Taoistische Reflektionen

19.11.2009 um 23:27 Uhr

Tao Te King 67 (18)

von: tao

Musik: Doorway to the heart von Osho Musicians


Denen, die bloß im Kopf sind --
ist das Herz eine Narrheit
denn das Herz hat seine eigenen Gründe,
die das Denken nicht verstehen kann.
Das Herz hat seine eigene Seinsdimension,
die dem Denken komplett dunkel erscheint.
Das Herz ist höher und tiefer als das Denken, außerhalb seiner Reichweite.
Es erscheint töricht.
Liebe sieht immer närrisch aus
denn Liebe ist nicht zweckmäßig.
Das Denken ist utilitaristisch, zweckmäßig.
Es benützt alles für etwas anderes --
das ist die Bedeutung des Nützlichkeitsdenkens.
Das Denken ist zweckmäßig.

18.11.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (10)

von: tao

Musik: Sammasati von Deva Premal

In einer kleinen Schule, einer Volksschule,
nahm die Lehrerin mit ihren Schülern gerade
das Gesetz der Schwerkraft durch.
Sie sagte zusammenfassend
dass wir wegen dem Gesetz der Schwerkraft
auf der Erde sein können.
Ein kleines Kind war sehr durcheinander. Es stand auf und sagte:
Ich verstehe das nicht. Wie haben wir es geschafft
uns an der Erde festzuhalten, bevor das Gesetz erlassen wurde?
 
 
Und du denkst, du bist wegen der Gesellschaft hier;
du denkst, du bist wegen der Moral hier --
und all dem Unsinn, der damit einhergeht;
du denkst, du bist hier wegen
deiner Bibel, deinem Koran, deiner Gita.
Nein! Die Natur existiert ohne irgendwelche Gesetze.
Sie hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten
aber das sind keine Gesetze, die von Menschen erlassen wurden.
Sie benötigen deine Sanktionierung nicht,
sie sind da, und das Leben folgt ihnen ständig.
Wenn du dich nicht einmischst,
wirst du das Ziel unmittelbar erreichen;
wenn du dich einmischst, wirst du in Schwierigkeiten sein.

17.11.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (25)

von: tao

Musik: Spirit Catcher von Solaris

Wenn dein inneres Licht brennt,

dann brauchst du nicht losziehen

und bei anderen an deren Türen klopfen,

das Phänomen als solches wird sie anziehen,

und Sucher werden dir folgen und dich suchen,

wo immer du bist.

Und kümmere dich nicht um die, die keine Sucher sind,

denn ihr Kommen ist nutzlos.

Sie werden bloß stören,

und sie werden für diejenigen, die auf der Suche sind, Hindernisse darstellen.

Verbirg die Tatsache, dass in dir ein Licht brennt.

Aber trotzdem werden die Leute es in Erfahrung bringen.

Der Fürst mußte herausgefunden haben

dass Dschuang Dsi erleuchtet worden war.

"Der Fürst von Dschu entsandte

zwei Vizekanzler

mit einem förmlichen Dokument:

Hiermit ernennen wir dich zum

Premierminister."

Früher, in der guten alten Zeit

wurde ein Premierminister nicht vom Volk gewählt.

16.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 43 (18)

von: tao

Musik: Lake Mansarowar von Osho Musicians

"Das-was-ohne-Form-ist
durchdringt das-was-keine-Lücke-hat;"
Sogar wenn ein Granitfelsen keinen Riss hat
wird das Wasser ihn durchdringen,
es wird durch ihn hindurchgehen -- weil es keine Form hat.
Wasser ist so bescheiden, dass du ihm jegliche Form geben kannst
und es ist immer dazu bereit,
diese Gestalt, diese Form anzunehmen.
Du gießt es in ein Glas, es wird das Glas;
du tust es in einen Eimer, es wird der Eimer.
Es leistet niemals Widerstand, schreit nicht, beschwert sich nicht, protestiert nicht. Wasser ist katholisch; Wasser ist kein Protestant, es gibt einfach nach.
Und so ist die Liebe -- Liebe ist katholisch, sie ist kein Protestant,
sie gibt einfach nach.
Sie vertraut so sehr, dass sie jede Form annehmen kann,
sie hat niemals Angst.
Welche Form du ihr geben möchtest,
sie ist bereit, sie anzunehmen,
denn in jeglicher Gestalt bleibt sie die gleiche.
Der Umriss oder die Form ist nicht das Ding,
um das es wirklich geht --
das innerste Wesen bleibt das gleiche.
Härtere Elemente haben Angst, mehr Angst,
sind sich weniger sicher ihres innersten Wesenkerns,
klammern sich mehr an die Form.
 

