Taoistische Reflektionen

31.03.2007 um 23:48 Uhr

Tao 254

von: tao

Wenn du dich nach innen begibst, bewegst du dich in die Ewigkeit der Gegenwart hinein;

wenn du nach außen gehst,

begibst du dich entweder in die Vergangenheit oder du bewegst dich in die Zukunft.

Und das gleiche gilt für den Raum –

im Raum gibt es entweder links oder rechts.

Wenn du dich nach links lehnst, bist du draußen,

wenn du dich nach rechts neigst, bist du auch draußen.

Aber wenn du eine Balance gewinnst zwischen den beiden, bist du plötzlich drinnen.

Der Mittelpunkt ist in dir, er ist kein Teil des Außenraums.

Tatsächlich sind die Gegenwart und die Mitte zusammen:

Immer wenn du in der Gegenwart bist, bist du in der Mitte,

immer wenn du in der Mitte bist, bist du in der Gegenwart.

Die Mitte ist keine Position außerhalb von dir,

sie ist ein inneres Phänomen genau wie die Gegenwart.

Wenn also Lao-tse sagt: „Sei ausbalanciert“,

sagt er damit nicht, du solltest die Balance zu einem statischen Phänomen in deinem Leben machen. Es kann nicht statisch sein, du wirst sie kontinuierlich aufrechterhalten müssen,

indem du dich nach links und nach rechts bewegst.

In dieser Bewegung wirst du manchmal durch den innersten Punkt

deines Wesens hindurchgehen und plötzlich wirst du in der Mitte sein.

Und plötzlich wirst du eine Implosion feststellen –

keine Explosion – eine Implosion.

Etwas in dir implodiert,

und plötzlich bist du nicht mehr der gleiche.

Immer wenn du in dir durch die Position der Mitte hindurchgehst

bist du nicht mehr der gleiche – du wirst intensiv lebendig,

du wirst intensiv unschuldig, du wirst intensiv rein und heilig.

In diesem Moment existiert keine Dunkelheit mehr für dich, keine Sünde, keine Schuld.

Du bist göttlich, du bist ein Gott.

Aber du kannst diese Balance nicht ein und für allemal finden. Nein.

Das Leben ist immer ein konstantes Balancieren,

eine Kontinuität, ein Kontinuum.

Du kannst es nicht zu einem Gebrauchsgegenstand machen, den du einmal gekauft hast

und nun ist er immer vorhanden in deinem Haus. Nein.

Wenn du nicht bewusst bist, wirst du es wieder und wieder verfehlen.

Die Mitte ist kein festgelegter Punkt im Außen:

Du kannst sie nach erreichen, indem du dich von links nach rechts bewegst,

oder indem du von Moment zu Moment ein Gleichgewicht gewinnst zwischen den Gegensätzen – vom Hass zur Liebe, von der Wut zum Mitgefühl.

Balanciere immer weiter zwischen den Gegensätzen

und nach und nach wirst du dahin kommen, den Dreh daran zu fühlen,

irgendwo zwischen Hass und Liebe passiert es.

Irgendwo, denn der Punkt kann nicht ausgemacht werden,

er ist solch ein lebendiges Phänomen, dass du ihn nicht festmachen kannst.

Das ist wie Schmetterlinge, die im Garten fliegen –

wenn du einen Schmetterling fängst und ihn aufspießt, dann ist er tot.

30.03.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (3)

von: tao

Taoismus

ist nichts als dich zum Formlosen hin zu überreden –

wie man nicht in der Form sein kann.

Jede Form bedeutet das Ego:

Sogar ein Hahn hat sein Ego, und der Mensch hat sein eigenes Ego.

Jede Form ist im Ego zentriert.

Das Formlose bedeutet Egolosigkeit;

dann bist du nicht im Ego zentriert.,

dann ist dein Zentrum überall oder nirgendwo.

Dies ist möglich,

das, was fast unmöglich erscheint, ist möglich,

denn es ist den Menschen des Tao passiert.

Und wenn sie davon sprechen, sprechen sie aus Erfahrung.

Wo immer du bist, da waren sie auch, und wo immer sie sind, da kannst du auch sein.

Der Mensch des Tao ist deine Zukunft, ist deine Möglichkeit.

Du kannst kuriert werden, denn deine Krankheit ist bloß ein Gedanke.

Der Prinz in der Sufi-Geschichte (siehe 04.03.2007) schnappte über

weil er sich mit dem Gedanken identifizierte

dass er ein Hahn sei.

Jeder ist verrückt, bevor er nicht zu der Erkenntnis kommt

dass er nicht mit irgendeiner Form identifiziert ist –

nur dann, die geistige Gesundheit.

Eine geistig gesunde Person wird also niemand spezielles sein.

Das kann sie nicht sein.

Nur eine geisteskranke Person kann jemand sein, der etwas Spezielles darstellt –

ob nun einen Hahn oder einen Menschen, einen Premierminister oder einen Präsidenten,

oder sonst irgendjemanden, wen auch immer.

Ein geistig gesunder Mensch kommt soweit, dass er das Niemand-Sein fühlt.

Das ist die Gefahr ...

dieses Jemand-Sein kann verschwinden und du kannst ein Niemand werden.

