Die Gefahr droht. Im Fadenkreuz stehen Familienbetriebe, teilweise über Generationen in guter Hand geführt. Es ist der Mittelstand, der dieses mal betroffen ist. Wir sprechen mit Sabrina Fuchs vom IT Büro Illig über die Gefahr, Möglichkeiten und Optionen.

Interview mit Sabrina Fuchs

Blogigo: Hallo Frau Fuchs, schön dass Sie hier sind. Sieht doch alles ganz toll aus mit dem Mittelstand in Deutschland.

Fuchs: Ja, vielen Dank für die Einladung. Nun Sie haben Recht. Auf den ersten Blick sieht alles super aus. Der Mittelstand ist auch weiterhin das Rückgrat Deutschlands. Mehr als 31 Millionen Menschen arbeiten in mittelständischen Betrieben. Häufig sind es Familienunternehmen mit langer Tradition. Es sind die Firmen, die Deutschland ausmachen. Wir haben zum Beispiel mehr als 11.000 Handwerks Bäckereien in Deutschland mit 45.000 Verkaufsstellen. Das ist mehr als in der gesamten USA. Hinzu kommen zahlreiche hochspezialisierte Unternehmen. Wir verdanken ihnen Produkte, die jeder nutzt aber keiner kennt.

Blogigo: Die Zahlen sind beeindruckend aber wo liegt denn nun die Gefahr?

Fuchs: Die meisten Betriebe pflegen ein lange Tradition. Das ist auch gut so, weil es für Kontinuität sorgt. Gleichzeitig ist es die am meisten unterschätzte Gefahr für Familienbetriebe in Deutschland. Unsere Welt befindet sich im Umbruch. Es ist Transformationsprozess wie wir ihn seit der Industrialisierung nicht hatten. Das Kundenverhalten ändert sich. Die Welt digitalisiert sich. Wer den Anschluss verpasst, wird unter gehen.

Blogigo: Sie meinen den Trend zu Apps und digitalen Prozessen?

Fuchs: Ja, aber es ist nicht nur das. Der gesamte Verkaufsprozess verlagert sich ins Internet. Betreten Sie in Deutschland eine Bäckerei, müssen Sie mit Münzen zahlen. In Estland erfolgt die Bestellung elektronisch, die Bezahlung digital und Staat stellt komplette Plattformen zur Verfügung, die Firmen fix und fertig nutzen können. In Deutschland füllen Amazon und Ebay diese Lücke. Beide bieten ihren “Marktplatz” als Verkaufsfläche für mittelständische Unternehmer an.

Hierin liegt jedoch genau das Problem. Einerseits landen die wertvollen Daten bei den zwei BigPlayern. Unsere Familienunternehmen gehen leer aus. Gleichzeitig ist die Teilnahme an viele Bedingungen geknüpft. Amazon verlangt zum Beispiel ca. 45 EUR im Monat sowie zusätzlich eine Umsatzbeteiligung von 17,25 % je nach Kategorie. Das ist natürlich heftig. Zumal die direkte Konkurrenz zu den Amazon eigenen Produkten besteht. Amazon hat hier schon allein auf Grund des Volumens Einkaufsvorteile die für unsere Familienbetriebe uneinholbar sind. Und Amazon zahlt natürlich auch keine Gebühr auf eigene Produkte. Das ist David gegen Goliath. Viele Unternehmen sind daran schon zu Grunde gegangen.

Wer mit Amazon und Ebay kuschelt, gibt das Zepter aus der Hand.

Blogigo: Warum sind die Daten für den Mittelstand so wichtig?

Fuchs: Nun, wenn Sie selbst einen Onlineshop betreiben, können Sie den Kunden 10 Tage später nach Feedback fragen. “hat alles gepasst? Sind Sie zufrieden?”. Einige Zeit später können Sie den Kunden erneut kontaktieren und ein gutes Angebot vorlegen. Kommunikation ist das A und O im Vertrieb. Wenn Sie über Amazon oder Ebay verkaufen, dann fehlt Ihnen diese wichtige Möglichkeit. Aber schlimmer noch: Sie verpassen die Chance, einen eigenen Kundenkreis aufzubauen. Fragen Sie mal einen Familienbetrieb – der gute Name, der Ruf und die Reputation bedeuten den Firmen alles. Wer jedoch mit Amazon und Ebay kuschelt, gibt das Zepter aus der Hand.

Blogigo: Amazon und Ebay bieten aber auch eine Reichweite, die der kleine familiengeführte Betrieb sonst nie erreichen würde.

