Taoistische Reflektionen

31.12.2009 um 23:59 Uhr

Goldene Blüte 2/1-6 (3)

von: tao

Musik: Paul Horn – Vibrations

Jesus sagt zu seinen Schülern: "Schaut auf die Lilien auf dem Felde. Wie schön sie sind! Sogar Salomon, der große König, war nicht so schön, gekleidet in all seiner Pracht, wie diese armseligen Lilien." Warum sind die Lilien so schön und der Mensch so häßlich? Warum ist nur der Mensch häßlich? Hast du jemals einen häßlichen Papagei gesehen oder einen häßlichen Pfau oder einen häßlichen Löwen oder ein häßliches Reh? Häßlichkeit scheint etwas Menschliches zu sein. Ein Pfau ist ein Pfau und ein Reh ist ein Reh, aber ein Mensch ist nicht notwendigerweise ein Mensch. Ein Mensch ist nur dann ein Mensch, wenn er ein Buddha oder ein Christus oder ein Krischna ist -- wenn er sich seines totalen Wesens bewußt geworden ist -- ansonsten lebst du, indem du in der Dunkelheit herumtappst. Du lebst in den dunklen Höhlen des Unbewußtseins. Du bist nur scheinbar bewußt. Dein Bewußtsein ist sehr fragil. Es ist sehr kurzzeitig, es ist eine sehr dünne Oberfläche. Es ist nicht einmal hautdünn -- bloß ein kleiner Kratzer und du verlierst deine Bewußtheit. Jemand beleidigt dich: Bloß ein Wort oder bloß ein Blick, und all deine Bewußtheit ist weg und du bist in Rage und Wut, gewalttätig und aggressiv.

31.12.2009 um 13:40 Uhr

Quellender Urgrund 8/15 (1)

von: tao

Musik: Sheila Chandra – ABoneCroneDrone 5

Tao ist die Vision der Totalität, die Vision der Ganzheitlichkeit. Teile spielen keine Rolle; Teile haben an sich keine Bedeutung. Der Sinn gehört zum Ganzen, zur Einheit, zur organischen Einheit – wenn wir in den Teilen nach einem Sinn suchen, werden wir vergebens suchen. Nicht nur das, wenn wir darauf bestehen, in den Teilen nach dem Sinn zu suchen, werden wir den Sinn eher zerstören, als daß wir ihn finden würden. Es würde eine destruktive Einstellung sein.

Zum Beispiel existiert ein Gedicht nicht in den Wörtern, die es konstituieren, es existiert irgendwo jenseits der Worte. Es ist transzendental. Wenn wir die Wörter auseinandernehmen, die Sätze, die sprachliche Form, was werden wir dann erhalten ? Wenn wir ein Gedicht sezieren, wenn wir ein Gedicht zerteilen, töten wir damit eine lebendige Einheit. Es ist, als wenn wir den Körper eines Menschen sezieren würden – in der Zeit, in der wir es geschafft haben, den Körper des Menschen aufzuschneiden, ist der Geist weg. Was auch immer wir finden, wird ein toter Leichnam sein. Der Mensch ist in der Einheit, genauso wie das Gedicht in der Einheit liegt.

Wenn wir Poesie zerstückeln, werden wir Sätze vorfinden; wenn wir die Sätze zergliedern, werden wir Haupt- und Nebensätze finden; wenn wir die Haupt- und Nebensätze zergliedern, werden wir Worte vorfinden; wenn wir die Worte zerstückeln, dann bleibt noch das Alphabet übrig. Aber wo ist die Poesie – die Lyrik, die unser Herz hat erbeben lassen ? Wo ist diese Schönheit, die unser Wesen berührt hat, das uns Flügel verliehen hat ? Wo ist diese Vision ? In dem Alphabet ist nichts.