29.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao 253

von: tao

Im Taoismus ist das ganz grundlegend: Liebe, iß, mach einen Morgenspaziergang, schwimm im Fluss, sitze in der Sonne, schau in die Sterne – aber lass alles einfach sein, nicht als Mittel für einen anderen Zweck. Sing ein Lied, aber nicht für irgendein Resultat. Schau dir einen Baum an, aber nicht wegen irgendeines Ergebnisses. Geh spazieren, aber nicht um der Gesundheit willen ! Sei kein "Naturopath", kein Naturheilkundler ! Geh einfach spazieren, es ist schön. Gesundheit ist eine Begleiterscheinung; du brauchst dich nicht um sie zu kümmern, sie geschieht. Leg dich in die Sonne, genieße es, aber nicht wegen irgend etwas sonst. Liege da um des Daliegens willen. Das ist Taoismus.
Und bei dieser entspannten Einstellung beginnt das Leben in dich von überall her zu fließen. Alle Türen offen, alle Fenster offen. Die Existenz fließt in dich, du fließt in die Existenz hinein.
Taoismus ist sehr einfach; deswegen, weil wir sehr komplex sind, ist er sehr schwierig. Einfache Dinge reizen uns nicht. Tantra übt auf viele Leute eine Anziehungskraft aus, aber der Taoismus hat nicht diesen Anreiz, der Taoismus zieht nur sehr selten jemanden an. Wenn der Taoismus auf dich eine Anziehungskraft ausübt, dann betrachte dich als Glückskind. Allein schon die Möglichkeit, dass du Interesse am Taoismus bekommst, ist ein großer Segen.
Wenn du etwas in die Sprache des Taoismus übersetzt, wird es zur Spontaneität.
Es ist unmöglich, die taoistische Lehre kurz zusammenzufassen, denn da ist keine Lehre, die man zusammenfassen könnte. Da ist kein Lehrer, da ist nur Präsenz. Der Taoismus hat keinen Katechismus. Er kann dir keine zehn Gebote geben – tu dies, tu das nicht.
Und was auch immer heute gesagt wird, dem kann morgen widersprochen werden – denn seine Verpflichtung gehört dem Moment. Was auch immer früher gesagt wurde, es ist nicht verpflichtend. In dem Moment, in dem es gesagt wurde, wurde man frei davon. Man muss sich nicht mehr darum kümmern, man muss es nicht in Betracht ziehen. Was auch immer gesagt wird, ist für eben diesen Moment wahr – morgen stellt es keine Verpflichtung mehr dar. Was auch immer das Morgen bringt, das wird dann gesagt. Was auch immer das Heute gebracht hat, das wird jetzt gesagt. Und wenn dies dann widersprüchlich ist, warum sollte man eine Konsistenz herstellen ? Es bedarf keiner eigenständigen Anstrengung. Die Verpflichtung gehört dem Moment. Der Taoismus fühlt sich niemals der Vergangenheit verpflichtet. Er ist wie ein Fluss: Wo er morgen sein wird, weiss niemand. Wer werden staunen, er selbst würde staunen, wenn er staunen könnte.
Aber wir sind revers. Alles ist chaotisch geworden. Die Leute sind in solcher Eile, dass sie vergessen haben, dass es ein paar Dinge gibt, die du nicht auf die Schnelle bekommen kannst, für die Geduld ein Muss darstellt.
Du kannst die Wahrheit nicht in solcher Hast bekommen. Dafür ist Geduld eine fundamentale Vorbedingung. Das ist nicht wie schnell löslicher Kaffee und die Wahrheit kommt auch nicht in Konserven abgefüllt zu uns. Sie kommt nicht vorgefertigt daher. Wahrheit ist keine Handelsware, die dir jemand geben kann. Sie wächst in dir.

28.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao 252

von: tao

Spontaneität ist gefährlich. Besser gesagt, Spontaneität ist Gefahr. Gefährlich bedeutet, dass Gefährlichkeit eine Eigenschaft ist, die zufällig vorhanden sein kann. Also ist es besser, "Spontaneität ist Gefahr" zu sagen -- dann ist es keine Eigenschaft mehr, es ist mit Spontaneität unlösbar verbunden. Es kann niemals Spontaneität ohne Gefahr geben. Gefahr ist Spontaneität.

Was ist damit gemeint ? Wenn du spontan bist, hast du dich nicht unter Kontrolle, du kannst nicht mehr kontrolliert sein. Wenn du dich unter Kontrolle hast, dann ist die Handlung nicht spontan, dann denkst du dabei an die Konsequenzen, die Resultate, an dies und jenes – an tausend Sachen. Du bist der Manager. Eine spontane Handlung ist ein Tun, bei dem du nicht der Manager bist; bei dem Gott der Manager ist, bei dem das Ganze der Manager ist – nenne es Tao; bei dem du nicht mehr die Kontrolle innehast, du hast deine Kontrolle losgelassen, du hast deine Kontrolle aufgegeben. Nun weißt du nicht mehr, was geschehen wird, du weißt nicht, wohin du gehst, du weißt nicht, was dabei herauskommen wird – und du machst dir darüber überhaupt keine Sorgen, nicht einmal ein bißchen. Du bist einfach hierjetzt, total. Das Tun ist so total, dass du darin absorbiert bist, du stehst nicht mehr abseits. Um etwas kontrollieren zu können, mußt du danebenstehen. Ein kontrollierter Mensch kann niemals in einer Handlung sein, ein kontrollierter Mensch ist immer draußen – daher kann der kontrollierte Mensch niemals Spaß haben. Um dich zu freuen, mußt du im Tun verschwinden. Dieses Verschwinden ist die Gefahr. Nun wirst du verletzlich sein – ganz natürlich, offensichtlich. Nun weißt du nichts mehr. Alles ist möglich. Und du hast dich nicht unter Kontrolle, also kannst du es nicht mehr dirigieren – das ist die Gefahr. Da gibt es keine Richtung mehr. Du bist völlig trunken von der Bewegung, du bist vertieft darin, so sehr entspannt dabei, dass du nicht einmal mehr fühlen kannst, wer du bist. Bedenke, das Gefühl "Ich bin" ist das Gefühl eines angespannten Denkens. Wenn dieses Angespanntsein verschwindet, verschwindet auch das "Ich". Das Ego ist nichts als angesammelte Spannung der Vergangenheit und der Zukunft. Hast du nicht einige Momente in deinem Leben beobachtet, in denen du nicht mehr warst ? Das waren die Momente der Glückseligkeit; das waren Momente des Segens und der Gnade. In jenen Momenten öffnete sich der Himmel für dich. Aber der Himmel öffnet sich nur, wenn du offen bist – und wenn du dich öffnest, besteht Gefahr. Gefahr bedeutet einfach, dass nun die Zukunft nicht mehr in deinen Händen liegt, dass die Zukunft unvorhersagbar wird. Du bist der Gnade des Ganzen ausgeliefert – das ist die Gefahr. Dann begegnest du zum ersten Mal dem Leben, denn das Leben ist Spontaneität und das Leben ist Gefahr. Hast du jemals von irgendeinem Menschen gehört, der ohne Gefahr gelebt hat ? Zu leben bedeutet in Gefahr zu sein, zu sterben bedeutet, nicht mehr in Gefahr zu sein. Wer in seinem Grab liegt, ist nicht mehr in Gefahr, ist völlig ungefährdet. Nun kann ihm nichts mehr passieren: Niemand kann ihn beleidigen, niemand kann ihn töten, niemand kann ihn ausrauben. Nicht einmal der Tod ist mehr möglich. Er ist nun absolut jenseits jeder Gefahr.