15.11.2009 um 22:04 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (22)

von: tao

Stimmung: Meine Feinfühligkeit gibt mir ein gutes Gespür für die Schwächen und Empfindlichkeiten anderer, so dass ich an diesen Punkten sehr taktvoll und entgegenkommend sein kann.
Musik: Hanuman in New Delhi von Chinmaya Dunster

Dieser Mann, der vor dem Schatten flieht, sagt,

wenn der Schatten ihm immer noch folgt,

zeigt das nur, dass er nicht schnell genug rennt.

Er muss schneller und immer schneller rennen,

dann wird der Moment kommen

wenn der Schatten ihm nicht mehr folgen kann.

Aber der Schatten gehört zu dir,

und der Schatten selbst ist niemand.

Er ist nicht jemand anderes, der dir gerade folgt;

wenn er es wäre, dann würde diese Logik richtig sein.

Bedenke, wenn es um jemanden anderen geht,

hat das Denken immer recht;

wenn du alleine bist, liegt das Denken immer falsch.

In der Gesellschaft, bei anderen,

hat das Denken fast immer recht;

bei dir selbst, wenn du alleine bist,

hat das Denken immer unrecht. Warum?

Weil das Denken bloß ein Instrument ist,

um zusammen mit anderen existieren zu können;

es ist bloß eine Technik,

die dir hilft, mit anderen zusammen zu sein;

es hat nichts mit dir selbst zu tun.

14.11.2009 um 23:39 Uhr

Tao 572

von: tao

Tatsächlich, der Sucher ist das Gesuchte. Lao-tses Worte sind in diesem Kontext von gewaltiger Signifikanz. Er sagt: "Suche und du wirst nicht finden. Suche nicht und du wirst finden, denn Tao ist hier und jetzt." Man verpaßt wirklich Tao oder die Wahrheit oder wie immer du es nennen willst, bloß weil man es sucht. Wie kannst du etwas suchen, was hier und jetzt ist? Suchen bedeutet: Das, was du suchst, ist nicht hier, es ist dort, irgendwo anders. Wegen des Suchens driftest du weg von der Realität. Jemand geht den Jakobsweg, ein anderer geht nach Mekka, andere gehen nach Jerusalem, nach Rom oder zum Kailash; man kann sogar im Internet pilgern. Aber sie alle weichen ab, treiben weg von der Wirklichkeit oder der Wahrheit, die immer hier und jetzt ist. Aber solange ein Sucher weiter sucht und forscht, verliert er sich auch ständig dabei. Und an dem Tag, an dem er todmüde ist, an dem Tag, an dem er sich komplett verliert und zu Boden fällt, findet er sich in der Realität wieder. Es spielt keine Rolle, ob er in Mekka oder in Rom, in Santiago de Compostela oder in Jerusalem, in Indien oder in Tibet abstürzt, wo immer es ihn erwischt, da findet er sich präsent vor. Tao ist immer gegenwärtig, es ist überall anwesend, aber unsere eigene Präsenz hindert uns daran, mit ihm zusammenzutreffen. In dem Moment, in dem der Sucher abwesend ist, ist Tao oder die Wahrheit anwesend. Tao ist immer präsent, es ist ewig anwesend.

13.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 571

von: tao

Tu, was auch immer du willst.
Wenn du Wein zu dir nehmen willst, trink ihn,
aber bleibe wach.
Bald wirst du herausfinden
dass das unmöglich ist.
Wenn du Wein trinkst
verlierst du an Bewußtheit,
und wenn du deine Bewußtheit verlierst,
ist das einfach Sünde.
Dann liegt darin keine Möglichkeit,
dass sich in dir Heiligkeit ereignen kann.
Wenn du trinken kannst
und dabei aufmerksam bleiben kannst,
dann trink soviel du willst --
dann ist es Wasser, sonst nichts.
Es wird gesagt,
dass Jesus Wasser in Wein verwandelte.
Der Taoismus lehrt dich den Trick andersherum --
wie du Wein in Wasser verwandeln kannst:
Sei bewußt.
Dann wirst du ein größeres Wunder vollbringen,
als Jesus es jemals tat.
 

