Taoistische Reflektionen

31.08.2008 um 18:01 Uhr

Tao 430

von: tao

Die Meister versuchten, Hilfsmittel zu kreieren, mittels derer du erwachst.
Sie versuchten nicht, dir irgendeine Information zu geben.
Buddha entdeckte seine Wahrheit.
Diese Wahrheit verschwindet mit Buddha.
Nichts ist davon übrig geblieben.
Nur Worte in der Luft.
Diese Worte kannst du sammeln,
du kannst sehr  bewandert werden, ein großer Schriftgelehrter, ein großer Gelehrter. Aber wenn Jesus sagte: Wahrheit macht frei, meinte er damit nicht, dass Gelehrsamkeit befreit.
Wahrheit muss individuell sein.
Sie muss grundsätzlich dein eigene sein,
nur dann zerschneidet sie den Knoten, sonst nicht.
Vielleicht verwirrt es dich,
wenn ich laufend hier schreibe.
Denn indem ich hier schreibe
gebe ich dir nicht wirklich irgendeine Information,
Tatsächlich erschaffe ich damit bloß eine Hilfestellung für dich
so dass du mittels dieser Anregung, in dieser Situation,
achtsamer werden kannst.

30.08.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (25)

von: tao

Eine einzige Liebe kann dir Weisheit bringen, wenn du Qualität in sie hineinbringst.
Diese Qualität muss durch dich hineingebracht werden.

Was ist diese Qualität? Diese Qualität ist Bewußtheit.

Wenn du ein einziges Mal mit einer einzigen Frau Liebe machst,

mit deinem totalen Wesen, voll bewußt,

bist du zu der Erkenntnis gekommen, was Liebe ist.

Ansonsten kannst du damit immer weiter und weiter machen, es wird eine Wiederholung.

Und dann brauchst du gar nichts zu tun,

das Rad wiederholt sich von selbst, es wird automatisch.

Weisheit ist etwas, was sich ereignet

wenn du in irgendeine Erfahrung Bewußtheit hineinbringst.

29.08.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 1 (28)