27.03.2007 um 00:00 Uhr

Goldene Blüte 3/7-9 (2)

von: tao

Eine alte Fabel geht so, dass, als Gott die Welt erschuf, sich ihm vier fragende Engel näherten. "Wie machst du das ?" fragte der erste. Der zweite fragte: "Warum ?". Der dritte sagte: "Kann ich sie haben, wenn du fertig bist ?". Der vierte sagte: "Kann ich helfen ?".

Die erste war die Frage des Wissenschaftlers, die zweite die des Philosophen, die dritte die des Politikers, und die vierte war die Frage des religiösen Menschen.

Die wissenschaftliche Erforschung der Existenz ist die der distanzierten Beobachtung. Der Wissenschaftler hat objektiv zu sein. Um objektiv zu sein, darf er sich nicht involvieren lassen; er kann nicht teilhaben, denn in dem Moment, in dem er ein Teilnehmer wird, ist er darin verwickelt. Daher kann der Wissenschaftler nur die äußere Umgebung vom Leben und der Existenz kennenlernen. Der innerste Kern wird der Wissenschaft unzugänglich bleiben; schon ihre Methodologie verbietet es ihr.

Der Philosoph spekuliert nur, er experimentiert niemals. Er stellt laufend Fragen, ohne Ende: "Warum ?" Und es liegt in der Fragestellung, dass, was auch immer die Antwort ist, wieder und wieder "Warum ?" gefragt werden kann. Durch die Philosophie ist keine abschließende Schlußfolgerung möglich. Die Philosophie bleibt in einem Zustand der Unschlüssigkeit. Es ist eine zwecklose Aktivität, sie führt nirgendwohin.

Der Politiker möchte einfach die Welt besitzen, er möchte sie in Besitz nehmen. Er ist der gefährlichste von allen, denn er ist der gewalttätigste. Sein Interesse am Leben ist nicht das Leben selbst, sondern seine eigene Macht. Er ist machthungrig, verrückt nach Macht; er ist ein Wahnsinniger, er ist manisch destruktiv. In dem Moment, in dem du etwas Lebendiges besitzt, tötest du es, denn in dem Moment, in dem es zu einem Besitz wird, ist es nicht mehr lebendig. Besitze einen Baum und er ist nicht mehr lebendig. Besitze eine Frau oder einen Mann und du hast sie getötet. Besitze irgend etwas und Tod ist das Ergebnis, denn nur der Tod kann besessen werden.

Das Leben ist Freiheit. Es bleibt grundsätzlich frei. Du kannst es nicht besitzen, du kannst es nicht auf die Bank tun, du kannst keine Linie darum herumziehen. Du kannst nicht sagen: "Das ist meins"; so etwas zu sagen, ist respektlos, so zu sprechen ist egoistisch, so zu reden ist verrückt.

Das Leben besitzt uns. Wie können wir es besitzen ? Wir müssen uns vom Leben immer mehr in Besitz nehmen lassen. Die ganze Perspektive hat sich zu ändern: Statt besitzergreifend zu sein, muss man fähig werden, sich von der Ganzheit in Besitz nehmen zu lassen. Der Politiker kommt niemals zur Erkenntnis der Wahrheit des Lebens.

Der religiöse Mensch partizipiert. Er tanzt mit dem Leben, er singt mit der Existenz, er hilft dem Leben, er hat sich an die Existenz ausgeliefert und er ist nicht distanziert, steht abseits und bleibt unberührt. Er stellt eigentlich gar keine Frage, er ist nicht auf Wissen aus; seine ganze Anstrengung geht dahin, wie er in Harmonie mit der Existenz sein kann, wie er total eins damit sein kann.

Sonstige

26.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao 251

von: tao

Die Zeit existiert für uns, weil wir als Teile leben,

der Raum existiert für uns, weil wir als Teile leben –

es sind relative Phänomene.

Für das Ganze gibt es den Raum nicht,

denn er ist in der Ganzheit enthalten.

Sie kann nirgendwo sonst hingehen, denn da ist kein "sonst irgendwohin".

Die Gänze des Raumes ist in der Gesamtheit. Wo kann sie hingehen ?

Sie existiert hier jetzt, sie existiert immer hier jetzt,

es ist niemals anders der Fall gewesen.

Und du bist beides.

Wenn du ein geteiltes Leben lebst, dann lebst du ein partielles Leben,

wenn du im Halbschlaf lebst, fast schon schläfst, dann lebst du in der Zeit.

Wenn du ein vollwaches Leben lebst,

lebst du plötzlich in der Ewigkeit, in der Zeitlosigkeit,

du bist das Ganze geworden. Nun existiert keine Zeit mehr für dich.

Ein deutscher Mystiker, Meister Eckhardt, lag im Sterben.

Ein Schüler, ein neugieriger, nachfragender Mensch, ein Student der Philosophie,

fragte ihn: Meister, ich weiß, dass du im Sterben liegst, aber ich hätte noch gerne

eine Frage beantwortet, bevor du den Körper verläßt,

sonst wird sie mich mein ganzes Leben lang verfolgen.

Eckhardt öffnete seine Augen und sagte: Was ist deine Frage ?

Der Mann sagte: Wenn du stirbst, wohin wirst du gehen ?

Eckhardt sagte: Es ist nicht nötig, irgendwohin zu gehen.

Er sagte: Es ist nicht nötig, irgendwohin zu gehen.

Ich denke nicht, dass der Wissensdurst dieses Mannes gestillt worden war,

aber eine schöne Antwort war gegeben worden.

Sie bedarf eines sehr tiefen Verstehens.

Eckhardt sagte: Es ist nicht nötig, irgendwohin zu gehen.

Das bedeutet: Ich bin jetzt überall. Wie kann es da noch nötig sein, irgendwo hinzugehen ?

Buddha wurde dieselbe Frage wieder und wieder gestellt –

wenn ein Buddha stirbt, wohin geht er dann ?

Buddha lachte immer und sagte dann kein Wort.