12.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 570

von: tao

 
Ein passives, untätiges und leeres Bewußtsein hat eine Schönheit, und nur im inaktiven Geisteszustand kommt man zu der Erkenntnis, was wahr ist. Die Aktivität erzeugt die Illusion. Die Aktivität erzeugt Wellen um dich herum und du kannst nicht das sehen, was ist. Untätigkeit ... alle Wellen weg, der See ist still ... das Denken hat keinen Gedanken mehr; alles ist verschwunden, der Rauch hat sich verzogen... und die Flamme brennt hell. Wenn das Bewußtsein so hell brennt, dass da kein Qualm mehr ist und die Flamme rein ist, dann weißt du, was real ist.
Der Weg zur Realität läuft durch Nicht-Handeln, Passivität und Rezeptivität. Der Weg zum Wirklichen führt durch feminine Empfänglichkeit. Der Weg zum Unwirklichen geht durch männliche, aggressive Aktivität.

11.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 569

von: tao

 
Jonestown kann man sich nicht vorstellen im Rahmen von hinduistischen, buddhistischen oder gar taoistischen Traditionen -- unmöglich.
Reverend Jim Jones, oder sogar Jesus, hatte niemals davon gehört, was Meditation ist. Sie kannten nur Gebet und Gebet ist nicht Meditation.
Meditation ist jenseits von Psychologie. Sie ist keine Psychologie. Sie hat nichts mit dem Gehirn zu tun, sie hat auch nichts mit dem Denken zu tun. Sie ist ein Zustand des Nicht-Denkens. Sogar Sigmund Freud und Carl Gustav Jung und Alfred Adler hatten keine Idee von Meditation, was das ist. Sie alle dachten in Begriffen von Konzentration. Konzentration hat nichts mit Meditation zu tun. Konzentration ist eine Methode des Denkens und Meditation ist ein Weg, wie man über das Denken hinausgehen kann, wie man das Denken transzendieren kann -- so dass du ganz oben auf den Bergen bist und all deine Gedanken sind bloß noch im Tal -- und du kannst sie beobachten und du kannst aus der Vogelperspektive sehen, was du für ein Denken hast.
Fröhlich

10.11.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (42)

von: tao

 
Was ist Reife?
Bloß sexuell reif zu werden bedeutet nicht,
dass du schon reif bist.
Frag die Psychologen,
die sagen, dass das durchschnittliche
mentale Alter eines Erwachsenen
bei dreizehn oder vierzehn stehen bleibt.
Dein physischer Körper wächst ständig weiter
aber dein Denken bleibt
ungefähr im Alter von dreizehn stehen.
Da ist es kein Wunder,
dass du dich so töricht verhältst,
warum dein Leben
zur kontinuierlichen Torheit wird!
Ein Bewußtsein, das nicht erwachsen ist
muss zwangsläufig jeden Moment
etwas Falsches tun.
Und das unreife Denken
schiebt immer dem anderen
die Verantwortung zu.
Du fühlst dich unglücklich und du denkst
dass das so ist,
weil jeder andere dir
die Hölle auf Erden erschafft.
"Der andere ist die Hölle."
Diese Äußerung von Sartre ist sehr unreif.
Wenn du reif bist,
kann der andere auch zum Himmel werden.
Der andere ist, was auch immer du bist
denn der andere ist bloß ein Spiegel,
er reflektiert dich.
Reife bedeutet eine innere Integrität.
Und diese innere Integrität kommt nur,
wenn du aufhörst,
andere verantwortlich zu machen,
wenn du aufhörst, immer zu sagen,
dass der andere dein Leiden verursacht,
wenn du zu realisieren beginnst,
dass du der Schöpfer deines Leidens bist.
Dies ist der erste Schritt zur Reife:
Ich bin verantwortlich.
Was auch immer geschieht,
es ist aufgrund meines Zutuns.
Du fühlst dich traurig. Ist das durch dein Tun?
Du wirst dich äußerst beunruhigt fühlen,
aber wenn du bei diesem Gefühl bleiben kannst, wirst du früher oder später imstande sein,
damit aufzuhören, viele Dinge zu tun.
Das ist es,
wobei es bei der Theorie des Karma geht.
Du bist verantwortlich.

