Taoistische Reflektionen

29.02.2008 um 02:55 Uhr

Tao Te King 41 (8)

von: tao

"Wenn der höchste Typ Mensch das Tao (die Wahrheit) hört,

bemüht er sich sehr, in Übereinstimmung damit zu leben."

Sie hören, sie verstehen,

dann bemühen sie sich sehr, in Übereinstimmung damit zu leben.

Sie haben durch das Fenster des Meisters geschaut

und sie sind sich sicher geworden, dass das nun ein absoluter Fakt ist;

es ist keine Philosophie, keine Metaphysik. Es ist existentiell.

Sie haben es gefühlt, sie haben es kennen gelernt,

aber sie werden einen langen Weg gehen müssen

bevor die gleiche Wahrnehmung ihre eigene wird.

Sie haben die Wahrheit gehört, sie haben sie verstanden,

aber sie werden einen langen Weg gehen müssen

bevor die Wahrheit ihr Sein wird.

Der höchste Typus bemüht sich sehr, in Übereinstimmung damit zu leben --

nicht dass man dadurch, dass man in Übereinstimmung damit lebt und sich sehr bemüht,

es erreicht, nein.

Aber erst dann kann man loslassen.

28.02.2008 um 02:29 Uhr

Tao 379

von: tao

 

Wenn du in deiner Jugend dich dann in eine Liebesbeziehung begibst,

dann fühlt sich das wie ein Fallen an,

denn das Denken hat das Gefühl, dass du dich rückwärts bewegst,

dass du wieder in die Kindheit zurückfällst,

dich wieder zum Herzen hinbewegst.

Und der Kopf hat eine verächtliche Einstellung dem Herzen gegenüber;

diese Verurteilung ist auch noch in "sich Hals über Kopf veriieben" enthalten.

Der Kopf sagt damit: Was für törichte Sachen machst du da eigentlich?

Bist du verrückt?

Das ist ein Rückfall! Vermeide das!

Für den Kopf ist Liebe der größte Feind;

denn bist du erst einmal verliebt, wirst du irrational.

Schau dir ein Liebespaar an --

sie reden albern, sie verhalten sich idiotisch,

sie sind fast verrückt,

und der Kopf verurteilt und verdammt ständig:

Was tust du da?

Du fällst doch wieder zurück.

Darum wird die Liebe in der Welt für eine Art von Anfall gehalten.

Aber es ist gut zu fallen.

Auch in einem anderen Sinn,

nicht in einem verächtlichen Sinn,

ist es ein Fall,

denn es führt dich in die Tiefe.

Die Vernunft ist oberflächlich.

Das Herz ist ein tieferes Phänomen in dir,

es führt in die Tiefe,

es ist ein Tauchgang in dein Wesen hinein.

Verurteile das nicht.

Die Gesellschaft verdammt das

denn die Gesellschaft betrachtet die Liebe als ein anarchisches Phänomen.

Wir unterrichten einen Jungen oder ein Mädchen,

und wir verschwenden soviel Geld darauf,

und dann plötzlich, eines Tages,

verlieben sie sich,

und die ganze Struktur ist gestört.

27.02.2008 um 01:21 Uhr

Tao 378

von: tao

Das Ego kann keinen Selbstmord begehen, weil es nicht ist.

Um Selbstmord zu begehen, muss notwendigerweise erst einmal jemand da sein.

Lass es mich anders ausdrücken.

Kann ein Schatten Selbstmord begehen?

Ein Schatten kann keinen Selbstmord begehen, weil ein Schatten nicht existiert.

Wenn du Selbstmord begehst, wenn du dir den Kopf abschneidest,

dann wird der Schatten ohne einen Kopf sein. Er folgt dir einfach.

Das Ego ist bloß ein Schatten, es kann nicht Selbstmord begehen.

Wenn du dich umbringst, dann begeht das Ego Selbstmord --

nicht dass es ihn wirklich begeht, aber es passiert.

Versuche zu verstehen, dass das Ego nicht substantiell ist:

Das Ego ist genau wie ein Schatten.

