Taoistische Reflektionen

31.10.2008 um 22:44 Uhr

Tao Te King 9 (19)

von: tao

Perfektion bedeutet, du bist festgelegt;
Vollkommenheit bedeutet,
keine Veränderung passiert mehr in dir;
Perfektion bedeutet, nun bist du eingefroren,
du fließt nicht mehr --
und Vollkommenheit ist immer partiell.
Die großartigsten Menschen sind niemals perfekt gewesen,
sie sind total gewesen.
Total bedeutet ganzheitlich, sie haben alles in sich
abe sie sind nicht bloß die Gesamtsumme von all dem,
sie sind mehr als diese Gesamtmenge.
Sie haben alles in sich, und dann entsteht eine Harmonie
die darüber hinaus geht, über alles, was sie in sich haben.
Sie sind nicht bloß ein arithmetisches Gesamtergebnis,
sie sind eine künstlerische Gesamtmenge.
Ein Gedicht ist mehr als all die Worte darin --
das muss es sein,
sonst würden es einfach nur Worte sein.
Ein Gemälde ist mehr als all die Farben darin --
das muss es sein,
was wäre es sonst für eine Art von Gemälde?
Verrückt

30.10.2008 um 22:53 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (26)

von: tao


 

Das Zusammentreffen von Bewußtheit und Erfahrung ist Weisheit.

Erfahrung plus Bewußtheit ist Weisheit.

Mit Erfahrung plus mehr Erfahrung plus mehr Erfahrung

gewinnt man Quantität, aber da ist keine Qualität....

die dich frei und wissend machen würde.

Immer wenn ein Kind geboren wird, wenn die Mutter das Kind liebt,

wenn der Vater das Kind liebt,

werden sie sich ihm nicht aufzwingen

weil sie wenigstens soviel wissen:

Sie selbst haben versagt.

Warum also das gleiche Muster an dieses Kind weitergeben?

Warum noch ein anderes Leben zerstören?

Aber schau dir die Stupidität an.

Sie hätten gerne, dass das Kind ihrem Weg folgt.

Und sie selbst sind doch nirgendwo angekommen.

Verrückt

29.10.2008 um 17:08 Uhr

Tao 445

von: tao

Ein Mensch, der die Zustände von Ärger und Mitgefühl lebt,
kann auch die Zustände von Liebe und Haß durchleben.
Wenn ein Mensch ganzheitlich ist, ist er total bedingungslos,
aber sein Haß hat eine andere Qualität;
sein Haß ist sogar liebevoller als deine Liebe,
und sein Ärger ist sogar mitfühlender als dein Mitgefühl.
Weil er ganzheitlich lebt, nimmt alles eine neue Qualität an.
Was er auch immer tut, es ist anders.
Du kannst ihn nicht von deiner Sicht aus beurteilen
denn du weißt nicht, was Ganzheitlichkeit bedeutet.
Du kennst Haß, du kennst Liebe
-- manchmal hast du geliebt, du hattest eine Ahnung davon,
manchmal hast du gehaßt, du hattest einen Schimmer davon --
aber du bist dabei niemals total gewesen.
Wenn du total bist, ist deine Liebe anders:
Deine Liebe hat die Intensität von Haß.
Hast du jemals die Tatsache registriert
dass deine Liebe niemals die Intensität deines Hasses hat?
Wenn du eine Person haßt, dann haßt du wirklich.
Wenn du liebst, dann liebst du so-so.
Wenn du liebst, dann engagierst du dich niemals vollständig dabei.
Verrückt

28.10.2008 um 19:27 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (16)

von: tao

Verrückt
 
Es war einmal
 da gab es einen Stamm von Kannibalen in der Nähe des Amazonas.
Nach und nach töteten sie die meisten ihrer eigenen Stammesmitglieder
bis nur zweihundert oder so übrig blieben.
Sie hatten sich gegenseitig umgebracht und gegessen.
Ein Missionar ging dorthin, um da zu arbeiten.
Der Chef des Stammes sprach ihn in perfektem Englisch an.
Der Missionar war erstaunt und sagte:
Was? Du sprichst so ein perfektes Englisch,
und mit einem perfekten Oxford-Akzent, aber du bist trotzdem ein Kannibale?
Der Mann sagte: Ja, ich bin in Oxford gewesen,
und ich habe viel gelernt.
Ja, wir sind immer noch Kannibalen, aber ich benutze jetzt Messer und Gabel.
Das habe ich in Oxford gelernt.
Soviel Veränderung passiert -- nicht viel.
Bekehre einen Christen zum Hinduismus
er wird tief innen ein Christ bleiben,
weil du nicht die Basis ändern kannst.
 

