Gedanken oder Fragen

23.04.2010 um 14:32 Uhr

Würgespiele im Baum

..können gefährlich sein und tödlich enden..
In Winsen an der Aller fiel in der Nacht zum Montag ein 15 jähriger Schüler dabei von einem Baum und erhängte sich an seinem Schal.

Die Staatsanwaltschaft schliesst Fremdverschulden oder Selbstmordabsicht des Schülers aus.
Sie geht bei dem Tod des Schülers von einem Unfall in Folge autoerotischer Handlungen aus.

Etwas seltsam fand ich den
Spiegel Online Artikel hierzu.

Es wird dort von "Würgespielen" gesprochen.
Gerade so, als ob die einen Schach, Dame oder Halma spielen, die anderen eben "Würgespiele".
Ich weiss nicht, ob man das Würgen, erdrosseln oder auch erhängen als Spiel bezeichnen kann oder sollte. Eben so als sei es ein ganz normales Gesellschaftsspiel.
Dann schreibt der Spiegel Autor in dem Artikel, auch unter Schauspielern und Musikern sollen diese "Würgespiele" verbreitet sein.
Ohne dieses zu verifizieren ob autoerotisch oder nicht. Keine Namen, keine Zahlen.
Weshalb nennt er gerade Schauspieler und Musiker? Weshalb keine Bäcker, Manager oder Handwerker?
Klar, bei Schauspielern und Musikern haben wir gleich Bilder von Personen im Kopf. Sollen wir uns jetzt da fragen tun sie es auch? Oder mehr auf den Hals achten, ob Würgemale zu sehen sind, wenn sie auftreten oder im TV zu sehen sind?

Weiter schreibt er, für Deutschland stehen keine genauen Zahlen der Todesfälle im Zusammenhang mit derartigen Aktionen fest. Selbst "Experten" könnten diese nicht nennen.
Welche "Experten" wurden dazu befragt? "Würgeexperten", Staatsanwaltschaften, Polizei oder Sozialwissenschaftler?
Doch in Frankreich soll jeden Monat ein junger Mensch daran sterben.
Genaue Zahlen oder Zusammenhänge bleiben in dem Artikel aber auch hier wieder im Dunkeln.
Viele Mutmassungen, aber wenig Fakten, die man dort zu diesem Phänomen lesen kann..

Festzuhalten bleibt, dass diese Praxis nicht gesund ist und wie in diesem Fall tödlich enden kann.
Allerdings kann man auf diese Art auch die Suizidraten herunterrechnen, indem man den Selbstmord als Unfall bei autoerotischen Handlungen hinstellt. Er somit nicht in den Suizidstatistiken auftaucht.

Einen etwas aufschlussreicheren Artikel zu diesem Thema findet man auf
t-online.de/toedliche wuergespiele
In dem Artikel wird auf den Tod eines 14 Jährigen Jungen aus dem Havelland eingegangen, der im letzten Dezember unter ähnlichen Umständen starb.
Dort wird gesagt, dass Eltern oftmals von diesen gefährlichen "Spielen" ihrer Kinder garnichts wissen und sie darauf achtgeben sollten um derartige "Unfälle" zu vermeiden.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. AngelInChains schreibt am 23.04.2010 um 16:06 Uhr:Ich habe aktuell ein ziemliches "Aua-Gefühl" ;/ Immer wieder schlimm, wenn Leute so etwas tun, und dabei verunglücken. Wobei sie, wenn sie es schon tun wollen, schon bestimmte Sicherheitsvorkehrungen treffen könnten. Also, sich über Körpergröße an einen Baum zu hängen, na, das ist halt sehr risikoreich. Aber gerade jüngere Leute denken da wohl auch nicht so viel drüber nach. Es bleibt ein trauriger Unfall.

    Ich denke, dass man Musiker und Künstler nennt, liegt daran, dass es diese Unfälle bisher schon bei einigen prominenten Künstlern gab. Im Wikipedia-Artikel findet man als Beispiele prominenter Opfer:
    Frantisek Kotzwara - Komponist
    Albert Dekker - Schauspieler
    Vaughn Bodé - Comiczeichner
    Kevin Gilbert - Musiker
    David Carradine - Schauspieler
  2. sternenschein schreibt am 23.04.2010 um 18:49 Uhr:Hallo AngelInChains,
    erst wollte ich nicht ùber dieses Thema schreiben.
    Man soll ja keine "schlafenden Hunde" wecken und diese merkwürdigen "Spiele" verbreiten.
    Erschreckend finde ich, dass das Durchschnittsalter der daran in USA und Kanda zu Tode gekommenen Kinder bei etwas über 13 Jahren liegt. Fängt schon bei 6 jährigen an.
    Oftmals glauben die Eltern dort , ihr Kind hätte aus heiterem Himmel Suizid begangen ohne einen äusseren Grund dafür gehabt zu haben.

    Auf dem Bildungsserver

    http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/wuergespiele.html

    werden weitere Hintergründe dazu genannt.
    Es wird den Eltern und Lehrern dazu geraten mit dem Thema offensiv umzugehen.
    Es im Unterricht anzusprechen und zu behandeln.
    Ausserdem findet man dort Adressen und Telefonnummern von diversen Beratungsstellen sowie Hilfsangeboten.

