Taoistische Reflektionen

20.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 598

von: tao

Musik: Stephen DeRuby – Infinity


Verstehen kommt nur durch Erfahrung.
Viele Male wirst du fallen.
Aber lass dich nicht entmutigen.
Steh wieder auf,
und geh weiter.
Viele Male wirst du fallen
und du wirst dich wieder zu sehnen beginnen.
Das ist so subtil
dass du vielleicht sogar denkst, du hättest keine Wahl getroffen,
du hättest nichts bevorzugt,
und du hast es doch.
Aber je wachsamer du bist,
desto eher wird es sich eines Tages ereignen.
Es ist anderen passiert,
und die waren in der gleichen Klemme,
und hatten die gleichen Schwierigkeiten --
wie kann ich nur mir das nicht wünschen
was doch so wonnevoll ist.
Wie kann ich ganz einfach das nicht ersehnen,
und wunschlos bleiben,
nicht irgendetwas irgendetwas anderem vorziehen,
bloß sein, ohne jegliche Vorliebe.
Ich weiß, das ist fast unmöglich --
aber es geschieht.
VerrücktVerrückt

19.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 56 (17)

von: tao

Musik: Gerald Jay Markoe – Mindfulness

 
Geh an den Dingen vorüber, ohne sie anzuschauen.
Halte deine Augen leer.
Schau auf die Welt mit leeren Augen,
so dass du sie nicht betrachtest,
du siehst dir nichts Bestimmtes an.
Dieses Gefühl könntest du haben
bei einem Menschen des Tao
wenn du ihm begegnen würdest.
Er sieht dich an, aber er betrachtet dich nicht.
Er schaut und schaut doch nicht.
Seine Augen sind wie leere Spiegel.
Er ist nicht indifferent; er ist auch nicht interessiert.
Er hört, und er hört nicht.
Wenn du etwas sagst, hört er zu,
aber wenn du mittendrin aufhörst
ist er nicht neugierig auf den fehlenden Halbsatz.
Sogar wenn du mitten im Satz halt machst --
dann ist für ihn da der Punkt; es ist beendet!
Er ist nicht neugierig.
Dann hört das Denken mit dem Sammeln auf.

18.01.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (23)

von: tao

Musik: Terry Oldfield – Shadows Dancing

"Wer von einem Menschen regiert wird, lebt in Sorge."
Wenn du Menschen beherrschst, lebst du in Konfusion;
wenn du anderen erlaubst, dich zu dominieren,
wirst du in Leid leben,
denn ein Sklave kann nicht glückselig sein.
"Yau wünschte sich deswegen
weder, andere zu beeinflussen
noch von ihnen beeinflußt zu sein."
Du solltest nicht versuchen,
irgendjemanden zu beeinflussen,
und du solltest darauf achten,
dass du nicht von anderen beeinflußt wirst.
Das Ego kann beides tun,
aber es kann nicht in der Mitte bleiben.
Das Ego kann versuchen, Einfluß zu nehmen,
dann fühlt es sich gut, dominant,
aber bedenke, dass sich das Ego auch gut fühlt,
wenn es beherrscht wird.
Die Meister fühlen sich gut,
weil so viele Sklaven beherrscht werden,
und die Sklaven fühlen sich auch gut,
dominiert zu werden.
Und es gibt zwei Denktypen in der Welt:
Das Denken derjenigen, die dominieren --
das männliche Denken,
und das Denken derjenigen,
die es mögen, beherrscht zu werden --
das weibliche Denken.
Mit "weiblich" sind nicht Frauen gemeint,
mit "männlich" auch nicht Männer.
Es gibt Frauen, die maskulin denken
und es gibt Männer, die feminin denken.
Das ist nicht immer deckungsgleich.

§

17.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 597

von: tao

Musik: Oliver Rehbinder – M44 Beehive Cluster

Verrückt

Wenn das Ego Aufmerksamkeit möchte,

das Denken seine konstante Bewegung fortsetzt,

dann lass das Ego sterben.

Du klammerst dich an das Ego --

du bist bereit, den Körper zu zerstören,

aber du bist nicht bereit, das Ego zu zerstören.