Wenn sich der Körper bewegt, wird ein Schatten erzeugt, ein physischer Schatten;

wenn sich das Denken bewegt, wird ein mentaler Schatten kreiert --

dieser mentale Schatten ist das Ego.

Sonstige

26.02.2008 um 01:25 Uhr

Tao 377

von: tao

Wissen ist aus zweiter Hand,

Erkennen ist dein eigenes Aufblühen und Erblühen.

Das Erkennen ist authentisch dein,

Wissen stammt immer von irgendeiner Quelle;

die Veden, die Bibel, der Koran, das Tao Te King.

Es ist immer von irgendwoanders her.

Und dies ist die eigentliche Natur des Wissens:

Es ist ausgeliehen, es belastet.

Es macht dich niemals frei.

Nur Erkenntnis macht frei, befreit dich.

Jesus hat gesagt: Die Wahrheit macht dich frei.

Aber nicht die Wahrheit eines anderen.

Sonst würden schon alle Christen befreit sein.

Ein Christ ist nicht befreit.

25.02.2008 um 02:01 Uhr

Tao Te King 22 (17)

von: tao

 

In der Natur ist etwas einfach da -- ein Fuchs.

Dann ist der Fuchs nicht mehr,

nun ist der Fuchs vom Löwen aufgefressen worden,

der Fuchs ist ein Teil des Löwen geworden.

Es ist wirklich eine Transformation,

der Fuchs hat eine höhere Stufe im Löwen erreicht, sonst nichts.

Da ist kein Problem.

Der Baum verzehrt die Erde

und die ist zu Blüten geworden, roten Blüten.

Das ist eine Transformation. Das ist schön. Nichts ist verkehrt daran.

Lao-tse begab sich in das Leben hinein, schaute still zu, beobachtete,

und sah Dinge, viele Dinge; aber die Basis von all dem ist

dass sich alles zu seinem Gegenteil hin bewegt.

24.02.2008 um 22:58 Uhr

Tao 376

von: tao

Du bist nur wegen der ganzen Vergangenheit hier,

nicht deine Vergangenheit, die gesamte Vergangenheit der Existenz unterstützt dich.

Du bist die ganze Vergangenheit und doch bist du nicht imstande gewesen

all die Absurditäten auszuschöpfen.

Denkst du, dass es jemals möglich sein wird

all die Absurditäten des Denkens zu erschöpfen ?

Nein, niemand ist jemals dazu fähig gewesen.

Wenn du unbewußt bleibst, dann sind sogar Millionen von Leben nicht genug;

wenn du bewußt wirst,

dann ist sogar ein Tag genug,

wenn du achtsam wirst, ist sogar ein einziger Moment genug, um die Absurdität des Denkens zu sehen.

23.02.2008 um 00:46 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (9)

von: tao

Wütend 

Du hast ein Wesen, das ist einzigartig und individuell, unvergleichlich.

Es ist niemals schon vorher so gewesen, es wird niemals wieder so sein,

nur du hast es bekommen.

Feiere es!

Jedem hat sich etwas Einzigartiges ereignet,

die Existenz hat jedem ein einzigartiges Geschenk gegeben,

und du verdammst es! Du möchtest etwas Besseres!

Du versuchst damit, weiser zu sein als die Existenz,

du versuchst, weiser als Tao zu sein --

dann gehst du in die Irre.

Bedenke, der Teil kann niemals weiser sein als das Ganze,

und was auch immer das Ganze gerade tut, ist endgültig,

du kannst es nicht ändern. Du kannst eine Anstrengung unternehmen, es doch zu tun

und dein Leben vergeuden, aber dadurch wird nichts erreicht werden.

22.02.2008 um 00:56 Uhr

Tao Te King 11 (16)

von: tao

 Wütend
Im Westen redet niemand über den Tod..
Es ist, als wenn er sich nicht ereignen würde. Es gibt sogar Profis
die bearbeiten den toten Körper, so dass er noch wie lebendig aussieht --
er ist angemalt und koloriert. Wenn eine Frau stirbt, wird ihr Gesicht geschminkt, Lippenstift wird aufgetragen, schöne Kleider, ein schöner Sarg,
und sie wird herumgetragen, als wenn sie in einen tiefen Schlaf gefallen und nicht gestorben sei.
Das ist die Furcht vor dem Tod,
du möchtest ihm nicht ins Angesicht schauen.
Friedhöfe werden außerhalb der Stadt gebaut
und du stellst in ihnen schöne Marmorsteine auf, um sie zu dekorieren.
Du verzierst den Tod, so dass du ihn vermeiden kannst,
so dass es nicht nötig ist, ihm gegenüberzustehen --
und der Tod ist die eigentliche Quelle des Lebens.

