bildpolkrit

27.06.2006 um 11:14 Uhr

Studiengebühren: Litanei der Vorteile

von: soclyt

Die Lehre wird besser. Die Unis werden überhaupt besser.
Die studentischen "Kunden" werden kritischer, fordernder in bezug auf das Äquivalent für ihre finanziellen Leistungen.
Schulden? Aufgrund der besseren Berufsaussichten leicht abzahlbar.
Die haben ja auch für anderes Geld.
Zusätzliche Job-Notwendigkeiten? Fördern die Flexibilität, schaffen wertvolle Kontakte zur Arbeitswelt, bieten eine Einführung in die Prekarisierung.
Günstige Kredite durch Banken? Die nötige Auswahl ersetzt Grundkurse in Einführung in Bankwesen und Bankbetriebslehre, Kredittheorie, schärft die monetäre Kompetenz.
Wissenschaftliche Effekte: Praktikum der Kosten-Nutzen-Analyse, Erhöhung der Evaluationsfähigkeit, Einsichten in das Funktionieren des Bildungswesens, Erkenntnisse aus der Konfrontation mit politischer Praxis, Funktionen des Sozialstaats, mikroökonomische Qualifikation, bessere Dispositionskompetenz am Beispiel des privaten Haushalts, Investmenttheorie ("Bildung als Investment"), intensiver Kontakt mit der Marktideologie, ihren Begründungen und Auswirkungen.
Philosophische Effekte: Entwurf eines adäquaten "Realitäts"-Begriffs, Stärkung des Realitätssinns, Schulung analytischer Fähigkeiten, Kenntnisse in Handlungs- und Entscheidungstheorie.
Lebenspraktische Vorteile: Verbesserung der Anpassungsfähigkeit, Vergrößerung der Realitätstüchtigkeit, Stimulierung, Entwicklung, Differenzierung und Festigung der Erkenntnis: "So ist das Leben eben".

24.06.2006 um 10:15 Uhr

Heinrich-Böll-Stiftung: Differenzierung zwischen lehr- und forschungsorienierten Fachbereichen und Universitäten

von: soclyt

"Die Heinrich-Böll-Stiftung begrüßt diese Differenzierung. Zusammen mit dem Ausbau unserer Hochschulen, der das Ergebnis des Hochschulpakts 2020 sein muss, bietet sie die Chance, dass unsere Hochschulen ihre institutionellen Aufgaben besser erfüllen und ihrem demokratischen Auftrag durch Gewährleistung von Teilhabe- und Bildungsrechten nachkommen" (Zur Differenzierung des Wissenschaftsrates "zwischen lehr- und forschungsorienierten Fachbereichen und ganzen Universitäten"; zit. n. "Das Hochschulwesen" 2/2006, S. 76; s.a. www.hochschuldebatte.de).
Wie das?
Führt das nicht letztlich zu einer Definition der "institutionellen Aufgaben" als Lehre für viele, Forschung für wenige?
Durch Abtrennung der Lehre wird Bildung beschnitten, nicht befördert.
Die Teilhaberechte werden faktisch eingeschränkt statt ausgedehnt.
Es kommt zu einer Einführung verschiedener Ebenen der Teilhabe.
Der "demokratische Auftrag" wäre eher der der Befähigung zur und Beteiligung an der Erkenntnisgewinnung durch Forschung, nicht die institutionalisierte Segregation.

19.06.2006 um 11:39 Uhr

CDU-Leitfragen: Bildung als "kulturelle Entfaltung der Person"

von: soclyt

"Wie können wir deutlich machen, dass Bildung kulturelle Entfaltung der Person und nicht nur Produktions- und Standortfaktor ist?" (Grundsatzprogramm-Kommission der CDU Deutschlands: Leitfragen zur Grundsatzprogarmm-Diskussion, S. 4).
Indem wir Wissen als "Rohstoff" deklarieren und uns fragen, "wie müssen wir Bildung und Ausbildung organisieren, damit wir international wettbewerbsfähig bleiben?" (Leitfragen, a.a.O., S. 7);
indem wir die Mittel so einsetzen, "dass der Technologietransfer beschleunigt und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter ausgebaut wird" (Schavan in faznet 17.4.2006, S. 4) und wir "im Technologietransfer Motor auf dem Weltmarkt werden" wollen (a.a.O.);
indem wir die neue BMBF-Struktur als Instrument definieren, "das als Motor für Innovation und Wachstum dient" (Schavan in BMBF-Pressemitteilung 061/2006);
indem wir Marktelemente wie Wettbewerb, Profilbildung, Globalhaushalt dem Bildungswesen oktroyieren;
indem wir in grundlegenden Fragen Bildungsföderalismus pflegen;
indem wir "Bildung" durch "Kompetenz" substituieren;
indem wir Stellen streichen oder  umwidmen, Fächer wegfallen lassen, Drittmittelabhängigkeit fördern, Studienzeiten verkürzen, Studiengebühren einführen;
in nuce, indem wir uns an die Leitlinien der CDU-Bildungspolitik halten - q.e.d.
  