Wenn das Ego das Problem ist, dann lass das Ego fallen.

Der Körper hat dir nichts getan,

der Körper ist eine schöne Sache.

Der Körper ist genau wie ein Tempel,

er ist eines der größten Wunder,

den es in der Existenz gibt.

Genieße ihn, feiere ihn,

denn durch ihn wird alles Feiern möglich.

Ohne ihn wirst du ein Geist in einer Maschine sein.

Aber du möchtest alles nett haben.

Darin liegt deine Sehnsucht.

Du möchtest eigentlich ein nettes Leben haben --

"nett" bedeutet ein Leben des Dahinvegetierens,

nichts tun und alles bekommen,

alles erhalten

ohne irgendeine Anstrengung zu unternehmen.

17.01.2010 um 02:26 Uhr

Tao 33

von: tao

Musik: Gandalf – Blossoms Falling Like Snow


Methoden sind bloß Spiegel.

Sie reflektieren unser eigenes Unbewußtes.

Das ist nicht viel. Sie geben uns niemals irgendetwas Neues,

sie spiegeln uns einfach wider.

Aber wir kennen uns eben nicht selbst,

darum denken wir, wir hätten etwas Neues erreicht,

wir hätten durch diese Methoden

irgendein neues Wissen gewonnen.

Als der russische Diktator Chruschtschow nach Paris kam,

besichtigte er eine Ausstellung mit modernen Gemälden.

Er war ein unkultivierter Mensch

und in keiner Weise ästhetisch,

er hatte keinen Sinn für Schönheit.

Er war genau genommen vulgär.

Aber er war eingeladen worden und mußte hingehen.

Großartige Gemälde wurden in dieser Ausstellung gezeigt.

Er sah sich ein Gemälde an und sagte:

Ich verstehe es nicht. Das schaut häßlich aus.

Der Mann, der ihn herumführte, ein großer Kunstkritiker, sagte:

Dies ist ein Picasso und es ist eines der schönsten Dinge,

die in diesem Jahrhundert geschaffen wurden,

aber es braucht ein Vorverständnis.

Es ist nicht so gewöhnlich, daß es jeder verstehen könnte.

Sie müssen Ihr ästhetisches Gefühl,

Ihre Sensitivität schon steigern,

nur dann werden Sie sehen können, was es darstellt.

Sie gingen weiter. Chruschtschow fühlte sich unwohl.

Er hätte sich niemals vorstellen können,

daß so etwas passieren könnte.

Tatsächlich hätte auch in Rußland so etwas

niemals geschehen können.

Kein Kritiker, kein Künstler wäre so mutig gewesen,

ihm zu sagen, daß ihm das Verständnis fehlen würde.

Dann stand er vor dem nächsten Gemälde,

betrachtete es minutenlang intensiv,

und sagte dann: Ich denke, dies ist auch ein Picasso.

Der Kritiker sagte: Es tut mir leid, mein Herr,

dies ist bloß ein Spiegel.

Sie betrachten sich gerade selbst in ihm.

Er war ein häßlicher Mann –

für ihn mag es wie ein Picasso ausgesehen haben –

ein Gemälde von Picasso, eine Verzerrung, eine Karikatur.

16.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 5 (14)

von: tao

Musik: Music from the World of Osho – Wild Birds

"Natur

Himmel und Erde agieren nicht aufgrund (des Impulses) irgendeines Wunsches, wohlwollend zu sein; sie handeln alle Dinge ab, wie man mit Hunden aus Gras umgeht. Die Weisen handelt nicht von (irgendeinem Wunsch her) wohlwollend (zu sein); sie gehen mit den Leuten um, wie man Hunde aus Gras behandelt."

