter schreibt am 17.06.2009 um 11:44 Uhr:DAS sind ja mal wunderbare Gedankenspiele... ABER: wäre es den nwirklich so schlimm, wenn es immer noch 2 Deutsche Staaten gäbe, wenn alles so gut gelaufen wäre, wie angedacht??? Wenn alle überall hin reisen könnten - wäre das doch völlig egal.
    Die Pioniere hatten übrigens keine goldenen sondern rote Halstücher (die Großen, bei den Kleinen waren sie schon blau - jedenfalls zu meiner Zeit, früher war das wohl anders, da gab es nur blaue).
    LG Rabenmutter
  5. AngelInChains schreibt am 17.06.2009 um 17:20 Uhr:Irgendwie hat das so oder so etwas von Propaganda. Aber haben das nicht fastg alle Feiertage, die politisch motiviert sind? ;)

    Wegen der Kerzen... Zumindest in Berlin haette man sie wohl sehen koennen.

    DDR und BRD... Benutzen eigentlich auch viele aeltere Menschen, die ich kenne. War das damals wirklich offiziell verpoent?

    Auch denke ich, waren in der DDR nicht materielle Probleme das wirklich Schlimme. Da haette man ruhig Bananen handeln koennen, bis zum Schwarzwerden, um mal ein Klischee anzufuehren ;) Schlimm war meiner Meinung nach vor Allem das Vorgehen der STASI gegenueber "Staatsfeinden". Das mag es heute mit dem Verfassungsschutz auch geben, wer weiss, was da noch passiert, aber wohl nicht in so einem Ausmasz, wie damals - ist jedenfalls zu hoffen. Interessant ist zu diesem Thema uebrigens der Besuch eines frueheren STASI-Gefaengnissen, zB in Berlin. Wobei ich nicht ausschliesse, dass dort sicher auch einige Dinge sehr subjektiv dargestellt werden (das tun ja die meisten Gedenkstaetten, gleich welcher Nation und zu welchem Thema).

    Wenn aber auch alles anders gelaufen waere... Ich bezweifels, dass der Palast der Republik noch stehen wuerde. ;) Alles Asbest. Das Ding, so schoen oder nicht schoen es war, haette man wohl nur noch abreissen koennen, egal unter welcher Regierung.

    2 deutsche Staaten wuerde ich nur unpraktisch finden, wenn es da dasselbe buerokratische Wirrwarr gaebe, wie bei Auslandsreisen in Nicht-EU-Laender heute. Wobei dann auch die Frage waere, waere die DDR in der EU? Und muesste man dann zwischen beiden Staaten eigentlich teure Auslandstelefonate fuehren? Von einer Strasse in Westberlin zu einer Querstrasse weiter in Ostberlin? ;) Faend ich unpraktisch. Irgendwie ist alles, was man innerhalb eines Landes tut, vom Telefonieren bis zum Reisen, gewoehnlich weniger kompliziert und auch kostenguenstiger.

