Taoistische Reflektionen

30.09.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 48 (12)

von: tao

 
Das Wissen vertreibt dich aus dem Paradies, nicht Gott.
Da ist kein Gott,
das ist bloß ein Weg, um das gleiche zu sagen.
Dafür, damit du es verstehst,
werden Gleichnisse ersonnen,
um es so einfacher zu machen.
In dem Moment, in dem du informiert und gebildet wirst
bist du automatisch ausgestoßen aus dem Paradies,
aber niemand vertreibt dich.
Und in dem Moment, in dem du das Wissen aufgibst und wieder unschuldig wirst
wirst du wieder reingelassen,
obwohl dich niemand reinläßt.
Wissen
ist ein Hilfsmittel
um mit der Ganzheit zu kämpfen,
und wie kannst du die Gesamtheit bekämpfen?
Das ist genau wie ein Tropfen im Meer, der mit dem Ozean kämpft;
das würde eine miserable, ganz, ganz unglückliche, höllische
Angelegenheit sein.
Wie kann der Tropfen mit dem Ozean kämpfen?.

29.09.2008 um 22:53 Uhr

Tao Te King 11 (17)

von: tao

 

Benutze das Leben, und benutze auch den Tod.

Das ist die Botschaft.

Benutze das Sein, und benutze auch das Nicht-Sein.

Und habe vor nichts Angst, denn nichts, was zu dir gehört

kann dir weggenommen werden;

nichts, was du hast, kann dir weggenommen werden.

Und das, was du nicht hast, das hast du nicht,

das ist dir schon weggenommen worden,

du kannst es nicht lange mit dir herumtragen --

wenn du es mitnimmst,

dann schleppst du einfach eine Last.

Versuche Lao-tses Aussprüche zu verstehen.

Über die Nützlichkeit des Nicht-Seins sagt er:

"Dreißig Speichen vereinigen sich rund um die Nabe;

Aus ihrem Nicht-Sein (dem Verlust ihrer Individualität)

Entsteht die Nützlichkeit des Rades."

 

28.09.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 56 (13)

von: tao

 
Wenn du deine Schuhe im Vorraum läßt, solltest du auch dein Denken dort lassen.
Nur dann gelangst du in den innersten Schrein des Seins.
"Wer weiß, spricht nicht."
Sogar wenn er spricht, spricht er nur, um gerade so viel zu sagen.
Sogar wenn er spricht, spricht er nur
gegen das Sprechen.
Er möchte damit nicht etwas sagen,
er möchte einfach zerstören
all die Worte in dir -- seine Sprache ist destruktiv.
Er möchte einfach ein Vakuum in dir erzeugen, und natürlich
Worte können nur durch Worte zerstört werden.
Gift kann nur durch Gift zerstört werden.
Du hast einen Dorn in deinem Fuß --
ein anderer Dorn ist nötig, um ihn herauszuziehen.
Alles, was Lao-tse sagt, ist wie der andere Dorn
um die Dornen herauszuziehen, die schon in deinem Wesen sind.
Ist erst einmal der erste Dorn draußen, ist auch der zweite nutzlos -- du wirfst sie beide weg.
Alle Worte werden von Wissenden benutzt
um andere Worte wieder herauszuziehen, die sich schon in dir festgesetzt haben.
Bist du erst einmal leer -- ist es vorbei.
Es hat einen großartigen Menschen in Indien gegeben, ein ganz außergewöhnliches Wesen:
Menschen wie ihn kannst du an deinen Fingern abzählen.
Sein Name war Nagarjuna.
Er widersprach allem.
Er hat gegen alles debattiert.
Er hat alle Theorien kritisiert.
Und die Leute waren durcheinander.
Sie fragten dann: In Ordnung, was auch immer du sagst, geht in Ordnung, aber was ist dein Standpunkt?
Er sagte dann: Ich habe keinen Standpunkt.
Ich bin bloß hier, um Theorien zu zerstören, ich habe keine Theorie, um sie dann zu ersetzen.
Was auch immer deine Theorie ist -- Komm nur her damit! Und ich werde sie kritisieren und zerstören.
Aber frag mich nicht nach einem Ersatz
denn ich habe keinen.
Werde nur leer, das ist perfekt, es ist nicht nötig, irgendetwas zu tun.
Wenn du an Gott glaubst, wird Nagarjuna Gott kritisieren.
Wenn du nicht an Gott glaubst und ein Atheist bist, wird er den Atheismus kritisieren.
Wenn du an eine Seele glaubst, ist er der Feind der Seele,
wenn du nicht an eine Seele glaubst, dann ist er auch dein Feind.
Wenn du fragst: Was ist deine Philosophie?
wird er einfach mit den Schultern zucken; er wird sagen: Keine.
Ich bin hier, um zu zerstören!