Von all den Leuten, die auf dieser Erde erkannt haben, ist Lao-tse unvergleichlich, er ist einzigartig. Ein Mensch mit gewöhnlichem Intellekt kann leicht irgendeine seiner eigenen Ideen Krischnas Bhagavadgita hinzufügen. In gleicher Weise kann alles Mögliche den Worten von Mohammed, Buddha oder Christus hinzugefügt werden, und es würde schwierig sein, dies zu entdecken. Die Aussagen dieser Heiligen stehen nicht im Widerspruch zur Moral und dem Verständnis des normalen Menschen. Darum sind all die Schriften der Welt interpoliert worden, sie wurden ständig erweitert. Jede Generation fügte etwas Neues hinzu, das zu ihr gehörte. So ist es nicht möglich gewesen, die Reinheit dieser Schriften zu bewahren. Aber Lao-tses Buch ist eines dieser ganz wenigen Bücher auf der Erde, das sich seine Reinheit bewahrt hat. Nichts kann ihm hinzugefügt werden. Der Grund dafür ist: Nur ein Mensch von dem Kaliber des Lao-tse kann jemals irgendetwas hinzufügen.

15.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (29)

von: tao

Musik: Spielen Prem Joshua & Manish Vyas – Moon Song

 
"Spanne einen Bogen
bis zum geht nicht mehr
Und du wirst wünschen,
du hättest rechtzeitig aufgehört."
... denn du wirst ihn zerbrechen.
"Schärfe ein Schwert
bis zum allerschärfsten
Und die Klinge wird
nicht lange halten."
Nur Balance dauert an, sonst nichts,
und Gleichgewicht ist
die schwierigste Sache
in der Existenz, im Leben, denn das benötigt ungeheure Weisheit.

14.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 16 (21)

von: tao

Musik: Kadang – Maktub

Beschäftigt
Es ist einfach unglaublich
dass die Leute es mögen, in Institutionen zu leben.
Aus Angst, aus Angst vor dem Tod,
haben sie überall um sich herum
alle Möglichkeiten für den Tod getötet.
Sie erzeugen eine Illusion um sich herum
dass alles so bleiben wird, wie es ist.
Alles ist sicher und geschützt.
Hinter dieser Sicherheit versteckt
empfinden sie eine gewisse Sicherheit,
aber das ist töricht und dumm.
Nichts kann sie retten;
der Tod wird kommen und an ihre Türen klopfen
und sie werden sterben.
Das Bewußtsein kann zwei Sichtweisen einnehmen.
Die eine ist, Angst vor dem Leben zu haben,
denn durch das Leben kommt der Tod.
Die andere ist, das Leben so tief zu lieben
dass du beginnst, auch den Tod zu lieben,
denn er ist der innerste Kern des Lebens.
Die erste Einstellung kommt vom Denken her,
die zweite Einstellung kommt aus der Meditation.
Die erste Geisteshaltung kommt von zu vielen Gedanken,
die zweite Geisteshaltung kommt
aus einem gedankenlosen Denken,
von einem Nicht-Denken.
 

13.01.2010 um 23:59 Uhr

Goldene Blüte 8/33-35 (7)

von: tao

Musik: Paul van Dyk – In Between

Wütend
Je mehr du besitzt, desto mehr bist du besessen. Benutze es! -- aber bleibe wachsam: Der Tod ist im Kommen, er ist immer schon auf dem Weg. Jeden Moment mag er an die Türe klopfen und du wirst alles zurücklassen müssen, wie es ist. Und es ist immer mittendrin, wenn du gehen mußt. Man kann nichts im Leben vervollständigen.
Ninakawa antwortete sehr gut, als Ikkyu ihn fragte, ob er ihn in den Tod geleiten dürfe: "Ich kam hierher alleine und ich gehe alleine. Welche Hilfe könntest du mir sein? Wie kannst du mir im Tod helfen? Vielleicht können wir im Leben die Illusion haben, dass uns geholfen wird, dass wir Helfer sind, aber wie soll das im Tod gehen?" Er sagt da eine großartige Wahrheit, aber es gibt solche  und solche Wahrheiten und es gibt größere Wahrheiten.
 

