Gedanken oder Fragen

10.09.2010 um 05:23 Uhr

Vergil am Freitag

Musik:

Alles besiegt die Liebe.

Zitat: Vergil ( 70 v.Chr. - 19 v.Chr. )

Nur weshalb siegt dann so oft der Hass und die Missgunst über die Liebe? Wollen die Menschen nicht siegen, nicht lieben, sondern eher von Scheinsieg zu Scheinsieg eilen, frage ich mich da..

Oder ist es garnicht so einfach, wie Vergil es darstellt.
Alles besiegt die Liebe?
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. ameamagao schreibt am 10.09.2010 um 11:39 Uhr:Man kann den Satz auf zwei verschiedene Arten verstehen:
    - alles wird von der Liebe besiegt und sie gewinnt.
    - alles besiegt die Liebe, alles macht die Liebe kaputt, sie verliert.

    Ich hatte spontan die zweite Schreibweise im Kopf.
  2. Nasoetwas schreibt am 10.09.2010 um 14:28 Uhr:Also ich hatte bisher immer das Gefühl, dass alles durch die Liebe besiegt wird. Außer Naturgewalten, da nützt auch die Liebe nichts.

    Man müsste zu Vergils Aussage den Zusammenhang kennen.
    Und - welche Liebe meinte er?
  3. Rabenmutter schreibt am 10.09.2010 um 15:05 Uhr:Wir Menschen tun uns so schwer mit der Liebe...
  4. sternenschein schreibt am 10.09.2010 um 15:57 Uhr:@ame,
    auf die zweite Sichtweise wäre ich alleine nicht gekommen. Da bin ich wohl blind, die Liebe als etwas negatives anzusehen, die zerstörerisch wirken könnte.
    Sie zerreisst Ketten, bricht Mauern entzwei, überwindet Hindernisse.
    Das waren meine ersten Gedanken dazu.
    Dann sah ich die Liebe im Zusammenhang des Weltgeschehens seit Vergil's Zeiten.
    Die ganzen Kriege, die ganzen Versuche die Liebe zu töten, die Zeiten in denen der Hass auf den/die anderen regierte.
    Und aus den Trümmern, die der Hass zurückliess, wuchs manchmal eine Blume, recht selten, erneut ein zartes Pflänzchen Namens Liebe. Welche zaghaft ihr Haupt aus dem Trümmerfeld steckte.
    Liebe kann eine mächtige Waffe sein, doch kann sie etwas gegen die Bosheit ausrichten?
    Kann sie Kriege gewinnen? Waffen zum schweigen bringen?
    Es hiess einmal "Schwerter zu Pflugscharen". Doch noch wird das Geld für Waffen ausgegeben, nicht für den Frieden. Wird die Liebe, die Liebe zu sich selbst, aber auch zu dem Anderen, jemals irgendwann siegen?
    Es wird lieber Geld für Waffen ausgegeben, anstatt für den Frieden und für das Wohl der Menschen.

    @nasoetwas,
    ganz ohne den Zusammenhang zu kennen, hatte ich obige Gedanken, ganz einfach nur durch diesen, seinem Satz.
    Ich habe auch das Gefühl, wie du es hast, dass die Liebe letztendlich, alles besiegt.

    @Rabenmutter,
    so wird es wohl sein. Vor allem wenn es eine enttäuschte Liebe ist.
    Doch kann wahre Liebe wirklich enttäuscht werden?

    Liebe Grüsse
  5. Nasoetwas schreibt am 10.09.2010 um 16:15 Uhr:Tun wir denn nicht alles mit Liebe?
    Kinder zeugen,
    Kinder erziehen, Familie pflegen,
    arbeiten,
    Gärten pflegen
    Tiere pflegen?
    Liebe ist doch immer da oder? Vielleicht ist es manchen nicht mehr bewusst oder Herz und Seele sind erkrankt und können keine LIebe fühlen. Das kann ich mir nur schwer vorstellen.

