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26.03.2007 um 10:55 Uhr

Qualifizierung: Entdeckung einer neuen Qualifikationsart: "Vorbeiqualifizieren"

von: soclyt

Dem Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe  e.V. in Oldenburg ist die Entdeckung einer  bisher unbekannten Qualifikationsart gelungen:

"Die Schulen qualifizieren an den Jugendlichen vorbei" (Gerhard Christe in tagesschau.de 6.3.2007).

Man kann Jugendliche falsch qualifizieren, man kann sie unzureichend qualifizieren, man kann Qualifikationsanforderungen oder -ziele nicht erfüllen oder verfehlen - an den Adressaten der Qualifizierung "vorbeiqualifizieren" kann man nicht.  

14.03.2007 um 10:56 Uhr

Hochschulen: Autonomie durch Stiftungen?

von: soclyt

Behauptet wird ein Zusammenhang von Stiftungen und Autonomie im Bildungswesen, denn Stiftungen sind "politisch und finanziell unabhängig, können also auch unbequeme Fragen stellen und Thesen vertreten, die nicht mehrheitsfähig sind" (Schlüter, Andreas: Exzellenz und Autonomie. Stiftungen im Bildungssystem. In: Münchner Uni Magazin 4/2006, S. 11). Stiftungen werden deklariert als "Pioniere auf dem Weg zur unmittelbaren, spontanen, dezentralen, effizienten, vielfältigen Verbindung von unternehmerischer Dynamik und Dienst am Gemeinwohl" (Roman Herzog, zit. n. Schlüter, a.a.O.).

Da wird das Faktum, dass Stiftungen über ihren Zweck selbst entscheiden, unbesehen des Inhalts uminterpretiert als Vorteil für u.a. das Hochschulwesen im Sinne von mehr Autonomie.

Die Hochschule soll aber im Gegensatz dazu als Ganzes, qua eines zugesicherten Status, nicht aufgrund der Aktivitäten einzelner und zersplitteter Stiftungen, die ihre jeweiligen Zwecke einbringen, autonom sein.

Durch eine Ansammlung unterschiedlichster Stiftungszwecke wird evtl. die Autonomie von Stiftungen realisiert - die Autonomie von Hochschulen wird dadurch nicht erhöht. 

07.03.2007 um 11:50 Uhr

Frühkindliche Förderung: "Bildungshunger der kleinen Kinder stillen" (Schavan)

von: soclyt

"Wir werden in Europa alles daran setzen, den Bildungshunger der kleinen Kinder zu stillen" (Schavan, zit. n. BMBF-Pressemitteilung 045/2007, 2.3.2007).

So werden Anforderungen zu Bedürfnisbefriedigungen erkärt. Den Zielobjekten der Maßnahmen erweist man einen Gefallen, da man ja ihre Entwicklung fördert - bei Adressaten, die selbst nicht dagegen protestieren können, deren Eltern man eventuell mit dieser Formulierung vereinnahmen kann.

Nicht erwähnt wird hier der Hintergrund, auf dem diese Maßnahmen stattfinden: Nichts von internationalem Wettbewerb, mehr Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltigem Wirtschaftswachstum - das steht anderswo (s. dazu BMBF-Pressemitteilung 033/2007, 16.2.2007).

Dass Förderung von Kindern wünschenswert und sinnvoll sein kann, sollte nicht aus dem Blick geraten lassen, wofür diese positive Qualität verwendet wird.

Dass für Kinder Lernen eine interessante Aktivität sein kann, ist nicht gleichzusetzen mit "Bildungshunger"; mit Bildung hat das - von der Schaffung einiger begünstigender Voraussetzungen vielleicht abgesehen - wenig zu tun, mit "Bildungshunger" gar nichts.

02.03.2007 um 10:55 Uhr

BMBF, KMK, Bildungsforschung, Orthographie

von: soclyt

"Der KMK-Präsident und die Bundesbildungsministerin zeigten sich einig darüber, dass die Trias von Bildungsberichterstattung, Feststellung er (sic) Leistungsfähigkeit sowie die Bildungsforschung die Modernisierung des Bildungswesens befördere:'Wichtig ist (sic; ohne Komma) das (sic) die gemeinsame Bildungsforschung eine angewandte, also (sic) Wirkungsforschung sein muss, die unmittelbaren Einfluss auf bildungspolitisches Handeln hat', so Schavan und Zöller". (BMBF-Pressemitteilung 041/2007, 28.2.2007:"Neue Steuerungselemente für weitere Verbesserung des Bildungswesens").

Es gibt orthographische Regeln, deren Geltungsbereich BMBF und KMK einbezieht.

Angewandte Bildungsforschung ist nicht nur und nicht vordringlich Wirkungsforschung - auch wenn das ein wichtiger Teil davon ist.

Einfluss auf bildungspolitisches Handeln hat die Bildungsforschung seit Jahrzehnten in nur sehr geringem Umfang, unmittelbaren schon fast gar nicht (was nicht hauptsächlich an ihr liegt) - insofern trifft diese Ankündigung auf Skepsis.

01.03.2007 um 11:42 Uhr

Markt im Bildungswesen: Kauf von Diplomen - Serbien als Vorreiter der Hochschulentwicklung

von: soclyt

Bei der Einführung von Marktprinzipien im Bildungswesen hat Serbien die Rolle einer Avantgarde errungen. Im Sinne der konsequenten Weiterführung des Marktgedankens kann man dort Diplome und Noten käuflich erwerben (s. dazu SZ 26.2.2007, S. 9).

Für Examensnoten sind 500 bis 750 Euro zu bezahlen - im Vergleich zu den hiesigen Studiengebühren also gar nicht einmal so viel. Ein Diplom kostet zwischen 12000 und 16000 Euro; ist nicht ganz billig, aber liegt ganz auf der Linie "In Bildung investieren".

Ein weiterführender Aspekt ist die Privatisierung der Drittmitteleinwerbung und -verwendung. Die Professoren verdienen unter 1000 Euro; das regt dazu an, als Unternehmer in der Branche "Qualifikationenhandel" tätig zu sein. 

Die Nichtanerkennung der durch griechische Studenten erworbenen serbischen Diplome durch das griechische Bildungsministerium läuft allen Regeln des freien Marktes zuwider.

Wie man sieht, ist es Serbien in bemerkenswerter Weise gelungen, überzeugende Lösungen für eine Reihe von brennenden Problemen im Hochschulbereich zu finden.

Vorschlag: Hochschul-Förderpreis für Serbien für einen großen Schritt beim Vorantreiben der Marktförmigkeit des Bildungswesens - Serbien hat den Geist des Marktes erfasst.