12.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 596

von: tao

Musik: Planet Bliss – Halo

Und so geschieht ein Wunder: Wenn der andere zu fühlen beginnt, dass du wahrhaftig bist, dann fällt nach und nach, durch diesen Respekt, der Konflikt weg. Wenn du einen Menschen liebst, wenn du eine Person respektierst, wenn du siehst, dass diese Person wahr und authentisch ist, dann gibt es immer weniger Konflikt. Zwischen zwei falschen Personen gibt es immer Konflikt. Konflikt ist eine Konsequenz davon, dass zwei falsche Persönlichkeiten zusammen sind. Wenn zwei wahre Menschen zusammen leben, verschwindet der Konflikt nach und nach, weil sie beginnen, sich gegenseitig zu verstehen und dann gibt es niemals Verwirrung, es besteht keine Möglichkeit für irgendeine Konfusion. Alles ist klar und transparent. Dann verschwindet der Konflikt nach und nach. Ohne irgendetwas von deiner inneren Harmonie zu riskieren, verschwindet der Konflikt. Und dann bist du und der andere auch in Harmonie. Aber der erste Schritt ist, mit dir selbst in innerer Harmonie zu sein. Nur dann kannst du in Harmonie mit anderen sein, sonst nicht. Wenn du keine innere Harmonie erreicht hast, wie kannst du dann die äußere erreichen? Der grundlegende Faktor fehlt noch. Du kannst ein sehr authentischer Mensch werden, wenn du weißt, wo es noch fehlt, wenn du nicht bloß intellektuell bist, dann kannst du verstehen, was dein Problem ist, weil du tief in dein Wesen hineinsehen kannst.

11.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 47 (30)

von: tao

Musik: Clone – Token Toker

Eine kleine Parabel von Rabia Al-Adawia:

Eines Abends, die Sonne ging unter und die Nachbarschaft entdeckte sie, wie sie nach etwas auf der Straße suchte -- eine alte Frau, jeder liebte sie; natürlich hielt sie jeder für ein bißchen verrückt, aber sie war eine schöne Person -- also rannten sie alle hin, um ihr zu helfen und sie fragten: Was ist denn verloren gegangen? Nach was suchst du denn? Sie sagte: Meine Nadel. Ich machte gerade etwas Handarbeit und dabei habe ich meine Nadel verloren. Helft mir! Ihr seid so freundlich! Also machten sie sich alle auf die Suche. Dann ging ein Mann, dem klar geworden war, dass die Straße so groß und die Nadel solch ein kleines winziges Ding ist, und dass es fast unmöglich sein würde, sie zu finden, bevor sie nicht exakt wüßten, wo sie fallen gelassen worden war, zu Rabia und sagte: Nenn uns genau die Stelle. Rabia sagte: Frag das nicht, denn eigentlich habe ich sie nicht außerhalb meines Hauses verloren, ich verlor sie im Haus. Da hörten alle das Suchen auf und sagten: Verrückte Frau! Warum suchst du dann hier draußen auf der Straße, wenn du sie innerhalb des Hauses verloren hast? Rabia sagte: Aber dort ist es so dunkel. Hier ist es noch ein bißchen hell, wie kann man suchen, wenn es dunkel ist? Und ihr wißt. ich bin arm, nicht einmal eine Lampe ist im Haus. Wie kann man suchen, wenn es dunkel ist? Also suche ich eben hier, weil ein wenig Sonnenlicht noch da ist und noch etwas getan werden kann, um sie zu suchen. Die Leute begannen zu lachen. Sie sagten: Du bist wirklich verrückt! Wir wissen, dass es schwierig ist, etwas in der Dunkelheit zu suchen, aber dann gibt es nur einen Weg: sich von jemandem eine Lampe zu borgen und dort danach zu suchen. Rabia sagte: Ich hätte niemals gedacht, dass ihr Leute so weise seid. Warum sucht ihr dann immer im Außen? Ich folgte bloß euren Wegen. Wenn ihr so verständig seid, warum borgt ihr euch dann keine Lampe von mir und sucht in eurem Inneren? Ich weiß, dass es dort dunkel ist...

Dieses Gleichnis ist bedeutungsvoll.

10.01.2010 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 4/8 (8)

von: tao

Musik: James Asher – Return to Egypt

 

Wenn du zum ersten Mal in die innere Leere eingehst, den Zustand des Nicht-Denkens betrittst, dann geschieht es, dass du von der Erde entwurzelt wirst. Bevor du dann deine Wurzeln in den Himmel hinein wachsen läßt, wird es eine Zeitlücke geben, ein Intervall, in dem es viel Leid geben kann, wenn da niemand ist, der dich auf den Segen aufmerksam macht, der schon dabei ist, sich für dich zu ereignen. Wenn es niemanden gibt, der dir Hoffnung geben kann, dann kann die dunkle Nacht der Seele zu deinem Grab werden.