25.03.2007 um 00:17 Uhr

Tao 250

von: tao

In den alten Zeiten pflegten Tempel als Therapieplätze zu fungieren. Der Tempel ist der richtige Platz für Therapie, denn schon sein Ansatz ist anders. Du bist kein Patient, du sollst nicht hospitalisiert werden, du mußt dich nicht auf die Couch des Psychiaters legen; du gehst zum Tempel. Du gehst zum Tempel, um deinen Kontakt mit Gott zu erneuern. Du erneuerst deinen Kontakt mit Gott, denn er ist die Quelle der Heilung, der Gesundheit und der Ganzheit.

Dann kann eine Person ein Psychotherapeut sein. Aber nur ein Taoist kann ein authentischer wirklicher Psychotherapeut sein. Dann wird er aber kein Macher sein. Er wird bloß ein Vehikel sein, ein Medium.

Über das Wirkliche kann nicht gesprochen werden. In dem Moment, in dem du über das Wirkliche sprichst, wird es ein abstraktes Konzept. In dem Moment, in dem etwas ausgedrückt wird, wird es ein Konzept. Das ist der Grund, warum Lao-tse sagt: Das Tao, über das geredet werden kann, ist nicht mehr das Tao. Die Wahrheit, die geäußert werden kann, wird eine Lüge. Über das Wirkliche kann nicht geredet werden, das Wirkliche kann nur erfahren werden. Und es ist gut, dass man über das Wirkliche nicht reden kann, sonst würden Leute einfach Worte über das Wirkliche sammeln und darüber vergessen, es zu erleben. Es ist von Natur aus flüchtig, es läßt sich niemals in Worten festsetzen.

Also können nur die Fallen aufgezeigt werden, so dass du die Fallen umgehen kannst. Wenn du all die Fallen vermeidest, wirst du in die Realität hineinfallen. Das ist die urälteste Methode; die Upanishaden nennen das neti neti, "weder dies noch das". Sie sagen: Zeige dem Schüler: Dies ist nicht wahr, das ist nicht wahr. Zeige ihm laufend, was nicht wahr ist. Wenn du das ganze Feld abgedeckt hast, wenn du ihm alles gezeigt hast, was nicht wahr ist, dann wird er sich plötzlich der Wahrheit bewußt werden, denn nun bleibt nur die Wahrheit übrig. Also kann man nur über die Fallen reden.

Du kannst laufend über die Wahrheit reden und es ist sinnlos, bevor nicht die Fallen zerbrochen sind. Die ganze Anstrengung des Taoismus zielt darauf ab, all die Fallen zu zerstören. Sind die Fallen erst einmal eliminiert, sind die Blockaden entfernt, dann fließt der Strom der Wahrheit. Es geht gar nicht um den Strom, es geht nur um die Felsen, die den Pfad blockieren.

Diese ganze Herangehensweise muss verstanden werden. Anstatt viel über das Tao zu reden, wird im Taoismus Konfuzius kritisiert. Er ist die Falle; er muss zerbrochen werden, völlig demoliert werden, mitleidslos. Er muss zerlegt werden, er muss demontiert und verworfen werden. Ist Konfuzius erst einmal weg, tritt Lao-tse ein. Du würdest gerne Lao-tse einladen ? Aber Konfuzius sitzt schon auf dem Thron; er muss zuerst entthront werden. Ist er erst einmal entthront, wirst du plötzlich sehen, dass Lao-tse schon immer da gewesen ist – die Präsenz von Konfuzius hatte ihn verdeckt.

24.03.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (5)

von: tao

Eine Person, die sich selbst verurteilt, kann nicht lieben.

Eine Person, die sich selbst verdammt, kann nicht beten.

Für eine Person, die sich aburteilt, für die gibt es keinen Gott,

kann es nicht geben.

Ein verurteilendes Denken kann niemals den göttlichen Tempel betreten.

Nur wenn du tanzst,

nur wenn du ekstatisch bist, dich nicht verurteilst,

nur wenn du überfließst

ohne dass da jemand in dir sitzt und kontrolliert, niemand, der alles managt,

nur dann wird das Leben ein Sich-Gehen-Lassen; es ist nicht formal, es ist natürlich.

Dann trittst du ein, dann ist überall der Eingang.

Dann kannst du den Tempel von überall her erreichen.

Aber eben jetzt, so wie du bist, bist du schizophren.

Du bist nicht nur schizophren

wenn ein Psychoanalytiker sagt, dass du es bist.

Es ist gar nicht nötig, dass dich irgendein Psychoanalytiker analysiert.

Die Gesellschaft erzeugt Schizophrenie; Teilung ist Schizophrenie.

Du bist nicht eins.

Du bist als eins geboren worden

aber sofort beginnt die Gesellschaft an dir zu arbeiten,

größere Operationen müssen durchgeführt werden,

an dir wird ständig herumoperiert, damit du auseinanderdividiert wirst.

Dann fühlt sich die Gesellschaft mit dir wohl

weil du jetzt mit dir selbst kämpfst,

deine Energie wird in diesem inneren Kampf vergeudet,

es ist niemals ein Überfließen.

Dann bist du nicht mehr gefährlich.

Überfließende Energie wird zur Rebellion.

Überfließende Energie ist immer rebellisch.

Überfließende Energie ist immer in einer Revolution.

23.03.2007 um 03:43 Uhr

Tao Te King 11 (13)

von: tao

Schau dir die Konzeption der Hindus von Kali an, der Mutter Kali.

Sie ist beides, Leben und Tod, die Gebende und die Nehmende.

Eine schöne Frau, aber schwarz, schwarz wie der Tod;

eine schöne Frau, aber sehr gefährlich.

So gefährlich, dass sie auf dem Körper tanzt,

auf dem Körper ihres eigenen Ehemannes, fast tötet sie ihn: Schiwa liegt da

und sie tanzt auf seinem Körper herum und zertrampelt ihn fast.

Und sie trägt eine Girlande von Schädeln, und in einem ihrer Hände

hat sie einen abgeschlagenen Kopf, frisch abgeschlagen, das Blut tropft noch von ihm herunter.

Im Westen kann man nicht verstehen, warum eine Mutter

so gefährlich sein sollte, warum eine schöne Frau abgebildet werden sollte

in solch einer gefährlichen, schrecklichen und grausigen Art und Weise.

Die Hindus wissen es besser. Sie sind in das Mysterium des Lebens eingedrungen

besser als irgend jemand sonst. Sie wissen, dass Sex und Tod

sich so nahe sind, so eng verbunden, dass sie fast eines sind.

Wenn das Sexzentrum zu pulsieren beginnt und seine Wellen aussendet

über deinen ganzen Körper verteilt, dann beginnt auch das Todeszentrum zu pulsieren.

