Von weissen Krähen
Stimmung: Gut, Sonnenschein von Wolken unterbrochen
Musik: Windgeräusche
deshalb hier der erste und letzte Satz, aus dem Buch
Die Wand
von Marlen Haushofer
ISBN 3-423-12597-7
Heute, am fünften November, beginne ich mit meinem Bericht. Ich werde alles so genau aufschreiben, wie es mir möglich ist. Aber ich weiß nicht einmal, ob heute wirklich der 5. November ist.
und der letzte Absatz:
Die Krähen haben sich erhoben und kreisen schreiend über dem Wald. Wenn sie nicht mehr zu sehen sind, werde ich auf die Lichtung gehen und die weisse Krähe füttern. Sie wartet schon auf mich.
Marlen Haushofer wurde am 11.4.1920 in Österreich geboren, starb am 21. März 1970 in Wien.
Zum Roman "Die Wand":
Eine Frau wacht eines Morgens in einem Jagdhaus in den Bergen auf und findet sich, allein mit ein paar Tieren, in einem Stück Natur eingeschlossen von einer unüberwindbaren gläsernen Wand, hinter der offenbar keine Menschheit mehr existiert....
Sie selbst nannte es eine Katzengeschichte..

zuerst sah ich es bei Angelmagia, sie hat einen Blog, in dem verschiedene User, den letzten Absatz eines Buches schrieben.
Jetzt sah ich, in mehreren Blogs, ein Buch koenne man teilweise, nach dem ersten Satz beurteilen. Ob es einem gefallen wuerde. Ob es gut lesbar ist oder nicht.
Eine Blogschreiberin bemerkte dadurch, dass sie fast nur Bücher nichtdeutscher Autoren besitzt :-).
Was ich nicht unbedingt als schlecht ansehe.
Gestern stiess ich dann im Internet, auf eine Seite oder einen Wettbewerb, "Hitliste der besten 100 ersten Sätze" aus Romanen.
Scheint also Kreise zu ziehen.
Vielleicht hattest Du ja, den Stein dazu, in der 8. Klasse ins Wasser geworfen?
Aber interessant ist dieses Kriterium schon, obwohl ich ein Buch nicht unbedingt, nach dem ersten Satz beurteilen wuerde.
Liebe Gruesse
LG
Ja, ich habe es gelesen. Es kam einmal in einer Buchbesprechung vor, im Deutschlandfunk..in der Rubrik 10 Bücher, die man gelesen haben sollte.
Hatte mich neugierig gemacht, so habe ich es mir gekauft.
Klaus Antes sagte über die Autorin Marlen Haushofer:
"Nicht in ihrer Haut, sondern in der Natur, die ihr zur schuetzenden Heimat wurde, konnte sie frei sein, und in ihren Texten, mit denen sie vorwiegend sich selbst bewies, dass sie kein Nichts ist. Sie klagte kaum und war der Meinung, wahres Unglueck dulde kein Pathos. Es komme eben wie Wind und Regen. Vermutlich schrieb sie, weil sie so, wie sie sein wollte, nicht werden durfte.
Es ist allerdings ein Roman, in dem eben halt nur die Protagonistin vorkommt, im Ueberlebenskampf als scheinbar letzter Mensch auf Erden, in dieser Huette in einem Bergtal, mit einigen Tieren, der Natur und den schwindenden Vorraeten. Dem Mut zum trotzdem Ueberleben und weitermachen..und sei es nur wegen der Verantwortung fuer ihre Tiere.
Ein Leben in Isolation, magelnder Zivilisation, keine Gespraeche, nur ein einfaches so weiterleben..und doch alles notwendige dazu zu tun.
Liebe Gruesse
auch eine eigene Art..aber wegen der Spannung, selbst wenn man ein Buch einzweites Mal liest, ist es doch wieder anders.
Je nach unserer Verfassung aendert es sich, denn die Bilder aus den Worten, sie entstehen ja in unserer Phantasie..und die kann mit unserer Verfassung wechseln. Und vieles sieht man beim zweiten Lesen anders. Merkwuerdigerweise.
@Die rote Zora,
Ich fand das Buch auch sehr schoen.
hast Du es gelesen?
Ich glaube, wenn man so lebt, wie wir leben..(alles nur ausgedacht natuerlich..hehe), dann hat man zu dem Inhalt des Ueberlebenskampfes, mit den Tieren, dem Brunnen, dem Holz vor der Huette, dem Wald und den Kraehen, ein ganz anderes Verhaeltniss.
Wir wissen wohl ein wenig, wie sich so ein Leben anfuehlen kann.
Liebe Gruesse Euch beiden..
In welche Richtung geht der Roman?.. Also so Genre...?
Ganz liebe Grüße.
in meinem neuesten Beitrag,
"mach dir keine Sorgen"
habe ich ganz unten einen Link gesetzt, da gibt es Leseproben, ihre Biographie, einen Tagebuchauszug etc.
Und als ich den Briefauszug las, ein wenig dachte ich an Dich, Anelmagia, dabei.
Auch sie hat so gerne geschrieben, es war ihr Leben, und oftmals meinte sie, die Gedanken, die sie im Kopfe hat, nicht zu Papier bringen zu koennen.