27.10.2008 um 16:05 Uhr

Tao 444

von: tao

 
 
Mahavir war wirklich sehr mutig.
Kein anderer religiöser Lehrer
ist mutig genug gewesen, Selbstmord zu erlauben.
Aber er hat Bedingungen daran geknüpft:
Er sollte in keinerlei negativer Stimmung begangen werden,
denn dann ist dir der springende Punkt dabei entgangen und du wirst wieder zurückgeworfen.
Es sollte absolut positiv sein.
Eine weitere Bedingung ist, dass man kein Gift nehmen sollte
oder von einem Gipfel oder in den Fluss oder in das Meer hineinspringen sollte.
Nein, das kann in einem einzigen Moment getan werden.
Man sollte fasten, fasten bis zum Tod --
das dauert siebzig, achtzig, neunzig, manchmal einhundert Tage.
Millionenmal besteht noch eine Möglichkeit
dass du es dir immer wieder und wieder überlegst.
Wenn etwas in dir auch nur etwas unerfüllt geblieben ist
wirst du zurückkommen.

26.10.2008 um 17:32 Uhr

Tao 443

von: tao

Gurdjieff klassifizierte den Menschen in sieben Kategorien.
Der erste Typ lebt nur für seinen Körper,
der zweite Typ lebt nur in seinen Emotionen,
der dritte Typ lebt nur im Kopf, ist intellektuell,
Der vierte Typ ist seltener, er hat seine Mitte gefunden.
Der fünfte Typ ist noch seltener.
Der vierte sortiert einfach die drei Ebenen,
die drei Schichten auseinander,
und läßt sie funktionieren, gemäß ihrer ursprünglichen Natur
ohne Einmischung, kein Dominieren von außen her.
Der fünfte Mensch wird sich dessen bewußt.
Der vierte Mensch kann ohne Bewußtheit arbeiten,
der vierte Mensch kann mit einem Lehrer arbeiten,
oder mit einer Disziplin,
oder mit einer Methodologie und alles aussortieren.
Viel Bewußtheit ist da nicht nötig,
ein wenig Verständnis reicht schon.
Der fünfte Typ ist der Mensch mit Bewußtheit.
Er wird sich des ganzen Phänomens bewußt --
der drei verschiedenen Zentren
und der Anstrengung des vierten,
sie in ihr eigenes Territorium zu bringen.

25.10.2008 um 21:02 Uhr

Tao Te King 9 (18)

von: tao

Wütend
Lao-tse sagt:
 "Spanne einen Bogen bis ganz zum Anschlag
Und du wirst wünschen, du hättest rechtzeitig aufgehört damit."
... denn der Bogen wird brechen.
Spanne einen Bogen bis zum Anschlag --
er hätte dir lange dienen können, wenn du ein wenig aufmerksam gewesen wärst.
Spanne einen Bogen niemals bis zum Anschlag, denn die volle Spannung ist immer der Tod.
Das Leben möchte nichts perfekt haben
denn mit der Perfektion hört die Evolution auf.
Vollkommenheit ist Tod; Unvollkommenheit ist Leben.
Das Leben liebt Unvollkommenheit. Werde perfekt und du wirst nutzlos --
das Leben wird dich auf den Misthaufen werfen, du wirst nicht mehr benötigt.
Bleibe unvollkommen, und du wirst lebendig sein
und das Leben wird dich von überall her unterstützen.
Das ist der Grund, warum das Ziel für Lao-tse oder den Taoismus
nicht Perfektion ist, sondern Totalität.
Du kannst total sein, ohne perfekt zu sein
und du kannst perfekt sein, ohne ganzheitlich zu sein.
Tatsächlich kannst du nur vollkommen sein, wenn du nicht total bist.
Denn Perfektion wird sich entweder für rechts oder für links entscheiden,
und dann wirst du ein perfekter Rechter werden,
oder du wirst ein perfekter Linker werden,
oder du wirst ein perfekter Mitt-ler werden,
du wirst immer die Mitte wählen.

