Taoistische Reflektionen

31.12.2008 um 14:15 Uhr

Tao Te King 43 (12)

von: tao


 

Wenn du Buddha und Alexander zusammenstehen siehst,

kannst du dann denken, dass Buddha gewinnen wird?

Natürlich nicht -- Alexander der Große wird gewinnen.

Alle Logik wird dir sagen, dass Alexander gewinnen wird.

Wenn du Lao-tse

an der Seite von Adolf Hitler stehen siehst,

kannst du dann denken, dass Lao-tse gewinnen wird?

Lao-tse wird so bescheiden sein und Hitler so arrogant.

Hitler ist ein Granitfelsen,

aber betrachte die Langzeitperspektive, in einer Vision,

und du wirst sehen, wie alle Hitlers zu Sand werden,

wie alle Alexanders sich in Sand auflösen.

Und Lao-tse und Dschuang Dsi...die gewinnen laufend.

Sie kämpfen nicht und sie gewinnen,

und diejenigen, welche kämpfen, die werden besiegt.

30.12.2008 um 23:40 Uhr

Tao Te King 48 (17)

von: tao

Wütend
Wenn du dein Lernen
satt hast,
wenn du viel gelernt hast
und nichts gewonnen,
wenn du viel weißt und
in deinem Wissen
dich verloren hast,
wenn du viel weißt,
aber völlig vergessen hast,
wer du bist,
wenn du viel
über unnötige Dinge weißt, unwesentliche Dinge,
und das wesentliche
Wissen über
dein eigenes Wesen
verloren gegangen ist,
dann bist du reif dafür,
einen Weisen zu treffen,
um verlernen zu können.

29.12.2008 um 13:56 Uhr

Quellender Urgrund 2/21 (6)

von: tao

Diese Transzendenz ist auf verschiedene Weise überall auf der Welt gelehrt worden. Verschiedene Begriffe sind dafür benutzt worden. Ich möchte einen Begriff erklären, weil das helfen wird. Der Begriff ist "Israel". Das ist nicht der Name einer bestimmten Rasse --gewiß nicht der für die Juden -- und es ist kein Name eines bestimmten Individuums. "Israel" ist exakt das, was Tao ist.
Versuche zu verstehen: "Israel" setzt sich aus drei Symbolen zusammen: is-ra-el. "Is" bedeutet das weibliche Prinzip. "Is" kommt von dem ägyptischen Wort "Isis". Isis meint die Mondgöttin -- der Mond ist das weibliche Prinzip. Auch in der Hindu-Metaphorik ist der Mond das Symbol für das Weibliche.
Im Yoga sagen sie: Es gibt drei Passagen im menschlichen Wesen: Der Mond, die Sonne und das Transzendentale. Durch das eine Nasenloch atmest du die Mondenergie ein, durch das andere Nasenloch atmest du die Sonnenenergie ein. Das wird sushumana genannt -- ida, pingala und sushumana.
"Israel" wurde aus drei Symbolen erstellt. "Is" kommt von "isis" -- der ägyptischen Mondgöttin oder der babylonischen Gottheit "Ishtar", die auch die Mondgöttin ist. Dies ist das Yin-Prinzip, das Weibliche. "Ra" kommt von dem ägyptischen Sonnengott. Er repräsentiert das männliche Prinzip, Yang. Und "El" kommt von "Elohim" -- die gleiche Wurzel, von der die Mohammedaner "Allah" ableiten. Das hebräische Wort für Götter ist "Elohim"; "el" ist die Einzahl, also Gott, als Prinzip. Es repräsentiert das Zusammentreffen von Weiblichem und Männlichem und auch ihre Transzendenz -- Tao. "Israel" bedeutet genau das, was Tao bedeutet.
 

