Taoistische Reflektionen

31.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten 14

von: tao

Eine reale Frau wird schwitzen

und wird Körpergeruch haben;

ein Bild schwitzt niemals, und hat auch keinen Körpergeruch.

Eine wirkliche Frau wird wütend sein; ein Foto ist niemals ärgerlich.

Ein reale Frau wird altern, wird alt werden;

ein Nacktfoto bleibt immer jung und frisch.

Pornografie mit ihren Bildern ist bloß mental.

Wer die Sexualität im Körper unterdrückt, wird mental sexuell.

Dann wird das Denken sexuell aktiv und dann ist das eine Krankheit.

Wenn du dich hungrig fühlst, ist das in Ordnung, dann iß!

Aber wenn du ständig an das Essen denkst

dann ist das eine Obsession und eine Krankheit.

Wenn du dich hungrig fühlst, ist es in Ordnung, wenn du ißt

und dann damit fertig bist.

Aber du kommst niemals mit irgendetwas zu Ende,

und dann geht alles in das Denken.

30.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 47 (20)

von: tao

Es gibt keinen Sinn im Leben,

der Sinn muss ihm erst gegeben werden.

Du flößt es ihm ein

dein Wesen in das Leben hinein,

dann vibriert es vor Bedeutung.

Dann singt es, es tanzt,

es wird göttlich.

Die Leute fragen: Wo ist Gott?

Kannst du ihn mir zeigen?

Niemand kann dir Gott zeigen

denn

Gott

muss im Innern gefunden werden.

29.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao 407

von: tao

Wütend      Wütend 

Selbstmord ist ein Verlangen.

Wenn du nicht mehr den Wunsch hast, irgendetwas zu tun,

wie willst du dich dann nach Selbstmord sehnen?

Wie kannst du Selbstmord begehen, ohne dich danach zu sehnen?

Tatsächlich ist er das äußerste an Verlangen.

Wenn dir nichts mehr irgendetwas auszumachen scheint

dann kann auch Selbstmord dir nichts mehr bedeuten.

Wie willst du dich da noch entscheiden?

Wie willst du zwischen Leben und Tod wählen?

Das würde eine Flucht sein, eine Flucht vor dem Leben;

und jemand, der vor dem Leben flieht, ist auch auf der Flucht vor dem Tod.

Das Problem ist sehr delikat.

Wenn du das Leben satt hast, wenn du wirklich lebensmüde bist,

wenn du dir nichts mehr wünschst, dann bist du gelangweilt,

dann wird dein Selbstmord eine negative Qualität haben.

Das wird bloß aus Langeweile sein, ein "alles satt haben",

es wird kein wirklicher Selbstmord sein.

Es wird negativ sein, es wird zwecklos sein

und du wirst wieder in das Leben zurückgeworfen werden

denn das Leben ist eine Disziplin, du bist hier, um etwas zu lernen.

Wenn du ekstatisch bist, wenn du das Leben feierst

und so erfüllt bist, dass du dem Tod entgegentanzt,

dann es kein Selbstmord mehr, es ist Samadhi, es ist Nirvana.

Lao-tse ging auch in den Tod hinein

aber er war nicht lebensmüde, er war erfüllt.

Versuche, den Unterschied zu verstehen.

28.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (15)

von: tao

 

Jesu letzte Worte an seine Schüler war:

Eßt mich, laßt mich euer Trank und eure Speise sein,

laßt mich in euer Blut fließen, absorbiert mich.

Wenn er sagt: "Eßt mich", meint das: Absorbiert mich, verdaut mich;

folgt mir nicht nur äußerlich, verdaut mich geistig,

und dann werdet ihr euer eigenes inneres Licht haben.

Ein wirklicher Meister gibt dir niemals Regeln, er gibt dir das Auge.

Er zeigt dir niemals den Weg,

sagt niemals: Dies ist der Pfad, folge ihm.

Er gibt dir einfach das Licht und sagt:

Nun nimm das Licht und gehe in die Dunkelheit hinein,

dieses Licht wird dir deinen Weg zeigen.

Wütend

27.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao 406

von: tao

Das Denken kann niemals irgendeine fundamentale Frage stellen

denn was auch immer das Denken fragt, ist zwangsläufig oberflächlich.

Wenn die Frage aus deinem Sein entsteht, nicht aus deinem Denken,

wird sie nicht verbal sein, sie wird existentiell sein.

