Taoistische Reflektionen

30.04.2005 um 22:48 Uhr

Laotse 8

von: tao

Die Persönlichkeiten von Mahavir, Moses und Mohammed

sind wie einzelne Töne -

einfach, streng, enthaltsam, sogar schön, aber nur dann und wann.

Krishna ist multidimensional, übermenschlich, wundersam,

aber er scheint mehr wie ein Mythos zu sein als ein wirklicher Mensch;

er ist so außergewöhnlich, daß es ihn nicht geben kann.

Auf dieser Erde können solch außergewöhnliche Personen nicht existieren -

sie existieren nur als Träume,

und Mythen sind nichts als kollektive Träume,

die die ganze Menschheit sich erträumt hat -

schön, aber unglaubhaft.,

nicht sehr bedeutungsvoll, einfach kosmisches Geschwätz.

Jesus ist so traurig, so beladen und belastet -

überladen mit dem ganzen Unglück der gesamten Menschheit.

Er kann nicht lachen. Wenn du zu lange mit ihm gehst, wirst du traurig werden,

dir wird das Lachen vergehen. Ihn umgibt eine düstere Schwermut.

Er ist gut, aber zu gut, fast unmenschlich gut.

Mit Zarathustra kann man lachen, er ist kein Moralist, kein Puritaner;

er kann das Leben genießen und alles, was das Leben gibt.

Er ist ein guter Freund, mit ihm könnte man immer zusammensein -

aber er ist bloß ein Freund.

Und Freundschaft ist gut, aber nicht genug.

Buddha ist ungeheuer schön, außergewöhnlich schön, superb.

Aber er ist nicht auf der Erde, er geht nicht auf der Erde.

Er fliegt in den Wolken und hinterläßt keine Fußspuren,

man kann ihm nicht folgen, man weiß nie, wo er sich gerade aufhält.

Er ist wie eine Wolke.

Manchmal trifft man ihn, aber das ist zufällig.

Und er ist so verfeinert, daß er auf dieser Erde keine Wurzeln schlagen kann,

er ist für irgendeinen höheren Himmel gedacht. Auf diese Weise ist er einseitig.

Erde und Himmel begegnen sich nicht ihn ihm;

er ist himmlisch, aber der irdische Teil fehlt;

er ist wie eine Flamme, schön, aber da ist kein Öl, kein Behälter -

du kannst die Flamme sehen, aber sie geht immer höher und höher,

nichts hält sie auf der Erde.

30.04.2005 um 02:29 Uhr

Südliches Blütenland XVII 11 (1)

von: tao

Das religiöse Denken ist grundsätzlich ehrgeizlos.

Wenn noch irgendeine Spur von Ehrgeiz da ist,

dann ist es unmöglich, religiös zu sein,

denn nur ein höherwertiger Mensch kann religiös werden.

Ehrgeiz impliziert Minderwertigkeit.

Versuche dies zu verstehen, denn es ist eines der Grundgesetze.

Ohne das zu verstehen,

kannst du in die Tempel gehen,

kannst du zum Himalaya gehen,

kannst du beten und du kannst meditieren,

aber alles wird vergebens sein.

Du wirst einfach dein Leben vergeuden, wenn du nicht erkannt hast,

ob die Natur deines Denkens ambitioniert oder unambitioniert ist.

Deine ganze Suche wird zwecklos sein,

denn Ehrgeiz kann niemals zum Tao führen.

Nur Ehrgeizlosigkeit kann die Türe werden.

Die moderne Psychologie stimmt mit Dschuang Dsi überein,

mit Lao-tse, mit Liä Dsi,

mit all denen, die erkannt haben,

daß Minderwertigkeit Ehrgeiz erzeugt.

Daher kommen Politiker aus dem übelsten Teil der Menschheit.

Alle Politiker sind minderwertig.

Das kann gar nicht anders sein,

denn immer wenn das Denken den Minderwertigkeitskomplex spürt

versucht es, höherwertig zu werden - der Gegensatz ist geboren.