27.09.2008 um 16:48 Uhr

Tao 436

von: tao

Soviele Geschichten handeln davon
daß ein großer König, der in allen Lebensbereichen erfolgreich gewesen war
schließlich begann, sich frustriert zu fühlen.
Das passiert, es ist natürlich.
Wenn du bei allem Erfolg gehabt hast
spürst du plötzlich, dass du versagt hast,
denn wenn du nicht erfolgreich sein würdest,
dann bestände eine gewisse Hoffnung, dass, hättest du endlich Erfolg,
dann alles in Ordnung kommen würde, alles wird dann schön sein.
Aber wenn du komplett erfolgreich bist, dann scheiterst du absolut
denn dann gibt es keine Hoffnung mehr.
Du wirst hoffnungslos.
Alles, was du wolltest, ist da,
aber etwas in dir bleibt unerfüllt.
Was macht man nun mit diesem Unerfüllt-Sein?
Ein Mensch, der ein Versager ist, kann hoffen
dass eines Tages, wenn er Erfolg hat,
diese konstante Leere, dieses Unausgefüllt-Sein im Inneren,
erfüllt sein wird. Er kann hoffen, er kann träumen.
Ein armer Mensch kann hoffen, ein armer Mensch kann träumen,
aber für einen reichen Menschen haben sich alle Träume erfüllt. Er wird hoffnungslos.

26.09.2008 um 15:38 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (20)

von: tao

Wie auch immer du dein Leben arrangierst

der religiöse Mensch wird immer das Gesamtbild betrachten

und der weltliche Mensch wird immer auf das Fragment starren.

Das ist der Unterschied.

Der Weltmensch wird das sehen, was immer gerade vor der Nase ist,

und nicht das sehen, was weit dahinter verborgen ist.

Das Entfernte ist in Wirklichkeit nicht sehr weit weg,

es wird ganz nah kommen, das wird bald passieren.

Der Abend wird kommen.

Kannst du eine Perspektive haben, in der das ganze Leben zu sehen ist?

Man nimmt an, und das zu Recht, es ist wahr,

dass wenn ein Mensch am Ertrinken ist,

plötzlich sein ganzes Leben, das Gesamtbild, an ihm vorbeizieht.

Es ist also möglich, sich daran zu erinnern.

25.09.2008 um 21:23 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (28)

von: tao


 
Ständig leben Leute miteinander ohne irgendeine Liebe
denn du liebst nur, wenn es sich auszahlt.
Und wie kannst du lieben, wenn du nur liebst, wenn es sich bezahlt macht?
Dann ist Liebe auch zu einer Handelsware auf dem Markt geworden, dann ist es keine Beziehung, dann ist sie kein Zusammensein, dann ist sie keine Feier.
Du bist nicht glücklich, wenn du mit dem anderen zusammen bist,
du tolerierst den anderen höchstens bloß.
 
Beschäftigt

24.09.2008 um 18:55 Uhr

Tao Te King 15 (18)

