30.06.2008 um 19:37 Uhr
29.06.2008 um 23:59 Uhr
Südliches Blütenland 27/20 (16)
Jesus sagte zu seinen Schülern:
Schaut euch diese Blumen an, diese Lilien auf dem Felde,
so schön in ihrer Herrlichkeit
dass sogar Salomon nicht so schön war.
Und sie planen nicht, und sie denken nicht an die Zukunft,
und sie machen sich keine Sorgen um den nächsten Moment.
Warum sind die Lilien so schön?
Worin besteht ihre Schönheit, wo ist sie verborgen?
Die Lilien existieren hier und jetzt.
Warum ist das menschliche Gesicht so traurig und häßlich?
Weil es niemals hier und jetzt ist.
Es ist immer in der Zukunft, es gleicht einem Gespenst.
Wie kannst du real sein, wenn du nicht hier und jetzt bist?
Du kannst nur ein Geist sein,
wenn du entweder die Vergangenheit besuchst oder dich in die Zukunft begibst.
28.06.2008 um 23:33 Uhr
Tao Te King 67 (10)
Sex ist ausschließlich auf den materiellen Körper beschränkt,
sehr begrenzt.
Liebe ist viel weiter,
aber immer noch auf eine Person begrenzt.
Andacht ist unbegrenzt.
Dann weißt du
dass du von jeder Person aus zum Unendlichen weiter gehen kannst.
Du schaust deinem Kind in die Augen --
und da ist Gott.
Du schaust deiner Geliebten in die Augen,
und plötzlich ist die Geliebte verschwunden,
sie ist nicht mehr da, er ist nicht mehr da --
Gott lächelt dich an.
Du betrachtest die Blüte
und das Ganze ist in sie eingetreten,
Das ist Andacht.
27.06.2008 um 22:30 Uhr
Tao 414
Der Sinn für das Erstaunen ist genau wie eine kleine Welle
und der Sinn für das Mysterium ist ozeanisch, er ist der ganze Ozean.
Die Welle verschwindet, sie legt sich.
Mit dem Sinn für das Staunen bist du noch da.
Wenn der Sinn für das Staunen einsinkt in das Mysterium
dann bist du nicht mehr da,
nur noch ein ozeanisches Gefühl, ein Einssein mit dem Ganzen bleibt.
Das Getrenntsein ist verschwunden.
26.06.2008 um 23:59 Uhr
Südliches Blütenland 13/10 (13)
Wenn es um Schönheit geht, mußt du den Künstler fragen
aber dann wird der nicht über die chemische Zusammensetzung reden,
oder sonst etwas anderes. Er wird dir ein Gedicht geben,
und das wird näher an der Wahrheit sein
als irgendetwas, was ein Wissenschaftler geben kann,
aber es wird nicht objektiv sein.
Als Picasso von einem Freund wegen seiner unrealistischen Malerei kritisiert wurde, hörte Picasso ruhig zu, denn dieser Freund war ein Soldat,
und du kannst von einem Soldaten nicht erwarten,
dass er zuviel Subjektivität versteht -- er lebt in der Welt der Objekte.
Später sprachen sie dann über andere Dinge, und dann zeigte der Soldat
Picasso ein Bild von seiner Freundin, ein kleines Bildchen.
Picasso lachte und dann sagte er: Ist dieses Mädchen so klein?
Das wird aber sehr schwierig sein, mit solch einem kleinen Mädchen Sex zu haben.
Der Soldat sagte: Was sagst du da? Das ist doch bloß ein Bild.
Da sagte Picasso: Ein Bild ist nicht objektiv, es ist symbolisch,
es repräsentiert einfach etwas, deutet es an, zeigt etwas.
Es ist keine Beschreibung, es ist nicht exakt in der Proportionierung;
es ist bloß ein Hinweis, eine Andeutung.
25.06.2008 um 14:29 Uhr
Tao 413
Dies ist der Unterschied zwischen wissenschaftlichem Wissen
und religiösem Erkennen.
Wenn irgendein Einstein
eine wissenschaftliche Wahrheit entdeckt,
einmal entdeckt
ist es für alle entdeckt.
Dann ist es nicht mehr nötig, es immer wieder zu entdecken -- das würde töricht sein!
Dann kann sogar ein kleines Kind in der Schule die Wahrheit lernen
über die Relativitätstheorie.
Aber Lao-tses Wahrheit?
Die taoistische Wahrheit? -- Nein, die kann nicht auf diesem Weg gelernt werden.