24.10.2008 um 23:54 Uhr

Tao 442

von: tao

)

 
 
Alles, was du zu vermeiden beginnst, hast du damit schon zu erschaffen begonnen.
 Kümmere dich nicht darum.
Was sich ereignen wird, das wird auch passieren;
wenn es nicht geschehen wird, wird es nicht passieren.
Mach dir keine Sorgen deswegen, denn wenn du dich zu fragen beginnst
wie du etwas vermeiden kannst, bist du schon davon ausgegangen
dass es da sein wird.
Du bist dir darüber schon selbst-bewußt geworden
und das wird dabei helfen, es zu erzeugen.
Jede Religion degeneriert zu einer moralistischen Institution.
Nur aus dem Weg von Lao-tse konnte keine Religion erwachsen.
Wie kann man solch eine institutionelle Degeneration einer Inspiration vermeiden?
Buddha bemühte sich sehr darum, dass seine Religion
ein lebendiges Phänomen bleiben und zu keiner toten Institution werden würde.
Er bemühte sich sehr darum -- aber er scheiterte. Je mehr er sich bemühte
desto mehr versuchten die Leute eine Institution um ihn herum zu erschaffen.
Beschäftigt

23.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (17)

von: tao

Das Leben ist ein Rhythmus. Du atmest ein, du atmest aus.
Du kannst nicht nur laufend einatmen, einatmen, einatmen,
du würdest sterben.
Du kannst nicht ständig ausatmen, ausatmen, ausatmen,
du würdest sterben.
Du mußt einatmen und ausatmen
und du mußt ein Gleichgewicht aufrechterhalten.
Das gleiche Atemvolumen, das reingeht, muss auch wieder rauskommen --
dann bist du gesund.
Das Leben in der Welt ist Einatmen
und das Leben im Rückzug ist Ausatmen --
sie müssen beide zusammen sein.
In der Welt, aber nicht von der Welt.
Äußerlich mitten in der Welt, innerlich zurückgezogen.
Das ist der einzige Rückzug, der richtig ist,
das ist das einzige Retreat, das ausbalanciert ist,
das ist die einzige Isolation, die eine Harmonie hat
von Ausatmen und Einatmen.
Und die großartigste Möglichkeit, Gipfel der Wonne zu erreichen
ist nur möglich, wenn Einatmen und Ausatmen
vollständig ausgeglichen sind,
wenn du dich nicht zu sehr auf die eine oder die andere Seite neigst.
Dann plötzlich bist du jenseits von beidem.

22.10.2008 um 14:06 Uhr

Tao Te King 16 (15)

von: tao

 
 
Einer, der geliebt und eine Beziehung kennengelernt hat,
kann alleine sein.
Nun hat sein Alleinsein eine total andere Qualität,
es ist keine Einsamkeit.
Er hat in einer Beziehung gelebt, seine Liebe erfüllt,
den anderen kennengelernt, und sich selbst duch den anderen erkannt.
Nun kann er sich selbst direkt kennenlernen, jetzt ist der Spiegel nicht mehr nötig.
Stell dir bloß mal jemanden vor, der niemals einem Spiegel begegnet ist.
Kann er seine Augen schließen und sein Gesicht sehen? Unmöglich.
Er kann sich sein Gesicht nicht einmal vorstellen, er kann nicht darüber meditieren.
Aber ein Mensch, der auf einen Spiegel gestoßen ist,
in ihn hineingeschaut hat, sein Gesicht durch ihn kennengelernt hat,
kann seine Augen schließen und das Gesicht mit dem geistigen Auge sehen.
Das ist das, was in der Beziehung geschieht.
Wenn eine Person sich auf eine Beziehung einläßt,
dann spiegelt die Beziehung ihn, sie reflektiert ihn,
und er kommt zur Erkenntnis vieler Dinge
von denen er niemals gedacht hätte, dass sie in ihm schlummern würden.