von: tao

Fröhlich
Normalerweise wird ein Mensch weise werden, wenn er alt ist,
wenn er all die Jahreszeiten des Lebens durchlebt hat, wenn er gereift ist,
wenn er all die Schwankungen, all die Stimmungen kennengelernt hat --
wenn er den Fluss des Lebens im Sommer kennengelernt hat,
wenn er bloß ein trockenes Flussbett ist und nichts bleibt außer einem Durst,
einem Hunger, einem brennenden Verlangen, ein ausgetrocknetes Flussbett und sonst nichts;
und er hat den Fluss des Lebens bei Hochwasser kennengelernt, wenn er ungeheuer weit wird,
gefährlich über die Ufer steigt und vorgibt, ein Ozean zu sein.
Er hat all die Stimmungen kennengelernt,
er hat sich auf all den Wegen bewegt, die das Leben erlaubt,
er hat als ein Sünder gelebt, er hat als ein Heiliger gelebt,
er ist bereichert durch alle Erfahrungen.
Wenn all das Kopfhaar weiß geworden ist,
kommt eine Schönheit in das Gesicht, die nur zu einem alten Menschen kommen kann,
niemals zu einem jungen.
Junge Menschen können schön sein, insofern es das Physische betrifft.
Die Kurven, die Proportion, die Stärke --
ja, junge Menschen können sehr schön sein.
Aber soweit es die Seele betrifft
die Seele, die sich entwickelt, die nur durch viel Erfahrung wächst --
da kann nur ein alter Mensch schön sein.
Selten kommt es vor, weil die Leute selten bewußt sind;
sehr selten durchleben Leute das Leben mit Meditation.
Ansonsten kann kein junger Mensch mit der Schönheit eines alten Menschen mithalten.
Die Schönheit eines alten Menschen hat eine Grazie an sich, eine Tiefe;
die Schönheit eines jungen Menschen ist oberflächlich, flach , bloß hautdünn.
Die Schönheit eines alten Menschen hat eine Tiefe an sich --
du tauchst hinein, hinein, hinein, und du kommst niemals an ihr Ende.
 
  

23.09.2008 um 23:51 Uhr

Tao Te King 47 (23)

von: tao


"Ohne aus den eigenen Fenstern zu schauen
kann man das Tao des Himmels sehen.
Je weiter man das Wissen vertieft
desto weniger weiß man."
Schaut paradox aus,
aber sieht nur paradox aus.
Ist es aber nicht.
Es ist eine einfache Tatsache.
Je mehr man das Wissen weiterverfolgt,
desto weniger weiß man.
Geh zu den Schriftgelehrten;
die wissen so viel,
aber schau ihnen in die Augen --
nicht einmal ein Schimmer,
beobachte sie --
nicht einmal ein Anzeichen des Wissens;
sei mit ihnen,
und da ist nichts, sie sind hohl,
absolut falsch, innen ist nichts,
bloß eine angemalte Hohlheit, ein dekoriertes Hohlsein,
verziert durch viele Schriften,
die Worte von denjenigen, die erkannt haben, aber alles geborgt,
alles tot,
und umringt von diesen toten Worten sind sie selbst auch schon fast tot.

22.09.2008 um 21:48 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (17)

von: tao

Die Leute möchten, dass man ihnen ganz klare Regeln gibt:

Was sie essen sollen, was sie nicht essen sollen,

wie früh sie am Morgen aufstehen sollen und wann sie zu Bett gehen sollen.

Wenn du eindeutige Regeln haben willst, denen du folgen kannst,

dann willst du ein Mönch werden und kein Mensch.

Ein Mensch wird niemals nach eindeutigen Regeln fragen,

er wird auf Verstehen aus sein, so dass er seinen eigenen Weg finden kann,

so dass er sich in der weiten Welt bewegen kann.

Er braucht keine Landkarte dafür, kein Kompass ist nötig.

Bloß dein inneres Licht wird dir den Weg zeigen.

Und dann entsteht Schönheit, weil da Freiheit ist.

Gibt es keine Freiheit, gibt es auch keine Schönheit.

Bindung ist Sklaverei, das ist das häßlichste Ding in der Welt.

 

 

21.09.2008 um 23:59 Uhr

Tao 435

von: tao

Beschäftigt
In den alten Tagen
ging das Gerücht um, dass immer, wenn ein Mensch ein Buddha wurde, sein Körper keinen Schatten werfen würde.
Das muss symbolisch gewesen sein, aber es ist sehr sinnvoll.
Das bedeutet nicht, dass kein Schatten fällt
wenn ein Buddha daherkommt -- dann sieht man einen Schatten,
aber innerlich fällt kein Schatten.
Er bewegt sich, er arbeitet, er tut Sachen,
aber der Tuende taucht nicht auf. Auf diese Weise fällt kein Schatten.
Wenn nötig, denkt er sogar, aber der Denker entsteht nicht,
auf diese Weise wird kein Schatten geworfen.
Er lebt, aber er ist kein Manipulator, kein Kontrolleur,
er fließt dahin, sein Leben ist eine Spontaneität.
Er schwimmt nicht einmal, er treibt einfach mit dem Fluss.
Er schiebt den Fluss nicht an,
er erlaubt sich einfach, sich gehen zu lassen.
Er ist ein Wesen, das sich sein läßt. Er treibt dahin.
Weil er es dem Fluss überläßt, alles zu tun,
verschwindet das Ego und kein Schatten entsteht.