Das ist der Grund, warum es keine Möglichkeit gibt für taoistisches Unterrichten.
Erwachen ist möglich, Unterrichten ist nicht möglich.
Und alle großen religiösen Lehrer waren überhaupt keine Lehrer -- sie waren Meister.
24.06.2008 um 18:54 Uhr
Südliches Blütenland 17/11 (12)
Und Politiker haben immer Angst,
weil jeder ihr Feind ist, sogar die Freunde sind Feinde,
und man muss sich selbst vor Freunden schützen
denn auch die versuchen ständig, dich zu demontieren.
Bedenke, niemand ist ein Freund.
In der Politik ist jeder ein Feind.
Freundschaft ist bloß eine Fassade.
Im Taoismus gibt es keinen, der ein Feind ist.
Im Taoismus kann es gar keinen Feind geben;
in der Politik kann es gar keinen Freund geben.
Der Premierminister in dieser Geschichte (s. 20.04.2005) bekam Angst
weil Dschuang Dsi im Kommen war.
Dschuang Dsis Überlegenheit war solcherart, dass der Premierminister
dachte, dass er vielleicht versuchen könnte, Premierminister zu werden.
Das war eine ungemütliche Situation.
Und natürlich war Dschuang Dsi der Überlegene;
nicht überlegen im Vergleich zu irgendjemandem sonst,
er war einfach höherwertig. Das war sein So-Sein.
23.06.2008 um 21:37 Uhr
Tao Te King 71 (12)
Der Orgasmus ist ein kleiner Tod. Es kommt sogar vor, dass Leute dies äußern -- besonders Frauen,
wenn sie tief im Orgasmus sind und ihr ganzer Körper
vibriert
in einem unbekannten Rhythmus,
voll von vitaler Energie,
ein Tanz geworden ist,
dann, so hat man es auf der ganzen Welt festgestellt, äußern Frauen
Worte wie: Ich sterbe jetzt! Töte mich ganz und gar!
In indischen Abhandlungen über Sex
steht geschrieben:
Halte dir niemals einen Papagei oder einen Maina-Vogel in der Liebeskammer,
denn der ist lernfähig,
wenn du Liebe machst und wenn du solche Schreie äußerster Freude von dir gibst
so wie: Ich sterbe!
dann kann der Papagei oder der Maina das aufschnappen und lernen,
und dann kann er das auch von sich geben,
und das kann zu einer peinlichen Angelegenheit werden, wenn Gäste oder andere Leute zugegen sind.
Also halte dir niemals einen Papagei im Liebesgemach.
22.06.2008 um 17:36 Uhr
Südliches Blütenland 20/2 (11)
Das Motto, das für die Akkumulation von Geld gilt
gilt auch für die Anhäufung von Unglück:
Was auch imer morgen getan werden sollte
tu es heute, gleich jetzt, verschiebe es nicht.
Und was auch immer eben jetzt genossen werden könnte,
freue dich niemals gleich jetzt daran, verschiebe es auf morgen.
Dies ist der Weg, in die Hölle zu kommen.
Es klappt immer, das ist noch niemals danebengegangen.
Versuche es und du wirst Erfolg damit haben --
oder, vielleicht bist du ja schon damit erfolgreich.
Du hast es vielleicht schon probiert, ohne es zu wissen.
Schieb alles auf, was genossen werden kann,
denk bloß immer an Morgen.
Das Denken genießt es, zu warten.
21.06.2008 um 18:04 Uhr
Tao Te King 22 (20)
Du lebtest das ganze Leben und dann stirbst du:
nun ist die ganze Energie, die lebendig war, zum Tod geworden, hat sich in den Ozean begeben.
Du wirst wiederkommen, immer wieder,
das ist die Bedeutung des hinduistischen Konzepts der Wiedergeburt.
Der Islam, die Christenheit und die jüdische Religion sind ein wenig ärmer,
weil sie das Konzept der Wiedergeburt nicht haben.
Ihre Vision scheint enger zu sein als die östliche Sichtweise
die den Gesamtzusammenhang im Blick hat -- eine ewige Wiederkehr.
Das ist schön -- dann hast du keine Angst vor dem Tod mehr
weil du wiederkommen wirst, du wirst wiederkommen.
Dann hast du keine Angst vor dem Leben
und dann kümmerst du dich nicht mehr um Logik;
du siehst einfach das Paradox
und du lebst es in seinen entgegengesetzten Dimensionen.
20.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao Te King 22 (19)
Es ist ein Kreislauf.