21.10.2008 um 22:54 Uhr

Tao 441

von: tao

  
 
Ein König fühlte sich sehr frustriert,
wie sich nur Könige fühlen können.
Das ist der Grund, warum nichts so versagt wie Erfolg.
Der geht absolut daneben.
Er machte sich auf die Suche und er stieß auf einen Sufi-Meister.
Als er ihn aufsuchte, sagte er:
Ich bin bereit, alles zu tun,
und du mußt wissen
dass ich ein Mann bin, der niemals bei irgendetwas versagt hat;
was ich auch immer getan habe, das habe ich getan und war erfolgreich damit.
Der Sufi sagte: Du magst in der Welt Erfolg gehabt haben
aber allein schon dieser Erfolg beweist, dass du hier vielleicht nicht erfolgreich sein wirst,
denn es gelten andere Gesetze
in der Welt, nacch der du jetzt fragst.
Ein Mensch hat in der Welt Erfolg, wenn er sich komplett vergißt.
Das ist die Regel.
Ein Politiker ist erfolgreich, wenn er sich völlig vergißt --
dann kann du  nicht mit ihm mithalten.
Wenn er besessen davon ist, am Rande des Wahnsinns, dann hat er Erfolg.
Ein Mensch schafft es, zum Reichtum zu kommen
wenn er komplett verrückt ist, besessen von Geld und neurotisch.
Du kannst mit einem neurotischen Menschen nicht mithalten.
Wenn du noch irgendein Gefühl hast,
wirst du in der Welt keinen Erfolg haben können:
In der Wirtschaft hat nur der Wahnsinn Erfolg.
Man muss sich selbst völlig vergessen, das ist die Regel, das Gesetz.
"Aber", sagte der Sufi, "hier, in unserer Welt,
kommt genau das Entgegengesetzte zur Anwendung:
Man muss sich seiner selbst erinnern."
Der König lachte. Er sagte: Was auch immer für Regeln gelten,
ich habe noch nie bei irgendetwas versagt. Du sagst es und ich werde es tun.
Der Sufi sagte: In Ordnung, dann ist das die Prüfung, die du bestehen mußt,
wir brauchen bloß fünf Minuten dafür.
Wenn du fünf Minuten lang, nur fünf Minuten,
dich an eine bestimmte Sache erinnern kannst, die ich dir sagen werde,
dann kannst du mein Schüler werden.
Der König sagte: Und was soll ich tun?
Der Sufi sagte: Was ich auch immer in diesen kommenden fünf Minuten sagen werde,
dazu mußt du sagen: "Ja mein Herr, ich glaube dir."
Der König sagte: In Ordnung, fang an!
Der Fakir sagte: Ich bin der großartigste Mann in der Welt.
Ein wenig Argwohn machte sich im Kopf des Königs breit
aber er sagte nach außen hin: Ja mein Herr, ich glaube dir.
Dann sagte der Sufi: Als du geboren wurdest, war ich dort anwesend.
Das war sogar noch zweifelhafter,
weil der König älter als der Sufi war, der war ein junger Mann.
Nun war es also sicher, dass er log,
aber trotzdem versuchte er  noch, sich zu erinnern. Das war schon hart.
Er verlor nun schon die Fassung, aber er sagte trotzdem noch:
Ja mein Herr, ich glaube dir.
Darauf sagte der Sufi: Und dein Vater war ein Bettler.
Nun vergaß sich der König vollständig und er sagte:
Du Lügner! Ich glaube dir kein einziges Wort von dem, was du da sagst!
Fünf Minuten waren schon zu lang gewesen, nur eine Minute war vergangen,
und der Sufi sagte: Du hast es schon vergessen.
Konntest du nicht einmal fünf Minunten lang daran denken?
Fröhlich