20.09.2008 um 22:41 Uhr

Tao Te King 43 (11)

von: tao

 
 
Wenn du es von der Ewigkeit her siehst,
dann ist das Weichere das Siegreiche und das Härtere ist das Unterlegene; aber wenn du es mit einem sehr, sehr kurzsichtigen Denken betrachtest, dann scheint das Härtere zu gewinnen.

19.09.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (10)

von: tao

Fröhlich 

 

Seit annähernd zweitausend Jahren sind christliche Priester trainiert worden,

aber sie haben keinen einzigen Jesus hervorgebracht,

und sie werden niemals wieder einen produzieren

denn Jesus kann nicht hergestellt werden.

Du kannst nicht Jesus in einer Fabrik produzieren.

Und das sind Fabriken, diese theologischen Hochschulen.

Dort produziert man Priester,

und wenn diese Priester bloß langweilig sind, tot, eine Bürde,

dann ist es offensichtlich, dass das so sein muss.

Es gibt zwei Arten von Religion.

Die eine ist eine Kopfgeburt -- die ist tot.

Diese Religion ist als Theologie bekannt.

Dann gibt es noch die andere Art der Religion,

die wirkliche, die spontane.

Die ist nicht theologisch, die ist mystisch. 

 

 

18.09.2008 um 18:05 Uhr

Tao Te King 1 (29)

von: tao


Selbst-Bewußtsein ist die Krankheit;
tatsächlich, unselbst-bewußt zu sein, heißt, verwirklicht zu werden.
Das ist es, worum es beim Wachsein geht: unselbst-bewußt zu sein.
Aber du bist in einer Dichotomie, in einem Dilemma, weil du immer zwischen zwei Möglichkeiten wählst -- wie kannst du da unselbst-bewußt sein?
Du triffst immer eine Wahl:
Du entscheidest dich dafür, schön zu sein, und Häßlichkeit wird zu deinem Schatten;
du entscheidest dich dafür, religiös zu sein,
und Materialismus wird dein Schatten;
du entscheidest dich dafür, ein Heiliger zu sein, und Sünde wird zu deinem Schatten.
Wähle -- und du wirst in Schwierigkeiten sein,
denn die Wahl an sich hat das Leben geteilt.
Wähle nicht, sei wahllos, lass das Leben fließen.
Manchmal sieht es wie Gott aus, manchmal schaut es wie der Teufel aus --
beide sind schön. Du entscheidest dich nicht.

17.09.2008 um 17:08 Uhr

Tao Te King 47 (22)

von: tao

 
Es gibt eine schöne Geschichte, uralt.
Man sagt, dass Gott die Welt erschuf,
alles war schön,
dann erschuf er den Menschen und alles wurde schrecklich.
Mit dem Menschen kam die Hölle.
Und der Mensch begann das Meckern
und es wurde Gott unmöglich, zu schlafen oder irgendetwas zu tun --
so viele Leute beschwerten sich bei ihm und sie klopften laufend an seine Tür, Tag und Nacht,
und es wurde zum Albtraum.
Er muss wohl viele Male daran gedacht haben, den Menschen wieder zu zerstören, so dass der Weltfrieden wieder hergestellt werden könnte.
Aber dann sagte irgendein weiser Berater: Es ist nicht nötig,
den Menschen zu zerstören,
verlege du einfach
deinen Aufenthaltsort.
Lebe nicht mehr auf dieser Erde.
Er lebte früher hier,
wegen euch
mußte er seinen Wohnsitz verlegen.
Da sagte Gott: Wohin soll ich denn gehen?
Ein Berater sagte: Es wäre gut, wenn du zum Everest gehst.
Gott sagte: Du weißt das nicht.
Früher oder später
wird ein Mann kommen namens Hillary,
und der wird dorthin gelangen,
und die ganze Sache wird wieder von vorne anfangen.
Dann sagte jemand: Geh doch zum Mond.
Gott sagte: Du weißt das nicht;
diese Sachen bringen nicht viel.
Früher oder später wird der Mensch überallhin kommen.
Schlagt mir etwas irgendwo vor
wo er nicht einmal argwöhnen wird, ich sei dort.
Da näherte sich ihm ein alter Berater, flüsterte ihm etwas in sein Ohr,
und er nickte; er sagte: Ja, du hast recht.
Der alte Mann schlug vor: Dann verstecke dich doch im Menschen selbst.
Das wird er nie vermuten.
Er wird suchen und forschen
überall, ausgenommen
in seiner eigenen inneren Welt.
Die Geschichte ist schön.
Fast faktisch.
Keine Geschichte, sondern eine Wahrheit.
Verrückt