21.02.2008 um 02:59 Uhr

Tao 375

von: tao

Was ist dann Verstehen ?

Verstehen ist nicht akkumulativ.

Was für einen Unterschied macht es

ob jemand anderes etwas erlebte und du es glaubtest,

oder ob du etwas erlebtest und dann es glaubtest?

Diese Erfahrung gehört der Vergangenheit an.

Sie ist nicht mehr da,

und du hast dich so sehr geändert --

und jeder ändert sich in jedem Moment --

dass ein alter Mensch, der sagt: "In meiner Jugend habe ich dies erlebt",

damit über jemand anderen redet, weil er nicht mehr derselbe ist.

Ein wenig näher kommt Weisheit,  näher als Wissen,

aber nicht sehr nahe.

Verstehen nimmt nicht zu,

du häuft es nicht an

weder die Erfahrungen anderer noch deine eigenen.

Du brauchst nichts zu sammeln,

du wächst.

20.02.2008 um 02:33 Uhr

Tao 374

von: tao

Liebe ist kreativ, Hass ist destruktiv. Aber hast du beobachtet --

keine Schöpfung ist möglich ohne Zerstörung;

keine Zerstörung ist sinnvoll, es sei denn, sie dient der Erschaffung.

Du kannst also nun zerstören, wenn du erschaffen wirst,

dann ist da kein Problem.

Du kannst ein Haus abreißen, wenn du ein besseres Haus erbauen wirst

-- niemand wird sagen, dass du destruktiv bist --

du kannst eine Gesellschaft zerstören, wenn eine bessere Gesellschaft möglich ist;

du kannst eine Moral für eine bessere Moral zerstören.

Niemand wird sagen, dass du destruktiv bist

denn du zerstörst ja nur, um zu erschaffen;

und ohne Zerstörung ist keine Neuschöpfung möglich.

Die Zerstörung wird von der Schöpfung absorbiert.

Dann ist sie schön, dann ist sie Teil des kreativen Prozesses.

Traurig

19.02.2008 um 23:59 Uhr

Tao 373

von: tao

Wahrheit ist keine Information.

Sie ist nicht etwas, das von einer Hand in eine andere wechseln kann.

Sogar wenn ich versuche, meine Wahrheit dir zu übergeben

wird sie in dem Moment, in dem sie deine Hände  erreicht, falsch sein.

Das ist die eigentliche Natur von Wahrheit: Unübertragbar.

Du mußt schon in sie hineinwachsen.

Sie ist deine eigene Reife, sie ist deine eigene Verwirklichung.

Also bleibe immer achtsam, wenn du hier etwas liest.

Es gibt viele Fallstricke;

und die größte Fallgrube ist:

Wenn du ständig darüber liest

beginnst du vielleicht zu denken, dass, was auch immer du liest

für dich Wahrheit ist.

Es ist Wahrheit für mich, sonst würde ich es nicht geschrieben haben,

aber es ist keine Wahrheit für dich.

Bleibe wachsam -- es ist Wissen.

Es ist noch kein Erkennen und Verstehen.

18.02.2008 um 00:00 Uhr

Tao 372

von: tao

Jedermann ist so alt, älter als die Erde. Die Erde ist nicht sehr alt, bloß...na ja, eigentlich sehr jung, jugendlich. Aber du bist älter als die Erde, du bist schon auf anderen Planeten gewesen. Du bist älter als die Sonne. Du bist schon hier gewesen, seitdem die Existenz hier gewesen ist, sonst wäre das nicht möglich -- du kannst nicht so plötzlich hochblubbern. Wie kannst du dich so plötzlich ereignen? Du bist schon die ganze Zeit über hier gewesen.