von: tao

Das ist eine Sufi-Geschichte:
 Ein Meister war auf einer Reise,
und er kam mit seinen Schülern zu einer Gaststätte, um dort die Nacht zu verbringen. Der Gastwirt erzählte ihm dass er zwei Frauen habe,
die eine schön, die andere häßlich.
"Aber das Problem ist", sagte der Gastwirt,
"dass ich die Häßliche liebe und die Schöne hasse."
Der Meister fragte: Was ist da los? Was hat das für einen Grund?
Der Mann sagte: Die Schöne ist sich zu sehr ihrer Schönheit bewußt
das macht sie häßlich...
Wenn du dir zu sehr deiner Schönheit bewußt bist
wirst du sicherlich häßlich werden.
...und die andere ist sich ihrer Häßlichkeit zu sehr bewußt.
Das macht sie schön.
Diejenige, die schön war, dachte kontinuierlich
daran, dass sie schön ist -- sie war arrogant geworden und sehr stolz.
Wie kannst du mit Arroganz schön sein? Arroganz ist Häßlichkeit.
Sie war sehr egoistisch geworden. Und bist du jemals irgendeinem
Ego begegnet, das schön ist? Wie kann das Ego schön sein?
Die andere, die häßlich und sich ihrer Häßlichkeit bewußt war,
war bescheiden geworden, und Bescheidenheit hat eine eigene Schönheit.
Bescheidenheit, ohne irgendeinen Stolz, ohne irgendein Ego, erzeugt Schönheit. Also sagte der Mann: Ich bin ganz durcheinander.
Ich liebe die Häßliche und ich hasse die Schöne.
Und ich bitte dich, das Rätsel zu lösen.
Was geht da vor sich? Warum geschieht das so?
Der Meister rief all seine Schüler zusammen und sagte:
Kommt ihr auch her, denn dies ist wirklich etwas, das verstanden werden muss.
Und dann sagte er exakt das, was Lao-tse hier im ersten Kapitel auch sagt.
Er sagte also auch zu seinen Schülern: Seid nicht stolz darauf, dass ihr etwas wißt. Wenn du weißt, dass du etwas weißt, bist du ignorant.
Wenn du weißt, dass du nichts weißt, bist du weise.
Ein absolut einfacher Mensch weiss keines von beiden,
ob er etwas weiss oder ob er nichts weiß.
Er lebt komplett unselbstbewußt.
Jetzt will ich die Geschichte noch ein wenig verlängern.
Sie hört hier auf. So wie die Sufis sie erzählten, hört sie hier auf,
aber ich würde ihr gerne noch eine tiefere Wendung geben.
Ich erzähle sie also so weiter, dass nach dem Besuch dieses Meisters,
auch ein Mensch des Tao die Gaststätte besuchte, natürlich viele Jahre später.
Und der Mann, der Gastwirt, kam zu ihm und sagte:
Das ist mir ein Rätsel. Einst besuchte mich ein Sufi-Meister
und ich legte ihm dieses Problem vor und er löste es.
Aber seitdem hat sich alles umgekehrt.
Die häßliche Frau ist auf ihre Bescheidenheit stolz geworden,
und nun liebe ich sie nicht mehr. Nicht nur ihr Körper ist häßlich,
jetzt ist ihr Sein, ihr ganzes Wesen, häßlich geworden.
Und die schöne Frau,
die nun wußte, dass das Bewußtsein, dass sie schön ist
ihre Schönheit zerstörte, hat dieses Bewußtsein aufgegeben.
Jetzt liebe ich sie. Nicht nur ihr Körper ist schön,
ihr Wesen ist genauso schön geworden.
Also sagte er zum Menschen des Tao: Jetzt sag du mir, was los ist.
Aber der Mensch des Tao sagte zu ihm: Bitte sag kein Wort mehr. Wenn ich etwas sage, dann wird die Geschichte wieder eine neue Wendung nehmen. Halt also bitte deinen Mund, und bleib ganz still!

28.08.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (15)

von: tao

Wenn Jesus über das Königreich Gottes redet,

dann gibt es das nicht in der objektiven Welt,

du hast also gar nichts, was du damit in Beziehung setzen könntest.

Kunst repräsentiert das Objektive:

Das Symbol ist schwierig, aber du kannst immer noch etwas finden

das in der Welt damit korrespondiert.

Taoismus symbolisiert das Subjektive,

du kannst nichts dergleichen in der Welt finden.

Bevor du nicht selbst nach innen gehst

wirst du nicht imstande sein, die Bedeutung, seine Signifikanz zu finden.

Dann wirst du das Wort mit dir herumtragen, und das Wort ist nicht die Realität.

Dann magst du das Wort "Tao" wiederholen

und du weißt gar nichts über das Tao.

Das ist mehr wie eine Kunst, und sogar noch mehr wie ein Kunsthandwerk.

 

27.08.2008 um 23:59 Uhr

Tao 429

von: tao


Es gibt viel Leiden,
es gibt viel Schmerz.
Und wegen des Schmerzes und des Leidens
wollen die Leute dumm leben --
es muss verstanden werden
warum soviele Leute darauf bestehen, dass sie in einer Hypnose leben sollten;
warum Buddhas und Christusse den Leuten laufend erzählen, wach zu sein,
und niemand hört auf sie.
Es muss irgendeine tiefgehende Verstrickung in die Hypnose geben,
es muss irgendeine große Investition geben.
Was ist da alles darin investiert?
Der Mechanismus muss verstanden werden,
sonst wirst du das hier lesen und du wirst niemals bewußt werden.
Du wirst es lesen und du wirst es zu einem Teil deines Wissens machen
wie etwa: Ja, hier steht: Sei bewußt und es ist gut, bewußt zu sein.
Und diejenigen, die Bewußtheit erlangen, die reifen heran...
Aber du selbst wirst es nicht erreichen,
es wird ein Wissen bleiben.
Du magst dein Wissen anderen vermitteln,
aber niemandem wird auf diese Weise geholfen werden.
Warum? Hast du dir jemals diese Frage gestellt?
Warum erreichst du diese Bewußtheit nicht?
Wenn sie zu der unbegrenzten Glückseligkeit führt,
zur Errungenschaft des Satchitananda,
zur absoluten Wahrheit -- warum dann nicht bewußt sein?
Warum bestehst du darauf, schläfrig zu bleiben?
Da gibt es eine bestimmte Investition -- und das ist der Handel:
Wenn du bewußt wirst, dann leidest du.
Wenn du bewußt wirst, dann wird dir der Schmerz bewußt,
und der Schmerz ist so groß
dass du lieber ein Beruhigungsmittel nimmst und weiterschläfst.