Wie ist all das verschwunden ? Unsere Herangehensweise war grundlegend falsch. Unser Herangehen war fundamental destruktiv und gewaltsam. Wir haben es zerschnitten. Poesie muß in ihrer Totalität gesehen werden. Sie muß als ein Ganzes erfaßt werden. Wenn wir sie als eine Ganzheit begreifen können, dann steuert jedes Wort etwas dazu bei; wenn wir sie nicht als eine Gesamtheit verstehen können, dann setzen die Wörter sie auch nicht zusammen. Die Wörter machen nur den Körper eines Gedichts aus, aber nicht sein Herz. Ja, das Herz kann nicht ohne den Körper existieren, aber das Herz ist nicht der Körper. Der Mensch kann nicht ohne den Körper existieren, das ist klar, aber der Mensch ist nicht bloß der Körper. Der Mensch ist weit mehr. Der Mensch ist weit höher. Er ist angebunden an den Körper, er lebt im Körper, aber er ist nicht der Körper als ein Körper. Der Körper ist der Tempel und der Mensch ist der Gott, der in ihm wohnt. Ja, wenn wir den Tempel zerstören, wird der Gott keine Bleibe mehr haben; er wird verschwinden, sich verflüchtigen. So verschwindet auch ein Gedicht. Das Gedicht ist der Gott, der in den Worten residiert, der Rhythmus, der Sinn, die Bedeutung, die Schönheit.

 

Fröhlich

 

30.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 591

von: tao

 

Die Botschaft des Taoismus ist, dass du dir keinen Charakter um dich herum erschaffen sollst, dass du dir keine bestimmte Persönlichkeit in dir herstellen sollst, dass du nicht an die Zukunft, nicht an Nirvana, nicht an Erleuchtung und nicht an Gott denken sollst. Gott ist nicht in der Zukunft, noch ist Gott in der Vergangenheit. Gott ist hierjetzt, immer hierjetzt. Gott ist genau dieser Zustand. Die Leute halten Gott immer für den Ursprung, den Urgrund. Sie begreifen das Wesentliche nicht. Gott ist nicht der Urgrund irgendwo weit, weit weg in der Vergangenheit. Gott ist nicht die Grundursache. Oder es gibt Leute, die halten Gott für das ultimative Ziel, wiederum weit, weit weg in der Zukunft. Entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft -- und so verfehlen sie ihn. Und Gott kennt nur eine Zeit, und das ist die Gegenwart. Das Jetzt ist ein anderer Name für Gott. Er ist genau diese Situation! Dieser Moment, innen und außen, ist Gott. Und Gott ist nicht etwas Geheiligtes, Heiliges, wieder weit weg im Himmel. Gott ist all die Zustände -- und mit alle sind alle gemeint: das Heilige und das Profane, der Körper und die Seele, Materie und Bewußtsein. Das Niedrigste des Niedrigen ist Gott, und das Heiligste des Heiligen ist Gott, und da gibt es nicht den geringsten Unterschied zwischen den beiden. Judas ist genau so viel Gott wie Jesus, denn es kann gar nichts anderes geben. Das sind alles bloß Rollen, bloß Aufführungen, gespielt auf der Bühne in einem Drama.

Wütend

30.12.2009 um 02:31 Uhr

Ko Hsuan 5 (9)

von: tao

Musik: Johann Pachelbel – J.S. Bach / Suite (Overture) No. 2 in b BWV 1067: Badinerie

 

Wenn wir versuchen, still zu werden, dann können wir beobachten, wie alles Mögliche zu einer Störung wird, wie es uns ablenkt. Bloß ein Hund, der bellt, dem es überhaupt nicht bewußt ist, daß wir gerade versuchen, zu meditieren, der nichts gegen Meditation hat, der kein alter Feind ist, der nicht die geringste Rache an uns nimmt wegen irgendeinem Karma aus der Vergangenheit... Er hat bloß Spaß am Bellen; das ist seine Meditation. Vielleicht macht er ja sogar dynamische Meditation ! Er scheint moderner und zeitgemäßer zu sein als wir – wir machen gerade Vipassana und er macht schon die Dynamische Meditation ! Aber wir werden uns gestört fühlen. Er fühlt sich nicht gestört durch unser Vipassana und wir werden durch seine dynamische Meditation gestört aus dem einfachen Grund, daß wir dabei etwas erzwingen; es ist nicht natürlich. Es ist bloß eine sehr dünne Schicht des Stillseins, die wir irgendwie uns selbst aufgemalt haben. Tief innen bellen tausend Hunde in uns, und sie verstehen augenblicklich den Hund, der im Außen bellt, und sie spüren einen großen Drang, zurückzubellen. Die Ablenkung kommt von unseren inneren Hunden, sie kommt nicht von dem äußeren Hund; der äußere Hund ist überhaupt nicht verantwortlich dafür. Wenn unser Schweigen natürlich ist, wird das Hundebellen keine Ablenkung sein; es kann sogar unser Stillsein noch verstärken, es mag zu einem Hintergrund für unsere Stille werden. So kann das geschehen.