Das Meerwasser wird sich mit den Sonnenstrahlen in den Himmel hinein erheben,
es wird zu Wolken werden,
die Wolken werden dahinziehen, sie werden zum Monsun werden,
und wieder werden sie auf den Himalaja niederregnen,
wieder auf den Gangotri, wieder auf den Ganges,
und dann fließt der Ganges dahin und mündet wieder in den Ozean hinein.
Viele Millionen Mal ist das schon vorher passiert,
abermillionenmal
wird es sich ständig immer wieder in der Zukunft ereignen.
Das Leben ist eine Wiederkehr, eine ewige Wiederkehr
und alles begibt sich in sein Gegenteil.
Den ganzen Tag arbeitest du und in der Nacht ruhst du aus:
Die Energie, die aktiv war, wird inaktiv,
Aktivität bewegt sich in die Untätigkeit hinein.
19.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao 412
Was du erhofft hast, hat sich nicht ereignet und wird auch nicht passieren.
Sonst gäbe es keinen Bedarf für Religion, Yoga wäre nicht mehr nötig,
kein Bedarf mehr für Taoismus; sonst würde nach und nach
jeder zum richtigen Leben kommen -- aber das geschieht niemals.
Aber die Hoffnung gewinnt ständig die Oberhand über die Erfahrung, und bis zum letzten Ende
hoffst du laufend darauf, dass eines Tages, irgendwie, alles gut werden wird.
Die Hoffnung ist die Basis aller Absurditäten
und die Existenz ist so geschaffen, dass es für Ignoranz und ein schlafendes Denken
keine Hoffnung gibt. Werde achtsam.
Je bewußter du bist,
desto mehr werden dir die Absurditäten als Absurditäten erscheinen.
Wenn sie wie Absurditäten aussehen, wenn du sie endlich als absurd siehst,
hörst du einfach damit auf. Du tust sie dann nicht mehr.
Es ist nicht nötig, auf irgendetwas in der Welt zu verzichten --
man muss bloß bewußt sein
und Dinge, die nutzlos, sinnlos sind,
fallen von selbst weg, aus freien Stücken.
18.06.2008 um 23:59 Uhr
Südliches Blütenland 26/10 (13)
Warum besteht jede Religion darauf
schon möglichst kleine Kinder zu unterrichten?
Weil es sehr schwierig ist, haben sie erst einmal die Kindheit verpaßt, die Leute zu idiotischen Sachen zu bekehren, das ist sehr schwierig.
Die Psychologen sagen, dass jeder schon vor dem Alter von sieben Jahren eingefangen werden sollte.
Das Kind kann konditioniert werden, ein Christ zu sein,
ein Mohammedaner, ein Hindu oder sonst was,
ein Kommunist, ein Theist oder ein Atheist,
das macht keinen Unterschied --
aber greif dir das Kind schon, bevor es sieben Jahre alt ist.
17.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao Te King 47 (21)
Hast du Gott in dir gefunden, dann kannst du ihn überall sehen.
Dann wirst du ihn in einer Rose sehen -- die Rose wird der Spiegel werden
und du wirst Gott sehen.
Dann singt ein Vogel am Morgen,
und plötzlich nimmt der Ton einen Duft, einen Geschmack an
der noch nie da war --
du hast ihn beigesteuert,
es wird göttlich.
Wird Gott erst einmal im Inneren entdeckt, wird alles göttlich.
Wenn du ihn nicht in dir entdeckt hast
und du ständig fragst: Wo ist Gott?
und du immerzu nach seiner Adresse fragst,
wirst du ihn nie erreichen.
Und alle Adressen sind falsch
denn er lebt in dir, er braucht keine Adresse.
16.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao Te King 63 (6)
Wie kannst du Gott lieben?
Wie kannst du beten?
Denn Gebet kommt aus großer Dankbarkeit;
Andacht kommt aus Dankbarkeit.
Ein gut gelebtes Leben
wird ein andächtiges Leben.
Das hat nichts mit Kirchen, Tempeln und Moscheen zu tun,
es hat etwas mit der Qualität deines Lebens zu tun.
Ein wohl gelebtes Leben, von Moment zu Moment,
bewußt, wach,
nicht aufgeschoben,
wird ein andächtiges Leben;
und Andacht wandelt sich nach und nach zur Meditation.
Dann betest du nicht einmal,
denn die Worte stören nur.
Dann wird dein Gebet ganz still.
Wenn das Gebet schweigt, dann ist es Meditation.