Einer der bedeutendsten amerikanischen Psychologen, William James, war gerade dabei, ein Buch zu schreiben, das dann zu einem sehr wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Psychologie und der Religion werden sollte. Der Name des Buchs ist "Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Eine Studie über die menschliche Natur". Er reiste in der ganzen Welt herum, um für das Buch Material zu sammeln. Viele Bücher sind seitdem über Religion geschrieben worden, aber kein Buch hat bis jetzt wieder diese Höhe erreicht. William James arbeitete hart an diesem Buch. Er kam auch nach Indien, das mußte er -- wenn du ein Buch über Religion schreibst, dann ist Indien ein Muss. Er kam nach Indien und suchte einen Weisen im Himalaja auf. Er gibt den Namen nicht an; tatsächlich haben Weise keine Namen, es ist also nicht nötig. Er besuchte den Weisen und er stellte eine Frage. Er hatte eine indische  Schrift gelesen, in der es heißt, dass die Erde von acht weißen Elefanten getragen wird. Er war durcheinander -- er war ein logischer Mensch -- also fragte er den Weisen: "Das erscheint absurd. Worauf stehen denn diese acht Elefanten? Was ist ihre Basis, ihr Fundament?" Der Weise sagte: "Sie stehen auf weiteren acht weißen und größeren Elefanten." William James sagte: "Aber das ist keine Lösung für dieses Problem. Auf was stehen dann diese größeren weißen Elefanten?" Der Weise lachte und sagte: "Elefanten stehen auf Elefanten, Elefanten auf Elefanten, bis ganz nach unten. Du kannst immer weiter fragen", sagte der Weise, "und ich werde immer wieder die gleiche Anwort geben -- bis ganz nach unten." Da dachte sich William James, dass die Frage noch einmal gestellt werden könnte: "Und von was wird dieses "ganz unten", das Fundament, unterstützt und getragen?" Der Weise sagte: "Natürlich von acht noch größeren Elefanten."

Das geht immer weiter -- natürlich muss das so sein. Wenn du zurückgehst, wirst du dich wieder und wieder und immer wieder finden. Wie könntest du sonst hier sein? Du wirst von deinem vergangenen Leben unterstützt und getragen, das ist der Grund, warum du hier bist. Und dein letztes Leben wird von deinem vorletzten Leben getragen -- darum warst du in deinem letzten Leben. Und das geht immer so weiter und du kannst nicht fragen: "Wie kam ich zum ersten Mal hierher?" Du kamst niemals zum ersten Mal, denn du warst sogar vorher schon da. Sogar vor dem ersten Mal wurdest du von einem vergangenen Leben getragen -- Elefanten auf Elefanten, Elefanten auf Elefanten. Die Hinduisten sind wirklich gut. Sie kreieren absurde Geschichten, aber diese Geschichten haben tiefe Bedeutung und Signifikanz.

17.02.2008 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (20)

von: tao

 

Ein religiöser Mensch kann kein Christ, kein Hindu oder ein Buddhist sein, eine religiöse Person kann nur ein aufrichtig Forschender sein. Sie fragt nach und sie bleibt offen, ohne Schlüsse zu ziehen. Ihr Boot ist leer.

"Drei Freunde diskutieren das Leben".... Nur Freunde können diskutieren, denn dann wird es ein Dialog, dann ist es eine Ich-Du-Beziehung. Wenn du debattierst, ist es eine Ich-Es-Beziehung. Der andere ist ein Ding, das bekehrt und überzeugt werden muss, der andere ist kein Du; der andere hat keine Bedeutung, der andere ist bloß eine Nummer.

In der Freundschaft ist der andere signifikant, der andere hat einen Wert an sich, der andere ist ein Selbstzweck, du versuchst nicht, ihn zu bekehren. Wie kannst du eine Person bekehren? Welche Torheit! Allein schon die Anstrengung, eine Person zu bekehren,ist töricht. Eine Person ist kein Ding. Eine Person ist so groß und so weit, dass keine Theorie wichtiger sein kann als eine Person. Keine Bibel ist wichtiger als eine Person, keine Bhagavadgita ist bedeutender als ein Mensch. Eine Person bedeutet die eigentliche Herrlichkeit des Lebens. Du kannst eine Person lieben, aber du kannst niemals eine Person bekehren. Wenn du zu bekehren versuchst, versuchst du damit zu manioulieren. Dann ist die Person zu einem Mittel geworden und du beutest sie aus.

