bildpolkrit

28.11.2007 um 15:44 Uhr

Akademischer Diskurs: Wesentliche Inhalte

von: soclyt

Studenten sprechen über Computerprobleme und Jobs, Professoren über Finanzierungs- und Strategiefragen, Nachwuchswissenschaftler über Präsentationstricks und Karrieremöglichkeiten, Studentenvertreter über Öko-Kaffee, Kundenorientierung und die Verwendung von Studiengebühren.

Gespräche über wissenschaftliche Inhalte scheinen eher peripheren Charakter zu haben.

Das dürfte sich bei weiterer Marktausrichtung noch verstärken. 

23.11.2007 um 15:01 Uhr

OECD: Universitätsranking

von: soclyt

Die OECD will Universitätsrankings durchführen (Beginn 2010); untersucht werden sollen die "learning outcomes" - mit der Leitfrage:"What is a global employer looking for?" (Andreas Schleicher, OECD, zit. n. "Economist" November 17th 2007, S. 64).

Dann sind ja eine klare Linie und ein eindeutiger Zweck vorgegeben - einschließlich Reduktion, Funktionalisierung, Anpassung.

Damit ist auch unmißverständlich ausgedrückt, wer bestimmt, was "Bildung" zu sein hat.

Bildungstheoretische Erwägungen und Diskussionen sind überflüssig, ein umfassenderes Konzept von Bildung (das auch Auswirkungen auf Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften haben könnte) illusionär. 

20.11.2007 um 14:43 Uhr

Effekte des Neohumanismus: Analyse der Sprache statt Analyse der Realität

von: soclyt

Manche seiner Adepten verstehen komplizierte Texte über die Realität besser als die Realität; sie können syntaktische Srrukturen besser analysieren als reale Situationen - falsch angewandter (interessegeleitet autoritätsdienlicher) Primat der Sprache. 

17.11.2007 um 14:13 Uhr

Bildung - vom Markt überholt

von: soclyt

Warum sollte man an Bildung festhalten?

Vorgeschlagen wird ein Training für marktadäquates Handeln, angereichert mit ein paar kleinen, eigentlich irrelevanten, aber ganz dekorativen Spielbereichen und exotischen Spezialkenntnissen - sie könnten evtl. als Elemente in Abgrenzungs- und Abhebungsstrategien erfolgreich sein.

Dadurch würde der Einsparungszweck endlich effizient erreicht.

Flexibilität und Fähigkeit zur selbständigen Einarbeitung in neue Bereiche sind nachher im Beruf sowieso nötig und als Qualifikationsmerkmal Sache des einzelnen.

Man könnte auch zeigen, dass grundlegende Elemente von Bildung Wettbewerb, Zeitgeistkonformität, ein hohes Maß an Anpassung an was auch immer, besinnungsloses Funktionieren, Stzreben nach Erfolg um jeden Preis, Kampf aller gegen alle, Aneignung nur verwertbaren Wissens, Karriereorientierung, Vermeidung von Distanz und Überblick, kurz- bis allenfalls mittelfristiges Denken, Gewinnausrichtung, Rezipienz, Erfüllung fremdgesetzter Zwecke, Engführung und Kanalisierung sind.

Will man den "Bildungs"-Begriff aus nostalgischen Gründen nicht ganz aufgeben, könnte man das als "marktangenäherte Bildung" bezeichnen - sofern man n icht sowieso die Bezeichnung "marktfähige Kompetenezen" bevoprzugt.

16.11.2007 um 13:51 Uhr

Schulleitung als "Schulführung"?

von: soclyt

"Bei all dem sollte stets im Auge bleiben, was für den österreichischen Führungsforscher Hans H. Hinterhuber der ultimative 'Auftrag von Führung ist, nämlich sich für Menschen zu interessieren, ihnen zu helfen, sich zu entwickeln, ihr maximales Leistungspotenzial zu erreichen, und sie anzuregen, vielleicht etwas höher zu streben, als sie es selbst für möglich halten'." (Hans-Günter Rolff in "Erziehung und Wissenschaft" 11/2007, S. 2).

Zeitgemäß ausgedrückt heißt das ja "Management", aber warum soll man nicht auch die guten alten, bewährten Begriffe etwas zurechtmodeln?

In der modernen "Führung" wird nicht mehr angeordnet, sondern "geholfen" und "angeregt".

Das Interesse für Menschen ist in der "Führung" sehr zielgerichtet und selektiv.

"Sich entwickeln" heißt, sich im Sinne besserer Funktionalität zu entwickeln; Zielpunkt ist das "maximale Leistungspotential".

"Höher streben" meint Hinausschieben der eigenen Leistungsgrenzen. 

13.11.2007 um 14:11 Uhr

Bildungspolitik und Bildung

von: soclyt

"Letztlich ist es Auftrag demokratischer Bildungspolitik durch die alters- und entwicklungsbezogene Formung des Selbstbewusstseins, die zunächst partikularen und dann später universalen Anforderungen der sozialen Gemeinschaft verstehen und akzeptieren zu können." (Tippelt, Rudolf: Ausgewählte pädagogische Lemmata und ihre bildungspolitischen Konnotationen. In: Z.f.Päd. 5/2007, S. 715 f.).

Wie das ? 

Vorher heißt es (mit Bezug auf den Bildungsbegriff des 18. Jahrhunderts):

"Bildung gilt dabei in seiner normativeb Bedeutung als Befreiung des Menschenzu sich selbst, zu Urteil und Kritik und ist gegen eine unreflektierte Anpassung an vorgegebene gesellschaftliche Situationen gerichtet." (Tippelt, a.a.O., S. 715).

Abgesehen von der kruden Syntax des ersten Zitats ist nicht klar, warun der Auftrag darin bestehen soll, Akzeptanz der Anforderungen zu erreichen. Welcher Anforderungen? Warum? Welcher nicht? Wer definiert die Anforderungen? Ist auf eine "reflektierte Anpassung" abgezielt?  

Was heißt außerdem "soziale Gemeinschaft"? Was soll das Epitheton?

Allerdings hat der Autor auch keine Probleme, von "Traditionen und Überlieferungen" zu sprechen (a.a.O., S. 715).