"Lung Schu sagte zum Arzt Wen Schi: "Deine Heilkunst ist subtil. Ich habe eine Krankheit. Kannst du sie heilen?"

"Du mußt mich nur beauftragen. Erzähle mir die Symptome deiner Krankheit."

"Ich halte es für keine Ehre, wenn mich der ganze Distrikt preist, noch für eine Schande, wenn der ganze Staat mich verunglimpft; ich habe keine Freude daran, wenn ich gewinne, kein Unbehagen, wenn ich verliere; ich betrachte in gleicher Weise das Leben und den Tod."

09.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 1 (38)

von: tao

Musik: David & Steve Gordon – Spirit Vision


Berkeley, der große Philosoph des Westens, pflegte zu sagen: "Wenn du aus dem Zimmer gehst, dann verschwinden die Dinge im Raum ins Leere. Wenn du zurück ins Zimmer gehst, erscheinen die Dinge wieder. Und wenn keiner im Raum ist, dann sind auch keine Objekte im Zimmer." Er forderte jeden heraus, seine Behauptung zu widerlegen. Keiner tat es, denn es ist unmöglich. Man muss im Zimmer sein, um das nachzuprüfen und Berkeley sagt: "Die Dinge erscheinen nur so lange, wie derjenige, der sie sieht, anwesend ist, und sie verschwinden, wenn der, der sie sieht, abwesend ist. Ohne den Sehenden kann das Gesehene nicht existieren. Wenn du ein Guckloch bohrst und in das Zimmer hineinspähst, wird der Sehende präsent und die Dinge erscheinen."
Was Berkeley damit zu sagen versucht, ist, dass es eine enge Beziehung gibt zwischen dem Seher und dem Gesehenen. Es ist sicherlich nicht war, dass die Dinge die gleichen sind, in der Abwesenheit des Sehers, als sie es in seiner Gegenwart sind. Nun gibt die Physik die Tatsache zu, dass, wenn du den Raum verläßt, die Objekte in ihm ihre Farbe verlieren. Alle Dinge in einem geschlossenen Raum werden farblos. Wie schaut dann das Gemälde in deinem Zimmer aus? Es ist kein Gemälde mehr. Die Behauptung der Physik ist, dass Farben in Zusammenarbeit mit den Augen gebildet werden. Wenn ich sehen kann, dass die Farbe deiner Kleider weiß ist, hängt das nicht von der Farbe deiner Kleider ab. Es sind meine Augen, die sie weiß sehen. Wenn sich keine Augen im Raum befinden würden, würden deine Kleider keine Farbe haben. Farbe hängt direkt mit den Augen zusammen.
 

08.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 595

von: tao

Musik: Liquid Mind – Lullaby For Grownups

Der Taoismus hilft dir, dich von all deinen Schuldgefühlen zu entlasten. Er hilft dir, damit anzufangen, dir selbst wieder zu vertrauen. Beginnst du erst einmal, deinem eigenen Wesen zu vertrauen, kann kein Politiker und kein Priester dich ausnutzen. Der Mensch wird immer durch Furcht ausgebeutet.
Beschäftigt
 

07.01.2010 um 23:59 Uhr

Basho 1 (2)

von: tao

Musik: Corciolli – Jasmim - Sensibilidade (Yasmin - Sensibility)