Dialog ist möglich, wenn dein Ich Du sagt, wenn der andere geliebt wird, wenn dahinter keine Ideologie steht. Der andere wird einfach geliebt, und es macht nichts aus, ob er ein Christ oder ein Hinduist ist. Das bedeutet Freundschaft -- und Freunde können das Leben erörtern, weil ein Dialog möglich ist.

"Einer sagte:

Können Menschen zusammen leben und nichts davon wissen,

zusammen arbeiten und nichts produzieren?

Können sie im Raum herumfliegen

und vergessen, dass sie existieren, Welt ohne Ende?"

Er stellt damit keine Theorie auf, er wirft damit einfach eine Frage auf.

Sonstige

16.02.2008 um 00:24 Uhr

Quellender Urgrund 4/4 (3)

von: tao

Moralische Leute sind gewöhnliche Leute, so gewöhnlich wie die unmoralischen -- manchmal sogar noch gewöhnlicher als die unmoralischen. Der Unmoralische hat vielleicht manchmal Mut, aber der Moralische hat keine Courage. Der Unmoralische mag manchmal Intelligenz haben, aber der Moralische hat keine Intelligenz. Der Unmoralische mag manchmal originell sein, aber der moralische Mensch ist immer repetitiv, er wiederholt sich immer.

Moral ist der größte Feind des Taoismus, denn sie ist Falschgeld. Sie gibt etwas vor und sie kann die Leute täuschen. Sie hat sie durch die Jahrhunderte hindurch betrogen; Millionen und Abermillionen von Leuten sind von der Moral hinters Licht geführt worden. Und dann denken sie, wenn sie eine Moral haben, dann haben sie eine Religion.

15.02.2008 um 00:24 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (20)

von: tao

Meditation hat keinen Marktwert. Du kannst nicht losziehen und sie verkaufen, du kannst nicht sagen: "Ich habe großartige Meditation. Ist jemand bereit, sie zu kaufen?" Niemand wird dazu bereit sein und sie kaufen. Es ist kein Gebrauchsgegenstand, sie ist nutzlos.

"Dschuang Dsi erwiderte:

"Wenn du keine Wertschätzung für das hast, was keinen Nutzen hat

dann kannst du gar nicht damit beginnen, über das zu reden, was genutzt werden kann.

Die Erde, zum Beispiel, ist breit und weit,

aber von all dieser Ausdehnung benutzt ein Mensch nur ein paar Zentimeter

auf denen er nun mal gerade steht.

Nun nimm an, du nimmst plötzlich alles weg

was er gerade nicht tatsächlich benutzt,

so dass überall um seine Füße herum ein Abgrund gähnt,

und er nun mitten in der Leere dasteht

nirgendwo mehr fester Untergrund, außer unter jedem Fuß,

wie lange wird er wohl imstande sein, das zu benützen, was er gerade nutzt?"

Das ist ein schönes Gleichnis. Er hat den springenden Punkt erfaßt. 