    Jeden Menschen iinig lieben kann man wohl nicht. Aber mögen, achten und respektieren.
    Es gibt aber durchaus eine Sorte Menschen, die ich verachte und Distanz übe.
  6. ameamagao schreibt am 10.09.2010 um 16:24 Uhr:Ich denke schon, dass die Liebe all das kann, sternenschein. Jedoch denke ich nicht, dass der Mensch es kann. Aber ich bin auch leidenschaftliche Pessimistin ;).
    Und wenn er es doch kann - was hindert den Menschen daran, mit ihr zu handeln und zu leben?
    Ich weiß es nicht.
  7. Muffin schreibt am 10.09.2010 um 16:35 Uhr:Als ich das Zitat las, hatte ich auch spontan zwei Sichtweisen im Kopf, sowie ameamagao.
    Nur tendiere ich eher dazu, zu sagen, dass die Liebe über alles siegen kann. Und wenn du fragst, warum zB Hass so oft über die Liebe siegen kann, dann denke ich, dass Hass und Liebe auf irgendeine Art und Weise zusammen gehören. Wir hassen, weil wir lieben... oder liebten. So sehe ich das.
    Liebste Grüüüße :)
  8. AngelInChains schreibt am 10.09.2010 um 18:13 Uhr:Nicht jeder tut alles mit Liebe. Der seine Arbeit liebt, ist heutzutage gut dran, wo Leute zum Hundekotsammeln im Park oder zu irgendwelchen nächtlichen Tankstellenhütaktionen gezwungen werden dürfen. Da arbeitet man sicher nicht unbedingt mit liebe dran, sondern unzufrieden, weil man das Geld dringend braucht. Wobei natürlich einige Menschen sicher fast alles mit Liebe machen könnten, so eben auch aufgezwungene Jobs. Man könnte meinen, einige Menschen sind mit allem zufrieden, aber nunja, da ist es auch wieder eine Ansichtsfrage, ob man das persönlich so gut findet oder nicht.

    Dennoch denke ich, wahre Liebe (da kann man auch wieder streiten, was das nun ist) kann ziemlich viel besiegen. Gegen den Tod ist sie etwas machtloser, aber ansonsten klappt wohl so ziemlich alles.

    Übrigens, soweit ich weiß, heißt das Originalzitat von Vergil "omnia vincit amor". Im Zusammenhang heißt es auf jeden Fall, dass die Liebe alles besiegen kann, nicht umgekehrt.
  9. Yaimm schreibt am 10.09.2010 um 19:46 Uhr:Als Zyniker könnte man meinen, er meint die Liebe zu sich selbst.
  10. AngelInChains schreibt am 10.09.2010 um 20:18 Uhr:Nichtmal nur als Zyniker. Es würde sogar stimmen, oder hat der gewöhnliche Mensch keinen großen Selbsterhaltungstrieb?
  11. Schlafblume schreibt am 11.09.2010 um 19:25 Uhr:Vielleicht wird die Liebe ja auch manchmal überbewertet. Ich meine, wichtig ist sie allemal, und wir sollten sie alle anstreben - die Liebe zu unsselbst, zu unseren Mitmenschen, der Welt... Aber ob sie alles besiegen kann hängt doch eher davon ab, wieviel Liebe gerade im Herzen herrscht, oder nicht?
  12. AngelInChains schreibt am 11.09.2010 um 19:59 Uhr:Natürlich (aber das spricht auch nicht gegen das Zitat, da es um Liebe im Allgemeinen geht, nicht um besonders wenig Liebe ;) ), nur ist nicht jeder auch selbst dafür verantwortlich, "wie viel Liebe" er empfindet? Ist es mir nicht selbst überlassen, wie sehr ich meine Mitmenschen achte?

    Auch jemand, der von Menschen oft enttäuscht worden sind, kann sagen, er liebt die Mitmenschen dennoch. Fällt vielleicht schwerer, als bei einem friedlichen, schönen Umfeld, aber ist halt Charaktersache, wie ich schrieb. Einige Leute können es, andere nicht, manche wollen auch gar nicht. Ich finde auch, das ist jedem selbst überlassen, so lange eine Grundhaltung, seine Umgebung nicht zu schädigen, vorhanden ist.