Das ist der Grund, warum Orgasmus bloß ein Wort geworden ist.

Du erreichst keinen Orgasmus im Sex. Du kannst es nicht.

Bevor du nicht den Tod akzeptierst, kannst du keinen Orgasmus erreichen,

denn Orgasmus bedeutet, alle Kontrolle zu verlieren,

Orgasmus bedeutet, alles Denken zu verlieren,

Orgasmus bedeutet, der ganze Körper, jeder Muskel

und jede Zelle des Körpers pulsiert in Ekstase,

der ganze Körper feiert in einer ungekannten Glückseligkeit;

und das Denken ist nicht mehr der Kontrolleur und der Manipulator.

Der Mann kann nur einen lokalen Orgasmus erreichen

der nichts als Ejakulation ist, das ist überhaupt kein Orgasmus.

Denn wenn der Orgasmus überhand nimmt, dann bist du nicht mehr da –

du bist besessen vom Leben und vom Tod, von beiden.

Dann ergreift dich die Furcht.

22.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 3 (3)

von: tao

Lao-tse sagt: "Das Denken sollte leer sein, -- wie ein leeres Gefäß." Was ist nun ein Gefäß für uns ? Sind es die Außenwände oder ist es der leere Raum innerhalb der Wände ? Normalerweise beziehen wir uns auf die Wände, wenn wir von einem Gefäß sprechen. Lao-tse sagt, das ist falsch. Die Wände sind nutzlos. Es ist der Innenraum, der uns zunutze kommt – Keiner kauft ein Gefäß als Gefäß, wenn es schon voll ist. Was meinst du, wenn du dich auf ein Haus beziehst: Die vier Wände oder den Innenraum ? In der Regel beziehen wir uns auf die Wände. Wenn wir daran denken, ein Haus zu erbauen, dann denken wir daran, Wände hochzuziehen. Lao-tse sagt: "Dein Denken ist sehr verdreht." Das Haus ist der leere Raum innerhalb der Wände, denn kein Mensch lebt in den Wänden. Der Mensch lebt immer im Freiraum dazwischen. Wenn nun dieser leere Raum aufgefüllt ist, dann ist es schwierig, dort zu leben. Der Körper ist nur die Wand. Er sollte ausgefüllt und stark sein. Es ist das Denken innerhalb, dass den Wohnraum darstellt, und der sollte leer sein. Die Seele des Menschen, der Atman, sein Bewußtsein, residiert in diesem Palast. Wenn das Denken leer ist, nur dann kann das Bewußtsein dort bequem hausen, denn dann wird es genug Platz für es geben, sich dort aufzuhalten. Wenn das Denken voll ist, dann ist das genau so, wie wenn du ein Haus hättest, aber es ist so vollgemüllt, dass du draußen schlafen mußt, dass du außerhalb leben mußt; denn es gibt keinerlei Platz mehr im Inneren. Wir sind alle wie der Mensch, der sein Haus vollgestopft und bis zu Decke vollgemüllt hat, so sehr, dass er keinen Schritt mehr hineintun kann. Zwangsläufig muss er dann auf der Veranda schlafen. Unsere Köpfe sind so voll, dass es keinen Raum mehr gibt für die Bewußtheit, mit dem Ergebnis, dass sie auswandern muss. Immer wenn wir nach innen gehen, werden wir nur das Denken vorfinden und nicht die Bewußtheit. Du wirst auf irgendeinen Gedanken stoßen, irgendeine Sehnsucht, irgendeine Bedingtheit, denn davon ist das Denken übervoll. Geh in das Haus und da ist nichts als Möblierung – der Eigentümer, der fehlt. Lao-tse sagt: "Diejenigen, die es wissen, sagen, dass der Körper gesund und wohlgenährt sein sollte, aber das Denken muss leer sein." Das Denken sollte so sein, als wenn es nicht existierte. Ein leeres Denken, gemäß Lao-tse, ist ein Nicht-Denken – als wenn es nicht ist. Die höchste Kunst der Existenz entfaltet sich selbst aus solch einem leeren Denken heraus und die großartigsten Lebenseinsichten beginnen von da aus sichtbar zu werden. "Sie stärken ihre Knochen, aber schwächen ihren Willen." Wir streben immer danach, unsere Willenskraft zu stärken. Wir sagen immer: "Hast du denn keinen eigenen Willen ? Wenn das so ist, dann bist du ein rückgratloser Wurm !" Aber Lao-tse sagt: "Der Weise schwächt die Willenskraft." Dies ist sehr eigenartig ! Wir ermahnen immer unsere Kinder, ihre Willensstärke zu entwickeln. Die weisen Menschen heutzutage haben das Gefühl, dass sich die Willenskraft des Menschen noch immer weiter entwickeln sollte. Nietzsche hat ein ungewöhnliches Buch geschrieben: "Der Wille zur Macht". Er sagt, es gibt nur ein Ziel im Leben des Menschen – der Wille nach Macht. Je mehr Willensstärke ein Mensch hat, für desto großartiger hält man ihn. Carlysle Emerson und alle Denker des Westens legen großen Wert auf eine starke Willenskraft. Deine Willenskraft sollte eine unbewegliche Steinmauer sein. Lass die Welt wanken, aber du solltest nicht schwanken. Du magst brechen, du magst sterben, aber niemals sollst du dich beugen ! Aber hier ist Lao-tse, der sagt: "Lass die Knochen stark sein, aber zerstöre die Willenskraft !"

21.03.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (18)

von: tao

Du weißt nicht, was du tust und warum du es tust.

Dann fühlst du dich unglücklich.

Das Unglück kommt, wenn du nicht dahin wachsen kannst, dass du ein natürliches Wesen bist;

wenn du nicht wachsen kannst gemäß dir selbst.

Das geschah diesem Seevogel in der Geschichte

und das ist allen Seevögeln passiert – ihr seid alle Seevögel.

Eines Tages landetest du in einem Mutterschoß in der Hauptstadt von Lu,

du wurdest empfangen mit großem Pomp und Trara.

Fachleute entschieden, was getan werden sollte,

Musiker hießen dich mit ihrer Musik willkommen,

die Eltern mit ihrer Liebe.

Und alle zusammen

haben sie dich bloß geisteskrank gemacht und nichts sonst.