Es gibt ueber Marlen Haushofer auch etliche wissenschaftliche Abhandlungen. Sie war ja anfangs Kinderbuchautorin, die verkauften sich auch gut, waehrend ihre Romane, anfangs nicht so gut zu verkaufen waren.
Sie handeln im Grunde vom Ueberleben als Frau, in einer Maennergesellschaft, die teilweise von Gewalt und Zwaengen gepraegt war.
In dem Buch die Wand ist sie allerdings alleine, in der Annahme, dass eine feindliche Macht eine neue Waffe erfunden hat, die die Natur belaesst, aber alles Leben auslaoescht. Nur eben, durch diese glaeserne Wand, die das Stueck Tal und die Berge umgibt, hatte sie ueberlebt. Als einzige! Dachte sie, Es kommt allerdings im Roman doch ein Mann vor, den sie toetet, toetet wegen seiner brutalitaet dem Tier gegenueber.
Feministinnen schreiben, den Mann toetet um als Frau zu ueberleben.
Nunja, ihre Ehe(n) waren allerdings auch sehr merkwuerdig.
"Niemals hat sie den Spiegel verhaengt vor dem eigenen Blick. Auch das vergebliche zu tun, wurde sie nicht muede."
sagt man ueber Marlen Haushofer.
Und klar kannst es in Dein Blog stellen..
danke dafuer.
Liebe Gruesse
Mich wuerde interessieren, ob sie den Mann toetet, weil er sinnlose Gewalt gegenueber einem Tier ausuebt, oder ob der Mann das Tier getoetet hat, um es zu essen, sein Fell zu gebrauchen, o.ae.?
uebrigens bei ihrer Art mit den Dingen umzugehen, mit Krankheit, Widrigkeiten des Alltags, dem Ueberlegen sich dem zu entziehen, durch Selbstmord, dann zu dem Schluss zu kommen, einfach so weiterzuleben, sich mit der Situation zu arrangieren und das fuer die beste daraus zu machen, voller Kraft und Mut, da dachte ich daran, wenn du so leben muesstest, wuerdest Du es wahrscheinlich auch so machen. Und zum Teil, bemerkt man im Roman mit der Zeit, dass diese Angeschiedenheit, die Trennung und das Leben ohne Menschen, ohne Regeln von aussen, ihr sogar fast gefallen. Denn alles was vorher war, es zaehlt nicht mehr, wird einfach wertlos.
Sie fand eine trächtige Kuh, die ihr Milch gab. Da das versorgen einer Kuh mit Aufwand verbunden ist, sah sie sich als Besitzer und Sklave der Kuh. Das spaetere Kalb entwickelte sich zu einem stattlichen jungen Stier. So hatte sie Aussicht auf neues Leben.
Im Sommer ging sie mit den Tieren auf die Alm, da das Gras dort saftiger war.
Von einem Erkundungsgang zurueckkehrend, sah sie wie ein Mann den Stier mit Axthieben toetete, ob aus Hunger weiss man nicht. Ihr Hund wollte den Stier verteidigen, fiel den Mann an. Jetzt schlug er auch auf dem Hund ein. Sie nahm das Gewehr und erschoss den Mann.
Zitat" Ich zerrte ihn zum Abhang, und warf ihn hinunter. Der tote Mann, er sollte nicht neben meinem Stier, auf dieser unschuldig gruenen Wiese liegenbleiben."
So verzichtete sie auf die Moeglichkeit der Fortpflanzung, Begleitung, Unterhaltung und wohl auch auf das spaetere Weiterleben.
Deuten kann man diese Stelle, wie man moechte. Und doch kann man die Protagonistin im Roman verstehen.
Liebe Gruesse
Zu deinem Zitat noch: "So verzichtete sie auf die Moeglichkeit der Fortpflanzung, Begleitung, Unterhaltung und wohl auch auf das spaetere Weiterleben." - Nur, weil irgendwo ein Mann auftaucht, und mag es auch der allerletzte auf Erden sein, muss man ihn ja nicht sympathisch finden. Also nur durch seine Existenz haette es nicht unbedingt zu Unterhaltung, geschweige denn Fortpflanzung, kommen muessen. Wobei man sich nun streiten koennte, inwiefern Menschen in der Situation, als die zwei letzten Menschen auf der Welt, "verpflichtet" sein koennten, sich fortzupflanzen. Ich weiss nur, ich waere egoistisch genug, die Existenz der Menschheit durch Nicht-Fortpflanzen zu beenden. Mal abgesehen davon kaeme es sonst schon bei den Kindern zu Inzest und damit bei der naechsten Generation evtl zu Behinderungen... Natuerlich, es koennte gut gehen, die Wahrscheinlichkeit waere aber gering. Haette so eine Menschheit eine Chance, lange zu ueberleben? Wissenschaftlich gesehen eher unwahrscheinlich ;)
LG butterfly
ich habe leider nur dieses eine Buch von ihr gelesen.
Werde mir die anderen wohl auch noch besorgen.
Ich finde ihr Leben, zwischen Schwermut, Unbeugsamkeit, aushalten und doch sich zur Wehr setzen, sehr interessant.
Denke auch, vieles in ihren Buechern beruht auf ihrer Biographie. Sie selbst wird sich wohl eher nicht als Feministin gesehen haben.
Liebe Gruesse