16.09.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (12)

von: tao

Der Papst, die Priester, der Mönch und die Nonne, die sind nicht lebendig,
sie haben so eine Angst vor dem Leben, so eine Angst vor der Natur,
dass sie dies in jeder Beziehung unterdrückt haben.
Sie sind schon in ihren Gräbern.
Du kannst das Grab bemalen, du kannst sogar ein Marmorgrab erbauen,
ganz wertvoll -- aber der Mensch darin ist tot.
Ein Betrunkener schwankte durch einen Friedhof
und er sah ein schönes Grab, gemacht aus makellos weißem Marmor.
Er sah sich das Grab an und betrachtete den Namen, der darauf stand.
Das Grab war das des berühmten Rothschild.
Er lachte und sagte dann:
Diese Rothschilds, die wissen, wie man lebt.
Die Kultur bringt dich um, die Kultur ist ein Mörder,
die Kultur ist ein langsames Gift -- sie ist ein Selbstmord.
Dschuang Dsi und sein altehrwürdiger Meister, Lao-tse, sind gegen Kultur.
Sie sind für die Natur, die reine Natur.
Die Bäume sind in einer besseren Position als du,
sogar die Vögel, die Fische im Fluss, sind in einer besseren Position
weil sie lebendiger sind,
sie tanzen mehr mit dem Rhythmus der Natur.

15.09.2008 um 16:41 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (17)

von: tao


Ein Liebesmoment ist Ewigkeit für sich selbst.
Wo immer Liebe ist, da ist Ewigkeit,
und dann ist da noch die Möglichkeit zur Andacht.
Wenn dein Lächeln falsch ist, wird dein Kuss auch falsch sein,
deine Liebe kann nicht wahr sein;
und all deine Gebete werden bloß Worte sein und nichts sonst.
Wie kannst du einen Gott finden,
wie kannst du gottgleich werden, wenn du nicht wahr bist?
Du suchst nach Wahrheit, aber in deinem Leben bist du immer unwahr.
Wie kann eine unwahre Person der Wahrheit begegnen?
Das scheint doch eine fast unmögliche Sache zu sein.
Die Wahrheit wird an deine Türe klopfen, du brauchst nirgendwo hinzugehen; sei bloß wahr. Und mit "wahr sein" ist gemeint:
Sei bloß natürlich.
Natur ist Wahrheit, und es gibt keine andere Wahrheit als die Natur.
Das ist die Botschaft von Dschuang Dsi,
eine der großartigsten Botschaften in der Welt.

14.09.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 56 (12)

von: tao

Alle Philosophien, alles, was gesagt werden kann, ist genau wie der Vorhof eines Palastes. Dies hier ist der Vorhof --
denn alle Fragen können nur im Vorhof gelöst werden.
Bist du erst einmal bereit, gibt es keine Frage mehr,
dann kannst du den Palast betreten.
Hast du jemals den Namen eines griechischen Weisen gehört, Zeno?
Er war der Begründer der stoischen Philosophie.
Er pflegte auch im Vorhof zu lehren.
Das Wort "stoisch" kommt von einem griechischen Wort, stoikos,
welches wiederum von "stoa" kommt, was Vorhof, Veranda, bedeutet.
Sein ganzes Leben lang lehrte er in dem Vorbau und die Leute sagten: Du hast solch ein schönes Haus, warum lehrst du denn in der Vorhalle?
Er sagte: Alles Lehren ist genau wie diese Vorhalle;
wenn du bereit bist, das Schweigen zu hören, dann betrittst du den Tempel --
dann gibt es kein Reden mehr.
Von dem Wort stoa, Vorhalle, ist seine ganze Philosophie als Stoizismus bekannt.
Alle Worte können höchstens Vorbauten werden;
sie führen dich zum inneren Tempel;
aber wenn du dich an sie klammerst
dann bleibst du im Vorhof -- der Vorhof ist nicht der Palast.
Lao-tse sagt also etwas, was genau wie eine Vorhalle ist, eine Türe.
Wenn du das verstehst,
wirst du alle Worte, die Sprache, fallen lassen -- tatsächlich das ganze Denken.
 