28.12.2008 um 21:12 Uhr

Quellender Urgrund 2/21 (5)

von: tao

Im Taoismus geht es nicht um den Körper. Der Weise lebt nicht im Körper oder als der Körper -- er lebt durch den Körper. Der Politiker ist nichts als der Körper, er ist extrovertiert. Der Körper ist extrovertiert, die Psyche ist introvertiert, und wenn du beides transzendierst, entsteht Tao. Wenn du weder extrovertiert noch introvertiert bist, wenn du nicht nach außen gehst und auch nicht nach innen, wenn du nirgendwo mehr hingehst, dann ist da eine ungeheure Stille, keine Bewegung -- weil es keine Motivation mehr gibt. Deine innere Flamme flackert nicht mehr, weil es keine Richtung mehr gibt, in die du gehen solltest, weil es kein Ziel mehr gibt, das du erfüllen könntest. Du mußt nirgendwo mehr sein und du mußt niemand sonst sein, du bist absolut zufrieden mit dem Moment. Dann hast du den Mann und die Frau und die Polarität transzendiert. In dieser Transzendenz ist Tao.
Tao ist das Ziel: Ein menschliches Wesen zu erschaffen, das voll integriert, total integriert ist, und auch eine menschliche Gesellschaft aufzubauen, die ganz und gar integriert ist.
Traurig

27.12.2008 um 20:50 Uhr

Tao 463

von: tao

Du bist in einem Dilemma:

Wenn du keinen Schmerz möchtest --

verschwindet sofort das Vergnügen aus deinem Leben, verschwindet das Glück.

Wenn du glücklich sein möchtest,

dann öffnest du den Wasserhahn --

augenblicklich fließt dann auch Leid heraus.

Wenn du bewußt sein mußt, dann muss dir beides bewußt sein.

Das Leben ist Leid und Freude.

Das Leben ist Glücklich-Sein und Unglücklich-Sein.

Das Leben ist Tag und Nacht.

Das Leben ist Leben und Tod.

Dir muss beides bewußt sein.

Also denke daran:

Wenn du Angst vor Schmerzen hast

wirst du unter Hypnose bleiben, du wirst altern, wirst alt werden und sterben.

Du hast eine Gelegenheit verpaßt.

 

26.12.2008 um 21:21 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (14)

von: tao

Gegensätze können im Bewußtsein nicht existieren,
sie werden sich gegenseitig negieren.
Die Liebe wird den Hass zerstören,
der Hass wird die Liebe zerstören;
sie werden sich gegenseitig ausbalancieren,
und sie werden einfach verschwinden.
Das gleiche Ausmaß an Hass und das gleiche Ausmaß an Liebe
werden einander verneinen.
Plötzlich werden sie dann verdunsten --
du wirst da sein, aber keine Liebe und kein Hass.
Dann bist du ausgeglichen.
Wenn du ausbalanciert bist, ist das Denken nicht da --
dann bist du ganzheitlich.
Wenn du ganz bist, bist du heil, heilig,
aber das Denken ist nicht da.
Also ist Meditation ein Zustand des Nicht-Denkens.
Durch Denken wird das nicht erreicht.
Durch Denken, was immer du tust,
kann es niemals erreicht werden.
Was tust du dann, wenn du gerade meditierst?
Weil du so viel Spannung in deinem Leben erzeugt hast,
deswegen meditierst du jetzt.
Aber dies ist der Gegensatz zur Spannung,
nicht reale Meditation.
Du bist so verspannt,
dass Meditation attraktiv für dich geworden ist.
Das ist der Grund, warum im Westen
Meditation mehr Anziehungskraft entwickelt als im Osten.
Der Osten ist immer noch entsopannter,
die Leute sind nicht so verspannt,
sie drehen nicht so leicht durch,
sie begehen nicht so schnell Selbstmord.
Sie sind nicht so gewalttätig, nicht so aggressiv,
nicht so eingeschüchtert, nicht so furchtsam --
nein, sie sind nicht so angespannt.
Sie leben noch nicht mit solch einer verrückten Geschwindigkeit
wo nichts als Spannung akkumuliert wird.
 

25.12.2008 um 23:56 Uhr

Tao Te King 47 (25)