Wenn wir in der Nacht die Sterne sehen, diese schönen Sterne, haben wir dann jemals darüber nachgedacht, was mit diesen Sternen am Tag geschieht ? Sie gehen nicht weg – wohin können sie auch gehen ? Sie sind da, aber weil der Hintergrund nicht mehr da ist, weil die Dunkelheit nicht mehr da ist, können wir sie nicht sehen. In der Nacht funktioniert die Dunkelheit wie ein Hintergrund: Je dunkler die Nacht, desto mehr scheinen die Sterne. Sie strahlen nicht so sehr in einer Vollmondnacht, aber wenn der Mond überhaupt nicht da ist, sind die Sterne wirklich schön. Das gleiche gilt für ein wirkliches Schweigen: Alles, was sich normalerweise als eine Ablenkung auswirkt, wird hier zum Hintergrund. Der bellende Hund, der Verkehrslärm, jemand schreit, Kinder weinen, rennen herum, die Frau kocht Essen in der Küche – alles wird ein Hintergrund und alles vertieft unser Schweigen, weil wir uns eben nicht konzentrieren, wir üben keinen Zwang aus, wir wollen nichts erzwingen, wir sind einfach entspannt. Ständig passiert irgendetwas, wir bleiben ungerührt; wir bleiben absolut zentriert, und zwar anstrengungslos zentriert. Dies gilt es zu beachten: Tao lehrt uns anstrengungsloses Natürlichsein; es glaubt nicht an Anstrengung, wie dies Yoga tut. Yoga und Taoismus sind total entgegengesetzt zueinander. Darum konnte sich Yoga in China nicht durchsetzen.

 

Traurig

 

29.12.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 3/9 (6)

von: tao

Musik: Chorus of Tribes – Into Morocco



Das Leben ist zum Genießen da; es ist ein göttliches Geschenk. Aber Millionen Menschen sind in der Armee und bereiten sich gerade darauf vor, abgeschlachtet zu werden oder abzuschlachten. Und ihr ganzes Leben -- von morgens bis abends -- wird damit verbracht, zu exerzieren, zu marschieren, ihre Gewehre zu polieren, irgendwelche Anordnungen eines törichten Menschen zu befolgen: Links um, Rechts um. Und das tun sie ihr ganzes Leben lang! Und nicht einen einzigen Moment lang denken sie über das nach, was sie gerade tun -- was sie da mit ihrem Leben anfangen. Ist das Leben dafür da? Ist dies die Bestimmung des Lebens? Wenn du singst und tanzst, ist das vielleicht sinnvoll, aber sich nach links und rechts zu drehen, den gleichen Marsch jeden Tag zu tun, sich bloß auf den Tod vorzubereiten.... wie kann das Leben bloß eine Vorbereitung auf den Tod sein? Brutalität, Gewalttätigkeit und Gefühllosigkeit wird gelehrt -- nur dann können Millionen von Menschen zu Sklaven gemacht werden. Du denkst, du bist ein freier Mensch? Die Sklaverei ist bloß ausgeklügelter geworden, das ist alles.

