Gedanken oder Fragen

29.07.2009 um 16:14 Uhr

Unbedachte Worte des Zornes

Stimmung: gut

Sie sind so schnell gesagt.
Worte des Zornes, Worte des Ärgers.
Einmal ausgesprochen, können sie niemals zurückgeholt werden. Ob es nun uns hinterher leid tut oder nicht. Sie sind in der Welt und fangen an ihr zerstörerisches Eigenleben dort zu führen.
Manchmal zerbricht eine Freundschaft daran, manchmal auch eine Liebe.

So leicht gesagt und doch so schwer gewogen.
Worte können verbinden, Worte können trennen.
Keine Worte, Stille, ebenso.

Nicht Wurzeln auf der Lippe schlägt das Wort,
Das unbedacht dem schnellen Zorn entflohen,
Doch, von dem Ohr des Argwohns aufgefangen,
Kriecht es wie Schlingenkraut endlos treibend fort
Und hängt ans Herz sich an mit tausend Ästen:
So trennen endlich in Verworrenheit
Unheilbar sich die Guten und die Besten!

So drückt Friedrich Schiller es in der "Braut von Messina" aus.
Böse Worte, im Zorn gesagt, die sich mit tausend Ästen ans Herz hängen, es nicht wieder loslassen.

Schiller sagt aber auch in der "Jungfrau von Orleans"

Was nicht zusammen kann Bestehen,
tut am besten sich zu lösen.

Wenn das lösen man nur immer so einfach wäre.
Dieses ist es nicht, wirklich nicht.
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. amoremia schreibt am 29.07.2009 um 16:36 Uhr:Welch wahrer Eintrag. Sehr schön! Und außer Worte der Zustimmung hinterlasse ich lediglich Grüße, weil es einfach nichts mehr zu sagen gibt. Sehr schön!
  2. Arydale schreibt am 29.07.2009 um 17:18 Uhr:Schlimmer als unbedacht und im Zorn geäußerte Worte finde ich: Ausschweigen. Lieber mit Pauken und Trompeten untergehen.

    Des weiteren kommt es auf die akute Situation und die Persönlichkeiten der Beteiligten an.
  3. rougenoir schreibt am 29.07.2009 um 17:24 Uhr:Meiner äußerst bescheidenen und wenig erfahrenen Meinung nach ist beides in einer wie auch immer gearteten Beziehung sehr hinderlich ;).
    Nungut, wenn das argwöhnische Ohr nicht wäre, könnten solche Worte sich erst garnicht im Herzen einnisten (man bräuchte sozusagen einen Rausschmeißer am Ohr, oder einen Filter ... hmmm, neue Geschäftsidee).
    Am besten wäre es, man könnte "Ruhe bewahren" und die richtigen Worte finden, was aber auch nicht immer einfach ist ... wenn man ein argwöhnisches Ohr hat.