Du wirst die Frage sein -- dann ist sie fundamental.

Ein Sufi-Mystiker pflegte jeden Tag zur Moschee zu kommen

und er stand dann da, ohne ein einziges Wort zu sagen,

Jahr für Jahr. Die Leute wurden neugierig. Jemand fragte;

Du sagst nie etwas,

wir haben nicht einmal gesehen, dass deine Lippen je ein bißchen gebebt hätten

und wir haben dich beobachtet, wir haben dich genau gemustert.

Wir haben nicht einmal das Gefühl, dass du innerlich irgendetwas sagst,

du stehst bloß da, wie ein Felsen. Was ist das denn für ein Gebet?

Der Mystiker sagte: Es geschah einmal, dass ein Bettler

vor einem Palast eines Herrschers stand.

Der Herrscher kam heraus, schaute auf den Bettler und sagte:

Was erbittest du dir? Was willst du haben?

Der Bettler sagte: Wenn du mich anschaust und das nicht verstehen kannst

dann brauche ich auch nichts mehr zu sagen, ich werde zu einem anderen Haus gehen.

Schau mich doch an -- wie ich nackt im kalten Winter zittere;

schau dir meinen Bauch an -- er ist schon eingefallen bis zum Rücken;

schau dir meine Glieder an -- all das Fleisch ist verschwunden.

Ich bin ein Skelett und du fragst mich, was ich möchte?

Ist mein Hier-Sein nicht genug?

Der König bekam Angst, der Bettler hatte recht.

Es wurde ihm viel gegeben.

Und der Mystiker sagte: Ich bin damals dort vorbeigekommen.

Von diesem Tag an hörte ich auf zu beten,

dann was soll ich denn dem Herrscher der Welt sagen?

Kann er nicht verstehen, in welchem Unglück ich lebe?

Muß ich das sagen? Muss ich es erst äußern? Muss ich es für ihn artikulieren?

Wenn er mein Sein nicht verstehen kann, was hat es dann für einen Zweck, zu ihm zu reden?

Dann ist es nutzlos: Wenn er mein Wesen nicht verstehen kann

dann kann er meine Sprache nicht verstehen.

Still ist mein Gebet,

ungefragt ist meine Frage, ungewünscht ist meine Sehnsucht,

ich bin es, es ist mein ganzes Wesen.

Das ist fundamental, das ist grundlegend, das ist radikal --

es kommt von den eigentlichen Wurzeln.

26.05.2008 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (14)

von: tao

Du hältst dich selbst für tapfer,

sogar ein Feigling, der feigste Mensch, hält sich selbst für tapfer,

dann auch das ist ein sehr komplexes Problem.

Das Ego hat Angst, ist furchtsam, innerlich,

denn der Tod kann sich jederzeit ereignen.

In der Liebe kann sich Tod ereignen;

in der Andacht kann sich für das Ego der Tod ereignen;

in jeder tiefgehenden Beziehung wird das Ego sterben müssen.

Sogar wenn du dir eine Rose anschaust, ohne zu denken,

wird das Ego sterben müssen. Sogar eine Rose kann es töten;

es ist so fragil, so hauchdünn, ein Ding ähnlich einem Traum --

ohne Substanz.

Soviel Angst, und tief innen ständig der Gedanke an den Tod,

und trotzdem hältst du dich ständig für tapfer.

25.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao 405

von: tao

 

Könnte eine Biene denken wie ein Mensch, dann bliebe sie unvollständig. Sie flöge von Blüte zu Blüte, immer in Eile. In der Zeit, in der sie die eine Blüte erreicht hat,

würde sie in ihrem Denken schon die Idee bedrängen, zur nächsten Blüte zu eilen.

Dann besucht sie fünftausend oder fünf Millionen Blüten

und kehrt zurück mit leeren Händen. Sei nicht so eine Biene!

Wenn du eine Blüte besuchst, dann besuche sie auch wirklich.

Dann vergiss alle anderen Blüten in der Welt --

in diesem Moment gibt es keine anderen mehr.

Sei bloß eine Biene -- summe und genieße und freu dich an der Blüte.

Sei so total wie möglich bei ihr,

dann sammelst du den Lebenshonig

und wenn du stirbst, dann stirbst du wonnevoll und ekstatisch.