28.12.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (11)

von: tao

Musik: Deuter – Silver Cloud

 
Wenn du also Probleme, Angst und Schmerzen hast,
dann wisse wohl,
dass du dich in die Natur eingemischt hast.
Nichts ist möglich,
bevor du nicht die Einmischung beendest.
Das ist die ganze Botschaft von Dschuang Dsi --
misch dich nicht in die Natur ein, lass sie zu,
geh mit ihr, vertraue ihr.
Du kommst doch aus ihr; sie ist deine Mutter;
sie ist die Quelle;
und eines Tages wirst du wieder zu ihr zurückkehren ...
sie ist das ultimative Ziel.
Und in der Zwischenzeit,
warum eine Störung hervorrufen, warum kämpfen?
Du wirst zurück
zu deiner Kindheit zurückkehren müssen,
du mußt zurückgehen.
Du wirst diese Momente wieder erleben müssen
als die Gesellschaft sich einmischte
und dich zwang, dich einzumischen.
Also bedenke eine grundsätzliche Sache:
Immer wenn etwas Verkehrtes passiert
auf dem Pfad des Lebens,
kannst du das nicht bloß dadurch auflösen,
indem du es intellektuell verstehst --
das ist nicht so leicht.
Es ist dein Lebensmuster geworden.
Es steckt in deinem Körper und in deinen Knochen.
Du wirst zurückgehen müssen.
Wenn du wirklich natürlich werden willst
wirst du die Vergangenheit
nochmals durchleben müssen --
geh rückwärts.
Alle meditativen Methoden helfen dir, zurückzugehen.
Liege nachts in deinem Bett
und mache es jeden Tag
zu einer einstündigen Bemühung.
Am Anfang wird es eine Anstrengung sein,
aber bald wird sich Anstrengungslosigkeit ereignen
und du wirst es genießen.
Je mehr du zurückgehst,
desto mehr wirst du dich frei und großartig fühlen.
Die Natur ist ungeheuer weit,
und alle von Menschen gemachten Gesetze sind eng.
Die sind wie Trichter --
je mehr du dich in sie hineinbegibst,
desto enger werden sie,
und dann kommt ein Moment der Sackgasse,
dann kannst du nirgendwo mehr hingehen,
und der Tunnel wird dein Grab.
Auf diese Weise bleibt jeder stecken.
Wenn du wirklich loskommen möchtest,
dann schließe in der Nacht, bevor du einschläfst,
deine Augen und geh einfach zurück
und versuche, die Vergangenheit wieder zu erleben.

27.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 590

von: tao

Musik: Benjy Wertheimer – Bhairavi


Leute, die es nicht verstehen, wie Geld genutzt werden kann, können entsagen. Geizhälse haben schon komplett und total auf Geld verzichtet. Ein Mann gründete eine Universität in Sagar in Indien, an der Osho ein Student war. Dieser Mann war ein seltenes Exemplar, sein Name war Dr. Hari Singh Gaur. Man konnte keinen größeren Geizhals als ihn finden und es gab auch keinen größeren Entsager als ihn. Er war perfekt in beiden Kriterien. Sein ganzes Leben lang gab er niemals irgendjemandem auch nur einen einzigen Paisa, kein Bettler erhielt jemals irgendetwas aus seinem Bungalow. Wenn es in seiner Stadt, Sagar, bekannt wurde, dass irgendein Bettler zu Hari Singhs Haus ging, um dort zu betteln, lachten die anderen und sagten: Der scheint neu in der Stadt zu sein. Niemand bekam jemals irgendetwas. Er spendete niemals eine einzige Rupie für irgendeinen wohltätigen Zweck, ob humanitär oder sonst irgendetwas. Für die indische nationale Freiheitsbewegung spendete er niemals einen einzigen Pfennig -- nein, das war nicht seine Art. Er war ein perfekter Geizhals und er war einer der großartigsten Rechtsanwälte in der Welt. Er hatte drei Büros, eines in Indien, eines in China, eines in England, und er arbeitete vier Monate lang in England, vier Monate in Indien und vier Monate in China. Er war einer der besten Rechtsanwälte in der Welt. Er häufte soviel Geld an und dann am Ende stiftete er die Ersparnisse seines ganzen Lebens. Die gesamte Universität von Sagar ist errichtet worden durch die Stiftung einer einzelnen Person. Sie ist eine der schönsten Universitäten. Aber als er dann spendete, stiftete er alles. Du wirst überrascht sein: Er spendete so absolut, dass er seinen Kindern keinen einzigen Paisa hinterließ. Sie kämpften vor den Gerichten, sie hatten nichts, sie waren Bettler auf der Straße. Der Geizhals bleibt bis ganz zum Ende ein Geizhals, sogar wenn er dem Geld entsagt. Er konnte seinen Kindern nicht einmal einen einzigen Cent überlassen, aber er konnte auf alles verzichten.

