Gedanken oder Fragen

09.11.2009 um 14:46 Uhr

Und die Welt hatte sich verändert

Stimmung: gut

Es ist Novembergrau.
November wie er im Buche steht. Grau und feucht.
Die Sonne scheint woanders, aber nicht hier.
Das Grau lässt sie nicht. Viel Laub auf dem Boden, feuchtes Laub und kurze Tage.

Vor 20 Jahren fiel die Mauer. Sie fiel nicht, aber sie wurde durchlässig.
Es wird gefragt, was hast du gemacht vor 20 Jahren, am 09.November 1989?.

Ja, ich weiss es noch genau.
Es war ein denkwürdiger Tag.
Ich sah Schabowskis Ankündigung der Reisefreiheit am Nachmittag live im DDR Fernsehen.
Und sein "Ab jetzt". Diese Vorstellung des unvorstellbaren, der Reisefreiheit für DDR Bürger faszinierte mich.
Und so sah ich abends im TV wie die Menschen sich vor den Toren der Grenze zu Westberlin versammelten. Man wusste nicht,was wird geschehen.
Es sah teils gefährlich aus. Wie würden die Grenzer reagieren? Nach Stunden dann die Erleichterung.
Sie machten die Schlagbäume hoch und auf.. Liessen das Volk zu tausenden strömen, wohin sie strömen wollten.
Weinende Menschen, die sich vor Freude in den Armen lagen, immer wieder die Worte "Wahnsinn". Gänsehautfeeling.

Und ich wusste die Welt hatte sich in diesem Moment ein Stück weit verändert. Die Konfrontation der Blöcke war vorbei. Der kalte Krieg zu Ende.

Viele dachten, die Welt wird jetzt friedlicher, wozu noch Kriege. Kein Ost und West, kein Gleichgewicht des Schreckens mehr. Doch dieses war ein Irrglauben.
Der Kriege sind noch viele.

Ja, ich kann mich noch erinnern, an diese eine Nacht die Geschichte schrieb.
Ich weiss garnicht mehr, wann ich ins Bett ging. Es war alles sehr aufwühlend, in dieser so ungemein spannenden Nacht, in der viele wohl dachten sie träumten, als das unmögliche möglich wurde..
Und die Welt hatte sich ein Stück weit verändert.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. AngelInChains schreibt am 09.11.2009 um 15:32 Uhr:Ich war damals gerade 2 Jahre alt und habe daher etwas weniger davon mitbekommen. Also dass meine Eltern gespannt vor dem Fernseher sassen, weiss ich noch. Und dass mein Vater eigentlich selbst an die Grenze gehen wollte, aber allein wollte er ja auch nicht dorthin, aber mich in dem Alter mitnehmen oder allein zuhause lassen, wollte er ja auch nicht.

    Was ich auch noch weiß, ist, was für Menschenmengen kurz darauf hier an den Banken Schlange standen, um das Begrüßungsgeld zu bekommen.
  2. gaensebluemchenblog schreibt am 09.11.2009 um 22:39 Uhr:... ich war schon etwas älter ;-). Die ganzen Emotionen kommen jedes Jahr auf´s neue wieder hoch. Man kann es nicht vergessen. Zumal ich nur Schönes mit disem einen Tag verbinden kann...
  3. rougenoir schreibt am 10.11.2009 um 01:06 Uhr:Heh! Ich war sogar schon 3 Jahre und 10 Tage alt und weiß ... überhauptgarnichts ... seltsam und etwas erschreckend ;).
  4. sternenschein schreibt am 15.11.2009 um 18:56 Uhr:@AngelInChains,
    erstaunlich, dass du es noch weisst, auf einer anderen Art auch nicht. Denn ich weiss aus dieser Alterstufe auch noch recht viel.
    Die Organisation für das Begrüssungsgeld war wohl recht schwierig.
    Die ersten Züge mit Menschen aus der DDR, die zu Besuch in Hamburg eintrafen, waren eine Sensation.
    Ich dachte noch, was mögen sie wohl denken, wenn sie die ganzen Obdachlosen und Drogensüchtigen sowie Kinderprostutierte am Hauptbahnhof sehen. Im goldenen Westen.
    Ob sie es bewusst wahrgenommen haben, weiss ich nicht.
    Eine Nachbarin beschwerte sich sogleich, dass jetzt ihre Verwandten kommen, und alle nur "haben" wollen.;-)
    Sie war "unbegeistert". Was ich nicht verstehen konnte, da sie sie so lange nicht gesehen hatte.