 
Wahrheit ist ein Tanz. Sie ist wie wachsende Bäume und fließende Flüsse und Wandelsterne. Wahrheit ist niemals, an keinem Punkt, ein statisches Phänomen. Sie ist keine Stase, kein Stillstand; sie ist äußerst dynamisch, sie ist Bewegung. Damit sie lebendig bleibt, muss sie in Bewegung sein.
Nur der Tod ist statisch, nur der Tod stagniert. Daher mögen die Leute, die tot sind, oberflächlich lebendig aussehen, aber wenn ihre Wahrheit nicht mehr weiterwächst, sind sie tot. Ihre Seele wächst dann nicht mehr. Wahrheit ist keine Idee, sondern dein eigentliches Sein, deine eigentliche Seele.
Daher fragte Meister Buko Basho: "Wie steht es zur Zeit um dein Verstehen?" Er fragt damit nicht nach der Vergangenheit. Wissen ist immer Wissen über die Vergangenheit, Imagination ist immer Vorstellung von der Zukunft. Er aber fragt nach der Gegenwart, er fragt damit nach dem Unmittelbaren.
Traurig

07.01.2010 um 16:09 Uhr

Tao 93 (9)

von: tao

Musik: Franz Schubert – Impromptu No. 3 In G Flat Major

Verrückt

Sogar ein Judas wird eines Tages

ein Buddha, ein Christus werden.

Und die Zeit macht nicht viel aus.

Die Zeit spielt nur für das Denken eine Rolle,

aber für einen Menschen,

der über das Denken hinausgegangen ist,

ist Zeit nicht von Bedeutung.

Jemand ist heute aufgewacht,

jemand wird morgen aufwachen,

ein anderer übermorgen –

aber das ist unwichtig für einen,

der zum Nicht-Denken-Sein gelangt ist.

Das ist Ewigkeit.

Jemand fragte Jesus:

Warum berührst du unsere Füße ?

Was tust du da ?

Und es wird berichtet, Jesus habe gesagt:

So daß ihr euch daran erinnert

daß der Meister

die Füße der Schüler berührt hat;

so daß ihr nicht hochmütig werdet

so daß ihr nicht stolz werdet

so daß ihr die Leute nicht dazu zwingt,

euch die Füße zu küssen

so daß ihr daran denkt,

daß schließlich bloß der Meister

die Füße der Schüler zu berühren

und sich zu verneigen hat.

Denn auch im Schüler ist der Morgen verborgen.

Es mag immer noch dunkle Nacht sein,

aber je dunkler die Nacht

desto heller wird der Morgen sein.

Er ist schon im Kommen,

er ist bloß noch um die Ecke;

ihr könnt es nicht sehen,

aber der Meister kann es sehen

und er verbeugt sich vor euch –

vor dem Morgen, der sich in euch ereignen wird.

06.01.2010 um 23:59 Uhr

Ko Hsuan 1 (11)

von: tao

Musik: Gabrielle Roth & The Mirrors – Eternal Dance

Alles, was das indische Denken möchte, ist ein wenig Schatten und Kühle. Also ist das indische Paradies immer voll mit kühlen Brisen und es gibt große Bäume,so groß, dass tausend Ochsenwagen unter einem einzigen Baum im Schatten stehen können. Das ist die indische Idee von Schatten und Kühle...

Die tibetische Hölle ist absolut eisig and die indische Hölle ist voll mit Feuer.

Nun, so viele Höllen und so viele Paradiese kann es nicht geben; das sind  unsere Projektionen. Was wir auch immer ersehnen, das projizieren wir in den Himmel und vor was wir auch immer Angst haben, das projizieren wir auf die Hölle. Die Hölle ist für die anderen, für diejenigen, die nicht an unsere Ideologie glauben, und das Paradies ist eine Belohnung für diejenigen, die an unsere Ideologie glauben -- die gleichen weltlichen Dinge. Das sind keine religiösen Menschen.

Im mohammedanischen Himmel gibt es Ströme von Wein. Das ist sehr eigenartig: Hier verdammst du den Wein -- er ist eine Sünde -- und dort belohnst du deine Heiligen mit Wein!

All die Paradiese aller Länder sind voll von schönen Frauen, denn sie sind alle von Männern kreiert worden, es gibt keine Beschreibung von schönen Männern. Wenn also Frauen... und natürlich werden die Emanzen früher oder später über ihr eigenes Paradies schreiben. Sie werden nicht über schöne Frauen reden, sie werden von schönen Männern reden -- Pantoffelhelden, die immer den Frauen wie ein Schatten folgen, gehorsam, und so weiter und weiter, genau wie Diener. So haben sich die Männer die Frauen in ihrem Himmel ausgemalt. Und sie sind immer jung, sie werden niemals alt. Das ist seltsam!