von: tao

Es geschah:
Das Orakel von Delphi verkündete:
Sokrates ist zur Zeit der weiseste Mensch auf Erden.
Leute, die dies hörten
kamen zu Sokrates
und sie sagten: Das ist ein Paradox!
Und wir sind durcheinander!
Du sagtest, dass du überhaupt nichts wüßtest.
Wer hat denn nun recht?
Wenn das Orakel recht hat, dann liegst du falsch,
wenn du recht hast, dann hat das Orakel unrecht,
und keiner von euch beiden kann so verkehrt sein.
Wir glauben an dich,
wir haben dich kennen gelernt,
wir haben uns bei dir aufgehalten,
wir haben bei dir gespürt
dass du wahrhaftig sein mußt;
was auch immer du sagst,
kann keine Lüge sein.
Aber das Orakel, das göttliche Orakel,
ihm konnte noch nie nachgewiesen werden,
dass es Lügen erzählt.
Alles, was vom delphischen Orakel vorhergesagt worden ist
hat sich auch immer als wahr herausgestellt;
also stecken wir jetzt in der Klemme,
hilf uns doch.
Du sagst, du weißt gar nichts,
tatsächlich sagst du sogar, dass du nur eines weißt --
dass du nichts weißt,
und dann kommt dieses Orakel und sagt
dass Sokrates der weiseste Mensch auf Erden ist.
Sokrates sagte:
Da muss es irgendein Mißverständnis gegeben haben
denn ich weiß mehr über mich selbst
als irgendjemand über mich wissen kann
und ich sage euch noch einmal
dass ich nichts weiß:
Ich kann höchstens soviel einräumen --
dass ich weiß, dass ich nichts weiß.
Mehr nicht.
Geht also und fragt das Orakel noch einmal,
da muss es irgendein Mißverständnis gegeben haben.
Entweder habt ihr es nicht richtig interpretiert
oder sonst etwas ... geht wieder hin!
Sie gingen wieder hin und sie befragten das Orakel
und das Orakel lachte und sagte:
"Das ist der Grund, warum wir sagen:
Er ist der weiseste Mensch auf Erden,
denn nur er weiß
dass er nichts weiß.
Da gibt es kein Paradox."

Da

24.12.2008 um 23:59 Uhr

Tao 462

von: tao

Fröhlich
In alten Zeiten
pflegte jeder König an seinem Hof einen großen Narren zu haben.
Das war ein Ausgleichsfaktor,
denn am Hof gab es zuviele weise Männer,
und manchmal erweisen sich zuviele weise Männer
als zuviele Köche in der Küche.
Sie verderben die Suppe.
Sie sind bloß kluge Köpfe,
sie haben nicht die Wurzeln des Herzens.
Ein Narr war nötig -- an jedem großen Hof gab es einen Narren.
Und er brachte den Humor an den Hof,
er führte den Sinn für Humor am Hof ein;
ansonsten bringen die weisen Männer lange Gesichter, Traurigkeit und Ernsthaftigkeit.
Natürlich ist Ernsthaftigkeit gut, aber nur manchmal;
sie hat ihre passenden Momente;
und dann gibt es Momente,
in denen man ein wenig närrisch sein sollte.
Im Taoismus  ist ein wirklich weiser Mensch
spontan --  wenn Weisheit nötig ist, dann ist er weise,
wenn Torheit nötig ist, ist er ein perfekter Narr.

23.12.2008 um 20:48 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (20)

von: tao


Mulla Nasrudin ritt gerade irgendwohin auf seinem Esel.
Und der Esel lief schnell.
Ein Freund fragte ihn: Wohin geht es denn, Nasrudin?
Nasrudin sagte: Um ehrlich zu dir zu sein, ich weiß es nicht.
Frag nicht mich. Frag diesen Esel.
Der Mann kam da nicht mit, also sagte er: Was meinst du damit?
Mulla Nasrudin sagte:
Du bist mein Freund,
also muss ich ganz offen bei der Wahrheit bleiben.
Dieser Esel ist stur und starrköpfig, wie es alle Esel sind,
mund er macht Schwierigkeiten.
Wenn ich über einen Marktplatz oder durch eine Stadt reite, und dann darauf bestehe, dass wir diesen Weg einschlagen sollten, dann besteht er darauf, einen anderen Weg zu gehen,
und dann wird das blamabel,
ich mache mich lächerlich.
Die Leute sagen: Nicht einmal dein Esel folgt dir!
Also habe ich es mir zur Regel gemacht,
dass ich immer da hin will, wo immer mein  Esel hingeht.
Jeder denkt, dass der Esel mir nun folgt
aber das ist nicht wahr.
Aber der Esel ist glücklich und mein Prestige bleibt gewahrt.