09.11.2009 um 02:33 Uhr

Quellender Urgrund 3/8 (9)

von: tao

 

Zwei Engländer waren in London.

"Hör mal, Derrick!", rief Quincy.

"Wie geht es dir, alter Bursche?"

"Gut. Ganz gut", sagte Derrick.

"Hab viel zu tun.

Geschäft läuft großartig,

Kinder in Ordnung,

Wetter angenehm

und all der sonstige Unsinn."

"Prima. Sonst noch was?"

"Laß mal sehen -- oh ja --

hab meine Frau begraben."

"Wirklich?"

"Ich mußte. Tot, weißt du..."

Dieser Mensch, Derrick, ist ein

geistesabwesender Mensch.

Es ist nicht so, dass

er sein Gedächtnis verloren hat,

er hat ein lausiges

Erinnerungsvermögen.

Bedenke den Unterschied

zu einem, der seine

Erinnerung verloren hat,

weil er sein Denken verloren hat.

Manchmal mögen sie

gleich aussehen,

aber sie sind es nicht.

Verrückt

08.11.2009 um 02:30 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (20)

von: tao


Das Leben ist Kampf.
Und Darwin startete
den ganzen Trend, als er sagte:
Nur die Angepasstesten überleben;
Leben bedeutet
das Überleben der Tauglichsten.
Je stärker du also in deinem Ego bist,
desto bessere Überlebenschancen wirst du haben.
Der Westen lebt durch Politik,
der Osten hat
eine total andere Einstellung...
und der Taoismus ist der Kern,
die eigentliche Essenz
des östlichen Bewußtseins.
Er sagt: Keine Individualität,
kein Ego, kein Kampf;
werde eins mit der Mutter;
da ist kein Feind,
es geht nichts ums Erobern.
Sogar ein Mann wie Bertrand Russell,
ein sehr kenntnisreicher Mensch,
ein sehr gründlich logischer Mann,
dachte in Begriffen wie Eroberung --
die Natur bezwingen,
die Eroberung der Natur.
Die Wissenschaft scheint
ein Streit zu sein,
ein Kampf mit der Natur:
Wie kann man das Schloß aufbrechen,
wie kann man
die Geheimnisse entschlüsseln,
wie kann man
die Geheimnisse der Natur entreissen.
Wütend

07.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 568

von: tao

 
Im Westen
ist die Zeit sehr kurz,
denn Christenheit und Judaismus glauben beide nur an ein einziges Leben.
Das hat diese Beklemmung erzeugt.
Es gibt nur ein einziges Leben,
siebzig Jahre, wenn es hoch geht;
ein Drittel geht im Schlaf verloren --
wenn du sechzig Jahre lebst,
gehen zwanzig Jahre durch Schlafen verloren,
zwanzig der verbleibenden Jahre
gehen durch Erziehung und Ausbildung
verloren, durch dies und das;
die verbleibenden zwanzig Jahre --
da ist der Job, der Beruf, die Familie,
Heirat und Scheidung,
und wenn du das wirklich durchrechnest
wirst du feststellen,
es bleibt keine Zeit zum Leben mehr!
Wann werde ich leben?
Furcht ergreift das Herz,
und das Leben verstreicht,
die Zeit fließt dir aus deinen Händen
und der Tod steuert jeden Moment auf dich zu
mit solch einer konstanten Geschwindigkeit --
jeden Moment kann er schon
an die Türe klopfen.
Und die Zeit ist unwiederbringlich,
du kannst sie nicht wieder zurückgewinnen,
sie ist weg -- für immer vergangen.
Furcht,
Angst,
eine Zeit-Neurose --
das wird schon chronisch,
es ist fast so,
als wenn es für den westlichen Menschen
zur zweiten Natur geworden wäre,
dass er sich ständig bewußt ist,
dass die Zeit vergeht,
und dass ihm das Angst macht.
Sonstige

