Gedanken oder Fragen

09.02.2010 um 09:33 Uhr

Wann gilt ein Mensch als gebildet?

Lernen und nicht denken ist nichtig.
Denken und nicht lernen ist ermüdend.

Zitat: Konfutse

Wann ist ein Mensch als gebildet anzusehen.
In Deutschland, meint der Germanist Naoji Kimura, gilt ein Mensch, der eine Ausbildung oder ein Universitätsstudium abgeschlossen hat als gebildeter Mensch.

Doch ist es wirklich so?
Genügt ein Abschlusszeugnis, ein Diplom als Garant für Bildung, für das gebildlet sein?

In Japan nicht.
Dort, so Naoji Kimura, würde ein Mensch der "nur" sein Studium abgeschlossen hat, als Fachidiot angesehen.
Als nicht gebildet. Ein gebideter Mensch würde er erst werden, wenn er sich über die schulische oder berufliche Ausbildung sich noch andere fachfremde Dinge geistig an- und zueignet.
Als gebildet gilt in Japan ein Naturwissenschaftler erst, wenn er z.B. auch malen oder musizieren kann.

Johann Wolfgang von Goethe's Werke scheinen einen grossen Einfluss auf die japanische Bildung ausgeübt zu haben.
Wie Naoji Kimura auf der Seite

Goethes Bedeutung für die japanische Bildungstradition *klick*>

auf interessante Weise in seinem Beitrag dort beschreibt.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. ameparia schreibt am 09.02.2010 um 12:32 Uhr:Wenn er "Bildung - Alles, was man wissen muss" von D. Schwanitz auswendig kann ^^.
  2. AngelInChains schreibt am 09.02.2010 um 13:49 Uhr:Jaja, Herr Kimura :D Er ist wohl einer der größten Goethe-Fans in Japan... Wobei in Japan viele deutsche Dinge extrem beliebt sind. Das finde ich immer wieder faszinierend. Wenn ich Japaner/innen treffe, dann sind viele begeistert, wenn sie hören, dass ich in Deutschland lebe. Die fragen dann nach der Literatur, nach der Musik, aber auch nach Autos, Waschmaschinen und Essen ;) Aber das geht jetzt ziemlich am Thema vorbei.

    Ja, was ist Bildung? Da muss ich aber sagen, auch, wenn es definitiv auch Dinge gibt, die ich an Japan nicht mag, dass ich diese Idee, dass man sich eben für vielfältige Dinge interessiert, schon am treffensten. Das, was man im Studium lernt, reicht meinem persönlichen Gefühl nach nicht wirklich aus. "Fachidiot" klingt vielleicht bisschen böse, aber wenn ich daran denke, ich wüsste nur, was ich aus dem Studium weiß - dann wäre das arg wenig und gebildet würde ich mich damit nicht fühlen ("eingebildet" trifft es bei einigen Leuten wohl auch eher, wenn man sich ansieht, wie viele mit ihrem Studium prahlen, als mache sie das automatisch zu besseren, klügeren und höherwertigen Menschen).
  3. ameparia schreibt am 09.02.2010 um 20:30 Uhr:@AngelInChains
    Also hängt Bildung von einem breiten Wissen ab?
  4. AngelInChains schreibt am 09.02.2010 um 22:06 Uhr:Meiner Meinung nach ja. Das ist für mich Bildung. Nicht gleichzusetzen mit Intelligenz, Wissen oder Erziehung. Sondern einfach nur Bildung.
  5. AngelInChains schreibt am 10.02.2010 um 00:34 Uhr:Bildung ist Definitionssache. Ich habe MEINE Definition (und es ging hier um UNSERE individuelle Definition von Bildung, nicht um eine allgemein gueltige), wo ist das Problem (abgesehen davon hab ICH Goethe nirgends erwaehnt)? Jeder hat eine andere. Uebrigens, ich mag Goethe, aber seine Gedanken nachbeten muss ich daher noch lange nicht.

    Um das "Runterbeten" geht es mir uebrigens nicht. Allgemein faende ich es ziemlich lahm, Dinge nur zu wissen, um sie auswaendig wiederzugeben. Irgendwie sehe ich da einfach keinen Sinn. Ich persoenlich sammle Wissen, um es zu nutzen - nicht, um es nachzuplappern. Ich lerne das Bestimmen von Fossilien, um Fossilien im Feld zu bestimmen, ich kenne Naehtechniken, um mir Dinge zu naehen. Nicht, um Leuten davon zu erzaehlen, nach dem Motto "Schaut her, was ich Tolles Kann".
  6. ameparia schreibt am 10.02.2010 um 00:41 Uhr:Ich wollte dir nicht deine eigene Definition verbieten. Es wäre schrecklich, wenn jeder die gleiche Meinung hätte. Ich dachte nur - da es oben um Goethe ging und du darauf geantwortet hast "dass ich diese Idee, dass man sich eben für vielfältige Dinge interessiert, schon am treffensten." Goethe nicht gerade nah kommt.
    Es tut mir leid, wenn cih dir auf den Fuß getreten bin, das wollte ich nicht. Ich bin oft zu voreilig in Diskussionen, weil ich einfach gerne über Dinge schreibe oder nachdenke und überlege dabei nicht, ob ich anderen zu nahe trete. Ich tausche mich gerne aus, höre verschiedene Sichtweisen - das ist alles. Und deine hatte ich eben nicht ganz verstanden, wie gesagt, ich dachte, du beziehst dich auf ihn.
  7. Sarah_Marwing schreibt am 10.02.2010 um 08:58 Uhr:Nicht umsonst gibt es auch den Begriff "Herzensbildung"...
  8. sternenschein schreibt am 10.02.2010 um 14:38 Uhr:@ameparia,
    wenn wir bei Goethe blieben, dann wäre Bildung sehr breit und vielfältig, nicht nur auf Fachwissen beschränkt.
    "Man muss zwar von einem Punkte aus-, aber nach mehreren Seiten hingehen"
    sagte er mal zu Riemer.
    Und das ist es wohl, was @AngelInChains auch macht, in diesem goetheschen Sinne, sich bilden, offen sein für vieles und bedenken, aber nicht das eigene Denken bei all den gesammelten Informationen abgeben.
    Ich glaube ein breit gefächertes Interessenspektrum sorgt schon fast von alleine für Bildung, egal ob man nun studiert oder nicht.