15.06.2008 um 23:59 Uhr
Südliches Blütenland 6/4 (23)
Und bedenke, du kannst eine Frage auf zweierlei Weise stellen.
Manchmal wirfst du eine Frage auf
nur weil du eine Antwort liefern mußt
und die Antwort ist schon da --
also stellst du die Frage bloß, um sie zu beantworten.
Dann ist diese Frage nicht wirklich, sie ist falsch.
Die Antwort ist doch schon da,
die Frage ist bloß ein Trick, nur rhetorisch.
Sie ist nicht real, authentisch.
Die Frage ist authentisch, wenn in dir noch keine Antwort ist.
Wenn du fragst, aber du stellst die Frage nicht von deiner Antwort her,
wenn du fragst, um einfach da hinzuschauen.
Die Frage läßt dich leer zurück, einfach bloß offen, einladend, wissen wollend.
14.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao 411
Wie schön auch immer ein Garten vom Menschen gepflanzt worden ist,
der Mensch ist dort zu offensichtlich,
die Hand des Menschen ist dort zu offenkundig.
Alles ist geplant, gestutzt, gepflanzt vom Menschen --
die Symmetrie und alles andere.
Aber in einem Urwald hast du keinerlei Symmetrie,
du siehst dort keine Logik.
Wenn Gott der Gärtner ist, muss er verrückt sein.
Warum läßt er solch einen Wald wachsen?
Buddha ist wie ein Garten, ein königlicher Palastgarten;
Lao-tse ist wie ein Urwald. Du kannst in ihm verloren gehen.
Du wirst Furcht empfinden, und Gefahr wird bei jedem Schritt auf dich lauern,
und jeder Schatten wird dich zu Tode erschrecken.
Das ist der Grund, warum Konfuzius sagte: Komm nicht in seine Nähe.
Keiner kennt seine Wege:
Entweder ist er verrückt oder er ist der weiseste Mensch.
Aber niemand weiß, wer er ist.
13.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao 410
Iß aus Spaß am Essen, dann bist du ein Mensch, menschlich, ein höheres Wesen. Liebe aus Spaß an der Liebe, dann bist du Mensch, ein höheres Wesen. Lies aus Spaß am Lesen und du wirst befreit werden aus der Einschränkung durch die Instinkte.
Der Taoismus ist nicht gegen Glücklichsein, er ist ganz und gar dafür. Taoismus ist Hedonismus, und all die großen spirituellen Leute in aller Welt sind immer Hedonisten gewesen. Wenn jemand kein Hedonist ist und vorgibt, ein spiritueller Mensch zu sein, dann ist er das nicht -- dann ist er ein Psychopath. Weil Glücklichsein das eigentliche Ziel ist, die eigentliche Quelle, das eigentliche Ziel aller Dinge. Gott ist durch dich auf der Suche nach dem Glück, in Millionen von Formen. Gewähre ihm all das Glück, das möglich ist und hilf ihm, zu höheren Gipfeln zu kommen, zu höheren Bereichen, des Glücklichseins. Dann bist du religiös, und dann werden deine Tempel Festplätze werden und deine Kirchen werden nicht so traurig und häßlich sein, so trist, so tot, wie Friedhöfe. Dann wird da Lachen sein und da wird Singen und Tanzen sein und man wird sich großartig amüsieren und freuen.
Die Religion hat sehr viel gelitten unter und wegen diesen Leuten, die Selbstquälerei gelehrt haben. Die Religion muss befreit werden von all diesem Unsinn. Ein großer Mist ist da der Religion angehängt worden. Die essentielle Religion ist nichts als Freude. Was auch immer die also Freude schenkt, ist tugendhaft; was auch immer dich traurig macht, unglücklich, elend, ist eine Sünde. Laß dies das Kriterium sein.
Und der Taoismus gibt dir keine rigiden Regeln, weil er weiß, wie das menschliche Denken funktioniert. Wird erst einmal eine rigide Regel gegeben, dann vergißt du die Bewußtheit und du beginnst, der starren Regel zu folgen. Es geht nicht um starre Regeln -- dann könntest du der Regel folgen und du würdest niemals wachsen.
Benny kam nachhause und fand in der Küche ein Durcheinander von zerbrochenem Geschirr vor. "Was ist passiert?" fragte er seine Frau. "Da stimmt was nicht mit diesem Kochbuch", erklärte sie ihm. "Da steht, dass man als Meßbecher eine alte Tasse ohne einen Henkel nehmen kann -- und ich habe elf Versuche gebraucht, um den Henkel abzuschlagen, ohne dass mir die Tasse dabei zerbricht."