06.11.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (23)

von: tao

 
"Der Fürst schoß einen Pfeil auf den Affen ab,
aber der Affe fing den Pfeil geschickt mitten im Flug.
Daraufhin befahl der Fürst seinem Gefolge
einen konzertierten Angriff zu starten."
Denn dieser Affe schien entschieden zu arrogant zu sein,
sehr egoistisch.
Schau... der Fürst kann das Ego des Affen sehen
aber er kann nicht sein eigenes Ego sehen.
Und dies geschieht ständig überall auf der Welt.
In jeder Beziehung
kannst du immer das Ego des anderen sehen,
aber du kannst nicht dein eigenes sehen --
Dies ist eine Geschichte,
die von einem Menschen geschrieben wurde,
denk bloß mal,was wäre,
wenn ein Affe die Geschichte geschrieben hätte,
dann würde sie absolut anders gewesen sein.
Denk bloß mal, ein Dschuang Dsi unter den Affen
schreibt diese Geschichte....
Dann würde er geschrieben haben, dass der Fürst
sehr arrogant war, stur und unnötigerweise gewalttätig
denn der Affe hatte doch gar nichts Unrechtes getan,
er hatte bloß seinen Spaß.
Warum sollte der Fürst denn überhaupt beleidigt sein?

05.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 567

von: tao

Blindes Helfen ist genau so,
wie wenn man eine Frau trifft,
die gerade dabei ist, ein Kind zu gebären.
und sie weint, schluchzt und schreit,
und du empfindest Mitgefühl,
und du hilfst ihr -- auf solch eine Weise,
dass das Kind nicht geboren wird.
Dann bist du der Feind, nicht der Freund.
Denn dieses Kind wird in der Gebärmutter sterben,
und dann wird die Frau auch daran sterben.
Die Entscheidung sollte also
nicht von dir getroffen werden.
Was du tun kannst, ist nur die eine Sache,
und das ist: Lass dich los, verlerne, entkonditioniere dich
und dann bist du ein Vehikel.
Aber dann ist es nicht mehr deine Wahl.
Dann kannst du einfach ganzheitlich sagen:
Dein Wille geschehe.
Und was dann auch immer geschieht, ist schön.
 

04.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao 566

von: tao

Du bist eine Idee, eine Luftblase im Kopf,
eine Seifenblase, nichts mehr.
Und wenn zuviel intensives Verlangen da ist, passiert nichts
außer dass die Luft heiß wird,
du wirst eine heiße Luftblase.
Das ist alles. Reg dich ein wenig ab.
Und schau dich bloß mal um.
Du bist immer schon im Ozean gewesen,
du bist niemals irgendwo sonst gewesen.
Das kannst du nicht sein.
Denn nichts sonst existiert,
es gibt keinen Raum, außer Tao.
Je eher du die Torheit des Verlangens oder
des Verschmelzens realisierst, desto besser.
Du bist schon das, nach was du noch suchst.
Das ist die Botschaft all der Erwachten:
Du bist schon das, nach was du suchst.
Du bist schon das Ziel.
Du hast niemals dein Zuhause verlassen.
Du bist niemals irgendwo hingegangen,
du bist immer schon hier und jetzt gewesen
denn nichts sonst existiert.
Öffne einfach die Augen.
Öffne bloß die Augen und schau dich um.
Und plötzlich wirst du lachen.
Du bist immer schon
im ultimativen Sein verwurzelt gewesen,
es ist nicht nötig, damit zu verschmelzen.
Die einzige Notwendigkeit besteht darin, aufmerksam dafür zu werden,
wo du bist und wer du bist.
Gib diese Stupidität intensiver Sehnsucht auf: Wünschen ist eine Barriere
und intensives Verlangen ist natürlich
noch ein größeres Hindernis.
Das Wünschen umwölkt das Denken,
Verlangen erzeugt Qualm um dich herum,
eine Rauchwand.
Und dann kannst du nicht sehen,
was tatsächlich der Fall ist.