    LG
  4. Rabenmutter schreibt am 29.07.2009 um 17:35 Uhr:Ich wünschte, ich hätte manchmal welche ausgesprochen.. gegenüber Partnern oder Freunden fresse ich Zorn oder auch nur Unmut in mich hinein... auch nicht gut!!!
    Gegenüber der Familie kann ich eher mal "laut werden" und da tut es manchmal ganz gut, sich richtig anzufetzen - und danach kehrt wieder Ruhe ein.
  5. Wari schreibt am 29.07.2009 um 19:36 Uhr:ist es wirklich so, dass alles, was im zorn gesagt wurde, zerstörend ist?
    alles was so ausgesprochen hängen bleibt, liegt im auge und im (wohl)wollen des betrachters. ich glaube nicht (mehr) daran, dass unüberlegt gesprochene worte des zorns immer eine derart nachhaltig negative wirkung haben, denn ich habe es schon oft genug erlebt, dass sie den anderen zum hinterfragen der eigenen meinung brachten und bei näherem betrachten für ein weitaus größeres verständnis sorgten, als der versuch, es "im guten" zu besprechen. so lange ich den anderen nicht verletze in seinem menschsein, sehe ich es nicht als höchstdramatisch an, auch mal in wut und zorn dinge auszusprechen, die sonst immer zwischen zwei menschen gehangen hätten und somit für mehr spannung sorgten.
    aber es ist wahrscheinlich, wie Arydale schrieb, abhängig von den persönlichkeiten jener menschen, die daran beteiligt sind.
  6. Sterntalermaedchen schreibt am 30.07.2009 um 00:18 Uhr:Zorn und Wut können Vieles zerstören. Aber am meisten zerstören sie den Menschen, der die missachtet und zu unterdrücken versucht.
    Ja das Lösen, das fällt einigen von uns schwer. Ich weiß wovon ich rede. ;) Ach Sternenschein, manchmal wünsche ich mir, ich könnte mit dem Finger schnippen und nochmal ein paar Jahre früher beginnen. Ich würde viele Dinge anders machen. Aber andererseits glaube ich, ich wäre nicht ich selbst, wenn ich anders gehandelt hätte als so. Du weißt ja, Hoffnung bedeutet die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.
    Ich wünsche euch allen eine gute Nacht.
  7. annaswelt schreibt am 30.07.2009 um 10:24 Uhr:...nicht ausgesprochener Zorn ist aber auch zerstörerisch. Er kann sich nicht verflüchtigen und brodelt im Innern.
    Ein Gewitter kann die Luft auch reinigen...
    Liebe Grüße
  8. rougenoir schreibt am 30.07.2009 um 15:58 Uhr:Ich glaube das Problem liegt darin, WIE man den Zorn äußert. Es ist auch oft allzu berechtigt die Wut raus bzw. (in Worten) an dem anderen "abzulassen". Nur sollte man, wie Wari schreibt, den anderen nicht in seinem menschsein verletzen, und genau das ist für mich das Problem dabei, die Worte zu finden, die dem eigenen Gefühl den richtigen Ausdruck verleihen, aber den anderen nicht angreifen (es bringt vor allem meistens nichts das gegenüber anzugreifen, so nach dem Motto: "Du bist schlecht/Du machst Fehler ... usw." Viel wirksamer ist es meist von den eigenen Gefühlen zu sprechen z.B. dein Verhalten macht mich wütend, traurig etc., die Person, mit der man Streit hat, will diese Gefühle möglicherweise garnicht auslösen, sondern handelt oftmals auch nur unbewusst).
    Natürlich gibt es auch Menschen, die alles falsch verstehen und sich angegriffen fühlen, egal was man sagt. Ich kenne da so eine *hust*... wenn ich z.B. "Die Kette gefällt mir nicht, ist nicht mein Geschmack" oder sowas ähnliches, dann hält sie mir vor, ich hätte gesagt die Kette sei hässlich ;) ... Ich geb mir ja schon Mühe immer von mir zu reden, also so, dass ich nur sage, dass mir etwas nicht gefällt, oder es eben einfach nicht mein Fall ist (was ich auch nicht immer schaffe), aber DAS wird auch immer falsch verstanden ... *seufz*
  9. sternenschein schreibt am 30.07.2009 um 18:09 Uhr:Wut und Zorn machen unsachlich und ungerecht, die Worte schiessen oftmals weit über das Ziel hinaus.
    Nun ist natürlich die Frage, ob man immer sachlich bleiben sollte.
    Merkwürdig finde ich die Menschen, die sich mit dem Argument: "Ich bin nun einmal aufbrausend", einen Freifahrtschein für ihre ungerechtfertigten Äusserungen erkaufen wollen.
    Seltsam auch die, die immer sagen müssen, "sei nicht so empfindlich" oder "war ja garnicht so gemeint".
    Nun mag es Menschen geben, die besonders empfindlich sind, alles als Angriff auf sich selbst sehen, nur wenn dieses andauernd gegenüber vielen Menschen gesagt werden muss, dann stimmt eher etwas mit dem, der diese Worte sagt nicht.
    Mit cholerischen Menschen ist es oftmals ein schwieriges Auskommen. *muss lachen bei der Vorstellung, da ich davon auch einige Exemplare kennenlernen durfte. *
    Diese von @Rougenoir angesprochene Filtertechnologie habe ich wohl schon eingebaut. ;-))
    Nicht dass ich nicht höre, was gesagt wird. Aber für mich ist es die Meinung des anderen, die ich annehmen kann, aber nicht muss.
    Und was ich sage, meine ich auch so. Sonst würde ich es nicht sagen.
    Finde eure Diskussion hierüber sehr interessant.
    Liebe Grüsse
    sternenschein
  10. rougenoir schreibt am 30.07.2009 um 18:15 Uhr:Wo gibt's denn diese Sonderausstattung? Ich will die auch :)!
    Einen Filter für das, was ich sage, und einen für das, was ich höre. Würde ich die Meinungen anderer mehr als Meinung sehen anstatt sie als Tatsache zu sehen, dann würde es mir um einiges besser gehen :D.

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