Ja, wenn es so im Kochbuch steht, dann muss es genau so getan werden. Das menschliche Denken ist töricht -- bedenke das. Hast du erst einmal feste Regeln, dann folgst du ihnen auch.
"
12.06.2008 um 23:59 Uhr
Tao 409
Ich möchte dich gerne diese schöne Geschichte lesen lassen. Möge sie helfen. Die Geschichte heißt: "Die Tierschule".
Die Tiere im Wald kamen eines Tages zusammen und beschlossen, eine Schule zu gründen. Das Leitungskollegium wurde von einem Kaninchen, einem Vogel, einem Eichhörnchen, einem Fisch und einem Aal gebildet. Das Kaninchen bestand,darauf, dass Rennen zum Lehrplan gehören sollte. Der Vogel bestand darauf, dass Fliegen im Lehrplan enthalten sei. Der Fisch bestand darauf, dass Schwimmen Teil des Lehrplans sei, der Aal setzte sich für das Eingraben in den Boden ein und das Eichhörnchen sagte, dass Senkrecht-den-Baum-Hinaufklettern absolut notwendig für das Kurrikulum sei. Sie stellten all diese Dinge zusammen und schrieben einen Studienplanführer. Dann bestanden sie darauf, dass alle Tiere all diese Fächer dieses Bildungsplans zu belegen hätten.
Obwohl das Kaninchen eine Eins im Rennen bekam, war das Senkrecht-den-Baum-Hinaufklettern ein wirkliches Problem für es. Ständig fiel es nach hintenüber auf den Rücken. Es dauerte gar nicht lange, da war es wohl zu oft auf den Kopf gefallen, jedenfalls konnte es nicht einmal mehr rennen. Nun mußte es sich damit abfinden, dass es statt einer Eins nur noch eine Drei im Rennen erreichte, und natürlich bekam es im Senkrecht-den-Baum-Hinaufklettern immer eine Sechs. Der Vogel war wirklich schön anzusehen, wie er da flog, aber wenn es dann ans Einbuddeln in den Boden ging, konnte er das nicht so gut bewerkstelligen. Er brach sich ständig seinen Schnabel und die Flügel. Schon bald schaffte er nur noch eine Drei im Fliegen, genauso wie im Eingraben in den Boden, und hatte seine liebe Not mit dem Senkrecht-den-Baum-Hinaufklettern.
Die Moral der Geschichte ist, dass das Tier, das als Klassenbester seinen Abschluß machte, ein geistig zurückgebliebener Aal war, der alles so halbwegs hinbekam. Aber die Ausbilder waren alle glücklich, weil jeder alle Fächer zu absolvieren hatte, und das wurde dann eine "breitgefächerte Erziehung" genannt.
Wir lachen darüber, aber das ist ein Gleichnis für uns. Das ist das, was du getan hast. Wir versuchen wirklich, jeden jedem anderen gleich zu machen, und zerstören so jedermanns Potential, er selbst zu sein.
Die Intelligenz stirbt bei der Imitation anderer. Wenn du intelligent bleiben willst, wirst du das Nachmachen sein lassen müssen. Die Intelligenz begeht Selbstmord, wenn sie andere abkopiert, wenn sie sich zum Kopierpapier macht. In dem Moment, in dem du daran zu denken beginnst, wie du wie jemand anderes sein könntest, fällst du schon in deiner Intelligenz, du bist dabei, stupide zu werden. In dem Moment, in dem du dich mit jemand anderem vergleichst, bist du schon dabei, dein natürliches Potential zu verlieren. Nun wirst du niemals mehr glücklich sein, und du wirst niemals mehr sauber, klar und transparent sein. Du wirst deine Klarheit verlieren, du wirst deine Vision verlieren. Du wirst mit fremden Augen schauen; aber wie kannst du durch die Augen von jemand anderem sehen? Du brauchst deine eigenen Augen, du brauchst deine eigenen Beine zum Gehen, dein eigenes Herz, damit es schlägt.
11.06.2008 um 23:59 Uhr
Südliches Blütenland 17/10 (15)
Und du hast so viel unterdrückt
dass immer, wenn du lächeln möchtest, dich etwas zurückhält,
etwas hat Angst vor jedwedem Sich-Gehenlassen,
denn ein Lächeln ist schon ein Loslassen.
Die ewige Schönheit ist hier und jetzt, nicht erst im Himmel.