Einer weiser Mensch empfängt dich nicht ihm entsprechend,

er empfängt dich, wie es dir entspricht.

Der Seevogel wurde von den Musikanten getötet

und von ihren schönen Symphonien.

Und der Fürst hatte alles richtig gemacht:

So sollte ein Gast empfangen werden.

"Wie solltest du einen Seevogel behandeln ?

Wie dich selbst,

oder als einen Vogel ?"

Gib immer dem anderen die Gelegenheit, er selbst zu sein –

das macht Verstehen aus, das ist Liebe.

Zwinge dich selbst nicht anderen auf.

Deine Wünsche mögen gut sein, aber das Resultat wird schlecht sein.

Ein guter Wunsch an sich ist nicht genug; er mag sich als giftig erweisen.

Um was es wirklich geht, ist nicht deine gute Absicht.

Um was es wirklich geht, ist, dem anderen Freiheit zu geben

er oder sie selbst zu sein.

20.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao 249

von: tao

Die Leute gehen zum Beichten in die Kirche und sie fangen an, auch das zu genießen;

sie beginnen auch im Bereuen und Büßen zu schwelgen.

Eine Frau kam zum siebten Mal

zum Priester in die Kirche um eine Sünde zu beichten.

Sogar der Pater war ein wenig erstaunt

denn es war wieder und wieder die gleiche Sünde –

dass sie Sex gehabt hätte mit einem Mann, mit dem sie nicht verheiratet war.

Also sagte der Priester:

Hast du die Sünde siebenmal begangen oder nur einmal ?

Sie sagte: Nur einmal.

Also sagte er: Warum beichtest du sie dann laufend ?

Du hast schon sieben Mal gebeichtet.

Sie sagte: Ich liebe es, darüber zu reden.

Es ist so schön, bloß daran zu denken.

Sogar in ihrer Imagination, während sie bei einem Priester die Beichte ablegt....

Die Leute fangen an, in ihrer Reue, in ihren Bekenntnissen zu schwelgen.

Vermutlich übertreiben sie dann sogar.

Das Buch des heiligen Augustinus "Confessiones", Bekenntnisse, scheint eine Übertreibung zu sein;

er scheint es zu genießen, sich da hineinzusteigern.

Allein schon die Idee, so viele Sünden zu begehen, scheint eine Anziehungskraft zu besitzen.

In Indien scheint Gandhis Autobiographie eine Übertreibung zu sein.

Er schreibt und schreibt über seine Sünden, immerzu,

es scheint, er genießt es.

Und nun sagen Psychologen, dass es Leute gibt,

die ihre Sünden übertreiben

denn dann werden sie vor diesem Hintergrund zu großartigen Heiligen.

Sie haben keine gewöhnlichen Sünden hinter sich gelassen, sie waren große Sünder,

und nun sind sie zu großen Heiligen geworden;

der Abstand ist so gewaltig, dass die Veränderung, die Bekehrung, großartig ist.

19.03.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 11 (12)

von: tao

Wer das Hara kennt, weiß, dass Leben und Tod nicht getrennt sind, sie sind eins.

Tod ist auch Leben, er ist der andere Aspekt derselben Münze.

Er ist Ruhe.

Wenn du tief atmest, wirst du spüren, wie Ruhe fließt

überall in deinem Körper – eine Entspannung, ein nicht verspannter Seinszustand.

Hast du jemals beobachtet, wie ein kleines Kind atmet ?

Er atmet aus dem Bauch heraus. Schau zu und du wirst es sehen.

So wollte Lao-tse, dass jeder atmet.

Das ist das taoistische Yoga:

Genau wie ein Kind, der Bauch hebt sich und senkt sich,

und der Brustkorb bleibt absolut ungerührt

als wenn er nichts zu tun hätte mit dem Atmen –

und er hat nichts mit der Atmung zu tun.

Aber da gibt es viele Probleme: Die Furcht vor dem Tod –

du kannst nicht tief atmen, weil das Hara da ist.

Und, genau neben dem Hara ist der Lebenspunkt

den du das Sexzentrum nennst – auch das ist eine Furcht.

Wenn du tief atmest, dann entsteht Sex.

Also können Leute, die Angst vor Sex haben, nicht tief atmen.

Wenn du tief atmest, wirst du augenblicklich spüren

dass unterdrückter Sex wieder lebendig geworden ist,

er beginnt in deine Venen und in dein Blut zu fließen.

Und natürlich ist das so, wie es sein sollte.

Das Zentrum des Lebens sollte genau neben dem Zentrum des Todes sein.

Hara, das Todeszentrum, und Sex, das Lebenszentrum,

sind genau nebeneinander, so nahe, dass sie sich fast gegenseitig berühren –

zwei Aspekte derselben Münze.

Das ist der Grund, warum die Leute im Sex auch Angst haben

denn der Tod beginnt, zusammen mit dem Sex zu pulsieren.

Eine wirklich sexuelle Erfahrung ist auch eine Todeserfahrung. Du stirbst.

Das ist der Grund, warum die Leute solche Angst vor dem Sex haben, solche Angst vor Frauen haben;

die allermeisten Männer haben Angst vor Frauen.

Furcht.... Die Frau hat dir die Geburt gegeben, sie muss auch deinen Tod in sich tragen.

Wütend

18.03.2007 um 01:50 Uhr

Südliches Blütenland 1 (8)

von: tao

Wenn der Osten also faul ist und so absolut kein Zeitbewußtsein zu haben scheint, wenn alles so langsam dahintreibt, dann ist das wegen des Konzepts der vielen Leben. Wenn der Westen so zeitbewußt ist, dann ist das, weil es für ihn nur ein Leben gibt, und alles muss in ihm erreicht werden. Wenn du es versäumst, versäumst du es für immer – keine zweite Gelegenheit ist möglich ! Wegen dieser Zeitknappheit ist der Westen sehr angespannt geworden. So viele Dinge zu tun und sowenig Zeit bleibt noch, in der man sie tun kann. Es gibt niemals genug Zeit und es gibt so viele Wünsche. Die Leute sind immer in Eile, sie rennen schnell dahin.. Niemand geht noch langsam seines Wegs. Jeder hastet, und noch mehr Eile ist nötig. Also erfindet der Westen ständig schnellere Vehikel und ist dabei niemals mit ihnen zufrieden. Der Westen verlängert laufend das menschliche Leben bloß um dir ein wenig mehr Zeit zu geben, dir deine Wünsche zu erfüllen. Aber warum ist Zeit nötig ? Kannst du nicht hier und jetzt sein ohne Zeit ? Ist es nicht genug, in diesem Moment, bloß hier zu sitzen, dies zu lesen, keine Vergangenheit, keine Zukunft – in diesem Moment dazwischen, der so mikroskopisch klein ist, so winzig, dass er wirklich fast nicht existiert ? Er ist so klein, dass du ihn nicht in den Griff kriegen kannst. Wenn du ihn ergreifst, ist er schon Vergangenheit. Wenn du an ihn denkst, ist er in der Zukunft. Du kannst in ihm sein, aber du kannst ihn nicht ergreifen. Wenn du nach ihm greifst, ist er vergangen; wenn du über ihn nachdenkst, ist er noch nicht da.