Du hast gelebt. Da ist in deinem Herzen kein Groll und keine Beschwerde.

Und wenn du alle Momente gelebt hast

in Ganzheitlichkeit, in Bewußtheit,

dann kannst du im Moment deines Todes alle segnen --

deine Freunde und deine Feinde.

Ja, auch deine Feinde, denn ohne sie

wärst du nicht imstande gewesen, dieses Crescendo zu erreichen.

Auch sie waren ein Teil, ein Teil eines mysteriösen Phänomens, genannt das Leben.

24.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao 404

von: tao

Und noch eine Sache über das Tao: Taoismus ist sublime Faulheit. Er glaubt nicht an Aggression, er glaubt nicht an das männliche Element. Der Taoismus ist feminin: Passivität, Empfänglichkeit. Versuche, dies zu verstehen. Es gibt zwei Wege, sich der Wahrheit zu nähern. Der eine Weg ist der der Aggression, fast schon wie Vergewaltigung. Das ist der Grund, warum ich immer wieder Wissenschaft mit Vergewaltigung gleichsetze: Sie ist aggressiv, sie hat sich der Natur aufgezwungen, sie hat die Natur gezwungen, ihre Geheimnisse preiszugeben. Sie ist sehr grob, primitiv, denn man kann nur dann vergewaltigen, wenn man nicht lieben kann. Ein Vergewaltiger ist jemand, der unfähig zur Liebe ist. Wenn du eine Frau lieben kannst, kannst du auch nur daran denken, eine Frau zu vergewaltigen? Das wird dir nicht einmal im Traum einfallen -- es ist unmöglich. Wenn man in der Liebe versagt, dann entsteht die Vergewaltigung. Gewalt kommt nur auf, wenn Liebe scheitert, Aggression entsteht nur, wenn Liebe versagt. Die Wissenschaft ist ein Fehlschlag -- ein Versagen in dem Sinn, dass wir die Natur nicht überreden konnten. Es würde besser gewesen sein, sie zu überreden.
Der Taoismus überredet die Natur. Es ist nicht nötig, sie zu zwingen; liebe, und nach und nach enthüllt die Natur dir ihre Geheimnisse. Die Wissenschaft versucht, Zwang auszuüben. Du schaffst es dann, einige Fakten kennenzulernen, aber die sind häßlich, sie sind unvollkommen, sie sind nicht natürlich geboren; und etwas von deiner Gewalttätigkeit hallt laufend wieder und schallt zurück. Es ist also nicht bloß ein Zufall, dass Wissenschaft zu immer mehr Gewalttätigkeit in der Welt geführt hat: Die Wissenschaft ist gewalttätig. Es ist nicht bloß zufällig so, dass die Wissenschaft in Atom- und Wasserstoffbomben kulminiert ist -- sie sind eine natürliche Begleiterscheiung der Wissenschaft. Die Wissenschaft ist Ausübung von Zwang, und Zwang endet schließlich in Gewalttätigkeit; und wenn wir nicht bewußt werden, wird die Wissenschaft zum Selbstmord werden, zu einem universalen Selbstmord.
Früher oder später wird der Mensch Selbstmord begehen, denn wenn du die Natur mit Gewalt zwingst, wird es Rückwirkungen von ihr geben. Und die Gewalt, die du der Natur zufügst, wird auf dich zurückkommen.
Die Dinge geschehen auf solch eine subtile Art und Weise, dass man sich dessen manchmal nicht bewußt wird. Adolf Hitler zerstörte das Judentum in Deutschland. Er vertrieb Albert Einstein, weil der ein Jude war. Er hätte sich niemals vorstellen können, dass die Ausbürgerung dieses einen Menschen aus Deutschland das Ende seiner ganzen Anstrengung sein würde, das Ende des Faschismus werden würde. Albert Einstein wurde aus Deutschland hinausgeworfen; er suchte und fand in Amerika Asyl, und er schrieb einen Brief an Roosevelt, in dem er vorschlug, dass Atombomben geschaffen werden könnten. Es war Albert Einstein, der für die Herstellung der ersten Atombombe entscheidend war, und genau so eine Atombombe wurde später über Hiroshimal abgeworfen. Und das zerstörte die Faschisten und die Nazis endgültig, und Adolf Hitler, und all seine Träume von einer tausendjährigen Herrschaft über die Welt. Wenn du nun zurückblickst, scheinen die Dinge sehr einfach zu sein. Er warf Albert Einstein hinaus, und er hätte es sich nicht träumen lassen können. dass dieser Hinauswurf von Albert Einstein sein Ende bedeuten würde. Wenn Albert Einstein nicht aus Deutschland vertrieben worden wäre, würde Hitler vielleicht die ganze Welt beherrscht haben. Aber ein Jude, den man aus dem Land ausbürgerte, war in seinen Augen überhaupt nicht signifikant. Dieser Jude wurde ihm zum Verderben: Auf Umwegen kam es so zum Bau der Atombombe.