Wenn du dir die Idee von Gott anschaust, so halten all die Religionen Gott für einen sehr, sehr alten Mann. Hast du dir jemals Gott als einen jungen Mann vorgestellt? Kein Land hat jemals Gott für einen jungen Mann gehalten, denn jungen Leuten kannst du nicht trauen: Sie sind gefährlich und sie sind auch ein wenig töricht. Ein weiser Mann muss sehr alt sein, also ist Gott sehr alt. Aber die Frauen, von denen er umgeben ist, sind alle sehr jung, genauer gesagt immerwährend achtzehn Jahre alt; über dieses Alter wachsen sie nicht hinaus. Die totale Stagnation! Sie müssen es doch schon müde sein, seit Millionen von Jahren achtzehn Jahre alt zu sein!

Aber das ist die Idee des Menschen: Hier entsagen die Heiligen den Frauen, sie verzichten auf Sex; sie verdammen den Sex, sie preisen das Zölibat -- und natürlich hoffen sie darauf, dass sie gut dafür bezahlt werden, dass sie belohnt werden. Das sind unsere weltlichen Sehnsüchte, wie sie wieder zurück aus dem Unbewußten kommen; du kannst sie nicht wegschieben. Bevor du dich ihnen nicht gestellt hast, bevor du sie nicht beobachtet hast, kannst du sie nicht einfach bloß unterdrücken.

06.01.2010 um 22:50 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (7)

von: tao

Musik: Spielen Chinmaya Dunster & Niladri Kumar – Village Songs


Ein Teil kann nicht das Ganze erobern;

und wenn der Teil das versucht, wird der Teil wahnsinnig werden.

Das Ganze wird nichts dabei verlieren,

der Teil wird alles verlieren

denn der Teil existiert mit dem Ganzen,

niemals dagegen.

Die Wissenschaft ist destruktiv geworden

wegen dieser aggressiven Einstellung.

Und dann ist da noch ein anderer Aspekt des Konflikts:

diesen Aspekt nennst du Religion.

Der eine Aspekt ist der Kampf mit der Natur im Außen;

die Wissenschaft ist so entstanden, sie ist destruktiv.

Das letztendliche Ziel kann nie etwas anderes sein als Hiroshima,

und das wird erreicht werden --

die ganze Erde wird ein Hiroshima werden.

Das Kämpfen führt zum Tod,

der Konflikt führt schließlich zum äußersten Tod;

die Wissenschaft steuert in diese Richtung.

Dann ist da noch der andere Konflikt:

Der innere Konflikt, der Kampf mit sich selbst.

Das ist das, was du Religion nennst -- sich selbst zu bezwingen.

Wieder der Kampf, und auch das ist destruktiv.

Die Wissenschaft zerstört die Natur von außen her,

und die sogenannte Religion zerstört die Natur von innen her.

Dschuang Dsi ist gegen beide Aspekte des Konflikts.

Die sogenannte Wissenschaft und die sogenannte Religion sind keine Feinde,

sie sind Partner, sie haben eine tiefe Affinität.

06.01.2010 um 22:07 Uhr

Goldene Blüte 8/33-35 (3)

von: tao

Musik: Chinmaya Dunster & Niladri Kumar – Jhinjhoti Revisited


Das Leben, das wir leben, ist nicht einmal Leben, das kann es nicht sein. Wie kann es Leben sein, wenn kein Licht in uns ist ? Wie kann es Leben sein, wenn keine Liebe in uns ist ? Wie kann es Leben sein, wenn wir mechanisch funktionieren ? Nur mit Bewußtheit kommt das Leben zu uns – nicht mit der Geburt, sondern mit Bewußtsein. Nur mit einem meditativen Bewußtsein fangen wir an, das Leben zu leben. Andere machen sich etwas vor; wirklich leben tun sie nicht. Sie tun vielleicht tausend Sachen. Immerzu machen sie etwas; bis ganz zuletzt sind sie immer am Tun und Machen; Reichtum anhäufen, an die Macht kommen, sich diesen Ehrgeiz und jene Sehnsucht erfüllen. Sie machen immer weiter, aber trotzdem ist das Endergebnis, die Endsumme ihrer Leben Null.

