bildpolkrit

13.03.2006 um 11:46 Uhr

Föderalismusreform und Bildung: Zitate

von: soclyt

In diesem Fall sprechen die Zitate für sich selbst.
Der Bund-Länder-Handel:
"Wer eine Föderalismusreform wirklich will, der muss akzeptieren, dass die Länder die Bildungspolitik für sich reklamieren" (Kauder, Unionsfraktion im Bundestag; zit. n. Stuttgarter Zeitung Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=48503).
"Das Ganze ist ein Kompromiss, aus dem nichts herausgebrochen werden kann" (Rüttgers, zit. n. taz 7.3.2006)
"Wir mussten den Ländern ein letztes Einflussgebiet lassen, sonst hätten sie der Reform nicht zugestimmt" (Anonym, zit. n. Zeit online, 7.3.2006).
Der Wille der Ländermehrheit:
"Ich nehme das Stichwort Bildungspolitik, natürlich wollen da einzelne Länder, dass die Bildungspolitik auch ein stückweit vom Bund mitverantwortet wird, aber die Mehrheit der Länder will das ganz eindeutig nicht" (Althaus, Thüringen, zit. n. inforadio, 6.3.2006).
Föderalismus als Wettbewerbsförderung:
"Der Kulturföderalismus ist sozusagen das Fundament, auf dem wir die Eigenstaatlichkeit der Länder gründen. Ich persönlich sage für Thüringen, ich möchte auch diese Verantwortung, denn daraus lassen sich Wettbewerbsvorteile in Technologie und Wirtschaft entwickeln. Wenn man die Pisa-Ergebnisse der letzten Jahre vergleicht, kann man feststellen, dass sich einige Länder diese Vorteile sehr wohl erarbeiten und das ist wichtig, dass die Eigenstaatlichkeit der Länder auch zu Wettbewerb zwischen den Ländern führt" (Althaus, a.a.O.)
"Das ist eine Frage des Wettbewerbs. Wenn wir gute Bildungspolitik in den Ländern machen, haben wir auch bessere Voraussetzungen für gute Forschungspolitik und gute Wirtschaftspolitik. Deshalb kann man durch eine nationale Kompetenz an dieser Stelle keine Besserung erreichen, sondern durch eine qualifizierte Landespolitik. Das ist genau unsere Überzeugung, auch die in Thüringen, jedenfalls von der Mehrheit, und deshalb werden wir diesen Weg, der beschlossen ist, auch ganz konsequent mitgehen" (Althaus, zit. n. dradio.de, 6.3.2006).
"Der Kulturföderalismus ist einer der Grundbestände der deutschen Länder und deshalb ist es auch gut gewesen, dass bei dieser Diskussion vor etwa eineinhalb Jahren eine klare Entscheidung im letzten Jahr gefällt worden ist, nämlich Bildungspolitik ist Sache der Länder" (Althaus, a.a.O.).
"Aber der aggressive Wettbewerbsföderalismus, der vor allem finanziell ausgetragen wird, der führt ein Land wie unseres eher Richtung Haushaltsnotlage" (Stegner, Schleswig-Holstein, zit. n. Kieler Nachrichten, 7.3.2006).
"Kleinstaaterei" vs. Großstaaterei:
"Ich bin ganz sicher, dass die riesige Mehrheit der Bürger sagt, unser Bildungssystem soll so organisiert sein, dass die Kinder nicht bestraft werden, wenn die Eltern wegen der Arbeit umziehen müssen von einem Land ins andere. Also: Wir brauchen durchaus so etwas wie einheitliche Bildungsstandards und Bildungsziele, eine Gesamtverantwortung für Bildung und dann möglichste Vielfalt auf den Wegen dorthin. Dieses muss auch nach der Verfassung möglich sein" (Thierse, zit. n. dradio, 8.3.2006).
"Zuletzt war Herr Munos von den Vereinten Nationen da und hat selber auch davor gewarnt, dass bildungspolitische Zersplitterung nicht förderlich ist für die Entwicklung des Bildungswesens und die soziale Herkunft möglicherweise dann noch mehr durchschlägt. Also bildungspolitische, forschungspolitische, umweltpolitische Kleinstaaterei und so weiter kann ich nicht für zukunftsträchtig halten" (Thierse, a.a.O.).
"Einheitlich hohe Bildungsstandards lassen sich nicht mit Kleinstaaterei durchsetzen" (Berchtold, Präsident Fachverband Bitkom, zit. n. Associated Press, 8.3.2006).
Und schließlich bleibt noch Hoffnung für die Föderalismusreform:
"Wenn Feinschliff erforderlich ist, machen wir aus diesem Rohdiamanten einen Brillanten" (Ramsauer, CSU-Landesgruppe, zit. n. Welt, 11.3.2006).
 

04.03.2006 um 12:27 Uhr

Weiterbildung: Interkulturelle Kompetenz - kulturelle Mimikry, Instrument strategischen Handelns

von: soclyt

Eine Verwendungsform Interkultureller Kompetenz besteht darin, das Spiel zu eigenen Gunsten spielen zu können - Berücksichtigung und Benutzung kulturspezifischer Verhaltensweisen zur Realisierung des eigenen Nutzens. Der, dessen Kultur man angeblich ernst nimmt, wird damit überspielt. Es geht um Zielverfolgung auf Umwegen: Durchsetzung des eigenen Zwecks auf dem Umweg über die angebliche und vorgespielte Anpassung an kulturspezifische Vorgehensweisen. Insofern sind Anteile Interkultureller Kompetenz etwas vormachen, Theater spielen, eine Inszenierung durchführen.
Eine andere Variante ist: Der interkulturell Kompetente weiss, was richtig ist, setzt es aber nicht direkt durch, sondern indirekt. Die Richtigkeit der eigenen Position ist vorausgesetzt; es geht nicht darum, dass vielleicht auch die andere richtig sein könnte, also um Lernen der Kulturen voneinander - auch hier ist Interkulturelle Kompetenz Mittel für die Durchsetzung auf "kulturspezifischen" Umwegen. "Verständnis", "kulturelle Sensibilität" und Anpassungsfähigkeit sind dabei harte Faktoren. Interkulturelle Kompetenz in diesem Sinn und in dieser Verwendungsweise ist Instrument verdeckter Strategie.