    Ich kann von mir selbst sagen, was mich sicher vor einigen Leuten abwerten wird: Ich find die Menschheit als Gesamtes nicht so besonders toll. Von Liebe würde ich nicht sprechen. Aber ein Grundrespekt, jedes Lebewesen zu achten, ist dennoch da, auch wenn ich jemanden absolut nicht leiden kann, seine Existenz muss respektiert werden. Oder ist das auch schon Liebe? Wenn ja, was für eine, dass sie sich mit dem Gefühl von Abneigung nicht widerspricht?
  13. Schlafblume schreibt am 11.09.2010 um 20:34 Uhr:Ach, damit wirst du nicht abgewertet ;) Ich denke, so denken viele. Zu dem Letzten, was du gesagt hast: Ich glaube nicht, dass das Liebe ist. Jemanden zu respektieren oder zu achten. Man muss jemanden nicht lieben, um ihn zu respektieren. Ich glaube, wenn man jemanden nicht leiden kann und ihn dennoch respektiert, dann folgt man seinen guten Manieren. Man ist ein friedlicher Mensch und will es auch bleiben. Obwohl es vielleicht personenbedingt ist. Vielleicht ist es bei manchen Menschen ja doch eine gewisse Liebe - vielleicht die Liebe zu Gott?
  14. AngelInChains schreibt am 11.09.2010 um 20:56 Uhr:Wenn man an Gott glaubt, kann es durchaus Gottesliebe sein, Menschen trotz einer Abneigung zu respektieren. Aber das wird bei jedem anders sein. Vielleicht ist es bei einigen Leuten auch einfach nur Regelkonformität, oder Angst vor göttlichen Strafen. Und auch bei Nicht-Christen können es verschiedene Gründe sein, persönliche Moralvorstellungen, gute Manieren zeigen zu wollen, oder vielleicht die Vorstellung von gutem und schlechtem Karma.

    Bei mir persönlich ist es einfach eine Moralfrage. Ich habe meine eigenen Regeln, was den Umgang mit der Welt betrifft, aber da bin ich zu mir selbst auch richtig streng. Eine Regel ist eben, niemandem zu schaden.
  15. Nasoetwas schreibt am 12.09.2010 um 08:31 Uhr:@AngelinChains: Du hast einen ganz wichtigen Punkt aufgezeigt:
    "Niemandem zu schaden"
    Wenn das alle beherzigen würden, wäre es schon sehr friedlich in den Familien, den Betrieben und auf der Welt.

    Wer Liebe in sich hat kommt sowieso nicht auf die Idee anderen zu schaden. Sie zu verpotten, zu denunzieren, zu diffamieren. In Angreifern steckt auch Liebe - maßlose EIGENLIEBE und Egoismus.

    Wenn Du schon in Dir hast "NIEMANDEM schaden zu wollen" ist es nicht nur eine Regel. Regeln können im Zorn leicht verletzt werden.

    @sternenschein: Hat es jemals seit dem es Menschen auf der Erde gibt Frieden gegeben? In allen Kriegen ging es nur um Macht und Besitz.
    Dadruch können Menschen verbittern und hassen.

    Mensch braucht beides Herz und Verstand.
  16. aenne schreibt am 12.09.2010 um 09:03 Uhr:Mein erster Gedanke zu deinem Eintrag, lieber Sternenschein, war: "Na klar, die Liebe siegt." Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich immer an das Gute im Menschen glaube. Und so sehe ich das auch mit der Liebe, sie ist mit unserer Grundhaltung zum Leben verbunden.
    Die vielen Einträge zeigen, dass doch Liebe ein Thema ist, welches uns nicht losläßt, egal wo wir im Leben stehen. Und ich habe mich an ein Buch erinnert, welches mein damaliger Mann und ich während unserer Trennung von seiner Schwester geschenkt bekamen. Er hat es nicht gelesen, somit ist es bei mir geblieben und ich kann euch den Titel nennen: "Die Kunst des Liebens" von Erich Fromm. Vielleicht mag es ja jemand lesen. Es beschreibt die Liebe in allen Aspekten und zeigt, wie elementar sie für unser Leben ist.

    Herzlichst Aenne.
  17. AngelInChains schreibt am 12.09.2010 um 17:17 Uhr:Regeln können im Zorn verletzt werden, daher ist es keine Regel? Na gut, "Regel" ist ja auch ein wenig Definitionssache. Hier trifft es dann vielleicht "Lebenseinstellung" besser.

    Wobei ich allgemein kein zorniger Mensch bin. Bzw keiner, bei dem Zorn je die Überhand gewonnen hätte.