17.03.2007 um 03:12 Uhr

Tao Te King 48 (4)

von: tao

Einmal entspann sich ein großer philosophischer Dialog

im Haus eines reichen Mannes

in seinem schönen Wohnzimmer;

er hatte ständig gequatscht,

aber dann klingelte das Telefon im anderen Zimmer

und er mußte rausgehen.

Es war gut, dass er das Zimmer verließ,

denn so wurde es endlich still.

Da stand ein großes Goldfischglas

und zwei Goldfische schwammen darin.

Nun blieb der jüngere plötzlich stehen

und fragte den anderen:

Glaubst du an Gott ?

Der jüngere Fisch sah sehr philosophisch aus – ein Sucher.

Der alte sagte

so wie es ein Guru tut:

Ja, was meinst du, wer sonst

jeden Tag unser Wasser wechselt ?

Wenn da kein Gott ist

wer sollte da wohl deiner Meinung nach

täglich unser Wasser austauschen ?

So sind alle Konzepte von Gott –

Wer denkst du wohl, hat die Welt erschaffen ?

Wer sollte denn sonst, deiner Meinung nach,

ständig die Welt kontrollieren, laufend die Welt in Ordnung halten ?

Bloß kleine Geister,

kleine Konzepte.

Gott ist kein Konzept,

er ist eine Parabel, ein Gleichnis.

16.03.2007 um 01:48 Uhr

Tao 248

von: tao

Wenn du die Dualität nicht durch deine Wahl unterstützst, ist sie verschwunden.

Und schon gibt es nichts mehr zum Auswählen und keinen, der wählt.

Erwachen

ist nicht etwas, wofür du dich zu entscheiden hast.

Wenn es keine Wahl mehr gibt

ist das, was dann noch bleibt, Wachheit.

Die Schwierigkeit dabei ist verständlich,

denn die Wahl kommt wieder und wieder.

Du magst dich sogar dafür entscheiden, dich nicht mehr zu entscheiden;

wenn Wahllosigkeit die Türe darstellt

dann beginnst du vielleicht damit, dich für sie zu entscheiden –

aber dann hast du es verfehlt,

du kannst es dann nicht verstehen.

Nichts darf getan werden,

bloß ein stillschweigendes Verstehen ist nötig.

Wenn du dies bloß liest,

und es verstehst, ist es schon geschehen.

Dann gibt es nichts sonst mehr zu tun.

Frag nicht nach dem Wie.

Versuche bloß zu verstehen, was du liest:

Bringe kein Verlangen hinein.

Laß das Verstehen klar sein.

Wenn du sagst: Dies ist falsch

dann hast du einen Teil der Existenz als falsch verneint.

Nun kannst du niemals das Ganze sein –

und Erwachen gehört zur Ganzheit !

Es ist ein Erblühen des Ganzen.

Ein Teil kann nicht erwachen, nur die Ganzheit.

Wenn du sagst: Dies ist gut und das ist schlecht, und dieses wähle ich und jenes weise ich zurück,

wer trifft dann diese Wahl, diese Entscheidungen, diese Zurückweisungen ?

Das Ich, das Ego

zerteilt damit die Existenz wie ein Schwert,

zerschneidet sie entzwei.

15.03.2007 um 03:35 Uhr

Tao 247

von: tao

Wenn die Vergangenheit da ist,

und du die Kontrolle inne hast, kannst du das Leben nicht verstehen.

Und das Leben ist so flüchtig, es wartet nicht.

Aber warum versuchen die Leute, Regeln aufzustellen ?

Warum fallen sie überhaupt in diese Falle ?

Sie fallen in diese Falle, weil ein Leben des Erkennens

ein Leben der Gefahr ist. Du mußt dich auf dich selbst verlassen.

Das Leben der Kontrolle ist komfortabel und sicher,

du brauchst dich nicht auf dich zu verlassen; Moses wird es schon machen,

die Bibel wird es tun, der Koran wird es schaffen, die Gita wird es zuwege bringen –

du brauchst dich nicht um die Probleme zu kümmern, du kannst dich vor ihnen flüchten.

Du nimmst deine Zuflucht in alten Worten, Disziplinen, Gedanken,

du hängst dich an sie.

Auf diese Weise machst du dir ein bequemes Leben, ein Leben der Annehmlichkeiten –

aber ein komfortables Leben ist kein Leben der Glückseligkeit.

Dann versäumst du Freuden

denn Freuden sind nur möglich, wenn du gefährlich lebst.

Es gibt keinen anderen Weg zu leben.

Lebe gefährlich, und mit "gefährlich leben"

ist ein Leben gemeint, gemäß deines eigenen Selbst, was es auch immer kostet.

Was auch immer auf dem Spiel steht, lebe gemäß deines eigenen Bewußtseins,

entsprechend deinem eigenen Herzen und Fühlen.

Wenn alle Sicherheit verloren ist, wenn aller Komfort und alle Annehmlichkeit verloren ist,

auch dann wirst du glücklich sein.

Du magst ein Bettler sein, du magst kein König sein,

du bist vielleicht in Lumpen auf der Straße,

aber kein Herrscher kann mit dir mithalten.

Sogar Kaiser werden neidisch auf sich sein

weil du einen Reichtum haben wirst,

einen Reichtum nicht an Dingen, einen Reichtum des Bewußtseins.

Du wirst ein subtiles Licht um dich herum haben

und du wirst ein Gefühl der Glückseligkeit haben.

Sogar andere können von diesem Gefühl angerührt werden:

Es ist so sichtbar, so substantiell, anderen werden davon beeinflußt werden.