26.08.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (16)

von: tao

Es gibt Leute, die wegrennen, in die Berge --
schaut man sie sich genauer an, sind es die perfekten Familienmenschen. Vollkommene Haushaltsvorstände. Sie haben zuviel gemacht, sie haben es übertrieben; und wenn du etwas übertreibst, wird das andere Extrem zwangsläufig in die Existenz treten. Das rächt sich. Ein Mann, der zu sehr in der Welt war
und bloß Reichtümer ansammelt, Geld, ein dickes Bankkonto,
der fühlt sich plötzlich frustriert.
Erst lachte er zuviel, dann fließen die Tränen. Also läuft er weg.
Er gibt auf, in Indien wird er ein Sannyasin und geht in den Himalaja,
zieht dort in irgendwelche Höhlen. Was ist mit diesem Mann passiert? Denkst du, das ist eine Revolution? Es ist nichts davon.
Das ist bloß ein natürliches Phänomen, eben ein Naturphänomen.
Er war zu sehr in der Welt,
nun ist er genau zum Gegenteil geworden.
Und dann wird er vierundzwanzig Stunden lang versuchen, ein Sannyasin zu sein -- jetzt wieder die gleiche Torheit.
Eines Tages wird er wieder auf den Martkplatz kommen müssen.
Vierundzwanzig Stunden lang bemühte er sich, für seine Familie da zu sein -- und das konnte er nicht;
und dann versucht er wieder die gleiche dumme Masche,
und versucht nun, vierundzwanzig Stunden lang ein Sannyasin, ein Mönch zu sein.
Fröhlich
 

25.08.2008 um 23:59 Uhr

Tao 428

von: tao

Gott ist die einzige Möglichkeit, nichts sonst ist möglich. Gott ist nicht unmöglich. Er ist genau vor dir, er ist nicht verborgen. Er hält dir deine Hand, er sitzt an deiner Seite. Er ist in deinem Kind, in deiner Frau, in deinem Mann. Er ist in deinem Freund und er ist in deinem Feind. Er umringt dich von überall: Du existierst in dem Ozean Gottes. Aber dann ist das dem Egoisten zu fade. Er sagt: "Was hat das dann für einen Sinn?" Der Egoist möchte zum Mond fliegen, weil das unmöglich ist. Der Egoist möchte zum Mt.Everest gehen, weil es unmöglich ist.
Als jemand Edmund Hillary fragte: "Warum? Warum hast du überhaupt ein Interesse daran bekommen, den Mt. Everest zu besteigen? Und was hatte es für einen Sinn? Es gab nichts zu gewinnen."
Edmund Hillary sagte: "Ich mußte dorthin gehen, der Mensch mußte ihn bezwingen."
"Aber warum?" fragte der Interviewer.
Hillary sagte: "Warum? -- weil er da ist, er steht da so abgehoben, so unmöglich zu erreichen. Der Mensch mußte ihn erobern, aus keinem anderen Grund...bloß weil es eine großartige Herausforderung ist."
Gott ist weit weg in den Himmeln -- dann ist das Ego erregt, dann ist da ein Abenteuer. Wenn es dann hört: Er ist ganz in der Nähe -- dann hat das Ego kein Interesse mehr daran. Bedenke diesen Egotrip.   Verrückt