    Ich finds interessant, ich les so oft von Leuten, dass ihnen irgendwann der Kragen geplatzt sei oder dass ihr Hirn von Leidenschaft in welcher Form auch immer die Kontrolle verloren hätte. Jedes Mal schaudert es mich, denn ich verstehe es einfach nicht. Ich habe noch NIE in meinem bisher 23-jährigen Leben die Kontrolle über mich verloren, was Emotionen betraf (die Präzisierung erwähne ich, weil es körperlich durchaus vorkommen kann, Kontrolle über sein Handeln in einem bestimmten Maß zu verlieren, bei körperlichen Verletzungen zB - aber emotional bedingt bei mir eben nie).

    Es mag überheblich klingen, aber wenn ich lese, wie einige Leute selbstverständlich über sich selbst sagen, etwa 1x pro Woche die Kontrolle aus Wut, Begierde, Neid, was auch immer, zu verlieren, dann frage ich mich: Bin ich ein Mensch? Oder bin ich weniger Tier, als der Durchschnittsmensch es zu sein scheint? Wie gesagt, ich versteh diese Kontrolllosigkeit nicht. Man muss doch seinen eigenen Körper nach seinem Willen kontrollieren können.

    Und das ist nicht einmal krank machender Zwang, sondern ich fahre damit gut und fühl mich wohl dabei (es hat schließlich auch Vorteile, NICHT wild Leute zu beschimpfen, weil sie einem missfallen, sondern höflich bleiben zu können). Ich kenn das Argument von Leuten, die in dieser Hinsicht anders sind, die extrem impulsiv sind, die behaupten, wer sich immer im Griff habe, sei unentspannt bis emotionslos. Nein, eigentlich nicht ;) Ich denke, vorhanden sind dieselben Emotionen, nur der Umgang damit, der nahezu selbstverständlich geschieht, ist anders. Vielleicht auch angeboren, Charaktere sind halt anders.

    Oder ist es eine Mentalitätsfrage? Ich frage mich das häufiger, ich komm aus nem anderen Kulturkreis und hab das Gefühl, die Leute da seien allgemein friedlicher. Das widerstrebt mir aber auch etwas, das zu denken, denn ich will Menschen in keine Schubladen werfen und schon gar nicht nach ihrer Nationalität.
  18. ameamagao schreibt am 12.09.2010 um 18:14 Uhr:Die Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, hängt (neben genetischen und kulturellen Einflüssen) maßgeblich von der Erziehung ab: lernen Kinder es von ihren Eltern, Verwandten, oder in der Peer-Group? Wenn nicht, muss der Mensch - gerade bei belastenden Emotionen - selbstständig eine Möglichkeit dafür finden, was meist in Form von "negativem" bzw. schädlichem Verhalten geschieht (aggressives Verhalten sich oder anderen gegenüber). Keine Entschuldigung - schlicht und ergreifend eine Erklärung.

    Abgesehen davon gibt es auch einfach Menschen, die emotionaler sind, die Emotionen sehr intensiv wahrnehmen und dann auch (ohne anderen zu schaden) ausleben. Gewiss auch wieder kulturell, genetisch und erzieherisch bedingt.
  19. AngelInChains schreibt am 12.09.2010 um 19:11 Uhr:Ich denke, ob die Emotionen sehr stark wahrgenommen werden, oder nicht, ist gar nicht so ein Faktor. Bei sehr starken Emotionen mag es schwieriger sein, sie zu kontrollieren bzw die darauf folgende Handlung zu kontrollieren (Emotionen selbst kann man meiner Meinung nach nicht beeinflussen, höchstens verdrängen, aber da bleiben sie dennoch vorhanden).

    Also, es geht wie gesagt um die Frage, wie man mit Emotionen umgeht. Das mag sicher anerzogen sein. Mich wundert halt nur, wieso heutzutage so viele Menschen dies wohl nicht anerzogen bekommen haben?

    Ich mein, wenn ich sehe, wie hemmungslos viele Leute bsp Wut, Aggression, ausleben, nicht einmal nur an Menschen, sondern zB auch an Gegenständen, dann könnte ich zum Teil wirklich Angst bekommen. Ich habe einfach den Eindruck (auch wenn ich natürlich niemanden in den Kopf sehen kann), dass einige Leute dabei so kontrolllos sind, dass sie bei größerer Wut ggf. eben nicht nur gegen irgendeine Häuserwand oder Mülltonne treten, sondern, wenn vorhanden, vielleicht auch gegen den nächstbesten Menschen.
  20. ameamagao schreibt am 12.09.2010 um 19:59 Uhr:"Emotionen selbst kann man meiner Meinung nach nicht beeinflussen, höchstens verdrängen, aber da bleiben sie dennoch vorhanden"

    Natürlich kann man Gefühle beeinflussen - man kann sie regulieren. Extreme Gefühle durch Tricks abschwächen, andere verstärken.