22.12.2008 um 21:44 Uhr

Tao 461

von: tao


 

Alle Geschichte ist fiktiv. Balmiki schrieb die Geschichte von Rama, bevor der geboren wurde und dann mußte Rama geboren werden, um zu beweisen, dass Balmiki recht hatte, sonst würden die Leute über diesen alten Mann lachen. Und er hatte es eben so geschrieben, "also tu es auch". Also mußte er die Dinge tun, die Balmiki schon geschrieben hatte. Er hatte es prophezeit, es war eine Vorhersage, und dann folgte Rama dementsprechend. Schau dir die Herangehensweise an: Geschichte wird für eine Fiktion gehalten. Als erstes werden nur Romane geschrieben, dann kannst du sie spielen, du kannst einen Film aus ihnen machen. In den geheimen Traditionen der Essener wird gesagt, dass es Christus niemals gab, dass das tatsächlich ein Drama war, ein Christus-Drama, das schon seit Jahrhunderten gespielt worden war, bevor Christus jemals geboren worden war. Tatsächlich wurde er niemals geboren, es war bloß eine Tragödie. Nach und nach ging das Trauerspiel den Leuten so sehr zu Herzen, sie begannen das Schauspiel so sehr zu lieben, dass es sich herausstellte: Es begann, eine Realität zu werden; es begann, wie eine Tatsache auszusehen. Das ist der Grund, warum es so viele Versionen gibt. Wenn du in die vier Evangelien hineinschaust, dann sind sie alle anders, verschieden, manchmal widersprüchlich. Vier Personen, die die gleiche Geschichte schreiben, müsssen zwangsläufig voneinander abweichen.

21.12.2008 um 23:42 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (12)

von: tao

Die gleiche Energie bewegt sich immerzu:
Manchmal ist sie traurig und manchmal ist sie glücklich.
Wenn du dies verstehst
dann erzeugst du keinen Widerspruch zwischen den beiden.
Und dann hat deine Traurigkeit
einen Beigeschmack von Glücklich-Sein
und dein Glück hat auch die Tiefe von Traurig-Sein.
Wenn ein Mensch des Tao traurig ist
wirst du ein wonnevolles Gefühl in seinem Traurig-Sein sehen.
du wirst eine Unterströmung von Mitgefühl wahrnehmen.
Seine Traurigkeit ist schön.
Und wenn ein Mensch des Tao glücklich ist,
und wenn du genau hinschaust und ihn beobachtest,
wirst du spüren, dass in seinem Glücklich-Sein
eine Tiefe ist --
genau die gleiche Tiefe,
wie man sie immer beim Traurig-Sein hat.
Sein Glück ist nicht oberflächlich.
Bei dir ist das Problem
dass du immer oberflächlich bist, wenn du glücklich bist;
aber immer wenn du traurig bist, dann bist du vielleicht tiefgründiger, weniger oberflächlich.
Darum klingt Lachen so seicht und flach.
D
Da

20.12.2008 um 23:59 Uhr

Tao 460

von: tao

Diese Schläfrigkeit im Leben
funktioniert als ein Schutz gegen den Schmerz.
Aber das ist auch das Problem --
wenn du gegen das Leid "anschläfst",
dann bist du auch gegen Vergnügen in deinem Schlaf.
Denke darüber, als wenn es zwei Wasserhähne wären:
Auf dem einen steht "Schmerz" geschrieben
und auf dem anderen steht "Freude".
Du würdest gerne den Wasserhahn zudrehen,
auf dem Schmerz steht,
und du würdest gerne den Hahn aufdrehen,
auf dem Freude steht.
Aber so geht das Spiel -- wenn du den "Leid-Hahn" schließt,
verschließt sich augenblicklich auch die Freude,
denn beide sind nur an einem einzigen Hahn angeschlossen,
auf dem "Bewußtheit" geschrieben steht.
Entweder bleiben beide geöffnet
oder beide bleiben verschlossen,
denn beide sind zwei Seiten des gleichen Phänomens,
zwei Aspekte.
Und das ist die ganze Widersprüchlichkeit des Denkens:
Das Denken möchte immer mehr glücklich werden;
das Glücklichsein ist möglich, wenn du bewußt bist.
Und dann möchte das Denken immer weniger im Leid versinken,
aber immer weniger Schmerz ist nur möglich,
wenn du unbewußt bist.
Sonstige