Fuchs: Natürlich. Das ist richtig. Die Reichweite ist tatsächlich das große Argument für Amazon und Ebay. Gleichzeitig bedeuten diese Mega-Marktplätze aber auch einen unvorstellbaren Konkurrenzkampf. Eben weil Sie nicht nur lokal konkurrieren sondern international. Der Deutsche Familienbetrieb muss sich plötzlich mit Chinesischen Billiganbietern messen. Auf Plattformen, auf denen der Kunde oft nach Preis sortiert, sind die Erfolgschancen daher gering. Wenn Ihr Produkt dann auf Seite 47 in den Amazon Treffern gelistet wird, können Sie gleich einpacken.

Blogigo: Besser einen Ebay oder Amazon Store als gar keinen.

Fuchs: Wir haben Firmen beraten, welche ihr Glück auf Amazon versuchten. Die Größe und Reichweite sind da natürlich verlockend. Doch keiner konnte langfristig schwarze Zahlen schreiben. Die Pflege der Shops war aufwendig und kostspielig. Da müssen ja extra Produktfotos erstellt werden die den Style Guidelines des Betreibers entsprechen.

Blogigo: Ein Shop mit tausend Produkten muss für jedes Produkt vier Fotos hochladen plus Detailfotos in der Beschreibung. Da kommen schnell tausende Bilder zusammen, die ja auch noch professionell bearbeitet werden müssen. Dazu Texte, Preise, Warendetails…. das ist in der Tat mit großem Aufwand verbunden. Was raten Sie diesen Firmen?

Fuchs: Wir glauben an den Standort Deutschland und wir möchten, dass die Firmen ihre Unabhängigkeit behalten. Das ist essenziell. Unsere Empfehlung ist deshalb, einen eigenen Onlineshop aufzubauen. Als Betreiber sparen Sie sich die hohen Amazon Gebühren. Sie bauen einen Kundenstamm auf und können mit diesem arbeiten. Sie können Lieblingsprodukte ihrer Kunden kennen lernen und zum Geburtstag einen Rabatt Gutschein verschenken. Kurz gesagt: Als Unternehmer behalten Sie die Freiheit, ihr Unternehmen digital so zu führen, wie sie es offline auch tun würden.

Blogigo: das klingt logisch. Kosten fallen aber auch hier an.

Fuchs: Jeder Shop kostet Geld. Ein Ladengeschäft verursacht ein vielfaches an Kosten und benötigt zudem Personal. Onlineshops sind äußerst günstig, arbeiten 24/7 und machen sich von selbst bezahlt. Wer diese Chance verpasst, verliert das Spiel.

Blogigo: Wie bestelle ich als Unternehmer einen Onlineshop?

Fuchs: Grundsätzlich möglich sind entweder Baukasten Shops wie sie die Telekom anbietet (rund 49 EUR pro Monat) oder Shops als Erweiterung der eigenen Firmenhomepage. Wir haben erst kürzlich in Würzburg Firmenwebsites mit Onlineshops erweitert. 1.200 EUR war das Angebot und der Festpreis wurde eingehalten (Infos: https://it-buero.eu). Hinzu kommt auch hier eine Grundgebühr für Server, Software und Domain. Mit 28 EUR ist diese sogar günstiger als bei der Telekom.

Blogigo: Wenn es wirklich so günstig ist, warum zögern so viele Unternehmer?

Fuchs: Die Gründe sind sicher unterschiedlich. Weitermachen wie bisher ist eine häufige Devise. Wir müssten eigentlich demnächst was tun – aber starten nie – ein anderes weit verbreitetes Problem. Oder die Unternehmer wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Auch das erleben wir häufig. Eine Unternehmerin für Stoffmasken hatte Angebote vorliegen zwischen 400 EUR vom Studenten bis hin zu 15.000 von einer Design Agentur. Der Student kann langfristig keinen Support leisten. Wenn’s brennt ist keiner da. Die 15.000 EUR Agentur jedoch preislich überzogen. So landen die Ideen schnell wieder in der Schublade.

Blogigo: Was empfehlen Sie den Unternehmen außerdem?

Fuchs: Nun, Trends verändern sich. Vor ein paar Jahren war es absolut hip, auf Facebook vertreten zu sein. Das ist heute nicht mehr notwendig aber sie sollten sich informieren. Über Trends und Entwicklungen. Wenn Unternehmer hier auf Blogigo mitlesen, sind Sie schon mal auf dem richtigen Weg.

Blogigo (lacht): Da sind wir einer Meinung. Der Blick über den Tellerrand ist unerlässlich. Deshalb decken wir hier auch sehr breite Themen ab. Von Technik über Business bis hin zu Familie und Sport. Frau Fuchs, ich bedanke mich für das nette Gespräch.

Fuchs: Herzlichen Dank. Bleiben Sie gesund.

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