26.12.2009 um 23:59 Uhr

Goldene Blüte 8, 1-4

von: tao

Musik: Osho Musicians – Lord Of The Full Moon

 
"Vier Worte kristallisieren den Geist
im Raum der Energie.
Im sechsten Monat weißer Schnee
man sieht ihn plötzlich fliegen.
Zur dritten Nachtwache die Sonnenscheibe
sie sendet blendende Strahlen aus.
Im Wasser bläst der Wind des Sanften.
Während man im Himmel wandert,
ißt man die Geist-Energie der Rezeptivität.
Und das noch tiefere Geheimnis
des Geheimnisses:
Das Land, das nirgendwo ist,
das ist die wahre Heimat...
Diese Verse sind voll von Mysterium. Der Sinn ist: Die wichtigsten Dinge im großen Tao sind die Worte: Tätigkeit durch Untätigkeit. Nichthandeln verhindert, dass ein Mensch verwickelt wird in Form und Bild (Materialität). Tun im Nicht-Tun hindert einen Menschen daran, in lähmendes Leer-Sein und in totes Nichts-Sein hineinzusinken. Bisher haben wir von der Zirkulation des Lichts gesprochen."
Fröhlich

25.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 71 (21)

von: tao


Es ist gut,
wenn du schon fast nach Hause gekommen bist;
nur noch ein Schritt --
aber dann denkst du: Das Ziel ist erreicht.
Epikur ist schön.
Ein Schritt mehr und er wäre ein Buddha geworden.
Hedonisten, charwakas, sind schön,
bloß ein Schritt weiter
und sie wären wie Christus geworden.
Bloß ein Schritt weiter.
Im letzten Moment
blieben sie identifiziert mit dem Leben.
Und bedenke:
Mit dem Tod identifiziert zu sein ist schwierig,
denn wer will sich schon mit dem Tod identifizieren?
Es ist sehr leicht, mit dem Leben identifiziert zu sein
denn jeder möchte ewiges Leben haben.
Leben und Leben und Leben!
Der Mensch, der in diesem Moment umkehrt,
um ein Epikureer zu werden,
der mit dem Leben identifiziert bleibt,
bleibt dabei, ein sehr orgasmisches Leben zu leben.
Sein ganzer Körper funktioniert
auf eine ungeheuer schöne und anmutige
Art und Weise.
Er genießt kleine Dinge:
Essen, Tanzen, Spazierengehen in der frischen Luft,
die Sonne genießen;
die kleinen Dinge des Lebens
geben ihm gewaltigen Genuß.
Freude ist das Wort für diesen Menschen.
Oder du kannst es Verzückung nennen.
Aber nicht Glückseligkeit,
diese Wonne ist noch nichts für ihn.
Er genießt, aber er ist nicht glückselig.
Sonstige

24.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 589

von: tao

Musik: Deva Premal – All Is Welcome Here (Studio Version)

 
Du liebst nicht aus der Fülle deines Herzens heraus,
du treibst einen Handel.
Du möchtest die andere Person dazu zwingen,
etwas für dich zu tun, nur dann wirst du sie lieben.
Andernfalls wirst du deine Liebe betrügen.
Du benutzt also deine Liebe als eine Bestrafung,
oder als eine Erzwingung.
Aber du liebst eben nicht.
Entweder versuchst du deine Liebe zurückzuhalten
oder du gibst eben deine Liebe
aber in beiden Fällen ist die Liebe an sich nicht das Ziel;
das ist etwas anderes.
Wenn du ein Ehemann bist, dann bringst du der Frau Schmuck mit -- sie ist glücklich, sie klammert sich an dich, sie küßt dich;
aber wenn du ihr nichts mit nach Hause bringst
besteht auf einmal eine Distanz,
sie hängt sich nicht an dich,
sie kommt nicht einmal in deine Nähe.
Wenn du solche Dinge tust
dann vergißt du dabei
dass es für dich eine Wohltat ist, wenn du liebst,
nicht nur für die anderen.