19.12.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (13)

von: tao

Das Gehirn ist kein einfacher Mechanismus, es ist sehr komplex,
und durch das Denken kannst du niemals einfach werden
denn das Denken erzeugt laufend Täuschungen.
Meditativ sein bedeutet sich der Tatsache bewußt zu sein
dass das Denken etwas vor dir verbirgt,
du verschließt immer noch deine Augen vor einigen Fakten,
die verstörend für dich sind.
Früher oder später werden diese beunruhigenden Tatsachen
ausbrechen, dich überwältigen,
und du wirst zum anderen Extrem gehen.
Und der Gegensatz ist nicht dort, an einem entfernten Platz,
weit weg,
auf irgendeinem Stern,
das Gegenteil ist verborgen, hinter dir,
in dir, in deinem Denken,
in dem Funktionieren des Denkens an sich.
Wenn du dies verstehen kannst,
wirst du in der Mitte stehen bleiben.
Wenn du "Ich liebe" und "Ich hasse" sehen kannst
wird beides plötzlich verschwinden,
denn beides kann nicht zusammen im Bewußtsein existieren.
Du mußt eine Barriere errichten:
Das eine muss im Unbewußten existieren
und das andere im Bewußten.

18.12.2008 um 19:10 Uhr

Goldene Blüte 3/10 (8)

von: tao

  
Wenn man sich speziell für die Meditation hinsetzt, dann
vergißt man die Welt
für den Moment, und
die Gedanken werden deutlicher, sie sind sich ihrer Gedanken mehr bewußt.
Dies ist der Zustand eines Philosophen,
auf diese Weise haben Philosophen gedacht, spekuliert und philosophiert.
Das ist keine wahre Kontemplation.
Und dies wird dich niemals über das Ego hinausbringen,
jenseits von Tod, jenseits der Zeit. Und das ist es, wo das Ziel des Menschen liegt.

17.12.2008 um 21:42 Uhr

Tao 459

von: tao


Ein Paradox ist nicht ein Problem.
Es sieht nur wie ein Problem aus, wenn du es nicht verstehst;
wenn du es verstehst, ist es schön, ein Mysterium.
Werde gewöhnlich, und du wirst außergewöhnlich werden;
versuche außergewöhnlich zu werden
und du wirst gewöhnlich bleiben.
Das ist präzise, was Taoismus bedeutet:
Wir sollten Idioten werden.
Das ist die größte Performance, die du vollbringen kannst.
Das ist der Gipfel, die Spitze, von dem,
was Intelligenz erreichen kann.
Dies ist die ganze Anstrengung;
Du solltest unwissend sein,
du solltest alles Wissen aufgeben, jeden Glauben, all den Mist
der von der Anhäufung von Worten,
Theorien und Doktrinen kommt.
Die geben dir ein Gefühl von Macht
und ein Gefühl, dass du jemand bist
und die Illusion von Intelligenz.
Wenn du damit aufhörst, diese Last zu tragen
von Schriften, Lehrsätzen und Glaubensbekenntnissen,
stellst du plötzlich fest, dass du ein Idiot bist,
denn nun ruht das Ego nicht mehr auf festem Grund, es zittert.

16.12.2008 um 16:29 Uhr

Tao Te King 48 (16)

von: tao

"Der Student des Tao strebt danach,
Tag für Tag zu verlieren."
Der Student des Tao ist genau entgegengesetzt
zum normalen Studenten,
er ist der Student der Wahrheit, nicht des Wissens,
der Student des Seins, nicht des Werdens.
Er ist genau das Gegenteil.
Er verliert laufend, Tag für Tag,
er entlastet sich selbst,
er verlernt.
Sein einziges Lernen ist, wie man verlernt.
Das einzige, woran er interessiert ist,
ist, wie er total unbeschwert sein kann.
Ein deutscher Philosoph kam zu Maharshi Raman.
Natürlich war er lang gereist,
und muss viel darüber nachgedacht haben
was er ihn fragen würde.
Als er endlich bei Raman war, sagte er: Ich bin gekommen
um dir nahe zu sein,
um viel zu lernen.
Raman sah ihn mit tiefem Mitgefühl an
und sagte: Dann bist du zu der falschen Person gekommen
denn hier
lehre ich nur Verlernen.
Wenn zu zum Lernen gekommen bist
bist du zum falschen Platz gekommen,
geh irgendwoanders hin;
aber wenn du bereit bist zu verlernen,
dann kannst du hier bleiben.
Er hatte recht.
In die Nähe eines Weisen
geh nur, wenn du verlernen möchtest.