24.08.2008 um 17:30 Uhr

Tao Te King 56 (11)

von: tao

Ein Zen-Meister lag im Sterben und es ereignete sich folgendes:
Er rief seinen Lieblingsschüler
und sagte: Nun ist der Moment gekommen,
und ich muss dir die Schrift übergeben,
die ich schon lange mit mir herumgetragen habe;
sie wurde mir von meinem Meister gegeben, als er starb;
und nun werde ich sterben.
Er zog ein Buch heraus,
ein Buch, das er unter seinem Kissen verborgen hatte.
Jeder wußte davon
aber niemandem war es erlaubt worden, einen Blick hineinzuwerfen.
Er hatte ein großes Geheimnis daraus gemacht.
Wenn er in das Badezimmer ging, dann nahm er das Buch dorthin mit,
niemandem war jemals gestattet worden, in es hineinzuschauen;
und natürlich war jeder neugierig, ungeheuer neugierig.
Nun hatte er also diesen Schüler zu sich gerufen und sagte:
Der letzte Moment ist gekommen und ich muss dir nun die Schrift übergeben, die mir von meinem Meister gegeben worden war.
Behalte sie! Bewahre sie auf
so sorgfältig wie möglich -- schütze sie
so dass sie nicht zerstört werden kann.
Sie ist ein wertvoller Schatz.
Einmal verloren -- verloren für Jahrhunderte.
Der Schüler lachte
und sagte: Aber was auch immer erreicht werden kann
das habe ich ohne diese Schrift erreicht, wofür ist sie also nötig? Du kannst sie mit dir nehmen.
Der Meister bestand aber darauf.
Der Schüler sagte: In Ordnung,
wenn du darauf bestehst, dann ist das in Ordnung.
Das Buch wurde ihm übergeben -- es war ein Winterabend, sehr kalt,
und im Raum brannte ein offenes Feuer --
der Schüler nahm das Buch und ohne es anzuschauen
warf er es in das Feuer hinein.
Der Meister sprang auf und sagte: Was tust du denn da!
Und der Schüler rief sogar noch lauter:
Was sagst du denn da! Ich soll eine Schrift aufbewahren?
Der Meister begann zu lachen, er sagte:
Du hast die Prüfung bestanden.
Hättest du sie aufgehoben, wärest du durchgefallen!
Und es steht nichts in ihr drin, um dir die Wahrheit zu sagen,
sie ist völlig leer.
Und das alles nur dafür, um zu sehen
ob du fähig geworden bist, das Schweigen zu verstehen,
oder ob du immer noch tief in dir an Worten hängst,
an Konzepten, Theorien und Philosophien.

23.08.2008 um 22:58 Uhr

Tao Te King 71 (15)

von: tao

Dem Mann ist bewußt geworden
 dass, wenn er sich wirklich tief in den Orgasmus hineinbegibt
ihm das eine sehr, sehr erschütternde Erfahrung gibt,
tief erschütternd, schockierend; es ist ein Tod.
Er wird niemals mehr derselbe sein.
Also hat der Mann einen lokalen Orgasmus erlernt,
bloß an den Genitalien, sein ganzer Körper ist nicht involviert.
Und die Frauen hatten seit Jahrhunderten komplett vergessen, dass sie einen Orgasmus haben können.
Es ist erst gerade mal fünfzig Jahre her
dass wir das wiederentdeckt haben
dass die Frau orgasmusfähig ist; nicht nur für einen Orgasmus,
sondern sie hat die Kapazität für einen multiplen Orgasmus;
dass sie potenter ist als der Mann,
und sich tiefer als der Mann in den Orgasmus hineinbegeben kann --
kein Mann kann mit einer Frau mithalten.
Aber das ist seit Jahrhunderten unterdrückt und verborgen worden.
Im Osten
haben die Frauen komplett vergessen, was Orgasmus ist.
Wenn man mit einer indischen Frau redet
und das Wort "Orgasmus" benutzt,
kann sie das nicht verstehen -- Was meinst du damit? Unmöglich!
Ihr ist noch beigebracht worden
dass es nur der Mann ist, der den Sex genießt, nicht die Frau;
dass es nicht damenhaft ist, das zu genießen.
Warum diese Unterdrückung?
Und warum ist überall auf der Welt der Sex so tiefgehend unterdrückt worden?
Der Sex hat Ähnlichkeiten mit dem Tod, das ist der Grund.
Und alle Kulturen unterdrücken zwei Dinge: Sex und Tod.
Und die sind sich so ähnlich
dass du fast sagen kannst, dass sie zwei Aspekte derselben Münze sind.
Und das müssen sie sein,
denn es geschieht durch den Sex, dass das Leben geboren wird;
es muss auch durch den Sex geschehen, dass das Leben wieder verschwindet.

