bildpolkrit

26.04.2006 um 10:37 Uhr

Weltprobleme und Schülerreaktionen II

von: soclyt

Oder: Ist die Inadäquatheit der Reaktionen zu erklären als:
Anpassungseffekt?
Vorwegnahme des Erwarteten?
Desinteresse?
Coolness?
Ignoranz, Inkompetenz?
Ökonomische Arbeitshaltung?
Übernahme von Formulierungen?
Wenn sie auf diese Weise behandelt werden, geraten die tatsächlichen Probleme, ihre Ursachen und Verursacher, ihre Dimensionen, ihre Implikate, ihre Auswirkungen gar nicht in den Blick. Sie werden durch die Konzepte der Verkleinerung und Individualisierung verharmlost und überdeckt. Damit werden gute Bedingungen für ihr Weiterbestehen geschaffen.

25.04.2006 um 11:34 Uhr

Weltprobleme und Schülerreaktionen

von: soclyt

"Wenn im Französischunterricht eine Aufstellung verteilt wird, die zeigt, wie ungleich Reichtum, Gesundheit und Bildung auf diesem Planeten verteilt sind, und der Lehrer fragt, welche Schlüsse man aus diesen Informationen zieht, kommen Antworten wie: 'Wir könnten beim Einkaufen mehr auf Fair-Trade-Produkte achten' oder 'Ich werde künftig weniger schnell einen neuen Computer kaufen und den alten einer Hilfsorganisation schenken'" (Ziauddin, Bruno: Die Realo-Schüler.
In: Weltwoche 9/6, S. 34).
Was geht da vor sich, was ist da schief gelaufen?
Zum einen ist das Effekt der Individualisierung von gesellschaftlichen Problemen im Sinne des "Bei-sich-selber-Anfangens".
Zum anderen ist es Vermeidung eines Sich-Konfrontierens und einer Auseinandersetzung mit dem Problem.
Zum dritten handelt es sich um einen Ausdruck der Haltung "Da kann ich direkt was tun". Diese Form der "Direktheit" und der Praxisorientierung führt zu einer Problemverkleinerung.

18.04.2006 um 11:40 Uhr

"Regelungswut" (Schavan in faz.net 17.4.2006)

von: soclyt

Was heißt das ?
Selbstlauf der Regelung?
Regeln um der Regeln willen?
Besinnungslosigkeit bei den Regelnden?
Überregulierung? Woran bemessen?
Nicht notwendige oder unbegründete Regelung?
Manipulierende "Begründung" für Bürokratieabbau?
Erzeugung des Anscheins einer "Notwendigkeit" der Deregulierung?
Was trifft daran wirklich zu?
Welche Argumente sollte es für die Behauptung einer Existenz von "Regelungswut" und ihrer Ursächlichkeit für Regelungen geben?
Keine. Es gibt keine "Regelungswut" - es gibt nur ihre manipulativ-propagandistische Fiktion zur leichteren Durchsetzung des Angestrebten: Abbau von Regelung. Zu wessen Vorteil das tatsächlich ist, muss sich zeigen.

17.04.2006 um 20:13 Uhr

Schavan und die Instrumente zur realistischen Wahrnehmung von Schule: Indocta ignorantia oder Parteilichkeit?

von: soclyt

"Es haben uns lange Zeit die Instrumente gefehlt, Schule realistisch wahrzunehmen. Jeder Bildungspolitiker konnte in Deutschland alles behaupten, doch empirische Erhebungen haben gefehlt. Es hat einfach viel zu vlele Illusionen gegeben." (Schavan in faz.net 17.4.2006).
Wie kommt man zu solch einer Aussage?
Instrumente empirischer Forschung gibt es in Erziehungswissenschaft und Bildungssoziologie seit etwas längerer Zeit.
Sie kamen auch in größerem Umfang zur Anwendung.
Den Lehrern war die Situation seit vielen Jahren bekannt.
Etlichen Bildungspolitikern ebenfalls; natürlich konnte nicht jeder Bildungspolitiker "alles behaupten", wenn er in der Diskussion ernst genommen werden wollte - wie kann man so eine Behauptung formulieren?
Nichts gewußt? Illusionen gehabt?
Daran waren nicht die anderen schuld.

06.04.2006 um 10:10 Uhr

DGfE-Vorstand zum Verhältnis von Optionen - Entscheidung - Kenntnis der Folgen II

von: soclyt

Was beinhaltet dann also die Schlußformulierung des DGfE-Vorstandes, was ist damit angestrebt?
Zustimmung: Natürlich darf eine Entscheidung nicht ohne Kenntnis der antizipierbaren Folgen getroffen werden; sie wird auch auf Grundlage dieser Kenntnis getroffen? (Man könnte auch sagen: Sie wird wegen dieser Kenntnis getroffen. Die Folgen sin intendiert).
Bedauern der Folgen, aber - wie wir alle zu wissen haben - es gehe nun mal aus finanziellen Gründen nicht anders?
Schauderndes Zurückschrecken der Politiker und anderen Entscheidenden vor der Entscheidung wegen ihrer Tragweite?
Eingeständnis - tatsächliches oder vorgegebenes - mangelnden Bedenkens der Folgen?
Impliziter Appell "Ihr könnt doch nicht ..." mit Abzielen auf die Reaktion "Wir können doch nicht ..." ( die 'Gefahr der Marginalsierung' eines 'der derzeitig großen universitären Studienfächer' eingehen)?
Wie tatsächlich entschieden wurde und wird, zeigen die realen Abläufe.  