23.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 15 (15)

von: tao

Beschäftigt

Wie kannst du einen alten Menschen an Weisheit übertreffen?

Weisheit kommt durch Erfahrung;

Wissen kommt nicht durch Erfahrung, sondern durch Lernen.

Du kannst dich damit vollstopfen, und wenn du ein wenig intelligent bist,

intelligenter als der Durchschnitt,

dann kannst du mehr wissen als dein Lehrer.

Du kannst mehr wissen als dein Vater, das ist kein Problem.

Bloß ein wenig Anstrengung deinerseits ist nötig.

Aber Weisheit -- das geht so nicht. Die kommt nach und nach durch das Leben.

Wenn du lebst und wenn du ganzheitlich lebst,

wenn du lebst und wenn du mit Bewußtheit lebst,

nur dann, Tropfen für Tropfen, entsteht Weisheit.

Sie ist ein sehr subtiles Phänomen,

es gibt keinen direkten Weg, sie zu erreichen, nur alte Leute können weise sein.

Das ist der Grund, warum man im Osten weiß:

Immer wenn es jemanden gibt, der weise und jung ist,

dann muss er doch schon alt, ja uralt sein.

22.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (10)

von: tao

Wenn ein Freud schon zu seinen Lebzeiten im Kreis seiner engsten Schüler in Vergessenheit geriet

wie kannst du dich da noch an einen toten Jesus erinnern?

Frag die Hinduisten,

sie haben schon eintausend Interpretationen der Bhagavad Gita.

Und jedes Jahr kommen noch laufend Interpretationen dazu,

neue Interpretationen, und niemand stimmt mit irgendjemand anderem überein.

Shankara sagt, dass ihre Botschaft Entsagung sei,

dass die Botschaft der Gita die des Verzichts. des Nichttuns sei.

Lokmanya Tilak sagt, dass ihre Botschaft die Aktion, das Tun, sei --

genau das Gegenteil.

Und Ramanuja sagt, dass ihre Botschaft die der hingebungsvollen Verehrung sei,

nicht das Handeln und nicht die Entsagung.

Und so geht es ständig weiter:

Eintausend Interpretationen, wobei niemand mit irgendjemand anderem übereinstimmt.

Und wenn du dann die Gita liest

wird das die eintausendunderste Interpretation sein,

dann das wird dann deine Deutung sein. Du wirst dein Denken da mit hineinbringen

und das Denken fühlt sich gestärkt durch Wissen und durch Information.

 

21.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (14)

von: tao

Dem Kind wird gesagt: Sei nicht wütend, schluck den Zorn hinunter.

Das ist nicht gut, du solltest nicht zornig sein.

Aber wer ist das, der diese Dinge voraussetzt?

Gibt es irgendeine Möglichkeit, über die Natur hinauszugehen?

Wer bist du denn?

Man kann höchstens das eine tun -- man kann das Kind dazu zwingen.

Ein Kind ist hilflos,

wenn du es zwingst, wird es dir folgen müssen.

Es ist schwach, es ist abhängig von dir

denn du kannst deine Liebe von ihm abziehen.

Es braucht aber deine Liebe, es wird dir folgen müssen.

Wenn es also Zorn fühlt, wird es dem keinen Ausdruck geben,

nun wird der ganze Ärger in das Blut gehen.

Und weil Zorn und Wut biochemisch ist, wird sein ganzer Körper vergiftet werden.

Als Ausdrucksform war es ein schönes expressives Phänomen;

unterdrückt, ist es eine Krankheit.

Wenn das Kind jetzt lächelt,

wird dieses Lächeln diesen Ärger beinhalten, das Gift;

jetzt ist es im Blut.