23.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 588

von: tao

Musik: Danny Becher – Atmananda (pleasure of being one with supreme soul)

Wütend
Der Osten hat eine total andere Botschaft als der Westen. Religion ist die östliche Botschaft. All die großen Religionen wurden im Osten geboren. Der Westen hat keiner einzigen Religion die Geburt geschenkt; er hat großartige Wissenschaft hervorgebracht, große wissenschaftliche  Bemühungen, aber keine Religion. Wissenschaft ist eine menschliche, idiotische Anstrengung, die Natur zu erobern. Religion bedeutet, in Einklang mit der Natur zu kommen. Nenne es Religion, nenne es TAO, nenne es Dharma; es bedeutet das gleiche: In Übereinstimmung mit der Natur zu kommen. Aber das wird schwierig sein, wenn du in dir implantiert bestimmte Ideen dafür oder dagegen hast. Ein Christ kann kein religiöser Mensch sein, ein Hindu kann es  auch nicht, und auch kein Kommunist. Ein Theist kann nicht religiös sein, ein Atheist kann nicht religiös sein; beide sind schon voll mit Ideen. Sie haben sich schon entschieden, ohne irgendetwas zu erfahren. Der Taoismus versucht nicht, dich von irgendeiner Ideologie zu überzeugen. Er versucht, dir dabei zu helfen, alle Ideologie fallen zu lassen, so wirst du leer, rein, unberührt, deine Augen werden entwölkt und du gelangst zu einer Klarheit. In dieser Klarheit wirst du verstehen, was Religion ist. Nicht durch Bücher, nicht durch die  Bibel und den Koran und die Veden, nein, sondern durch Klarheit. Wenn der Teil die Ganzheit sieht und versteht: "Ich bin Teil dieses Ganzen" und sich glücklich fühlt -- "Diese ungeheure Weite ist meine Weite; ich bin nicht getrennt davon; ich bin eins damit" -- und in diesem Eins-Sein zu tanzen beginnt, wird Taoismus geboren. Taoismus ist keine Ideologie, er ist eine Erfahrung.

23.12.2009 um 13:58 Uhr

Tao 587

von: tao

Ein paar Witze über Therapeuten:

Ein Therapeut geht gerade die Straße hinunter, als eine Frau mit einem Korb voller Blumen auf ihn zu kommt und sagt: "Möchten Sie Blumen kaufen, mein Herr ?"

"Nein danke."

"Aber möchten Sie denn nicht gerne der Frau, die Sie lieben, Blumen mitbringen ?"

"Hören Sie auf damit, meine Dame. Ich bin ein verheirateter Mann."

Ein alter Therapeut besucht einen anderen Therapeuten. "Freund", sagt er, "ich habe ein Problem. Ich bin achtzig Jahre alt und renne immer noch jungen Mädchen hinterher."

"Nun, Dein Fall ist ganz normal. Das passiert fast jedem in Deinem Alter", erwidert der andere Psychoklempner.

"Aber mein Problem ist, ich habe vergessen, warum ich hinter ihnen her bin."

Ein Psychotherapeut lacht laut in seinem Arbeitszimmer.

"Worüber lachst Du denn ?", fragt seine Frau.

"Ach, nichts besonderes, meine Liebe. Es ist bloß so, daß ich mir gerne selbst Witze erzähle, und dieser letzte, den kannte ich noch nicht."