06.04.2006 um 09:51 Uhr

DGfE-Vorstand zum Verhältnis von Optionen - Entscheidung - Kenntnis der Folgen

von: soclyt

Der Vorstand der DGfE, der aus Lehrbedarfsberechnungen für gestufte Studiengänge die Optionen Personalausbau, Konsumtion der Erziehungswissenschaft durch die Lehrerbildung, Studierendenreduzierung ableitet, konstatiert abschließend: "Eine Entscheidung für eine der oben angegebenen Optionen darf nicht ohne Kenntnis der antizipierbaren Folgen für eine etablierte wissenschaftliche Disziplin und die von ihr erfolgreich bedienten Berufsfelder getroffen werden" (DGfE, Der Vorstand: Personelle Mindestausstattung im Fach Erziehungswissenschaft. In: Erziehungswissenschaft 32/2006, S.17).
Das darf sie nicht. Das wird sie auch nicht. Sie wird im Gegenteil genau und gerade deshalb getroffen, weil Folgen wie Einsparung, Umschichtung erreicht werden sollen - nicht aufgrund von Unkenntnis also, sondern von Kenntnis, Kalkül und Zielsetzung.  

04.04.2006 um 11:06 Uhr

Geisteswissenschaftler als produktivitätsfördernde Dienstleistungsgeister II

von: soclyt

Realistisch gesehen ist die Situation eher so, dass man auch die Beiträge von Geisteswissenschaftlern zur Produktivitätserhöhung beim Reüssieren als Taxifahrer, Kellner, Reinigungskräfte, All-round-all-time-Dauerpraktikanten, Freunde und Förderer der Weiterbildungsindutrie, wissenschaftliche und weniger wissenschaftliche Hilfskräfte, Legitimationserbringer für Arbeitsvermittler, Projektspringer, hochauflösende Jobfinder oder kreative Jongleure und Flexibilitätsakrobaten in anderen faszinierenden, persönlichkeitsentwickelnden, kompetenzfördernden, realitätstüchtigmachenden, also allseitig bildenden und gewinnträchtigen Tätigkeiten und als Antagonisten bei der Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse nicht vergessen sollte.
Wie wäre es mit einer anderen Form von Produktivität als Beitrag zu Analyse, Kritik, Reflexion, Infragestellung gegenwärtiger Verhältnisse, Konzeption anderer Verhältnisse, zur Reflexion der eigenen Kultur, ihrer Genese und der Alternativen - Aufklärung der Gesellschaft über sich selbst und Realisierung der Konsequenzen?

03.04.2006 um 11:23 Uhr

Geisteswissenschaftler als produktivitätsfördernde Dienstleistungsgeister

von: soclyt

"In der - gut gebildeten - Dienstleistungs-Gesellschaft tragen auch die Geisteswissenschaften unmittelbar zur Produktivität bei. Zum Beispiel indem ihre Absolventen in der Medienbranche oder der Unternehmensberatung reüssieren oder indem sie mit Ausstellungen und Kulturveranstaltungen zu einem kommerziell sehr erfolgreichen Tourismus beitragen" ( Wagner, Gert. G.: Trägt die "massenhaft" höhere Bildung zu mehr Produktivität und Wohlstand bei? In: Forschung und Lehre 3/6, S. 138).
Auch wenn es hier um die Frage zum Beitrag zu mehr Produktivität geht: Das sollen Geisteswissenschaftler nicht machen, darin sollten sie ihre Aufgabe, ihren spezifischen Beitrag zur "Produktivitätssteigerung" nicht sehen.
Zum einen brauchen sie dafür nicht unbedingt eine geisteswissenschaftliche Ausbildung.
Zum anderen: Wenn sie da "reüssieren", lassen sie einiges über Bord gehen, das sie vorher gelernt haben oder hätten lernen können und sollen.
Zum dritten wäre damit das Potential nicht genutzt, spezifische Funktionen nicht erfüllt.
Daran, zu dieser Art von Produktivität durch Reüssieren beizutragen, haben genügend andere Interesse und sehen darin ihren Lebenszweck - da müssen nicht die Geisteswissenschaftler integriert werden.
Daneben besteht sowieso die Notwendigkeit zum Erwerb des Lebensunterhalts; dieser Zwang muss nicht als "Produktivitätssteigerungsbeitrag" verklausuliert werden - er beschafft die nötige "Beitrags"-Motivation.

02.04.2006 um 18:51 Uhr

Hinweis: Aufteilung längerer Texte

von: soclyt

Aus technischen Gründen müssen längere Texte aufgeteilt werden. Wie im Blog zu sehen, sind die meisten Beiträge eher knapp gehalten. In einzelnen Fällen sind ein paar Sätze mehr nötig. Die aufgeteilten Texte werden - wie bereits praktiziert - durch römische Ziffern gekennzeichnet.