    Zunächst: bei extrem belastenden Emotionen müsste man eher fragen, woher die kommen. Denn man kann Emotionen noch so gut regulieren können - es gibt eine Schwelle, wenn die überschritten ist, müssen "Notlösungen" her - Symptome - um die Gefühle zu regulieren. Typisch z.B.: Alkoholmissbrauch als eine Form der Regulation von zu starken Emotionen. Oder Aggressionen oder Essstörungen oder Dissoziationen oder oder oder oder... Sowas kann man "schön" nach Traumata beobachten.

    Wieso haben Menschen es nicht gelernt?
    Eltern sind immer auch "Modelle". Wenn sie es selbst nicht können - wie sollen sie es ihren Kindern bringen? Ein Kind lernt von Eltern durch Nachahmung, wie man mit Gefühlen umgeht: kläre ich einen Streit durch Worte, steiger ich mich hinein, schrei ich rum oder geh ich Konflikten aus dem Weg? Zeige ich Gefühle, oder verstecke ich alles?
    Wenn Eltern ihre Gefühle nicht regulieren können, muss das Kind wo anders lernen, wobei die Eltern natürlich in den ersten Lebensjahren, in denen ein Kind viel lernt und stark geprägt wird, die primären Bezugspersonen sind.

    Keine Sorge - mir macht Kontrollverlust auch immer wieder Angst. Aber eigentlich ist es nur ein Zeichen, dass diese Menschen a) (für sie zu) starke Emotionen haben und b) nicht wissen, wie sie sie auf gesunde Art und Weise regulieren können bzw. nur diese Umgangsweise gelernt haben.
    Da kann man nun Elternhaus, Erziehung, soziale Umgebung (Schule, Freunde,...), kulturelle Einflüsse und Genetik untersuchen. All das spielt zusammen, ist ein komplexes Gefüge. Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Man kann es auf kulturelle Gründe schieben, weshalb Eltern Emotionsregulation ihren Kinder nicht beibringen können, oder individuelle, oder weiß der Geier was. Da musst du die Geschichte jedes einzelnen separat anschaun und ihn fragen - eine allgemeine Antwort gibt es darauf nicht.
  21. AngelInChains schreibt am 12.09.2010 um 20:21 Uhr:Vorhandene Gefühle regulieren? Natürlich, man kann Angst durch bestimmte Tätigkeiten enden lassen, Wut abreagieren, usw. Aber ist das wirklich Regulation in dem Sinne? Was ich sagen wollte: Wenn man sich über etwas wütend fühlt, wenn man traurig oder enttäuscht ist, dann ist das Gefühl DA. Es verschwindet nicht urplötzlich wieder, nur weil man das so will (man kann höchstens das normale Abklingen verlangsamen/beschleunigen). Entscheidend ist die Handlung, die aufgrund des Gefühls folgt.

    Zu den "Notlösungen": Ist es einem nicht selbst überlassen, welche man wählt? Es ist einem ja nicht angeboren, ob man bei großer Trauer sich besäuft, sich selbst verletzt oder meinentwegen einfach tagelang nur weint. Die Wahl liegt bei einem selbst, oder zumindest kommt man auf die Idee, WELCHE Lösung man wählt, durch Erfahrungen, Erziehung, usw. Nicht nach Zufallsprinzip, geschweige denn ist JEDER gezwungen, sich in der Not zu besaufen.

    Wenn es um psychische Erkrankungen mit Dissoziation, Derealisation, usw, geht, ist das eine andere Sache, finde ich. Diese psychischen Wahrnehmungsverzerrungen basieren ja nicht auf eigenen Entscheidungen, sondern treten unkontrolliert auf (was nicht heißt, dass man nicht lernen kann, damit umzugehen und somit besser darauf zu REAGIEREN, wobei die Dissos trotzdem da bleiben).