03.11.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (19)

von: tao

Sonstige
Kreativität ist solch ein gewaltiges Phänomen, es ist so unbewußt,
dass Picasso, wenn er malte,
sich keiner Regeln, Vorschriften, Gesetze und Richtlinien mehr bewußt war.
Er wurde sein Gemälde, er war nicht mehr da,
er war komplett absorbiert in seiner Malerei.
Man mußte in seiner Gegenwart sein, um das zu verstehen.
Wenn er in sein Malen hineinging,
und wenn der Maler verloren geht und nur das Malen noch bleibt,
wenn das Malen keine bewußte Anstrengung mehr ist,
wenn das Unbewußte die Oberhand gewinnt,
muss man das Phänomen schon sehen, um zu spüren, was das ist.
Dann sind das nicht mehr die Hände von Picasso,
dann hat das unbewußte Tao, die Natur, die Oberhand gewonnen.
Picassos Hände sind instrumental, sie funktionieren als Vehikel,
irgendeine andere Energie ist da.
Schau Picasso beim Malen zu -- da ist er kein Mensch mehr.
Er ist überhaupt kein Teil mehr von euch;
er ist ein Schöpfer geworden, er ist kein Geschöpf mehr.
Darum, wenn das Malen geboren wird,
bringt es etwas von der anderen Welt mit sich.
 
 

02.11.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 56 (16)

von: tao

Du sammelst dir laufend Informationen für das Denken:
Das Denken braucht das Gefüttert-Werden
mit Informationen --
es ist ein Computer,
es verlangt ständig danach: Ich bin hungrig,
bring mir mehr Wissen.
Das Wissen ist die Nahrung des Denkens, es lebt davon.
Die Ohren hören ständig das, was gerade abläuft --
all die Sinne sind Öffnungen
durch die hindurch das Denken
laufend nach Wissen sucht und forscht.
Sogar absolut nutzloses Wissen.
Du kannst dir nicht einmal vorstellen,
welchen Nutzen dieses Wissen haben sollte.
Aber das Denken sammelt immer weiter
in der Hoffnung,
dass es dies eines Tages vielleicht doch benutzen kann.
Dieser Tag kommt niemals.
Lao-tse sagt:
"Schütte seine Öffnungen zu..."
Wenn du Schweigen erreichen willst,
verschließe seine Öffnungen.
Öffne deine Augen nur, wenn es absolut notwendig ist.
Schau nur hin, wenn es absolut nötig ist;
sonst ist es überflüssig!
 

01.11.2009 um 22:58 Uhr

Tao 565

von: tao

Das ist schon immer ein Problem gewesen:

Wenn du

dich verliebst,

schaut alles schön aus,

denn in diesen

Momenten

stellst du noch keine

Bedingungen.

Zwei Personen

kommen einander

bedingungslos näher.

Hat sich das erst mal

gefestigt,

haben sie erst einmal

damit begonnen,

sich gegenseitig

für selbstverständlich

und garantiert

zu halten,

dann werden

auf einmal

Bedingungen gestellt:

Du solltest

so und so sein,

du solltest dich

so und so verhalten --

nur dann werde ich

dich lieben,

als wenn Liebe

ein Tauschgeschäft ist.

 

31.10.2009 um 20:54 Uhr

Tao Te King 1 (37)

von: tao

 

Wenn du das Gegenteil verneinst,

kannst du perfekt werden

aber du wirst nicht ganzheitlich sein,

dir wird etwas fehlen.

Wie schön auch immer Buddha ist,

ihm fehlt etwas.

Lao-tse ist nicht so schön, nicht so perfekt;

Lao-tse wird gewöhnlich erscheinen

und Buddha außergewöhnlich, superb.

Aber in Lao-tse existieren

tausende von Buddhas.

Er ist tief verwurzelt in der Erde --

er ist eingewurzelt in die Erde

und er ragt bis in den Himmel;

er ist beides, Himmel und Erde,

ein Sich-Begegnen der Gegensätze.

Es gibt drei Schlüsselworte:

Das eine ist Abhängigkeit,

das andere Unabhängigkeit,

das dritte wechselseitige Abhängigkeit.

Buddha ist unabhängig. Du bist abhängig.

Ein Ehemann ist abhängig von seiner Frau;

ein Vater ist abhängig von seinem Sohn;

ein Individuum ist abhängig

von der Gesellschaft --

tausenderlei Abhängigkeiten.

Lao-tse steht für Interdependenz.

Sonstige