Und der letzte:

Ein sehr alter Psychotherapeut kommt zu einer Prostituierten. Sie einigen sich über den Preis und der alte Mann fängt an, sich auszuziehen. Er legt seine Jacke ab, seine Krawatte, sein Hemd, und wirft das alles zum Fenster hinaus. Als er dann schon seine Hose in der Hand hält und sie gerade auch zum Fenster hinauswerfen will, packt ihn die Prostituierte am Arm und sagt: "Warum tust du das denn ? Wenn wir fertig sind, kannst du doch nicht nackt auf die Straße gehen."

"Naja", antwortet der alte Psychoklempner, "schau mal, Liebling, bis ich gekommen bin, werden diese Kleider sowieso schon aus der Mode gekommen sein !"

23.12.2009 um 13:13 Uhr

Tao Te King 63 (1)

von: tao

Lao-tse sagt:

"Vollbringe das Nichtstun.

Nimm teil an der Nichtteilnahme.

Schmecke das Geschmacklose.

Ob es groß ist oder klein, viel oder wenig,

vergelte Haß mit Tugend.

Gib dich mit dem Schwierigen ab, während es noch leicht ist;

beschäftige dich mit dem Großen, solange es noch klein ist.

Die schwierigen Probleme der Welt

müssen angegangen werden, solange sie noch leicht sind;

die großen Probleme der Welt

müssen behandelt werden, während sie noch klein sind.

Deswegen der Weise

indem er sich niemals mit großen Problemen abgeben muß

vollendet er Größe.

Wer leichthin ein Versprechen macht

wird es oft schwer finden, sein Wort zu halten.

Wer viele Dinge zu leicht nimmt

wird vielen Schwierigkeiten begegnen.

Daher betrachtet sogar der Weise Dinge als schwierig,

und aus diesem Grund trifft er niemals auf Schwierigkeiten."

Das Leben ist kein Problem.

Es ist vielmehr ein Mysterium, das gelebt werden muß

kein Problem, das gelöst werden muß.

Aber es wird ein Problem,

und es wird deswegen zum Problem,

weil wir ständig irgendetwas verzögern,

weil wir Dinge auf morgen verschieben.

22.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 586

von: tao

Musik: Danny Becher – Atmananda (pleasure of being one with supreme soul)


Der Geliebte klopft immerzu an die Türe,
aber du hast Angst,
vielleicht ist es ja der Feind.
Du bist also verschlossen --
verschlossen in Angst vor dem Feind,
und der Freund kann nicht eintreten.
Du hast also den Freund in einen Gegner verwandelt.
Nun kann niemand hereinkommen,
du hast solche Angst.
Öffne die Türe.
Wenn die frische Luft das Haus durchweht
ist es sehr gut möglich,
dass auch Gefahren hereinkommen.
Wenn der Freund kommt, kommt auch der Feind,
denn Tag und Nacht treten zusammen ein,
Leid und Freude kommen zusammen herein,
Leben und Tod treten gemeinsam ein.
Hab also keine Angst vor dem Schmerz,
sonst wirst du in Betäubung leben.
Aus Angst vor dem Schmerz nimmst du Narkotika.
Der Chirurg gibt dir eine Narkose,
bevor er dich operiert,
denn das würde zu große Schmerzen verursachen,
du würdest sie nicht aushalten können.
Dein Bewußtsein
muss heruntergedimmt und verdunkelt werden.
Dann kann er deinen ganzen Körper aufschneiden
und du wirst keine Schmerzen spüren.

21.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 48 (20)

von: tao

Musik: Miten with Deva Premal: Purnima


Der Student des Tao  kommt zurück ins  Paradies
und keine Schlange kann ihn mehr verführen.
Denn er kommt gereift zurück -- kindgleich, aber reif;
ein Kind, unschuldig -- aber achtsam, bewußt, aufmerksam.
Nun gelangt er zu einer größeren Reinheit,
denn eine Reinheit, die keine Bewußtheit hat,
muß notwendigerweise verloren gehen.
Jemand wird dich verführen,
jemand wird dich korrumpieren,
und wenn da niemand ist, wirst du dich selbst verderben,
weil du nicht achtsam bist.
Adam mußte
aus dem Garten des Paradieses hinausgeworfen werden.
Er war einfach unschuldig.
Er war zum einen Teil buddhagleich: Er war unschuldig,
aber der andere Teil fehlte,
er war nicht bewußt.
Adam ist der Anfang, Jesus ist das Ende.
Adam ist halb, Jesus ist komplett --
die andere Hälfte ist bewußt geworden.
Jesus ist nun unkorrumpierbar.
Er ist nicht nur rein, er ist auch unzerstörbar,
seine Unschuld ist nun absolut.
 