15.12.2008 um 22:43 Uhr

Quellender Urgrund 1/7 (5)

von: tao

Verrückt
Es geschah in einem Hotel: Ein Geschäftsmann kam herein. Der Manager sagte: "Das wird schwierig für mich sein, ein Zimmer für Sie zu finden, denn obwohl noch ein Zimmer frei ist, kann ich es Ihnen nicht geben."
Der Verkäufer sagte: "Aber was ist der Grund dafür? Warum können Sie es mir nicht geben, wenn das Zimmer leer steht?" Der Hotelmanager sagte: "Ein hoher Politiker hat sich gerade einquartiert, genau unter diesem Zimmer. Im ersten Stock ist ein Zimmer frei, aber im Erdgeschoß unterhalb dieses Zimmers ist ein hoher politischer Führer abgestiegen. Und der dreht schon bei Kleinigkeiten durch. Wenn Sie in Ihrem Zimmer herumgehen oder wenn Sie irgendeinen Lärm machen, dann wird er  viel Aufhebens darüber machen und ich möchte keine Probleme bekommen. Bitte gehen Sie doch in ein anderes Hotel." "Aber", sagte der Händler, "ich habe mich schon überall umgeschaut. Alle  Hotels sind ausgebucht. Also bitte, haben Sie Mitleid mit mir, und ich verspreche Ihnen, dass ich mich in dem Zimmer nicht einmal bewegen werde. Den ganzen Tag habe ich in der Stadt zu tun und in der Nacht werde ich einfach kommen und schlafen gehen. Am nächsten Morgen werde ich schon weg sein, weg in eine andere Stadt, also bitte geben Sie mir das Zimmer." Also bekam er das Zimmer. Mitten in der Nacht kam der Vertreter zurück, müde, setzte sich auf sein Bett, zog einen seiner Schuhe aus und ließ ihn auf den Boden fallen. Dann erinnerte er sich plötzlich daran, dass der große politische Anführer vielleicht gestört werden könnte, also zog er sich ganz still den zweiten Schuh vom Fuß und stellte ihn, ohne irgendein Geräusch zu machen, auf den Fußboden, dann ging er schlafen. Nach einer Stunde kam der hochrangige Politiker und klopfte an seine Türe. Er öffnete die Türe und sah vor sich den Politiker stehen, mit zornrotem Gesicht, außer sich vor Wut, und er konnte es nicht verstehen: Was soll ich denn getan haben? -- denn ich habe schon eine Stunde lang geschlafen! Dann sagte er: "Mein Herr, habe ich irgendetwas Falsches getan? Vielleicht in meinem Traum...? Oder habe ich vielleicht irgendeinen Laut von mir gegeben oder etwas gesagt? Das tut mir aber leid, das habe ich nicht so gemeint." Der Politiker sagte: "Darum geht es nicht. Was ist mit dem anderen Schuh passiert? Seit einer Stunde haben Sie mich jetzt schon wach gehalten. Ich hörte den Lärm -- der erste Schuh fiel auf den Boden -- und ich sagte: "Also ist dieser Mann jetzt gekommen!" Und dann wartete ich auf den zweiten! Und dann, nach und nach, wurde ich fast verrückt. Ich konnte nicht schlafen. Was passierte mit dem zweiten Schuh?"
Das geschieht bei einem Denken, das in einem Zustand der Unschlüssigkeit bleibt: Etwas hängt über ihm, wie das Schwert des Damokles. Du kannst die Schwierigkeit des Politikers verstehen. Er muss versucht haben, einzuschlafen, aber dann muss er sich den zweiten Schuh vorgestellt haben, wie er in der Luft hängt. "Was geschah?" 