22.08.2008 um 23:03 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (17)

von: tao

Wie kann das Ego furchtlos sein? Warum ist das unmöglich?
Es  kann nicht ewig sein, es kann nicht unsterblich sein,
der Tod wird sich zwangsläufig ereignen.
Das Ego wird wieder verschwinden.
Und wenn der Tod auf dich wartet, als eine Gewißheit, wie kannst du da furchtlos sein?
Manchmal springst du vielleicht über deinen Schatten, das ist alles.
Aber mit dem Ego kann es keine Furchtlosigkeit geben.
Bedenke also drei Worte: Das eine ist "Feigling",
das andere ist "mutig", und das dritte ist "Furchtlosigkeit".
Feigheit ist Teil des Ego, der tiefere Teil, die wirkliche Sache,
und Mut ist, dreimal über den eigenen Schatten zu springen.
Er ist auch Teil der Feigheit, aber verborgen, dekoriert.
Er ist eine Wunde, mit Blüten bedeckt, eine Wunde unter Blumen verborgen.
Tapferkeit ist nichts als Feigheit, dekoriert und verfeinert;
in jedem mutigen Menschen wirst du einen Feigling finden.
Sogar eure Napoleons, Hitlers und Alexanders sind Feiglinge.
Ihre Tapferkeit ist nichts, als dreimal über den eigenen Schatten zu springen --
innen wirst du den gleichen zitternden Feigling vorfinden.
Bloß um diesen Feigling zu verbergen, projizierst du Mut auf ihn --
Tapferkeit ist ein Trick.
Und nun wissen auch die Psychologen darüber Bescheid.
Der Taoismus ist sich schon immer darüber bewußt gewesen, dass du, wenn du etwas verbergen willst, das Entgegengesetzte darauf projizierst. Wenn du ein Narr bist,
wirst du versuchen, etwas Weisheit um dich herum aufzubauen, um diese Tatsache zu verstecken.


21.08.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (16)

von: tao

Ein falscher Meister gibt dir immer eine Landkarte:
 Dies ist der Plan. Weiche nicht davon ab, folge diesem Plan.
Er gibt dir niemals das Licht des Erkennens.
Wenn du dieses Licht hast, dann brauchst du keinen Plan,
du wirst deinen Weg finden.
Und jeder wird einen anderen Pfad gehen
weil jeder verschiedenartig ist.
Lass diese Erkenntnis tief in dein Herz hineinsinken:
Es gibt keine zwei Personen, die sich ähnlich sind, das können sie nicht sein.
Die Existenz wiederholt sich nicht, die Existenz hat sich noch nicht erschöpft,
die Existenz erblüht ständig in neuen Einzigartigkeiten.
Jeder ist außergewöhnlich.
Nicht nötig, dies zu beweisen.
Wenn du das beweisen möchtest, wirst du dich zum Affen machen, nicht zu einem Menschen. Hör mit dem Kopieren auf. Es ist leicht, etwas nachzumachen, es ist schwierig, es zu verstehen. Das ist der Grund, warum man nachahmt, denn das ist so leicht --
man muss bloß einer Regel folgen.
Du brauchst keinerlei Verständnis diesbezüglich zu haben:
Eine eindeutige Vorschrift wird dir gegeben und du befolgst sie.
 