Beschäftigt

14.02.2008 um 00:00 Uhr

Tao 371

von: tao

Von einhundert Heiligen sind neunundneunzig stupide. Das muss so sein -- das ist das proportionale Verhältnis zwischen Stupidität und Intelligenz, also muss es immer überall das gleiche Größenverhältnis sein. In der Welt, auf dem Marktplatz, gibt es die gleiche proportionale Verteilung: Neunundneunzig dumme Personen, eine Person intelligent, weise, bewußt. Die gleiche Mengenverteilung muss sich auch bei Heiligen widerspiegeln -- in alle Richtungen! Wenn du den einen finden kannst, der gelebt hat, gefährlich gelebt hat, und sich ohne Furcht in alle Richtungen bewegt hat, und der durch die Erfahrung gelernt hast, Sünde zu transzendieren -- nicht dass er niemals eine Sünde begangen hätte, er sündigte, und er sündigte total und intensiv, darum konnte er über sie hinausgehen; er konnte es sehen und durchschauen, er konnte die ganze Absurdität dabei sehen, darum ist er dafür transzendental geworden; wenn du solch einen Heiligen finden kannst -- nur durch ihn geht der Pfad, der Weg. Jesus konnte zu Leuten sagen: Ich bin der Weg. Jesus ist kein gewöhnlicher dummer Heiliger. Das war der Grund, warum er gekreuzigt wurde. Wenn er ein gewöhnlicher dummer Heiliger gewesen wäre, würde er verehrt worden sein! Die Juden würden ihn als Messias proklamiert haben: Hier ist der Sohn Gottes! Aber das Problem war, dass seine Wege nicht exakt richtig waren -- so wie die Juden zu denken pflegten, dass es richtig sei; sie waren nicht ganz genau moralisch. Manchmal blieb er bei einer Prostituierten. Das ist nicht heiligmäßig. Manchmal blieb er bei Trunkenbolden, und er pflegte selbst Wein zu trinken -- er liebte das. Und er ging mit allen möglichen Leuten -- er war in keiner Weise respektabel, er kümmerte sich kein bißchen um Respektabilität. Unmoralische Leute, von der Gesellschaft verdammt, waren seine Freunde. Er begab sich in jegliche Art von Gesellschaft. Das war der Grund, der eigentliche Grund, warum all die Priester und all die dummen sogenannten Heiligen gegen ihn waren: denn tief innen war er dabei, die Wurzeln der alten Moral zu zerschneiden: Dieser Mensch ist gefährlich, er muss zerstört werden, denn er bringt da etwas in die Welt hinein, was für die gewöhnliche Moral ein Chaos sein wird -- denn die ordinäre Moral lebt nach Regeln,  und ein Erwachter lebt nicht nach Regeln, er lebt durch Bewußtheit.

13.02.2008 um 02:38 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (12)

von: tao

Du siehst einen Musiker und du willst ein Musiker sein; du siehst einen Schauspieler und du willst ein Schauspieler sein; du siehst einen Arzt und du willst ein Arzt sein. Du willst alles außer dir selbst sein -- und das ist alles, was du sein kannst,sonst nichts. Nichts sonst ist möglich, und niemand ist wie du, also kann niemand dein Ideal werden.

Liebe einen Buddha, Buddha ist schön -- aber mach ihn nicht nach, sonst wirst du fehlgehen. Jesus ist wundervoll, aber er wird nicht mehr benötigt; die Existenz hat diesen Bestimmungszweck erfüllt, dieses Werk ist getan. Er ist zum Erblühen gekommen. Das ist der Grund, warum immer wenn eine Person aufgeblüht ist, sie niemals wieder zurückkommt. Liebe Jesus, aber sei kein Imitator, sonst wirst du unerfüllt enden, in Unglück und Beklemmung. Du kannst nicht wirklich irgendjemandem nachfolgen. Du kannst von ihm Hinweise bekommen und annehmen, aber dann mußt du sehr achtsam damit umgehen, Hinweise und Andeutungen sollten keine blinden Imitationen werden.

Wenn du einen Buddha siehst, nimm, wie er erblüht ist, als einen Hinweis. Was sind die Methoden? Was hat er getan? Versuche es zu verstehen, und lass dieses Verstehen in dich eindringen. Nach und nach wirst du deinen Weg zu fühlen beginnen. Der wird nie so wie der von Buddha sein, das kann er im Leben nicht sein, er wird absolut anders sein. Aber Buddha zu absorbieren wird hilfreich sein. Du wirst auf deine eigene Weise wachsen müssen, aber Lao-tse in dich aufzunehmen wird dich verstehender machen. Das ist der Unterschied zwischen einem authentischen Schüler und einem Nachfolger, der falsch ist.