    Übrigens meine ich auch nicht, dass man unbedingt nachforschen muss, wieso jemand überdurchschnittlich emotional ist. Menschen sind nun einmal alle unterschiedlich und der eine Mensch ist emotionaler, der andere weniger. So lange kein schädliches Verhalten auf die Emotionen FOLGT, ist es eine individuelle Unterschiedlichkeit, die keinen etwas angehen sollte und die völlig in Ordnung ist. Ich vertrete die Auffassung, dass man von keiner Norm reden sollte und jede Ausprägung zu akzeptieren ist, so lange dabei niemandem geschadet wird. Egal, wie seltsam einige Fälle auf Außenstehende vielleicht wirken, so lange es keinem schadet, ist es doch jedem selbst überlassen, was er wie tut.

    Nebenbei, es mag ja noch so schön und logisch zu erklären sein, wieso einige Menschen Emotionen schwer regulieren können. Die Angst beseitigt es aber nicht gerade. Wenn mich nämlich abends am Bahnhof ein solcher gestörter Mensch körperlich angreift, dann bleibt mir der Schaden, egal, ob ich weiß, woher er seine schlechte Erziehung hat, oder nicht.
  22. ameamagao schreibt am 12.09.2010 um 20:31 Uhr:Regulation heißt, ein Gefühl zu beeinflussen, ja. Übermäßigen Schmerz runter zu fahren, sodass er aushaltbar ist. Natürlich ist er da - und dennoch ist das z.B. gerade in Therapien eine wichtige Strategie, die vermittelt wird, damit man nicht auf "Notlösungen" (Symptome) zurück greifen muss. Natürlich ist das Gefühl da, man kann es auch verdrängen, aber entscheidend ist doch, dass man etwas gegen übermäßige Wut tun kann, regulieren kann, sodass man Symptome nicht braucht.

    Und natürlich ist man nicht gezwungen, dieses oder jenes Symptom zu benutzen. Natürlich geschieht es in gewisser Weise "freiwillig". Das sind eben ungesunde Regulationsstrategien da gesunde nicht vorhanden sind.

    Du hattes gefragt, ob Kontrolllosigkeit eine Mentalitätsfrage ist oder kultur bedingt, wieso manche es nicht anerzogen bekommen - darauf versuchte ich zu antworten. Und wie oben schonmal geschrieben - es entschuldigt nicht das Verhalten, wenn man es versteht.
  23. AngelInChains schreibt am 12.09.2010 um 21:27 Uhr:Ja, es hilft im Verständnis. Es erklärt, erhellt, ich finde es auch interessant und immer gut, Neues zu lernen, Antworten auf Fragen zu finden. Nur ist es leider trotz allem eben nichts, was Ängste direkt beseitigt, oder eben das Problem gewalttätiger Mitmenschen, das wollte ich ausdrücken.

    Allerdings könnte man ja ganz einfach mal handeln ;) wenn man denn schon erahnen kann, wo das Problem her kommt. Nur wer kann Eltern so erziehen, dass sie ihre Kinder zu einem sozialen, unschädlichen Dasein erziehen?
  24. Nasoetwas schreibt am 13.09.2010 um 07:57 Uhr:
    AngelInChains:Regeln können im Zorn verletzt werden, daher ist es keine Regel? Na gut, "Regel" ist ja auch ein wenig Definitionssache. Hier trifft es dann vielleicht "Lebenseinstellung" besser. Wobei ich allgemein kein zorniger Mensch bin. Bzw keiner, bei dem Zorn je die Überhand gewonnen hätte. Ich finds interessant, ich les so oft von Leuten, dass ihnen irgendwann der Kragen geplatzt sei oder dass ihr Hirn von Leidenschaft in welcher Form auch immer die Kontrolle verloren hätte. Jedes Mal schaudert es mich, denn ich verstehe es einfach nicht. Ich habe noch NIE in meinem bisher 23-jährigen Leben die Kontrolle über mich verloren, was Emotionen betraf (die Präzisierung erwähne ich, weil es körperlich durchaus vorkommen kann, Kontrolle über sein Handeln in einem bestimmten Maß zu verlieren, bei körperlichen Verletzungen zB - aber emotional bedingt bei mir eben nie).Es mag überheblich klingen, aber wenn ich lese, wie einige Leute selbstverständlich über sich selbst sagen, etwa 1x pro Woche die Kontrolle aus Wut, Begierde, Neid, was auch immer, zu verlieren, dann frage ich mich: Bin ich ein Mensch? Oder bin ich weniger Tier, als der Durchschnittsmensch es zu sein scheint? Wie gesagt, ich versteh diese Kontrolllosigkeit nicht. Man muss doch seinen eigenen Körper nach seinem Willen kontrollieren können. Und das ist nicht einmal krank machender Zwang, sondern ich fahre damit gut und fühl mich wohl dabei (es hat schließlich auch Vorteile, NICHT wild Leute zu beschimpfen, weil sie einem missfallen, sondern höflich bleiben zu können). Ich kenn das Argument von Leuten, die in dieser Hinsicht anders sind, die extrem impulsiv sind, die behaupten, wer sich immer im Griff habe, sei unentspannt bis emotionslos. Nein, eigentlich nicht ;) Ich denke, vorhanden sind dieselben Emotionen, nur der Umgang damit, der nahezu selbstverständlich geschieht, ist anders. Vielleicht auch angeboren, Charaktere sind halt anders.Oder ist es eine Mentalitätsfrage? Ich frage mich das häufiger, ich komm aus nem anderen Kulturkreis und hab das Gefühl, die Leute da seien allgemein friedlicher. Das widerstrebt mir aber auch etwas, das zu denken, denn ich will Menschen in keine Schubladen werfen und schon gar nicht nach ihrer Nationalität.