20.10.2008 um 17:28 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (21)

von: tao

Stell dir vor,
du ertrinkst gerade in einem Fluss,
du wirst sterben,
es bleibt dir keine Zeit mehr,
und plötzlich läuft vor deinem geistigen Auge
dein ganzes Leben ab, wird dir vom Anfang bis zum Ende enthüllt.
Es ist, als wenn der ganze Film
auf der Leinwand deines Denkens durchläuft.
Aber welchen Nutzen hat das jetzt,
wo du doch schon stirbst?
Ein taoistischer Mensch schaut jeden Moment auf das Ganze.
Die Gesamtheit des Lebens steht vor ihm,
und dann handelt er aus dieser Perspektive für das Ganze.
Er wird niemals bereuen, wie du es immer tust.
Es ist unausweichlich, dass du das bereuen wirst,
was auch immer du tust.

19.10.2008 um 16:18 Uhr

Tao Te King 63 (7)

von: tao

Um zu verstehen, dass die Existenz schön
und geheiligt ist,
 dass die Existenz eine Segnung, ein Segen ist,
wirst du eine andere Art von Leben leben müssen,
ein Leben,
das nicht aus Aufschieben und Vertagen besteht.
Das ist der Sinn des Lebens von Moment zu Moment.
Entlaste dich selbst von der Vergangenheit,
den Altlasten.
Sie ist nicht mehr da,
sie ist schon weggeflossen.
sie existiert nicht mehr;
du bist unnötigerweise beladen mit Geistern --
es gibt sie nicht mehr.
Und lade dir nicht die Zukunft auf den Buckel --
die ist noch nicht da.
Wenn sie kommt, dann wirst du da sein
und kannst ihr begegnen.
Warum schon jetzt Pläne für die Zukunft schmieden?
Denn so wie du es jetzt planen kannst,
wird es niemals ablaufen.
Dein ganzes Planen
erzeugt notwendigerweise ein größeres Problem,
denn wenn du vorausplanst
dann möchtest du deinen Plan der Existenz aufzwingen.

18.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao 440

von: tao

Verstehen geschieht immer
aus dem Jetzt und dem Hier heraus.
Verstehen ist das Schönste, was einem Menschen passieren kann.
 

 

17.10.2008 um 15:06 Uhr

Tao Te King 67 13)

von: tao


Die Energie kann sich auf vier Ebenen ausdrücken.

 Und denke immer daran,

dass die Energie transzendiert und transformiert,

in einen höheren Rhythmus, in einen höheren Zustand überführt werden muss.

Aber nichts ist falsch;

nur wenn du irgendwo feststeckst,

dann ist etwas schief gelaufen.

Sex ist schön, nichts ist verkehrt daran,

aber wenn du dabei stehen bleibst, ist etwas falsch gelaufen.

Das ist dann so, als wenn du in der Türe eingeklemmt wärst

und könntest nicht in den Palast eintreten.

An der Türe an sich ist nichts verkehrt,

es ist eine Türe,

und du solltest dankbar dafür sein;

es ist keine Wand.

Aber wenn du in der Türe feststeckst,

ist sie zur Wand geworden.

Es ist wegen dir

dass die Türe zur Mauer geworden ist.

Nun kommst du nicht hinein.

Beschäftigt

16.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 71 (16)

von: tao

Die ursprüngliche Quelle muss auch das Ende des Kreislaufs sein.
Durch Sex entsteht die Welle des Lebens --
sie muss sich wieder in den Sex hineinsenken.
Also ist Sex Leben und Sex ist Tod.
Das gleiche passiert in der Meditation,
Du begibst dich in solch eine tiefe Einstimmung hinein,
indem du dich nach innen wendest,
dass du plötzlich durch die dritte Schicht des Chaos hindurchgehst.
Du bist am Sterben!
Und wenn du Angst bekommst,
dann wird da ein Block sein.
Bei Leuten, die Angst vor Meditation bekommen haben,
und dann alle möglichen Rationalisierungen vorbringen,
um nicht zu meditieren,
existiert solch eine Blockade.
Aber wenn du achtsam bleibst und den Tod zuläßt, wirst du todlos.
Du weißt, der Tod ereignet sich überall um dich herum,
und du stirbst doch nicht.

