Gedanken oder Fragen

16.03.2011 um 07:48 Uhr

Unvorstellbares Leid in Japan

Meine Gedanken sind bei den von der Zerstörung ihre Lebensgrundlage geplagten Japanern.
Unendliches Leid ist über viele dieser Menschen hereingebrochen.

Keiner von uns hier, kann es sich wohl vorstellen wie es sich anfühlt jetzt dort zu leben, schreibt
Marainge in einem sehr guten Artikel *klick*

Es war der 17. Februar 1962. Der Orkan heulte um das Haus, das Wasser stieg immer höher. Es war kalt und nass in dieser Nacht. Das Wasser bahnte sich seinen Weg, riss die Strasse gurgelnd auf. Die Mutter einer Freundin stand in der offenen Tür, feudelte das Wasser immer wieder aus dem Flur heraus. Bei anderen stand es schon hüfthoch im Schlafzimmer als wir klopften und sie weckten.
Andere Häuser wurden einfach vom Wasser mitgerissen. Wir hatten Glück, das Wasser stand genau gurgelnd vor der Haustür, als es aufhörte weiter zu steigen. Ich sah die Leichen der Menschen. Sie lagen am Bahndamm, einige hingen in den Bäumen. Ich sah die Menschen, die auf ihren Dächern sassen, andere, bei denen man das Dach aufbrechen musste um sie aus ihren Häusern zu befreien.
Ich sah die Angst in den Augen der Menschen und des Hilfssoldaten, der bei uns nächtigte, vor einer neuen Sturmflut in Hamburg. Schmierte mit Wurstbrote, die die Armeehubschrauber zu den vom Wasser eingeschlossenen brachten.
Meine Schule war im Wasser und Schlamm versunken, Wusste noch nicht, dass dieses mein letzter Schultag war.
Einige Klassenkameraden sah ich nie wieder. Sie waren ertrunken, oder hatten ihre Eltern und Zuhause verloren. Die Menschen wurden teilweise in die extra für die Flutopfer neu erbaute Siedlung Rahlstedt-Hohenhorst umgesiedelt. Viele Freundinnen sah ich durch diese Umsiedlungen niemals wieder. Das Leben war danach niemals mehr wie es vorher war.
In dieser Nacht des 17. Februar stand ein Feuerball über den Gasometer, das Gas fiel aus. Und ein Feuerball stand auch über die HEW mit ihren damals vier grossen Schornsteinen, dann fiel der Strom aus und wir sassen im Dunkeln, mit den Nachbarn die sich zu uns gerettet hatten. Ohne Strom, Wasser, Licht oder Radio.

Ja, doch, ich kann dieses Leid welches über die Japaner hergefallen ist, ein wenig nachfühlen, nachempfinden.

Und doch ist es nicht vergleichbar. Denn uns hatte vorher kein schweres Erdbeben heimgesucht und das Wasser stieg nur langsam, nach den Deichbrüchen zwar rasend schnell, aber doch nicht ganz so schnell und heftg wie bei einem Tsunami.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, das überflutete HEW Kraftwerk wäre damals ein Kernkraftwerk mit 6 Reaktoren, wie in Fukushima, wo es eine Explosion nach der anderen gibt, Brände ausbrechen und Radioaktivität freigesetzt wird, dann versagt dieser Vergleich ganz und gar.
Da wäre dann in dieser Nacht nicht nur der Strom ausgefallen, nein, da wäre dann wohl Hamburg und seine ganze Umgebung für tausende von Jahren unbewohnbar geworden. Ganz Hamburg hätte umgesiedelt werden müssen. Es hätte diese Stadt schlicht nicht mehr gegeben und etliche der Umgesiedelten würden heute noch unter den Strahlenkrankheiten leiden.

Nein, vergleichbar ist die Hamburger Sturmflut nicht mit der Katastrophe die in Japan abläuft.
Dagegen waren die über 300 Tote Hamburgs garnichts. Wir hatten Glück, dass es dort am Standort des HEW Kraftwerks kein Atomkraftwerk gab.

In Japan gab es izwischen noch zahlreiche Nachbeben, die die Stärke 6 übertrafen.
Alle sechs Reaktoren von Fukushima sind von einer Kernschmelze gefährdet. Die Radioaktivität bei den Kraftwerken ist so hoch, dass die Kraftwerksarbeiter zum Teil das Gelände verlassen mussten. In Block drei gab es wieder ein Feuer. Sollte der Kraftwerksbetreiber die Situation nicht in den Griff bekommen, dann kann es bei den 6 Reaktoren und Abklingbecken zu einer sechsfachen Kernschmelze und damit zu einem sechsfachen SuperGau dort an der Küste Japans kommen.
Eventuell mit der Folge, dass Tokio für immer unbewohnbar wird.
Einfach unvorstellbar.
..

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Rabenmutter schreibt am 16.03.2011 um 11:25 Uhr:...und es gibt nicht nur das eine AKW in Fukushima.. es giubt noch mehrere, in denen Kernschmelzen drohen...

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