14.12.2008 um 19:40 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (27)

von: tao

  
Verrückt

Die Eltern wissen tief in sich drin, dass sie leer und hohl sind,
und doch zwingen sie wieder ein Kind,
sich auf den gleichen Pfad zu begeben,
um am Ende das gleiche Hohlsein zu erreichen. Warum?
Weil es sich für das Ego gut anfühlt
wenn es weiß: "Mein Kind tritt in meine Fußspuren".
Du magst selbst nirgendwo angekommen zu sein
aber wenn dein Sohn dir dann das nachmacht,
gibt das dir ein gutes Gefühl.
Als wenn du etwas erreicht hättest,
tritt der Sohn deine Nachfolge an.
Und wenn dir ein Sohn nicht genügt,
dann kannst du Nachfolger und Schüler um dich scharen.
Und es gibt viele, die immer bereit dazu sind
jemand anderem in die Falle zu gehen;
denn die Leute sind so unerfüllt
dass sie bereit sind, jedermanns Ratschlag zu befolgen.
Und das Problem ist,
dass sie ja schon wegen der Ratschläge anderer
bereits unerfüllt sind --
und laufend fragen sie danach, wieder und wieder.
Das Denken ist eine gemeine Angelegenheit.
Du bist so leer und hohl
weil du dem Rat anderer gefolgt bist;
und doch suchst du schon wieder nach anderen,
die dich beraten sollen.
Wann wird dir bewußt werden, dass du im Grunde genommen deswegen in die Irre gehst,
weil du nicht deiner inneren Stimme gefolgt bist?
Wütend

13.12.2008 um 22:54 Uhr

Tao Te King 45 (15)

von: tao


Versuche, dies zu verstehen:
Mahavir liebte die Menschen nicht, er haßte sie nicht,
er war indifferent zu ihnen.
Jesus liebte die Menschen und liebte sie innig.
Es ist nicht überraschend, dass die Christenheit
zu solch einer vitalen Macht in der Welt wurde
und dass der Dschainismus ein impotenter Zweig blieb,
eine tote Sache.
Warum geschah dies?
Jesus liebte, und seine Liebe war so groß
dass er keine Angst davor hatte, wütend zu werden.
Er weiß, du wirst es verstehen.
Wenn ein Elternteil wütend ist
und wenn er wirklich das Kind liebt,
dann versteht das Kind das und fühlt sich niemals verletzt.
Tatsächlich würde genau das Gegenteil der Fall sein:
Wenn die Eltern niemals ärgerlich mit dem Kind sind
wird es sich verletzt fühlen, denn dann sind die Eltern kalt.
Es wird niemals imstande sein,
solch einem Vater oder solch einer Mutter zu vergeben.

12.12.2008 um 16:49 Uhr

Quellender Urgrund 4/8 (7)

von: tao


Der Meister ist ein Muss. Wenn du einen finden kannst, hast du Glück. Dann wird er dir deine Situation interpretieren und die Dunkelheit wird wie Licht aussehen, die Krankheit wird wie ein neues Wohl-Sein erscheinen; den Fluch wird er in einen Segen verwandeln. Tatsächlich, es ist ein Segen, aber du interpretierst es als einen Fluch. Er tut eigentlich gar nichts, er zeigt dir einfach, was los ist. Mit diesem Hintergrund, lies diese Geschichte (siehe 17.07.2006): "Lung Schu sagte zum Arzt Wen Dschi: "Deine Heilkunst ist subtil. Ich habe eine Krankheit. Kannst du sie heilen?" Dieser Mann muss das Pech gehabt haben, so wie Osho, ohne einen Meister  arbeiten zu müssen. Nun denkt er, dass er eine Krankheit hat. Das ist natürlich, so schaut es eben aus -- es sieht wie eine Krankheit aus. All das Alte ist vergangen; deine alte Intelligenz funktioniert nicht mehr, dein altes Gedächtnis funktioniert nicht mehr, deine alte Identität ist nicht mehr da. Du kannst nicht sagen: "Wer bin ich?" Dein Name, deine Adresse, alles ist irrelevant geworden. Du gehörst zu niemandem mehr, du gehörst nirgendwo mehr hin. Zum ersten Mal bist du ein Außenseiter in dieser Welt, du  bist ein Fremder. Beziehungslos, entwurzelt bist du -- wie ein Baum, der aus dem Boden entwurzelt worden ist und zu sterben begonnen hat.   Verrückt