20.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (13)

von: tao

Sonstige

Wenn du deine Sexualität unterdrückst, wird dein Denken sexuell, wegen der Unterdrückung

und das Denken sagt: Unterdrücke noch mehr.

Finde neue Methoden, Mittel und Wege, um sie noch mehr unterdrücken zu können

so wird die Keuschheit erblühen. Aber so kann gar nichts blühen.

Durch Unterdrückung macht sich die Sexualität nicht nur im Körper breit,

sie setzt sich im Denken fest, sie wird zerebral.

Dann denkt ein Mensch laufend an das eine, wieder und wieder.

Daher gibt es soviel pornographische Literatur in der Welt.

19.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao 403

von: tao

 

Hast du das gewußt, für einen Löffel Hönig

muss eine Biene fünftausend Blüten aufsuchen --

für einen Löffel voll Honig fünftausend Blüten!

Und für ein Pfund Honig haben Wissenschaftler gerechnet und herausgefunden

müssen Tausende von Kilometern von den Bienen zurückgelegt werden.

So haben wir den Honig des Lebens zu sammeln: Ein Löffel voll Harmonie aus fünftausend Erfahrungen, tausend und abertausende von Erfahrungen...

Und bedenke nur eines dabei;

Wo immer du bist, sei total dort,

sonst wirst du die Blume besuchen

und wirst ohne den Honig zurückkommen.

Das ist das einzige Unglück, das einem Menschen zustoßen kann

und das passiert fast neunundneunzig Prozent aller Leute.

Du bist in solcher Eile -- denk bloß an eine Biene, die sich so hetzt

dass sie zur Blüte fliegt, aber niemals in Kontakt mit ihr kommt

weil sie in solch einer Eile ist, möglichst schnell zur nächsten Blume zu kommen.  

18.05.2008 um 22:59 Uhr

Tao Te King 45 (14)

von: tao

  
Ein ganzheitlicher Mensch ist auch wütend, weil das Niedrigere da ist,
aber das Höhere ist ins Dasein getreten.
Nun überschattet das Höhere das Niedrigere, umringt das Niedrigere,
nun hat das Höhere die Qualität des Niedrigeren verändert.
Ein Christus wird auch zornig, aber seine Wut ist Liebe;
er ist in Wirklichkeit wütend, weil er dich so sehr liebt.
Da fragen sich die Leute oft
warum sie niemals auf irgendeinen Vorfall stoßen
bei dem Buddha oder Mahavir wütend wurden,
aber im Leben von Jesus sind sie auf solche Zwischenfälle gestoßen,
wo er zornig war. War er weniger weit entwickelt als die anderen?
Nein, er war nicht weniger weit entwickelt; tatsächlich war er totaler.
Er war nicht so perfekt wie Mahavir,
aber er war ganzheitlicher als Mahavir
und er liebte dich mehr. Er liebte dich so sehr
dass manchmal die Notwendigkeit entstand, dass er wütend wurde.
Mahavir liebte dich nicht. Er war einfach gewaltlos.

17.05.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 70 (8)

von: tao

Das Leben ist mit einem speziellen Zweck gemacht worden:

dass es zwecklos ist,

dass es nichts ist, das gelöst werden muss

sondern etwas, das gelebt und genossen werden soll.

Du kannst es feiern.

Du kannst es tanzen.

Du kannst es singen.

Da sind Millionen von Möglichkeiten, was du mit dem Leben tun kannst,

aber bitte, versuche niemals, es zu lösen,

sonst hast du einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.

Und dann wirst du niemals in deinem Leben wieder mit dem Leben Schritt halten können.

Wer hat dir nur gesagt, dass dies ein Problem ist -- diese Bäume, dieser Himmel,

die Wolken, der Sand, das Meer -- wer hat dir gesagt

dass das Probleme sind, die gelöst werden müßten?

Aber das Denken braucht eben Herausforderungen.

16.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (19)

von: tao

Ein kleiner Junge

kam ganz durcheinander von der Schule nach Hause.

Seine Mutter fragte ihn: Warum siehst du so durcheinander aus?

Der Junge sagte: Ich bin in einem Dilemma.

Ich denke, meine Lehrerin ist verrückt geworden.

Gestern sagte sie, dass vier plus eins fünf ergibt

und heute erzählte sie mir, drei plus zwei macht fünf.

Sie muss wahnsinnig geworden sein,

denn wenn vier plus eins schon fünf ist,

wie kann dann drei plus zwei fünf sein?

