bildpolkrit

28.01.2007 um 21:04 Uhr

Bildungspolitik und ihre Effekte: Dreiteilung der Hochschullandschaft

von: soclyt

"Die Hochschullandschaft wird sich deutlich verändern: Es wird einige Spitzen- und Forschungsuniversitäten geben, eine Gruppe von Universitäten mit einzelnen herausragenden Fächern und eine andere Gruppe mit Hochschulen, die vor allem von regionaler Bedeutung sind." (Bernd Huber, Rektor LMU München, in SZ 24.1.2007, S. 40).

Unterschiede gab es bisher auch schon. Sie werden sich wohl aber verfestigen. Nun kann man einwenden: Dann müssen sich eben die einzelnen Unis bemühen und im Wettbewerb durchsetzen - das sei ja ein Ziel der Veranstaltung. Ob allerdings dafür die Voraussetzungen günstig sind (oder nicht eher zur Begünstigung bereits großer Komplexe führen), ist fraglich. Begünstigt könnte das werden durch die Zentralisierung von Disziplinen, gegen die dann nur noch schwer anzukommen ist. Verbunden ist der Vorgang einerseits mit Auf-, andererseits mit weiterer - in stärkerem Umfang als bisher - Abwertung.

19.01.2007 um 10:51 Uhr

Wikipedia: Bildungspolitik

von: soclyt

"Während Despotien aller Art mit Indoktrination und einem Unterdrückungsapparat die Menschen nach den jeweiligen Zwecken zu formen trachten, muss die offene Gesellschaft ihre Bürger auf den notwendigen Selbsteuerungsprozess einstellen." (Wikipedia : Bildungspolitik).

Die die Einführung von Marktprinzipien im Bildungswesen unterstützende Marktorientierung (im Sinne von Ausrichtung der Beteiligten auf den Markt), die Propagierung von Wettbwerb (unter Ignorierung der negativen Effekte), die Ausrichtung von Wissenschaftlern auf Unternehmertum gelten anscheinend nicht als Indoktrination - bewusst geschaffene Zwänge wie der zur Finanzierung über Drittmittel sind noch etwas ganz anderes als Indoktrination.

Wer steuert sich im "notwendigen Selbsteuerungsprozess" selbst?

Die "offene Gesellschaft"?

Die Bürger? (Die sich den Konkurrenzbedingungen anpassen und darin zu behaupten suchen?).

"Selbstbehauptungschancen (...) im weltgesellschaftlichen Kontext" meint wohl Durchsetzung in der globalen Konkurrenz. 

05.01.2007 um 11:23 Uhr

Freiheit: Mehr Freiheiten für Wissenschaft und Forschung (Merkel)

von: soclyt

"Wir planen, Wissenschaft und Forschung mehr Freiheiten zu lassen" (Merkel, zit. n. SZ 4.1.2007; s. dazu "Science", Juli 2006).

Die Freiheit, sich selber Geld beschaffen zu müssen?

Die Freiheit, Fächer an Unis schließen zu müssen?

Die Freiheit, mit einem Globalhaushalt auskommen zu müssen?

Die Freiheit, "Profil" entwickeln zu müssen?

Die Freiheit, weiter mit Überlast zurechtkommen zu müssen?

Die Freiheit, Wettbewerb mit unsinnigem Ressourcenverschleiß praktizieren zu müssen?

Oder: Die Freiheit, das alles zu dürfen?

03.01.2007 um 11:29 Uhr

Massen-Unis und ihre Vorteile: Umdrehbarkeit der Anforderungen

von: soclyt

"Chaotische Massen-Unis können auch positive Effekte auf die Persönlichkeitsbildung haben" (E. Schadeck, zit. n. "Spiegel" 50/2006, S. 77).

Während bisher von den Nachfragern Wert auf "Elite" gelegt wurde, können - wie sich zeigt - die Anforderungen auch einfach anders definiert werden, wenn "das Anspruchsdenken mancher Studenten von privaten Hochschulen" zu hoch wird (a.a.O.). Wer in der Position ist, die Anforderungen stellen zu können, kann nach Belieben die Definitionen auch umdrehen - und so auch plötzlich Vorteile von Massen-Unis entdecken oder etwas dazu erklären.

Erwartet man, dass die Verhältnisse an Massen-Unis eine "Durchsetzungs-Elite" entstehen lassen, derer man sich zum eigenen Vorteil bedienen kann?