    @Gänseblümchen,
    wenn du nur schönes mit diesem Tag verbinden kannst, ist es doch wunderbar.
    Es war eine Umbruchzeit die in der Erinnerung haften bleibt.

    @Rougenoir,
    das ist wirklich "erschreckend". Wo du sonst so geschichtsträchtig Westwallmässig informiert bist.
    Hat man dich von den damaligen aktuellen Ereignissen, die ja auch mit einem saarländischen Dachdecker zu tun hatten, doch ferngehalten.
    So nach dem Motto, sag der kleinen Lieselotte mal nicht, dass die Mauer auf ist, sonst macht sie noch rüber.;-)

    Liebe Grüsse
    sternenschein
    Hat man dich von allem ferngehalten?
  5. rougenoir schreibt am 15.11.2009 um 19:15 Uhr:Ja, eben Westwall :), das ist hier, vor der Tür, hinterm Haus und überall. Außerdem ist mir das Interesse an Geschichte irgendwie vergangen ... ich hab jetzt garkeine Interessen mehr *hahaha* ;).
    Dachdecker? Öööh, wie was ... das versteht dasLieselotteLeonore nicht ganz :) ... weil sie eben keine Ahnung hat. 48/49 ist das letzte Datum, dass ich im Kopf habe, und danach? Nichts ... rein garnichts :). Wahrscheinlich bin ich von da aus direkt in diese Welt gestartet, als Zeitreisende, oder so.

    Von allem ... nein, nur von den positiven Dingen des Lebens, haha ;).
  6. sternenschein schreibt am 15.11.2009 um 19:50 Uhr:Liebe Lieselotte Zeitreisende,
    Honecker war ein Sohn des Saarlandes und gelernter Dachdecker. Was viele nicht wissen. Und Honeckers Abgang udn Sturz ist ja eng mit dem Fall der Mauer verbunden.
    Ebenso wie Merkel eine Hamburgerin ist und mit ihren Eltern rübergemacht hat. Und ihre Karriere nicht erst mit dem Mauerfall begann, sondern die machte sie schon in der DDR als Beauftragte für Agitation in der DDR Jugendbewegung.
    Jetzt agitiert sie uns, aber nicht weil Honecker tot ist. ;-)) Sondern weil die Mauer fiel. Wenn nicht hätte sie jetzt vielleicht Vorsitzende des Staatsrates der DDR sein können. Wer weiss das schon.
    Vielleicht ist Honecker als Saarländer und Westwall Kenner ja sogar mit dir entfernt verwandt? Er war jedenfalls immer stolz auf seine saarländische Herkunft. *g*
    Liebe Grüsse auch wenne s im Saarland kein Koks mehr gibt. Und die Hütten auch schon weniger werden.
    sternenschein
  7. rougenoir schreibt am 15.11.2009 um 22:14 Uhr:Ah, gut zu wissen ... wenigstens etwas Geschichte ... tut mir wahrscheinlich auch mal wieder gut ;). Sowas muss ich ja eigentlich auch wissen ... möglicherweise hab ich das sogar schonmal irgendwo gehört, aber sowas vergess ich dann auch gerne wieder. Also über die eine Hütte bin ich immer sehr gut informiert, da gibt es einen Spion in der Familie ... nicht Honecker, aber immerhin nen Hüttenspion :D. Ich glaub da ist auch Kurzarbeit ... aber man bestellt Stahl für Herzen ... ach nein, für gepanzerte Luxusgefährte :D *mahaha*.

    Danke für die kleine Geschichtsstunde,
    Liebe Grüße
    Lieselotte, die Zeitreisende
  8. AngelInChains schreibt am 16.11.2009 um 00:30 Uhr:"Sie war "unbegeistert". Was ich nicht verstehen konnte, da sie sie so lange nicht gesehen hatte."

    Ich glaube, das ist sehr abhängig davon, ob man die Verwandtschaft an sich mag, oder nicht. Ich kenn ja auch Leute, die hab ich ewig nicht mehr gesehen, die können mir aber auch gerne noch die nächsten 100 Jahre gestohlen bleiben ;)

Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.