Und die Welt hatte sich verändert
Stimmung: gut
November wie er im Buche steht. Grau und feucht.
Die Sonne scheint woanders, aber nicht hier.
Das Grau lässt sie nicht. Viel Laub auf dem Boden, feuchtes Laub und kurze Tage.
Vor 20 Jahren fiel die Mauer. Sie fiel nicht, aber sie wurde durchlässig.
Es wird gefragt, was hast du gemacht vor 20 Jahren, am 09.November 1989?.
Ja, ich weiss es noch genau.
Es war ein denkwürdiger Tag.
Ich sah Schabowskis Ankündigung der Reisefreiheit am Nachmittag live im DDR Fernsehen.
Und sein "Ab jetzt". Diese Vorstellung des unvorstellbaren, der Reisefreiheit für DDR Bürger faszinierte mich.
Und so sah ich abends im TV wie die Menschen sich vor den Toren der Grenze zu Westberlin versammelten. Man wusste nicht,was wird geschehen.
Es sah teils gefährlich aus. Wie würden die Grenzer reagieren? Nach Stunden dann die Erleichterung.
Sie machten die Schlagbäume hoch und auf.. Liessen das Volk zu tausenden strömen, wohin sie strömen wollten.
Weinende Menschen, die sich vor Freude in den Armen lagen, immer wieder die Worte "Wahnsinn". Gänsehautfeeling.
Und ich wusste die Welt hatte sich in diesem Moment ein Stück weit verändert. Die Konfrontation der Blöcke war vorbei. Der kalte Krieg zu Ende.
Viele dachten, die Welt wird jetzt friedlicher, wozu noch Kriege. Kein Ost und West, kein Gleichgewicht des Schreckens mehr. Doch dieses war ein Irrglauben.
Der Kriege sind noch viele.
Ja, ich kann mich noch erinnern, an diese eine Nacht die Geschichte schrieb.
Ich weiss garnicht mehr, wann ich ins Bett ging. Es war alles sehr aufwühlend, in dieser so ungemein spannenden Nacht, in der viele wohl dachten sie träumten, als das unmögliche möglich wurde..
Und die Welt hatte sich ein Stück weit verändert.
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Was ich auch noch weiß, ist, was für Menschenmengen kurz darauf hier an den Banken Schlange standen, um das Begrüßungsgeld zu bekommen.
erstaunlich, dass du es noch weisst, auf einer anderen Art auch nicht. Denn ich weiss aus dieser Alterstufe auch noch recht viel.
Die Organisation für das Begrüssungsgeld war wohl recht schwierig.
Die ersten Züge mit Menschen aus der DDR, die zu Besuch in Hamburg eintrafen, waren eine Sensation.
Ich dachte noch, was mögen sie wohl denken, wenn sie die ganzen Obdachlosen und Drogensüchtigen sowie Kinderprostutierte am Hauptbahnhof sehen. Im goldenen Westen.
Ob sie es bewusst wahrgenommen haben, weiss ich nicht.
Eine Nachbarin beschwerte sich sogleich, dass jetzt ihre Verwandten kommen, und alle nur "haben" wollen.;-)
Sie war "unbegeistert". Was ich nicht verstehen konnte, da sie sie so lange nicht gesehen hatte.
@Gänseblümchen,
wenn du nur schönes mit diesem Tag verbinden kannst, ist es doch wunderbar.
Es war eine Umbruchzeit die in der Erinnerung haften bleibt.
@Rougenoir,
das ist wirklich "erschreckend". Wo du sonst so geschichtsträchtig Westwallmässig informiert bist.
Hat man dich von den damaligen aktuellen Ereignissen, die ja auch mit einem saarländischen Dachdecker zu tun hatten, doch ferngehalten.
So nach dem Motto, sag der kleinen Lieselotte mal nicht, dass die Mauer auf ist, sonst macht sie noch rüber.;-)
Liebe Grüsse
sternenschein
Hat man dich von allem ferngehalten?
Dachdecker? Öööh, wie was ... das versteht dasLieselotteLeonore nicht ganz :) ... weil sie eben keine Ahnung hat. 48/49 ist das letzte Datum, dass ich im Kopf habe, und danach? Nichts ... rein garnichts :). Wahrscheinlich bin ich von da aus direkt in diese Welt gestartet, als Zeitreisende, oder so.
Von allem ... nein, nur von den positiven Dingen des Lebens, haha ;).
Honecker war ein Sohn des Saarlandes und gelernter Dachdecker. Was viele nicht wissen. Und Honeckers Abgang udn Sturz ist ja eng mit dem Fall der Mauer verbunden.
Ebenso wie Merkel eine Hamburgerin ist und mit ihren Eltern rübergemacht hat. Und ihre Karriere nicht erst mit dem Mauerfall begann, sondern die machte sie schon in der DDR als Beauftragte für Agitation in der DDR Jugendbewegung.
Jetzt agitiert sie uns, aber nicht weil Honecker tot ist. ;-)) Sondern weil die Mauer fiel. Wenn nicht hätte sie jetzt vielleicht Vorsitzende des Staatsrates der DDR sein können. Wer weiss das schon.
Vielleicht ist Honecker als Saarländer und Westwall Kenner ja sogar mit dir entfernt verwandt? Er war jedenfalls immer stolz auf seine saarländische Herkunft. *g*
Liebe Grüsse auch wenne s im Saarland kein Koks mehr gibt. Und die Hütten auch schon weniger werden.
sternenschein
Danke für die kleine Geschichtsstunde,
Liebe Grüße
Lieselotte, die Zeitreisende
Ich glaube, das ist sehr abhängig davon, ob man die Verwandtschaft an sich mag, oder nicht. Ich kenn ja auch Leute, die hab ich ewig nicht mehr gesehen, die können mir aber auch gerne noch die nächsten 100 Jahre gestohlen bleiben ;)