    Mein Vater lebte uebrigens eine Zeitlang in der DDR, zog dann vor dem Mauerbau aber nach Westberlin. Da ist er bislang geblieben. Ich bin da aufgewachsen, bin dann aber nach meinem Auszug von zuhause im Grunde auch wieder in der ehemaligen DDR gelandet. Da bin ich heute noch. Und irgendwie macht es fuer mich gar keinen Unterschied, ob etwas im Westen oder im Osten ist; ich habe das gar nicht im Kopf, ausser, ich denke gezielt darueber nach, weil es thematisiert wird.
  6. Rabenmutter schreibt am 17.06.2009 um 17:32 Uhr:Stimmt, das mit dem Telefonieren und Reisen und Post und teurer - darüber hab ich in dem Moment gar nicht nachgedacht. Das ist in einem Land schon einfacher...
    Aber am Edne verlaufen Grenzen immer irgendwo durch die Nachbarschaft, egal wo, und stören generell, wenn man auf der anderen Seite Verwandte oder Freunde hat.
  7. AngelInChains schreibt am 17.06.2009 um 19:08 Uhr:Ja, das stimmt. Nur denke ich, ist es bei einer "frischen" Grenze (die dazu noch durch ein sprachlich und ethnisch eigentlich zusammengehoeriges Volks geht) wahrscheinlicher, dass heute dahinter Verwandte leben, als wenn es eine Grenze ist, die schon sehr lange besteht. Denn wie viele Leute, die zB in Frankfurt an der Oder leben, haben polnische Verwandte, die drueben in Slubice leben? Vielleicht einige, aber doch nicht so viele, wie zB wenn man Deutschland teilen wuerde. Viele deutsche Familien sind ja ueber ganz Deutschland verteilt, und weniger bis ins Ausland (wobei es das natuerlich auch gibt; ich selbst habe auch Verwandte im Ausland, allerdings bin ich an sich aber auch nicht wirklich deutscher Herkunft ;) ). Ich hoffe, man versteht, was ich meine; irgendwie fehlen mir da ein wenig die passenden Worte.
  8. Sterntalermaedchen schreibt am 17.06.2009 um 20:33 Uhr:Aus meiner Erinnerung wird der Tag wohl nie mehr schwinden. Ich war heute auf der Beerdigung eines sehr liebgewonnenen Menschen.
  9. sibebo schreibt am 18.06.2009 um 12:01 Uhr:Hat die Strasse des 17.Juni in Berlin nicht sogar was mit dem Datum zutun?

    LG Sibebo
  10. Rabenmutter schreibt am 18.06.2009 um 12:21 Uhr:@sibebo... ja klar. heißt die noch so? hier im osten wurde ja alles umbenannt, was an vorwendezeiten erinnerte...
  11. sibebo schreibt am 18.06.2009 um 12:46 Uhr:Die Strasse gibt es noch hab in Google-Maps nachgeschaut.

    LG Sibebo
  12. AngelInChains schreibt am 18.06.2009 um 16:31 Uhr:Was heisst "hier im Osten" bzw was hat das mit der Strasse zutun? Die ist doch im Westen (Berlins), wenn ich mich nicht taeusche. (Wenn man es denn so streng nehmen moechte, aber ich persoenlich teile eigentlich nichts mehr in Osten oder Westen ein, im Alltag) Jedenfalls hab ich in Erinnerung, dass die Mauer am Brandenburger Tor vorbei lief, und diese Strasse ist westlich davon. Oestlich befindet sich "Unter den Linden". Sehr schoen fuer Spaziergaenge uebrigens, auch heute noch, waeren da nicht so viele Baustellen (und Touristen, die sich gegenseitig auf die Fuesse treten ;) ).

    Was Strassenumbenennungen angeht, hat man im Ostteil wie im Westteil Berlins, und auch im Ex-DDR-Umland (von anderen Teilen Deutschlands kann ich leider nichts sagen, weil ich mich dort nicht auskenne), eigentlich hauptsaechlich Strassennamen getilgt, die den Namen einer heute nicht mehr "tauglichen" Person tragen. Die Stalinallee gibts nicht mehr und die Hitlerstrasse ist logischerweise auch verschwunden. Die Karl-Marx-Allee und eine Karl-Marx-Strasse gibt es aber uebigens heute noch, also nicht alles Kommunistische ist verschwunden. Man handelt ihn wohl einfach als Philosophen; die Karl-Marx-Strasse (bzw eine davon) liegt uebrigens im West(!)teil Berlins. Um nur paar kleine Beispiele zu nennen.
  13. Rabenmutter schreibt am 18.06.2009 um 16:37 Uhr:Ich weiß, dass die Straße des 17. Juni im "Westen" liegt - ich sagte ja auch, dass man im Osten vieles umbenannt hat. Z. B. (hier im Ort) die Straße der Befreiung - dabei war für die Menschen das Kriegsende mit Sicherheit eine Befreiung und warum sollte man nicht mehr dran erinnern? Oder auch Namen von Schriftstellern oder anderen Künstlern sind verschwunden - warum, zum damaligen Zeitpunkt hielt man ihren Namen für erwähnenswert, und es git manch Straßennamen nach Künstlern anderer Epochen, deren Namen heute auch keinem mehr etwas sagen...
  14. AngelInChains schreibt am 18.06.2009 um 19:28 Uhr:Ach so, dann haben wir aneinander vorbeigeredet :) Macht ja nichts, solche Missverstaendnisse kann man ja klaeren!