 

13.09.2008 um 22:48 Uhr

Tao 434

von: tao

Fröhlich
 
 
 
Wenn du Furcht in deinem Wesen spürst --
dann liebe mehr.
Sei mutig in der Liebe, nimm dir den Mut.
Sei abenteuerlich in der Liebe,
liebe mehr.
und liebe bedingungslos,
denn je mehr du liebst
desto weniger Furcht wird noch da sein.
Und mit "Liebe"
sind all die vier Schichten der Liebe gemeint:
Vom Sex bis zum Samadhi.
Liebe tiefgehend.
Wenn du in einer sexuellen Beziehung intensiv liebst
wird viel Furcht aus dem Körper verschwinden.
Wenn dein Körper vor Furcht zittert,
ist das die Furcht vor Sex;
du bist noch in keiner tiefgehenden sexuellen Beziehung gewesen.
Dein Körper zittert,
dein Körper fühlt sich nicht wohl, nicht daheim.
Liebe intensiv --
ein sexueller Orgasmus wird dann alle Furcht aus dem Körper vertreiben.
 
 

12.09.2008 um 23:59 Uhr

Tao 433

von: tao

Lass dich nicht zu sehr von Fakten beunruhigen -- es gibt keine Fakten, das sind alles Fiktionen. Bedenke, alle Fakten sind Fiktionen, sogar mein Hier-Sein und dein Dort-Sein ist eine gewaltige Fiktion. Nichts passiert jemals. Die Wahrheit ist. Alles, was geschieht, ist fiktiv; die Geschichte ist eine Fiktion, denn was auch immer ist, das ist... da geschieht niemals etwas. Gott hat keine Geschichte und Gott hat keine Biografie. Gott ist nur, da gibt es kein "war" und da gibt es kein "wird sein". Da ist keine Vergangenheit und keine Zukunft.
Alle Geschichtsschreibung ist fiktiv. Das ist der Grund, warum man im Osten sich  niemals um Geschichtsschreibung gekümmert hat, sie haben überhaupt keine  historischen Aufzeichnungen geschrieben -- statt Geschichte haben sie Mythen aufgeschrieben. Wenn du dort fragst, wann Rama geboren wurde, können die Hinduisten keine Antwort geben. Frage die Hindus, und du wirst soviele Antworten bekommen, wie du Personen fragst, Niemand weiß es, tatsächlich weiß niemand exakt, ob er überhaupt geboren wurde oder nicht. Die Fiktion ist, dass der Geschichtenschreiber, der die Geschichte von Rama aufschrieb, dies schrieb, bevor Rama geboren wurde: Balmiki schrieb es nieder, bevor Rama geboren wurde. Sieh dir diese östliche Herangehensweise an. Du kannst dir nicht vorstellen, dass die christlichen Apostel die Geschichte von Jesus aufschreiben könnten, bevor er überhaupt geboren wurde.

11.09.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (27)

von: tao

 
"Einer sagte:
Können Menschen zusammenleben und nichts davon wissen..."
Ihr könnt jahrelang zusammenleben
ohne zu wissen, was Zusammensein ist.
Schau, überall auf der Welt:
Leute leben zusammen, niemand lebt allein;
Ehemänner mit Ehefrauen, Ehefrauen mit Ehemännern,
Kinder mit Eltern, Eltern mit Freunden;
jeder lebt mit anderen zusammen.
Das Leben existiert im Zusammensein,
aber weißt du, was Zusammensein ist?
Wenn du vierzig Jahre lang mit einer Frau zusammengelebt hast,
dann hast du vielleicht nicht einen einzigen Moment lang mit ihr zusammengelebt.
Sogar während du Sex mit ihr hast
hast du vielleicht schon an andere Dinge gedacht.
Dann warst du gar nicht da, der Sex war bloß mechanisch.
Es soll einmal passiert sein,
dass Mulla Nasrudin mit seiner Frau ins Kino ging.
Sie waren schon mindestens zwanzig Jahre lang verheiratet gewesen.
Der Film, den sie sich ansahen, war einer von diesen heißen ausländischen Filmen!
Als sie dann gerade das Kino verließen, sagte seine Frau:
Nasrudin, du liebst mich nie so
wie diese Schauspieler es in diesem Film taten. Warum?
Nasrudin sagte: Bist du verrückt?
Weißt du, wieviel man ihnen dafür gezahlt hat, dass sie solche Dinge tun?