15.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao 439

von: tao

Kämpfe nicht direkt mit dem Ego. Wenn du das tust, wirst du scheitern,
denn niemand kann direkt mit dem Schatten kämpfen.
Wenn du etwas mit dem Schatten anstellen mußt
wirst du etwas mit deinem Sein tun müssen.
Etwas ist verkehrt, da herrscht eine falsche Konzeption vor.
Du bist in dir ein Nicht-Sein --
realisiere mehr und mehr das innere Hohlsein, die Leere,
und plötzlich, eines Tages,wirst du feststellen, dass das Ego dich verlassen hat.
Tatsächlich wirst du herausfinden, dass es niemals da gewesen ist,
du warst einer vorherrschenden Fehlannahme auf den Leim gegangen, du hattest eine Illusion. Es war eine Fata Morgana.
Es war nicht da gewesen, es hatte nur den Anschein, da zu sein;
es war keine Realität, es war ein Traum -- tatsächlich ein Albtraum.

14.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 78 (8)

von: tao

Der Körper ist das sichtbare Vehikel
für das unsichtbare Du.
Und das gleiche ist der Fall mit jedem Atemzug.
Der Atem selbst ist bloß die äußere Schicht;
tief darin verborgen
ist das Leben selbst.
Entdeckst du erst einmal
dass Tao selbst im Atem verborgen ist
bist du zur Selbsterkenntnis gekommen.
Das ist der Grund, warum soviel Wert darauf gelegt und soviel Suche darauf verwandt wird im Yoga, Taoismus und Tantra, was das Atmen betrifft.
Wenn du einfach immerzu atmest und denkst,
dass das bloß Luft ist,
die hereinkommt und wieder ausströmt
wirst du niemals imstande sein, das Mysterium zu erforschen,
das sich darin verbirgt.
Und du wirst so bleiben
völlig unbewußt, was dich selbst betrifft.
Dann wirst du im Körper verwurzelt bleiben.

13.10.2008 um 23:15 Uhr

Südliches Blütenland 2/20 (18)

von: tao

Wenn du häßlich bist, dann wirst du deinen Körper verschönern, dein Gesicht, dein Haar, um irgendwie die Tatsache zu verbergen,

daß du häßlich bist.

Mit Kleidern und schmückender Verzierung wirst du versuchen, es zu verstecken.

Wenn du innerlich minderwertig bist, wirst du Überlegenheit projizieren,

bloß um anderen zu zeigen: Ich bin nicht minderwertig.

Wenn du dich wie ein Niemand fühlst

-- und jeder fühlt sich so

denn mit dem Ego ist jeder ein Niemand --

dann wirst du versuchen, zu projizieren,

zu verstärken und zu betonen, dass du jemand bist.

Feigheit und Tapferkeit sind zwei Aspekte der gleichen Münze:

Furcht steckt in beiden, es sind zwei Gesichter der Furcht.

 

12.10.2008 um 23:59 Uhr

Tao 438

von: tao

Verstehen ist nicht repetitiv und nicht akkumulativ.
Weisheit summiert sich und wiederholt sich,
Wissen wird angehäuft und immer wiederholt.
Wissen ist ein reines Glauben,
Weisheit beinhaltet ein wenig Erfahrung,
Verstehen ist total anders.
Es ist deine Präsenz,
deine spiegelgleiche Gegenwart.
Es ist ein Erwidern.
Alte Leute können weise sein,
junge Leute können informiert sein,
nur Kinder können verständig sein.
Das ist der Sinn, wenn Jesus sagt: Nur diejenigen, die wie Kinder sind
werden in mein Königreich Gottes hineinkommen können.
Wenn du wieder kindgleich wirst, frisch,
keine Vergangenheit mit dir herumträgst,
keine fertigen Antworten in dir parat hältst,
gar keine Antworten mit dir herumschleppst,
bloß eine tiefe Leere,
dann erzeugt etwas in dir ein Echo.
Jemand stellt eine Frage --
keine Antwort kommt aus dem Gedächtnis,
keine Antwort kommt aus der Erfahrung,
sondern die Antwort ist ein Widerhall, ein Erwidern
in eben diesem Moment.