    Wegen der Kuenstler, da denke ich auch, besteht eigentlich kein Grund, solche Namen zu entfernen. Sternenschein hat hier ja mal ueber die Dichterin Agnes Miegel geschrieben, die wirklich zum Teil schoene Gedichte verfasst hat. Ob es heute noch Strassen mit ihrem Namen gibt, weiss ich nicht. Heute wird sie als "politisch inkorrekt" betrachtet, weil sie Hitler mochte. Nun... Das war an sich schon falsch, wenn man es politisch betrachtet, aber ich denke, als Dichterin ist sie dadurch nicht schlechter. Kuenstler sollten hauptsaechlich nach ihrer Kunst bewertet werden. Macht man in einigen Faellen ja auch. Wer weiss beispielsweise, dass der beruehmte Maler Caravaggio ein Moerder war? (er ermordete einen Maler, mit dem er konkurrierte)

    Was die Befreiung nach dem Krieg betrifft, muss ich was "politisch Inkorrektes" sagen ;) wobei das eigentlich nicht zu scherzen ist. Denn so schoen Befreiung klingt, und so gut es war, das NS-Regime zu stuerzen, so fingen fuer viele Menschen in diesem Land, egal, welche politische Gesinnung sie hatten, nach der Kriegsniederlage auch schlimme Graeuel an. Durch die "siegreichen" Soldaten wurden etliche Frauen und Kinder vergewaltigt, und Maenner, gleich ob sie nationalsozialistisch eingestellt waren oder nicht, wurden ebenfalls misshandelt und ermordet. Im Krieg gab es natuerlich leider immer solche unmenschlichen Verbrechen, in jeder Nation und zu jeder Zeit gab es leider solche Vorfaelle. Ob jetzt im ehemaligen Ostpreussen und Schlesien, in Afghanistan oder in Vietnam. Da ist leider keiner besser, als der andere. Aber daher hat fuer mich persoenlich so ein Begriff wie "Befreiung", wo man gerne an nichts Negatives denkt, irgendwie etwas Falsches, eben wenn man diese schlimmen Verbrechen, auch noch in den Jahren nach Kriegsende, betrachtet.
  15. Rabenmutter schreibt am 18.06.2009 um 20:36 Uhr:Hm, da hast du natürlich auch wieder recht - von der einen Knechtschaft "befreit" in die nächste... Da ist es wohl besser, dass sie nun wieder eine einfache Hauptstraße ist.
    Ja solche Verbrechen gibt es wohl in jedem Krieg bzw. danach, das "siegreiche" Volk dünkt sich was besseres als das besiegte, dabei werden solch Kriege ja auf höherer Eben angezettelt und der kleine Mann am Ende nur aufgehetzt. Ist schon traurig, dass sowas immer wieder funktioniert.
  16. sternenschein schreibt am 20.06.2009 um 07:06 Uhr:Befreiung war es für viele wohl dennoch, die unter dem Naziregime gelitten hatten, die auf etwas anderes hofften.
    Und ja, es gab auch von den Besatzern Gräuel- und Schreckenstaten.
    Und dennoch waren wohl sehr viele froh, dass der Krieg und die NS Schreckensherrschaft ein Ende hatte. Selbst wenn das Leben danach noch kein sicheres war.
    Ähnlich ja in Kambodscha, wo die Vietnamesen die Schreckensherrschaft der Roten Khmer beendeten. Sie wurden besetzt, aber fühlten sich wohl doch überwiegend befreit.
    Es zeigt aber auch, gute Kriege gibt es wohl nicht.