    @AngelInChains,
    es erstaunte mich, dass Goethe lt. Herrn Kimura in Japan derartig hoch geschätzt wird. Denn sie haben dort ja auch lange Traditionen und sicherlich auch sehr gute Schriftsteller und Forscher hervorgebracht.
    Wieweit jetzt das Interesse von Japanern an Deutschland und den Dingen hier estaunlich ist, weiss ich nicht.
    In einem Blog las ich mal, von einem Ehepaar mit Kind, welches beruflich dort lebt..und musste lachen. Wenn sie auf Strassenfesten gingen, kammen "immer" Japaner und wollten sich mit dem Kind zusammen fotografieren lassen.;-)
    Fanden sie zuerst etwas ungewöhnlich.
    Entspricht ja garnicht dem Vorurteil des zückhaltenden Japaners.

    Ich glaube auch, ein breit angelegtes Wissen aus Interesse an den Dingen erworben würde ich als Bildng ansehen.
    Interesse an etwas, ist, so glaube ich, der Garant für Bildung.
    Du hast so unwahrscheinlich viel gelernt was ganz und gar ausserhalb deiner Schul- oder Universitätsausbildung liegt.

    Liebe Grüsse
    sternenschein
  9. sternenschein schreibt am 10.02.2010 um 14:46 Uhr:@Sarah_Marwing,
    danke für den Denksanstoss.
    Herzensbildung mag vielleicht sogar die wichtigste Art von Bildung sein.
    Denn was ist eine Bildung ohne Herzensbildung, einfach nur kalt und leer. Im Grunde fast wertlos dann.
    Manchmal habe ich das Gefühl, in unserer Gesellschaft sei die Herzensbildung weniger geworden, die Ellenbogenbildung ist auf dem Vormarsch.
    Viele haben schon Hornhaut auf dem Ellenbogen, da er so oft eingesetzt wird (werden muss).
    Selbst in der Schule wird Herzensbildung kaum unterrichtet, sondern eher die Ausbildung der Ellenbogen. ;-)

    Liebe Grüsse und danke dafür
  10. AngelInChains schreibt am 10.02.2010 um 18:57 Uhr:
    sternenschein:Wenn sie auf Strassenfesten gingen, kammen "immer" Japaner und wollten sich mit dem Kind zusammen fotografieren lassen.;-)


    Das soll aber auch passieren, wenn man mit einem hellblonden Kind in Italien im Urlaub ist, wo sonst fast nur dunkelhaarige Einheimische sind ;) Ist in Asien genauso. Gerade in Japan. Kinder gelten da als extrem niedlich, und gerade, wenn es dann auch noch fuer die dortige Gegend ungewoehnlich aussieht (blaue Augen, blondes Haar, usw)...
  11. ameparia schreibt am 10.02.2010 um 20:06 Uhr:@sternenschein
    ich stimme dir zu, aber das ist es m.e. nicht allein. eine bildung zum beispiel, damit ich praktisch im leben zurecht komme, würde ich eher als "ausbildung" bezeichnen.
    bildung hingegen hat keinen zweck, sie ist vielfältig und auf kein bestimmtes ziel gerichtet, außer auf den menschen selbst. ich kenne mich, wie gesagt, nicht so sehr mit goehtes bildungsbegriff aus, und muss darum auf humboldt zurückgreifen. seinen bildungsbegriff - der, glaube ich, auch auf goehtes zutrifft - ist eben eine freie bildung, eine erweiterung des horizontes, das wachsen des menschen selbst, das bilden der persönlichkeit, das anstoßen von gedanken und ideen. sie es nun an einer einfachen blumen (die z.b. fantasie anregen kann, aber auch zu gedanken, wie sie eigentlich lebt, wie dieses leben klappt, oder um sie zu malen,...). es geht eben nicht nur um praktisches wissen - sondern dass der mensch sich entfaltet. dafür braucht er die welt, anstöße, reize, die ihn festhalten, mit denen er in kontakt tritt - die ihn manchmal auch reizen. breites interesse, ja. aber für mich nicht, damit ich es nutzen kann, sondern für mich, meine neugierde, meinen horizont, meine persönlichkeit. da kann ich dir nur auch bei diesem satz zustimmen: "Ich glaube ein breit gefächertes Interessenspektrum sorgt schon fast von alleine für Bildung, egal ob man nun studiert oder nicht."
    aber bildung ist eben mehr als nur ein mittel, damit man im leben zurecht kommt - zumindest für mich (und darauf bin ich nicht selbst gekommen, nein, sondern durch humboldt). dieses freie, nicht zweckgerichtete, aus interesse und neugierde heraus und nicht, um z.b. nähen zu können oder einen job zu bekommen - das ist für mich bildung. alles andere ist für meine begriffe ausbildung (wobei das eine nicht besser als das andere ist!).

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