20.08.2008 um 22:59 Uhr

Tao Te King 76 (7)

von: tao

Fröhlich 

Du bist ein Individuum geworden,

du bist nicht mehr Teil des Brahma,

des expandierenden Universums, der uendlichen Weite.

Nein, du bist kein Teil mehr davon,

du mußt wie ein Geizhals

von deiner Vergangenheitsnahrung leben,

das ist der Grund, warum das Denken ständig an die Vergangenheit denkt.

Und du mußt dich selbst irgendwie zusammenreißen

um kampfbereit zu sein --

das ist der Grund, warum du laufend über die Zukunft nachdenkst:

Die Zukunft gibt dir Hoffnung,

die Vergangenheit gibt dir Nahrung,

und genau zwischen den beiden

ist Ewigkeit, das eigentliche Leben,

das du soeben verpaßt.

19.08.2008 um 23:43 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (15)

von: tao

Mulla Nasrudins Frau war krank und sie war operiert worden.

Vor wenigen Tagen war sie zurück nach Hause vom Krankenhaus gekommen,

also wurde Mulla Nasrudin gefragt: Wie geht es deiner Frau?

Hat sie sich schon von der Operation erholt?

Er sagte: Nein, sie redet immer noch darüber.

Wenn du immer noch über etwas nachdenkst,

über etwas redest, dann ist es noch da.

Und jetzt ist es gefährlicher, denn der Körper wird sich erholen,

aber das Denken kann immer weitermachen. in einem fort -- ad infinitum.

Der Körper mag sich erholen, aber das Denken wird sich niemals erholen.

Wenn du beispielsweise den Hunger im Körper unterdrückst, dann geht er ins Denken.

Das Problem ist nicht hinausgeworfen worden, es ist hineingedrückt worden.

Unterdrücke irgendetwas und es geht an die Wurzeln.

Dann wird das Denken dir sagen: Wenn du noch keinen Erfolg hast,

dann läuft etwas schief, du strengst dich eben noch nicht genügend an.

Streng dich noch mehr an.

18.08.2008 um 17:38 Uhr

Tao 427

von: tao

Bleibe beim Staunen. Das ist schön.
Bleibe dabei, mach es zu deinem ständigen Gefährten.
Du kannst keinen besseren Freund in der Welt finden,
es gibt keinen großartigeren Führer, den du finden könntest -- das Staunen führt zum Mysterium.
Das Staunen ist die Türe zum Mysterium
und das Mysterium führt dich
zum Grenzenlosen, zum Göttlichen, zu Tao -- oder wie du es nennst.
Aber fang nicht gleich das Denken an.
Es ist mühsam, aber es ist zu machen --
jeder Mensch des Tao hat es getan.
Es ist mühsam, es ist fast unmöglich --
du strengst dich an
und immer wieder stellen sich die Fragen ein und du vergißt es wieder.
Und du schläfst so fest
dass es sehr schwierig ist, sich an eine bestimmte Sache zu erinnern..

17.08.2008 um 15:57 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (24)

von: tao

 

Daran sollte man als

erstes denken --

an die Unterscheidung, an

das eindeutige

Auseinanderhalten von

Wunsch und Bedürfnis.

Und akzeptiere die

Bedürfnisse, nichts ist

verkehrt an ihnen,

aber gib die Wünsche auf

-- an ihnen ist alles falsch,

denn sie gestatten dir

nicht, hier und jetzt zu

sein.

16.08.2008 um 18:25 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (22)

von: tao

 

Überall auf der ganzen Welt haben denkende Leute ein Problem --

das Leben hat keinen Sinn; das Leben scheint bedeutungslos zu sein.

Frage Sartre, Marcel, Jaspers, Heidegger,

sie sagen: Das Leben ist sinnlos.

Warum ist das Leben so bedeutungslos geworden? Das war doch früher nicht so gewesen.

Buddha sagte das nie; Krischna konnte tanzen, singen und sich amüsieren; Mohammed konnte beten und Gott danken für den Segen, den er als Leben auf ihn regnen ließ.