    In Hamburg wurde auch eine Strasse in "Strasse des 17. Juni" umbenannt. Die Lombardsbrücke in Kennedybrücke. Selbst die Kruppstrasse verschwand, da Krupp mit seiner Rüstungsindustrie nach dem Krieg wohl nicht so gut angesehen war.
    Die Liebigstr. sowie die Ost-West Strasse aber blieben.;-)
    Manchmal sind diese Strassenumbenennungen wirklich sehr seltsam.
    Finde es sehr interessant was ihr zu dieser ganzen Thematik sagt.

    @Sterntalermädchen,
    tut mir leid!

    Liebe Grüsse
    sternenschein
  17. AngelInChains schreibt am 20.06.2009 um 16:24 Uhr:Ich hoffe, ich darf Folgendes mal schreiben, ohne dass gleich Nazivorwuerfe kommen (wie in vielen anderen Foren, wenn man das Thema mal "unkonventionell" angeht). Wer mich kennt, weiss, dass ich sicher nicht gutheisse, was durch den Nationalsozialismus geschehen ist und geschieht. Aber ich denke dennoch, ein reines Schwarzsehen bringt einen historisch nicht weiter.

    "Viele" Menschen freuten sich ueber die Befreiung? Nun muesste man vielleicht mal durchrechnen, wie viele Menschen in Deutschland im Krieg oder in den Folgejahren durch den Krieg umkamen. Wieviele Leute ausgebombt wurden, wieviele obdachlos waren, wieviele gefoltert und misshandelt wurden. Und das dann mal vergleichen mit der Zahl der Menschen, denen es waehrend des Nazi-Regimes, so schlimm es war, genauso schlecht oder schlechter ging. Ich muss ehrlich sagen, so schlimm das Regime auch war und so gut es ist, dass es nicht mehr existiert, die "normale Bevoelkerung" hat das Regime sicherlich nicht als so schlimm empfunden. Einzelne Gruppen ja - von verschiedenen Religionen bis hin zu Homosexuellen - aber die machen nicht die Masse des Volkes aus. Ich denke, das "normale Volk" hat sich am Staat gar nicht so gestoert. Sonst haette es wohl auch mehr Aufstaende gegeben. Man kann es ja auch vergleichen, mit heutigen und historischen Diktaturen, wo sehrwohl EINIGEN Menschen sehr viel Unrecht geschieht. Dem "Normalbuerger", der vielleicht nicht einmal politisch interessiert ist, ist das aber meist leider schnurz. Viele Menschen leiden erst und empfinden etwas als unrecht, wenn sie selbst physisch leiden muessen. Wann litten mehr Menschen, waehrend der Herrschaft, oder waehrend/nach der "Befreiung"?

    So kalt es klingt... Wenn man das mal durchrechnet, nach heutigem Forschungsstand: In den KZs waren insgesamt etwa 2,5-3 Millionen Menschen eingesperrt und misshandelt oder getoetet worden. 12 Millionen wurden aus den Gebieten, die Deutschland im Krieg verlor, vertrieben und erlitten auf der Flucht Misshandlungen. Massenvergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Bei der Bombardierung von Dresden kamen 25.000 Einwohner ums Leben. Ich will nicht urteilen, dass irgendetwas schlimmer waer, denn Leid kann man meiner Meinung nach nicht kleinreden, nur, wiel irgendetwas "schlimmer" waere. Es ist und bleibt beides einfach nur grausam und unmenschlich. Ich moechte damit nur andeuten, dass den unpolitischen Durchschnittseinwohner Deutschlands wohl nach dem Krieg mehr Leid passiert ist, als vorher. Natuerlich bin ich froh, dass das Nazi-Regime um ist, die Frage ist aber, ob man es so gewaltsam haette erledigen muessen? Und ob man denn ein Ereignis mit so vielen Opfern "Befreiung" nennen darf?

    Ist Liebig heute auch verpoent? Ich kenn den nur als Suppenwuerfelhersteller...

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