    @angelinChain mit den Zeilen

    "Wenn Du schon in Dir hast "NIEMANDEM schaden zu wollen" ist es nicht nur eine Regel." wollte ich Dir eigentlich sagen, dass du schon etwas wertvolleres in dir hast. Alle anderen Zeilen in meinem Kommentar waren nicht auf dich bezogen. Ich habe mich wohl ungeschickt ausgedrückt.

    Deine Ansichten hier teile ich voll und ganz. Ich verstehe auch nicht, dass man sich nicht im Griff haben kann.

    "Ich kenn das Argument von Leuten, die in dieser Hinsicht anders sind, die extrem impulsiv sind, die behaupten, wer sich immer im Griff habe, sei unentspannt bis emotionslos" ebenfalls. Es wurde mir auch schon nachgesagt.
    Ich bedaure Menschen für die es normal ist HEMMUNGSLOS alles raus zu lassen.

    LG nasoetwas
  25. AngelInChains schreibt am 13.09.2010 um 19:13 Uhr:Ja, du bringst es auf den Punkt. Es ist (nahezu) grenzenlose Hemmungslosigkeit. Nur sollten Dinge eben schon zumindest eine Grenze haben: nämlich die, dass sie niemandem schaden dürfen. Aber hier würden wir uns im Kreis drehen ;)

    Jedenfalls bin ich mir aber nicht so sicher, ob ich diese Menschen so sehr bedauere, die sich nicht im Griff haben. Ein wenig schon, aber das Unbehagen, das diese Menschen bei mir persönlich auslösen, überwiegt doch. Wie gesagt, wenn man von solchen Leuten umgeben ist, dann frag ich mich schon manchmal: Gibt es eine Garantie, dass sie nicht irgendwann einmal ausrasten und das dann auch mich gefährdet (und natürlich auch andere Mitmenschen, die eigentlich niemandem etwas getan haben)?

    Es erschreckt mich auf jeden Fall, dass die Gesellschaft zumindest hier in der Stadt immer schädlicher und unsozialer zu werden scheint. Wenn überhaupt noch etwas eine Rolle spielt, dann irgendwie nur die Frage, ob man selbst von einer Sache etwas haben könnte oder daran schaden nehmen könnte. Soziales Verhalten zählt kaum - viele Menschen tun Dinge nur nicht, wenn Gefahr besteht, dass sie dafür bestraft werden könnten. Da ist dann nicht im Hinterkopf: "dieses Verhalten schadet Mitmenschen, daher darf ich es nicht tun", sondern nur "wenn ich das tue, werde ICH bestraft, daher tue ich es nicht". Das finde ich schrecklich.
  26. ameamagao schreibt am 13.09.2010 um 19:37 Uhr:
    AngelInChains:
    Allerdings könnte man ja ganz einfach mal handeln ;) wenn man denn schon erahnen kann, wo das Problem her kommt. Nur wer kann Eltern so erziehen, dass sie ihre Kinder zu einem sozialen, unschädlichen Dasein erziehen?