Dschuang Dsi ist glücklich, so glücklich, wie ein Mensch sein kann.

Die sagten nie, dass das Leben sinnlos ist. Was ist mit dem modernen Denken passiert?

Warum scheint das Leben so bedeutungslos zu sein?

15.08.2008 um 23:28 Uhr

Südliches Blütenland 1 (16)

von: tao


Wenn eine Person realisiert, dass sie niemand ist

erkennt sie damit auch, dass sie alles ist.

Du bist nicht jemand, weil du alles bist.

Wie kann das Alles jemand sein? Jemand ist immer ein Teil.

Gott kann nicht jemand sein, denn er ist alles,

er kann nichts besitzen, denn er ist das Ganze.

Nur Bettler besitzen etwas,

denn Besitztümer haben Beschränkungen,

sie können nicht unbegrenzt sein.

Jemand zu sein hat eine Grenze,

jemand zu sein kann nicht grenzenlos sein,

es kann nicht unbegrenzt sein.

Niemand zu sein ist unbegrenzt, genau wie Alles zu sein.

In Wirklichkeit sind beide Wege das gleiche.

14.08.2008 um 15:50 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (13)

von: tao

Seit Jahrhunderten hatten die Juden an den Messias gedacht und sein Kommen aufgeschoben

und dann zerstörte plötzlich dieser Mann, Jesus, alle Hoffnung,

weil er sagte: Ich bin hier.

Das jüdische Denken war verstört.

Sie mußten diesen Menschen töten,

sonst wären sie nicht mehr imstande gewesen

mit der Hoffnung auf Morgen weiterzuleben.

Und nicht nur Jesus, viele andere haben seitdem verkündet:

Ich bin hier, ich bin der Messias!

Und die Juden lehnen immer ab, denn wenn sie dies nicht verneinen,

wie würden sie dann noch hoffen können

und wie könnten sie dann noch weiter hinausschieben?

Sie haben mit dieser Hoffnung gelebt

mit solch inbrünstigem Eifer, mit solch hoher Intensität,

es ist kaum zu glauben.

13.08.2008 um 16:37 Uhr

Tao 426

von: tao   Stichwörter: Tao

Es gibt nur eine Religion in der Welt

die die Erlaubnis gegeben hat, Selbstmord zu begehen -- das ist der Dschainismus

Mahavir, der größte Befürworter von Gewaltlosigkeit,

hat seinen Schülern die Erlaubnis gegeben, Selbstmord zu begehen --

aber nur denen, die nicht das Leben satt haben,

die nicht gelangweilt, nicht lebensmüde sind,

sondern die das Leben komplett,perfekt und total gelebt haben,

die alles kennengelernt haben, was das Leben geben kann

und die es erfahren haben.

Nun sind sie erfüllt.

Sie sind nicht dabei, sich selbst gegen das Leben zu zerstören,

sie sind erfüllt, die Arbeit ist getan.

Sie kehren damit zur Quelle zurück.

12.08.2008 um 23:53 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (16)

von: tao

 

Du sagst vielleicht, dass im Himmel die Liebe rein und ewig ist --

die Liebe kann hier und jetzt rein und ewig sein ,

es ist nicht nötig, auf den Himmel zu warten.

Wo immer Liebe ist, ist sie ewig und rein,

denn für Liebe existiert keine Zeit.

Ewig bedeutet nicht permanent:

Ewig bedeutet zeitlos, ewig bedeutet: Es gibt keine Zeit.

Sogar wenn ein einziger Liebesmoment da ist, ist er ewig.

In diesem Moment der Liebe liegt solch eine Tiefe, dass in diesem Moment die Zeit aufhört,

in diesem Moment gibt es keine Zukunft, keine Vergangenheit,

in diesem Moment bist du einfach soviel

dass du dich über die ganze Existenz  ausbreitest --

die ganze Existenz gehört zu dir

und du gehörst ganz und gar zur Existenz..