Es wird zu einem Magneten werden.

Du magst äußerlich ein Bettler sein

aber innerlich bist du ein König geworden.

15.03.2007 um 03:35 Uhr

Tao 247

von: tao

Wenn die Vergangenheit da ist,

und du die Kontrolle inne hast, kannst du das Leben nicht verstehen.

Und das Leben ist so flüchtig, es wartet nicht.

Aber warum versuchen die Leute, Regeln aufzustellen ?

Warum fallen sie überhaupt in diese Falle ?

Sie fallen in diese Falle, weil ein Leben des Erkennens

ein Leben der Gefahr ist. Du mußt dich auf dich selbst verlassen.

Das Leben der Kontrolle ist komfortabel und sicher,

du brauchst dich nicht auf dich zu verlassen; Moses wird es schon machen,

die Bibel wird es tun, der Koran wird es schaffen, die Gita wird es zuwege bringen –

du brauchst dich nicht um die Probleme zu kümmern, du kannst dich vor ihnen flüchten.

Du nimmst deine Zuflucht in alten Worten, Disziplinen, Gedanken,

du hängst dich an sie.

Auf diese Weise machst du dir ein bequemes Leben, ein Leben der Annehmlichkeiten –

aber ein komfortables Leben ist kein Leben der Glückseligkeit.

Dann versäumst du Freuden

denn Freuden sind nur möglich, wenn du gefährlich lebst.

Es gibt keinen anderen Weg zu leben.

Lebe gefährlich, und mit "gefährlich leben"

ist ein Leben gemeint, gemäß deines eigenen Selbst, was es auch immer kostet.

Was auch immer auf dem Spiel steht, lebe gemäß deines eigenen Bewußtseins,

entsprechend deinem eigenen Herzen und Fühlen.

Wenn alle Sicherheit verloren ist, wenn aller Komfort und alle Annehmlichkeit verloren ist,

auch dann wirst du glücklich sein.

Du magst ein Bettler sein, du magst kein König sein,

du bist vielleicht in Lumpen auf der Straße,

aber kein Herrscher kann mit dir mithalten.

Sogar Kaiser werden neidisch auf sich sein

weil du einen Reichtum haben wirst,

einen Reichtum nicht an Dingen, einen Reichtum des Bewußtseins.

Du wirst ein subtiles Licht um dich herum haben

und du wirst ein Gefühl der Glückseligkeit haben.

Sogar andere können von diesem Gefühl angerührt werden:

Es ist so sichtbar, so substantiell, anderen werden davon beeinflußt werden.

Es wird zu einem Magneten werden.

Du magst äußerlich ein Bettler sein

aber innerlich bist du ein König geworden.

14.03.2007 um 02:34 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (2)

von: tao

Versuche also zuerst zu verstehen

wie das menschliche Denken zum Ego wird.

Das Ego ist die Barriere.

Je mehr du bist, desto weniger kann das Göttliche sein;

je weniger du bist, desto zugänglicher bist du für das Göttliche.

Wenn du total leer bist, wird das Göttliche der Gast,

und es kann nur der Gast werden, wenn du total leer bist,

wenn nicht einmal ein Fragment von dir übrig geblieben ist.

Dann wirst du der Gastgeber und es wird der Gast.

Wenn du nicht bist, bist du der Gastgeber;

wenn du bist, sind all deine Gebete umsonst,

all deine Einladungen falsch.

Wenn du bist, hast du es noch nicht gerufen

denn dein Ruf kann nur authentisch sein, wenn du nicht bist.

Es ist ein schweigender Durst eines leeren Wesens,

ein stilles Gebet ohne irgendwelche Worte

eines Denkens, das nicht mehr ist, eines Ego, das aufgelöst ist.

Aber das Denken wird alles anzweifeln

aber es wird niemals irgendeinen Zweifel an deinem Ego hegen.

Immer wenn das Denken fühlt, dass es sich aufzugeben hat,

wird es Zweifel aufwerfen. Es wird sagen: Was tust du da ?

Du ordnest dich einem Meister unter ?

Du stellst einen Gott über dich ?

Du gibst dich auf in einem Tempel oder in einer Kirche ?

Du gibst dich hin in Gebet und in Liebe ?

Du läßt dich los im Sex ?

Was tust du da ? Du verlierst dich doch selbst.

Sei wachsam und kontrolliere dich, sonst wirst du dich verlieren.

Immer wenn da etwas ist,

wo du dich selbst loslassen kannst, widersetzt sich das Denken.

Das ist der Grund, warum das Denken gegen Liebe ist -

denn Liebe ist eine Hingabe.

13.03.2007 um 03:21 Uhr

Tao Te King 56 (5)

von: tao

Bist du verliebt, dann hat eine größere Kraft, als du es bist, von dir Besitz ergriffen.
Du bist nicht mehr du selbst, du bist besessen.
Das ist der Grund, warum die Leute denken
dass Verliebte verrückt sind - sie sind es.
Liebe
ist ein schöner Wahnsinn.
Es ist wie Verrücktheit, es hat eine Qualität des Verrücktseins,
denn man wird besessen davon.
Die Leute sagen: Liebe macht blind. Sie haben recht, Liebe ist blind.
Denn Liebe hat ihre eigenen Augen !
Die gewöhnlichen Augen funktionieren nicht mehr.
Liebe hat ihre eigenen Wege zu sehen, zu fühlen und zu sein.
Alle gewöhnlichen Wege gelten nicht mehr –
aus der Spur.
Liebe hat ihre eigene Art von Welt –
eine neue Welt wird um den Verliebten herum erschaffen.
Er erscheint blind für jeden anderen,
aber er ist nicht blind in sich selbst;
tatsächlich zum ersten Mal
hat er Augen bekommen, eine Vision, eine Einsicht.
Liebe kann kennen gelernt werden
nur dadurch, dass man sich verliebt;
dadurch dass man es wird, nicht einmal ein Verliebter, sondern indem man die Liebe selbst wird.
Wenn du ein Liebender bist, hat sich die Liebe noch nicht ereignet.
Du bleibst immer noch kontrolliert.
Wenn du es willst, kannst du es ändern,
wenn du es willst, kannst du weggehen.
Du hast immer noch eine Wahl, die Liebe hat sich nicht ereignet;
du bist immer noch nicht von ihr besessen.
So wirst du sie nicht kennenlernen.