    *lächel* deshalb hab ich mein Fach gewählt (Pädagogik), deshalb bin ich beim Kinderschutzbund. Es ist nicht viel, was ich machen kann - aber es ist etwas.
  27. AngelInChains schreibt am 13.09.2010 um 19:50 Uhr:Nun, als Pädagoge kann man immerhin in nem gewissen Maß die Fehler der Eltern wieder ausbügeln ;) Es ist eine Besserung, auf jeden Fall. Ich frage mich allerdings immer, was man sonst noch machen könnte. In die Erziehung durch die Eltern kann man sich ja staatlich auch nur soweit einmischen, dass man Misshandlungen durch die Eltern unterbindet. Viel mehr lässt sich wohl nicht machen.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich will kleine Besserungen nicht gering schätzen. Jede Besserung, wie klein auch immer, ist zu begrüßen.

    Ich bin nur leider am zweifeln, ob das, was man wirklich tun kann, ausreicht, um dieses gesellschaftliche Problem wirklich zu beheben. Die Eltern haben halt immernoch die Oberhand in Sachen Erziehung, was erst einmal natürlich gut ist - aber wenn da eben keine Erziehung zu einem sozialen Menschen erfolgt, was dann? Man kann als Pädagoge natürlich einwirken, aber den Haupteinfluss auf die Entwicklung eines Kindes wird wohl immer die Familie haben. Das heißt, wenn von der Seite ein schlechter Einfluss kommt, dürfte es sehr schwer sein, dagegen anzugehen.
  28. ameamagao schreibt am 13.09.2010 um 20:09 Uhr:Erziehungsberatungsstellen machen öfter "Elternkurse", in denen die Eltern - freiwillig - Fragen stellen können zu Erziehungsproblemen. Man kann niemanden zwingen dort hin zu gehen. Als ich als Praktikantin ein mal dabei war, war der Kurs aber voll. Mehrere Eltern, vor allem Mütter.
    Angebote bereit stellen, Anlaufstellen bieten. Die werden durchaus genutzt, nur leider oft nicht von den Familien, bei denen es so wichtig wäre.

    Ich hatte nicht den Eindruck, du würdest kleine Bemühungen verschmähen, keine Sorge :). Ich kann es ja verstehen, die Frage - was noch?

    Ja, die Familie hat einen sehr sehr großen Einfluss auf einen Menschen. Aber Außenstehende können auch einen "Fingerabdruck" hinterlassen, ein paar Spuren im Sand. Ich sah es bei meinem Bruder - es war erstaunlich und so wunderbar (er ist nicht gewalttätig, ganz andere Situation, aber doch kam jemand von außen und half ihm).
    Man kann die Möglichkeiten schaffen, unterstützen - und die Hoffnung nicht aufgeben. Ich weiß, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Und dennoch ist es eben für mich besser, als nichts zu tun. So lange ich eine Stimme, Augen und Ohren habe, werde ich versuchen, zu helfen. Es geht im Kleinen (in einer kurzen Begegnung) wie auch im Großen (im Job).

    Vielleicht braucht es ein Lauffeuer. Eine Person steckt drei weitere an, eine jede dieser drei steckt wieder drei weitere an und so weiter und so fort.
  29. Nasoetwas schreibt am 14.09.2010 um 07:40 Uhr:Das wäre der einzig richtige Weg. Leider funktioniert es schneller in der falschen Richtung.
  30. AngelInChains schreibt am 14.09.2010 um 19:53 Uhr:Das sehe ich auch so, aber besser, ein kleiner Erfolg, als gar keiner.
  31. ameamagao schreibt am 14.09.2010 um 21:16 Uhr:@Nasoetwas
    Da bin ich mir nicht sooo sicher.. Ist es dir schonmal passiert, dass du glücklich warst, weil ein Fremder dir ein nettes Wort oder ein Lächeln geschenkt hat? Oder weil er dir geholfen hat? Und hast du dann nicht automatisch deine Freude weitergegeben? Ich glaube, hier ist es nichts Anderes. Ich denke, die Einstellung macht viel aus. "Es bringt ja eh kaum was oder nichts." Vielleicht sind wir wegen der Einstlelung auch einfach nur blind geworden und ersticken dadurch ein Pflänzchen im Keim.

    Pessimismus bringt bei dem Thema jedenfalls nichts. Wie Angel sagt: lieber ein kleiner Erfolg, als keiner. Entweder man tut was und setzt sich ein - oder man akzeptiert die Sachlage, wie sie ist.

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