Nachdem er den sechzig Jahre alten Rodeo-Champion in Austin, Texas, interviewt hatte, bemerkte der Zeitungsmann aus New York: "Du bist wirklich ein außergewöhnlicher Mann, daß du in deinem Alter noch ein Rodeo-Champion bist."

"Quatsch", sagte der Cowboy, "ich bin ein nicht annähernd so außergewöhnlicher Mann wie es mein Papa ist. Der steht immer noch auf dem Fußballplatz und kickt für ein Fußballteam und er ist sechsundachtzig."

"Beeindruckend !" schnappt der Journalist nach Luft, "ich würde gerne deinen Vater treffen."

"Das geht jetzt gerade nicht. Er ist in El Paso und setzt sich für Opa ein. Opa wird morgen heiraten. Er ist einhundertvierzehn."

"Deine Familie ist einfach unglaublich," sagte der Zeitungsmann. "Hier bist du, ein Rodeo-Champion mit sechzig. Dein Vater ist ein Fußballspieler mit sechsundachtzig. Und dein Opa möchte heiraten mit einhundertvierzehn."

"Verdammt, Mister, das hast du falsch verstanden", sagte der Texaner. "Opa möchte gar nicht heiraten. Er muß."

So geht das Leben immer weiter bis ganz zum Ende. Das ist nicht wirkliches Leben. Wir sind bloß Opfer – ein Opfer unserer unbewußten Instinkte, ein Opfer der Biologie, ein Opfer der Physiologie, ein Opfer der Natur. Das ist die Bindung. Von all diesem Unbewußten frei zu sein ist die Befreiung. Frei zu sein von der Knechtschaft an unsere Körperchemie, frei zu sein von der Anbindung an das Programm, das die Natur in unsere Körperzellen einprogrammiert hat, frei zu sein von allem, was unbewußt in uns ist, eigenständig zu sein, ein bewußtes Licht zu sein – das ist der Beginn des wirklichen Lebens. Unser Alter zählt nur von dem Moment an, wo wir damit beginnen, bewußt zu leben, ganz wach und meditativ.

 

 

06.01.2010 um 02:45 Uhr

Tao Te King 1 (14)

von: tao

Fröhlich
Lao-tse lebte in Schweigen.

Er vermied es immer,

über die Wahrheit zu reden, die er erlangt hatte

und er wies immer den Gedanken von sich

dass er dies für die zukünftigen Generationen aufschreiben sollte.

Im Alter von neunzig Jahren

nahm er Abschied von seinen Schülern,

und mit seinem Abschiedsgruß sagte er zu ihnen:

Nun begebe ich mich auf die Reise ins Gebirge,

Richtung Himalaja.

Ich gehe dorthin, um zum Sterben bereit zu werden.

Es ist gut, mit Leuten zu leben,

es ist gut, in der Welt zu sein, während man lebt,

aber wenn man dem Tode näher kommt

ist es gut, sich in das totale Alleinsein zu begeben,

so dass wir uns

zur ursprünglichen Quelle hinbegeben

in unsere absolute Reinheit und Einsamkeit,

unkontaminiert von der Welt.

Die Schüler fühlten sich sehr, sehr traurig,

aber was konnten sie tun?

Sie folgten ihm ein paar hundert Kilometer,

aber nach und nach überredete Lao-tse sie,

wieder zurückzugehen.

Dann überquerte er alleine die Grenze,

und dort sperrte ihn der Grenzwächter ein

denn er war auch ein Schüler. Und er sagte:

Bevor du nicht ein Buch schreibst,

werde ich dir nicht erlauben

die Grenze zu überqueren.

Soviel musst du für die Menschheit tun.

Schreibe ein Buch.

Das ist die Schuld, die du zu zahlen hast,

sonst werde ich dir

den Grenzübergang nicht gestatten.

Lao-tse wurde also drei Tage lang

von seinem eigenen Schüler gefangen gesetzt.

Das ist schön. Es ist sehr liebevoll.

Er wurde dazu gezwungen.