bildpolkrit

27.09.2006 um 11:33 Uhr

"Externe Kompetenz" in die Schule holen

von: soclyt

Zur Kostensenkung;

zur Überdeckung des Lehrermangels und zur Substitution fehlender Lehrerstellen;

zur Ruhigstellung der Eltern bei zu hohem Stundenausfall;

zur Durchsetzung des Konzepts der "verlässlichen Schule";

zur kostengünstigen Einführung der Ganztagesschule;

zur Implementierung "wirtschaftsnaher" Orientierungen;

zum Nachweis dafür, dass von Politikern etwas zur Verbesserung der Situation im Bildungswesen getan wird.

 

20.09.2006 um 16:10 Uhr

Weiterbildung: Tendenzen: Privatisierung der Trägerschaft - Privatisierung der Aufwendungen

von: soclyt

Die Weiterbildung wird zum Geschäft. Sie wird nicht mehr hauptsächlich angeboten durch die Institutionen, in denen der einzelne tätig ist, oder durch öffentliche Einrichtungen, sondern durch Bildungsunternehmen. Das Angebot der bisherigen Träger wird aus Kostengründen reduziert oder kommerzialisiert, überwiegend aber ausgelagert. Inhalte werden von den Bildungshändlern nach dem Kriterium der Verkaufbarkeit ausgewählt und angeboten. 

Weiterbildung wird Privatangelegenheit. Der Interessent hat sie selbst zu bezahlen und in seiner Freizeit wahrzunehmen. Sie ist definiert als Eigenleistung und als "Investition", die der einzelne zu erbringen hat. Für die Karriere wird sie ein Erfordernis, bei Arbeitslosigkeit Füllmaterial, ausserhalb des Arbeitsprozesses Spielobjekt und Zeitvertreib.

Private Anbieter, private Nachfrager und die Konzeption der Interaktion als "Weiterbildungsmarkt" - wie sonst auch: Markt gilt als die Lösung.   

07.09.2006 um 20:14 Uhr

Zu: "IT-Beliebigkeit in der Berufsausbildung" (Bielers Blog) II

von: soclyt

"Chancengleichheit": Der Gedanke ist zunächst: Menschen sollen nicht dafür bestraft werden, dass sie in - keineswegs naturwüchsige, sondern von Menschen gemachte - unterschiedliche Verhältnisse gestellt werden. Dass Chancengleichheit dann nachträglich als Legitimation für ungleiche Verteilung und zur Ausschöpfung von Potentialen, die man gerade braucht, benutzt wird (und deshalb kritikabel ist - neben der Verschiebung von Verteilungs- auf Chancengleichheit -), ist eine andere Sache. Ob gerade weniger engagierte Menschen/Lehrer Chancengleichheit (für andere) postulieren, ist zweifelhaft; die tatsächliche Herstellung von Chancengleichheit im Unterricht - also die Realisierung der Forderung in der Praxis - erfordert vom Organisator der Lernprozesse einiges an Arbeit. Man kann sich im Gegensatz dazu durch die Anwendung "harter" Leistungskriterien ohne Kontextberücksichtigung eigenen Aufwand ersparen - ausgreifende Förderung ist umfangreicher (und damit aufwendiger) als Instruktion und Selektion.

Das Beispiel der elektrischen Spannung ist wegen der Differenz der Gegenstände nicht übertragbar.

"Leistungsbewertungen"/"Zensuren": Die Diskussion geht - neben einer Analyse des Leistungsbegriffs - darum, ob Zensuren eine geeignete Form der Leistungsbewertung darstellen.

"Leistungsstandards": Was wird unter "Leistung" verstanden? Von wem und zu welchem Zweck, zu wessen Nutzen werden "Leistungsstandards" formuliert und durchgesetzt?

"Modularisierung": Auch hier geht es um die Frage, wofür Modularisierung benutzt wird.

07.09.2006 um 11:25 Uhr

Zu: "IT-Beliebigkeit in der Berufsausbildung" (Bielers Blog)

von: soclyt

(www.mbieler.de vom 31. August 2006; in modifizierter Form als Kommentar zu bildpolkrit vom 19.6.2006).

Die Darstellung der "IT-Beliebigkeit in der Berufsausbildung" trifft zu und bringt die Sache auf den Punkt: So läuft es in einer Vielzahl von Fällen ab.

Einzelnen Aussagen würde ich nicht zustimmen:

"Auftrag": Falls damit gemeint ist, das Bildungswesen sei dazu da, von der Wirtschaft einen "Auftrag" zu bekommen und zu erfüllen, hätte ich Einwände. Dass das Bildungswesen auch bestimmte Ausbildunsleistungen für die materielle Reproduktion der Gesellschaft zu erbringen hat, steht nicht zur Debatte; ob das der einzige und hauptsächliche Gesichtspunkt ist und ob das in Form einer Erledigung eines "Auftrags" der Wirtschaft zu geschehen hat, schon. Warum sollte allein dem Teilbereich Wirtschaft diese Definitionsmacht zukommen? Warum diesem Teilbereich in seiner gegenwärtigen Verfasstheit?

"Verschulung": Das Gegenteil von "Verschulung" ist nicht "Hobby-Raum", "Dilettantismus", "Beliebigkeit", sondern das Lernen von selbständiger Auseinandersetzung mit Objekten, der Erarbeitung eigener argumentierter Positionen, des reflektierten Umgangs mit der Realität. Das kann auf bestimmten Ebenen und in bestimmten Phasen auch "Verschulung" - im Sinne der Strukturierung von Lernprozessen - beinhalten, erschöpft sich aber nicht darin.

 

 

06.09.2006 um 11:17 Uhr

Hinweis: Freischaltung der Kommentare für externe User

von: soclyt

Die Kommentarfunktion ist für externe Nutzer freigeschaltet. Für die Kommentierung ist keine Registrierung mehr erforderlich.

04.09.2006 um 11:42 Uhr

Schnellere Vermarktung von Wissen

von: soclyt

Ziel von Vermarktung ist Gewinnmachen; Wissen ist Mittel zu diesem Zweck. Dieser Mittelcharakter verändert Inhalt und Form des Wissens. Es geht nicht mehr um Erkenntnis und ihre Anwendung, sondern primär um Verkaufbarkeit.

Nichts ist gegen die Anwedung von Wissen zur Erleichterung des Lebens zu sagen, gegen die ökonomische Utilisierung von Wissen einiges.