    Wusste ich garnicht, dass David Carradine auch auf diese Art um das Leben kam.
    Neurologen warnen vor diese Art des Kicks, denn bei Sauerstoffunterversorgung des Hirns sterben Hirnzellen ab, was sicherlich nicht gut ist.
    Und klar wird wohl sein, die jeweiligen Eltern ahnen nichts davon. Denn welches Kind wird schon zu seiner Mutter sagen:
    "Ich gehe mich mal ein bisschen würgen".
    Oder "Mit meinen Freunden will ich heute Würgespiele spielen".
    Wer denkt auch schon an so etwas, wenn das Kind zu Freunden oder in sein Zimmer geht? Oder daran, dass sie sich in den Schulpausen die Luft bis zur Ohnmacht wegdrücken könnten. .
    Gut, wer am längsten die Luft anhalten kann, kenne ich auch noch aus meiner Kinderzeit, aber dabei wurde niemand ohnmächtig und erdrosselt oder "Würgespiele" in dem heutigen Sinne als Kick gab es nicht. Jedenfalls für mich nicht.

    Den Spiegel Artikel fand ich etwas oberflächlich diesem Thema gegenüber, was die Hintergründe und Fakten betrifft. Liebe Grüsse
    sternenschein
  3. AngelInChains schreibt am 23.04.2010 um 19:28 Uhr:Ich finde den Fall übrigens sehr zweifelhaft, bzw dass man sich so sicher sein möchte, was die Gründe für den Unfall sind... Ich meine, es könnte die Suche nach einem Rausch gewesen sein, es könnte sexuelle Motive geben, vielleicht ein "normaler" Unfall, oder doch Selbstmord? Wie kann man sich so sicher sein, was davon zutrifft?

    Bei der am häufigsten zu lesenden Variante, also, laut Zeitungen, soll es sexuelle Gründe gehabt haben. Aber wieso dann öffentlich, draußen, auf einem Baum? Das wirkt nicht schlüssig.

    Aber bei den Medien ist sowieso ziemlich viel Chaos. Ich habe vorhin über Google News ein wenig geschaut, was da für verschiedene Dinge drüber veröffentlicht wurden. Irgendwie wirft man da alles in einen Topf... Es ist wirr. Da ist zB vermischt vom Abdrücken der Luftröhre und der Halsschlagader die Rede - ja, was denn nun? Das wirkt auf den Körper völlig unterschiedlich, auch, wenn beides tödlich enden kann. Was ich damit bloß sagen möchte: In der Presse herrscht ein Chaos. Wer weiß, wie viel von all dem wirklich stimmt, und wie viel nur sinnlose Interpretiererei ist.
  4. Rabenmutter schreibt am 23.04.2010 um 20:53 Uhr:Also von mir ist letztes Jahr ein Bekannter dran verstorben, den Grüchten zufolge; und die Jungs in der Klasse meiner Tochter "Spielen" das auch. Als die Lehrerin das beim Elternabend ansprach (ein Junge wurde ohnmächtig), meinte ein Vater nur "Wie machen die das?" und nachdem die Lehrerin es kurz schildert, kam nur "Ach soooo, na das machen doch alle Jungen in dem Alter!" - Nicken von anderen Vätern...
    ICH fand es sehr erschreckend.
  5. AngelInChains schreibt am 23.04.2010 um 21:10 Uhr:In den Kommentaren auf Welt.de durfte ich vorhin auch lesen "Ach was, das machen doch alle. Das haben wir in den 60ern/70ern/80ern auch schon gemacht!"
  6. sternenschein schreibt am 26.04.2010 um 00:03 Uhr:@Rabenmutter,
    würde ich auch als erschreckend ansehen, wenn die Eltern es alle als das normalste von der Welt ansehen.
    Ist ja nicht ungefährlich, wie man an deinem verstorbenen Bekannten sieht.

    @AngelInChains,
    ich finde die Berichterstattung auch verwirrend und seltsam.
    Scheinbar hat ja die Staatsanwaltschaft dieses so bekanntgegeben, dass es der Versuch einer autoerotischen Handlung war.
    Frage mich auch, wie sie dieses zweifelsfrei im nachhinein feststellen wollen.
    In der einen Zeitung erschien es unter der Rubrik "kurioses". Also, so kurios finde ich es nun wirklich nicht wenn ein junger Mensch stirbt.

    Liebe Grüsse
  7. AngelInChains schreibt am 26.04.2010 um 00:18 Uhr:Vielleicht haben sie ja doch Anhaltspunkte, mit denen man besser bestimmen kann, was passiert war. Ist vielleicht auch besser, wenn diese nicht an die Öffentlichkeit kommen. Ich meine, man hat Leute, die sich beim masturbieren versehentlich erhängt haben, schon mit heruntergelassener Hose irgendwo hängen sehen. Wenn das in die Presse käme, dann wäre das für die Eltern sicherlich noch unangenehmer als es das jetzt schon ist. Gut, tot ist tot, und das ist schlimm genug. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dann zusätzlich die Nachbarn, Kollegen, usw, tuscheln könnten, und das ist gerade in der Situation sicher noch einmal belastender.

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