Ein Schüler ist etwas komplett anderes als ein Nachfolger. Was ist Disziplin? Disziplin ist Lernen. Die Wortwurzel von Disziplin kommt von Lernen. Das hat nichts mit Selbstkontrolle zu tun, nein. Ein Schüler ist jemand, der zu lernen bereit ist; ein Schüler ist einer, der bereit, etwas in sich aufzunehmen; ein Schüler ist einer, der offen ist, der rezeptiv ist; ein Schüler ist einer, der bereit ist, ein Mutterschoß zu werden. Er ist nicht  antagonistisch, er kämpft nicht und er argumentiert nicht. Er versucht zu verstehen, und wenn du zu verstehen versuchst, dann funktioniert der Kopf nicht mehr. Denn der Kopf kann zwei Dinge tun: Er kann entweder kämpfen oder er kann hinterherlaufen. Er kann entweder ein blinder Jünger sein oder ein blinder Feind, aber er kann niemals ein Schüler sein.

Ein Schüler ist total anders, weil er nicht kopforientiert ist; ein Schüler ist herzorientiert. Er liebt den Meister, absorbiert ihn, und geht dann auf einem eigenen Weg.

Das ist eine sehr indirekte, delikate Angelegenheit. Das ist nicht direkt. Du kannst nicht einfach auf den Meister schauen und tun, was auch immer er tut -- dann wirst du ein Nachfolger werden. Du kannst nicht die Worte lernen und anfangen, sie zu wiederholen -- dann wirst du ein Nachfolger werden, dann ist die Anstrengung im Kopf geschehen, und der Kopf ist das Problem.

12.02.2008 um 00:00 Uhr

Tao 370

von: tao

Fröhlich 

Du kannst lesen

viele Bücher über die Liebe

und du kannst viel über Liebe wissen,

was andere darüber gesagt haben,

aber um Liebe selbst kennenzulernen

wirst du durch Erfahrung hindurchgehen müssen --

und das kostet Zeit.

Mit der Zeit weißt du etwas über die Liebe

aber die Jugend, deine Jugendzeit, wird vergangen sein.

Du wirst alt sein, aber weise,.

Das Alter ist weise,

die Jugend kann informiert sein.

Weisheit ist die eigene Erfahrung in akkumulierter Form,

Wissen ist die Erfahrung anderer, von dir zusammengetragen.

11.02.2008 um 00:00 Uhr

Tao Te King 22 (16)

von: tao

Die Torheit hat schon ihr Extrem erreicht.

Du tötest einen Löwen, weil du dir mit seinem Kopf deine Wände dekorieren möchtest;

du tust damit etwas absolut Idiotisches.

Kein Löwe ist an deinem Kopf interessiert;

selbst wenn du ihn ihm geben würdest, würde er ihn sich nicht mit nach Hause nehmen.

Wenn er es doch täte, würden andere Löwen laut lachen --

diese Löwe ist verrückt geworden !

Was hat es für einen Sinn, den Schädel eines Menschen mit sich herumzutragen

und ihn dann für Dekorationszwecke zu benutzen ?

Aber der Mensch ist idiotisch.

Der Mensch tötet bloß aus Freude am Töten.

Nirgendwo sonst existiert Gewalttätigkeit.

Gewalttätigkeit ist es dann, wenn du etwas tötest

bloß aus reiner Freude am Töten.

Dann ist es Gewalt. Sonst gibt es keine Gewalt.

10.02.2008 um 17:00 Uhr

Tao Te King 15 (13)

von: tao

 

Kinder können dir nun viel mehr Dinge erzählen --

sie haben das Gefühl, dass du irgendwie ein wenig unwissend und ungebildet bist.

Jedes Kind im Westen hat das Gefühl, dass seine Eltern ignorant sind.

Der Respekt ist verschwunden.

Wenn Wissen die Gesellschaft dominiert, muss das so sein

denn das Wissen wächst jeden Tag, verändert sich jeden Tag,

häuft sich immer mehr an --

natürlich sind Kinder mehr auf dem neuesten Stand als ihre Eltern.

Das muss so sein. Sie wissen das Neueste.

Im Osten ist Weisheit das Lebenszentrum gewesen,

nicht Bildung.

Das Wissen wächst, ändert sich, ist in Bewegung -- Weisheit ist ewig.

Wann immer du zu ihr gelangst, ist sie immer die gleiche.

Beschäftigt