Südliches Blütenland XIX 13 (5)
Regeln sind tote Gegenstände.
Verstehen hat kein Gewicht, das brauchst du nicht mit dir herumzutragen –
es trägt dich, es wird zu deinen Flügeln.
Es ist überhaupt kein Gewicht, du brauchst es nicht einmal im Gedächtnis zu behalten.
Wenn du eine Sache verstehst, mußt du dir das nicht mehr merken,
es geht dir in Mark und Bein über, du bist es.
Was auch immer du fortan tust, es wird durch dieses Verstehen getan werden;
es ist ein unbewußtes Phänomen geworden.
Regeln sind bewußt, Verstehen ist unbewußt,
und Dschuang Dsi ist immer auf seiten des Unbewußten.
Die ganze Tradition des Tao ist für das Unbewußte.
Erzwinge keine Regeln, versuche bloß die Dinge zu verstehen.
Wenn du dir selbst Regeln aufzwingst,
wirst du nicht das Tao verstehen,
du wirst innerlich unwissend bleiben, bloß von außen schön verziert.
Jesus pflegte zu sagen: Ich schaue euch an
und ich fühle, daß ihr wie Gräber seid, weiß getüncht –
innen tot, außen eine weiß angestrichene Wand.
Das mag schön und sauber aussehen,
all deine Regeln können dir eine äußerliche Reinlichkeit geben,
aber innerlich bleibst du der alte Narr.
Und nur Narren folgen Regeln;
ein weiser Mensch versucht zu verstehen und die Regeln zu vergessen.
Ein weiser Mensch genießt Bewegungsfreiheit; ein Mensch, der Regeln hat, kann nicht beweglich sein,
er muß immer der Regel folgen.