Das Kind kann nicht verstehen

dass fünf das Ergebnis vieler Zusammenstellungen sein kann,

dass es nicht nur ein Arrangement gibt, bei dem fünf als Ergebnis herauskommt.

Es kann Millionen von Rechenaufgaben geben

bei denen dann als Gesamtergebnis fünf herauskommen wird.

15.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (10)

von: tao

 

Lao-tse sagt: Sei nicht ehrgeizig,

denn durch diesen Ehrgeiz wirst du immer minderwertig bleiben.

Sei ehrgeizlos und gelange zu deiner wesenhaften Höherwertigkeit.

Die ist intrinsisch!

Sie muss nicht bewiesen oder errungen werden,

du hast sie schon, du hast sie mitbekommen.

Sie ist schon da --

sie ist immer in dir gewesen und sie wird dir immer bleiben.

Dein Wesen an sich ist höherwertig

aber du weißt gar nicht, was du da für ein Wesen hast.

Du weißt nicht, wer du bist.

Daher soviel Anstrengung, nach deiner Identität zu suchen,

dieses angestrengte Suchen, dieses ständige Beweisen, dass du anderen überlegen bist.

Du weißt doch gar nicht, wer du bist.

14.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (22)

von: tao

Ein kleines Kind bat seinen älteren Bruder um etwas.

Der Kleine war fünf und der Ältere zehn.

Der Junior sagte also zum Senior: Geh doch du zur Mutti

und bitte sie um ihre Erlaubnis, so dass wir ins Kindertheater gehen können.

Der Ältere sagte; Aber warum nicht du? Warum gehst du denn nicht?

Der Jüngere sagte: Du kennst sie doch schon länger als ich.

Das ist das alte Problem.

Du hast auf deine Mutter gehört, weil sie diese Welt schon länger als du gekannt hatte.

Du hörtest auf deinen Vater, weil er diese Welt schon länger als du gekannt hatte.

Aber denkst du wirklich, dass irgendjemand, bloß dadurch, dass er schon lange hier ist,

irgendetwas weiß?

Denkst du, dass Zeit Verständnis verleiht?

Denkst du, dass Alter Weisheit bedeutet?

Dann geh in die Regierungsbüros

und schau dir dort die älteren Leute an.

In einem Regierungsbüro mag Dienstalter Weisheit bedeuten

aber im Leben ist es das nicht.

13.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (14)

von: tao

Die Sonne geht am Morgen auf. Was tust du dann?

Bist du ein Gläubiger oder ein Ungläubiger

oder folgst du dem Pfad der Sonne den ganzen Tag lang

weil du ein Nachfolger bist? Wie auch immer, du würdest überschnappen.

Du genießt es einfach, du nimmst den Morgen in dich auf,

seine Frische, den jungen Tag, das Neue --

mit der Sonne wird alles wieder lebendig.

Du genießt das Leben an sich und wirst lebendiger dadurch.

Du schaust eine Rose an

und etwas von dieser Rose berührt dein Herz.

Da draußen blüht die Rose,

in dir beginnt dein Herz zu erblühen.

Du kommst zu einem Menschen des Tao, einem Dschuang Dsi.

Was tust du dann?

Tu genau das, was du beim Sonnenuntergang oder mit der Rose tun würdest.

Keine Nachfolge ist nötig, kein Unfolgsamsein ist nötig, absorbiere bloß.

12.05.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (12)

von: tao

 

Wenn du zum ersten Mal in die Kirche gehst,

dann gehst du ohne zu wissen, was dich da erwarten wird.

Es ist hypothetisch, ob diese Kirche wirklich irgendetwas beinhaltet,

ob da Gott wohnt oder nicht.

Aber geh jeden Tag da hin, wieder und wieder,

und wiederhole immerzu das Ritual, die Gebete;

und was auch immer der Priester sagt, befolge es in einem fort

Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Du wirst deinen anfänglichen Geisteszustand vergessen

für den all das erst einmal hypothetisch war.

Durch die ständigen Wiederholungen setzt sich die ganze Sache im Denken fest

und du beginnst zu spüren, dass dies das Haus Gottes ist, dass Gott hier zuhause ist,

dies ist der Aufenthaltsort Gottes.

Nun hast du dich in die Welt des Anscheins begeben.

Sonstige