09.06.2006 um 10:24 Uhr

Berufliche Bildung: Abbau von Ausbildungshindernissen durch "Anreizmechanismen" und "Bürokratieabbau" (Schavan)

von: soclyt

Zum Maßnahmenkatalog gehört u.a.:
"Verbesserung der Vermittlung";
"Ausschöpfen der Gestaltungsmöglichkeiten von Ausbildungsvergütungen" und "Wegfall von Gebühren bei den Kammern";
"Nichtanrechnung von Auszubildenden, wenn es darum geht, die notwendige Zahl der Beschäftigten für die Gründung eines Betriebsrats zu ermitteln";
"Erweiterung der Enstiegsqualifizierungen";
"Vermeidung der Überspezialisierung" (BMBF, Pressemitteilung 088/2006, 29.5.2006).
Das soll dazu führen, dass von der rund einer Million Unternehmen, die (von insgesamt zwei Millionen) "ausbildungsfähig" sind und von denen etwa 500 000 ausbilden, 50 000 mehr ausbildungsbereit sind: "Ziel muss es durch die Anreizmechanismen und Bürokratieabbau sein, dass rund 50 000 Betriebe mehr als bisher dafür gewonnen werden, Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen" (Schavan, a.a.O.).
Wir bitten um Vorschläge, was man noch als "Ausbildungshindernisse" deklarieren könnte.
Oder:
Ausschreibung eines Wettbewerbs: Wirkungsvolle Ausbildungshindernisse.

08.06.2006 um 10:42 Uhr

Berufsbildungsbericht 2006: Sinkende Lehrstellenzahlen und die Konsequenzen: Erleichterungen für die Betriebe (Schavan)

von: soclyt

Die Betriebe bilden um vier Prozent weniger aus. Welche Konsequenzen werden daraus gezogen?
"Es muss für die Betriebe leichter werden auszubilden" (Schavan, CDU, Tickermeldung 25.4.2006).
Angestrebt ist eine Ausbildungsreform mit dem Abbau statistischer Pflichten für Betriebe, besserer Verbindung von Berufs- und Hochschulbildung und die Vermeidung einer "Strafsteuer" für nicht ausbildende Unternehmen, denn: "Wir wollen keine neue Debatte über Abgaben führen" (Schavan, a.a.O.).
Zur Situation ausländischer Jugendlicher ist zu konstatieren, "dass es mit der beruflichen Integration der Ausländerkinder eher rückwärts als vorwärts geht" (Meng in FR 26.4.2006, S. 3).
Es wären auch andere Vorgehensweisen denkbar:
"Eine ernst gemeinte Integrationspolitik muss Sache aller werden. Und die Regierung muss da - auch gegen die Wirtschaft - massiv Druck machen. Leider passiert derzeit bei der Berufsbildung eher das Gegenteil" (Meng, a.a.O.).

03.06.2006 um 10:34 Uhr

CDU-Freiheit: "Klima der Freiheit" an Hochschulen (Merkel bei der DFG)

von: soclyt

"Merkel sprach sich außerdem dafür aus, an den Hochschulen 'ein Klima der Freiheit' zu schaffen. Zu den Freiheiten solle etwa die Auswahl der Studenten oder die Herausbildung eines Profils, aber auch Zusammenarbeit mit der Wirtschaft gehören" (MZ 1.6.2006; Merkel bei DFG-Festakt).
Worin besteht die Freiheit derer, die ausgewählt werden oder nicht? Darin, dass sie sich selegieren lassen dürfen? Dass sie sich die Hochschule aussuchen können, an der sie sich dem Auswahlverfahren zu stellen haben?
Profilbildung ist keine Emanation der Freiheit, sondern hat inzwischen Pflicht- bzw. Notwendigkeitscharakter im Rahmen des installierten Wettbewerbs.
Freiheit zur oder in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft? Wer gewinnt oder verliert da an Freiheiten? Die Freiheit der Universitäten erhöht sich beträchtlich, wenn die Einflußmöglichkeiten der Wirtschaft und die Abhängigkeiten von ihr zunehmen.
Zu den Verwirklichungsmöglichkeiten von Freiheit im Hochschul-Bereich:
"Die TU, die Humboldt Universität und die Freie Universität in Berlin werden zum Wintersemester rund 28 Prozent weniger Studienplätze bereitstellen als noch vor drei Jahren. Hauptgrund sei der Sparkurs des Senats, der einen Abbau von rund 20 Prozent der Studienplätze nach sich gezogen habe (...) An den drei Universitäten sind daraufhin 228 von 1172 Professuren gestrichen und zahlreiche Studiengänge abgebaut worden." ("Die Welt" 1.6.2006, S. 2).

01.06.2006 um 10:40 Uhr

DFG: Aufteilung des Uni-Bereichs: Exzellente Unis und "eher praxisorientierte" (Winnacker)

von: soclyt

"Zwei, drei Universitäten werden zur Weltspitze aufrücken. In diesen wird auch ein komplettes Fächerspektrum angeboten. Dann wird es Hochschulen geben, die in einzelnen Fächern exzellent sind, und manche, die eher praxisorientiert arbeiten" (Winnacker, DFG, in SZ 29.5.2006, S. 2).
Dass es zu einer qualitativen Aufteilung des Uni-Sektors kommen wird, ist aus taktischen Gründen von verschiedener Seite immer wieder in Abrede gestellt worden.
Die "eher praxisorientierten" Unis sind dann die etwas weniger exzellenten - auch die etwas weniger exzellent ausgestatteten. Die Finanzierung durch die einzelnen Bundesländer wird unterschiedlich ausfallen: "Es wird auch Bundesländer geben, die das gar nicht finanzieren können" (Winnacker, a.a.O.).
Also: Elite und Exzellenz vs. Masse und "Praxisorientierung" - Differenzen in Finanzierung, Ausstattung, Qualität der Lehrenden und Lernenden.