20.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 43 (19)

von: tao

Musik: Music from the World of Osho: Entering the Mystery

Ein Felsen hat Angst, wenn seine Form zerbrochen wird,
wo wird er dann sein?
Das Wasser hat keine Angst.
Die Form macht nicht sein Wesen aus --
was auch immer die Form ist, es wird das gleiche sein.
Liebe hat keine Angst,
sie kann jegliche Form annehmen;
der Hass hat Angst, Hass ist eine harte Sache.
 Warum hassen wir so intensiv, wenn wir hassen,
lieben aber nicht so intensiv, wenn wir lieben?
Weil du nur eine einzige Intensität kennst,
die Intensität einer harten Substanz;
du kennst nicht die Intensität einer Flüssigkeit,
eines flüssigen Phänomens.
Du kennst nur die Härte von Stahl,
du kennst nicht die Weichheit einer Blüte.
Und du hast Angst,
wenn du also hasst, kannst du aufs tiefste hassen
du kannst total hassen,
du kannst losziehen and den Feind komplett zerstören,
aber du gibst deinem Geliebten
niemals solch eine kreative Energie.
Du kannst hingehen und den Feind zerstören,
du kannst ihm Gift verabreichen und ihn töten;
aber wenn deine Liebe so intensiv wäre wie dein Hass
könntest du dein Leben für deinen Geliebten hergeben.

19.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao 585

von: tao

Pflicht und Verantwortlichkeit sind Synonyme im Wörterbuch, aber nicht im Leben. Im Leben sind sie nicht nur verschieden, sie sind diametral gegensätzlich zueinander. Pflicht orientiert sich am anderen, Verantwortlichkeit ist selbstbezogen. Wenn du sagst: "Ich muss es tun", ist es eine Pflicht. "Weil meine Mutter krank ist, muss ich sie besuchen und neben ihrem Bett sitzen." Oder: "Ich muss Blumen in das Krankenhaus mitbringen. Das muss ich tun, sie ist meine Mutter." Die Pflicht orientiert sich am anderen: Du hast keinerlei Verantwortung. Du erfüllst damit eine gesellschaftliche Formalität -- weil sie deine Mutter ist; du liebst sie nicht. Darum ist Pflicht ein schmutziges Wort, ein Unwort. Wenn du deine Mutter liebst, wirst du ins Krankenhaus gehen, wirst du Blumen mitbringen, wirst du deine Mutter bedienen, wirst an ihrem Bett sitzen, wirst du ihr die Füße massieren, wirst du mit ihr fühlen, aber es wird keine Pflicht für dich sein -- es wird Verantwortlichkeit sein. Du wirst aus deinem Herzen heraus antworten. Verantwortlichkeit bedeutet die Fähigkeit des Erwiderns. Dein Herz vibriert, du fühlst mit ihr, du kümmerst dich um sie; nicht weil sie deine Mutter ist -- das ist irrelevant -- du liebst die Frau, du liebst diese Frau als Mensch. Es fließt aus deinem Herzen heraus. Und du wirst nicht das Gefühl haben, dass du sie zu Dank verpflichtet hast, und du wirst es nicht überall bekanntgeben, dass du solch ein pflichtbewußter guter Sohn bist. Du wirst nicht das Gefühl haben, dass du etwas geleistet hast. Du hast gar nichts getan. Was hast du schon getan? Bloß ein paar Blumen der Mutter gebracht, die krank ist, und du hast schon das Gefühl, dass du eine große Verpflichtung erfüllt hast? Darum ist Pflicht schmutzig. Allein schon das Wort ist schmutzig; es orientiert sich am anderen.

18.12.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 1/6 (6)

von: tao

 
Religionen wurden speziell für Kinder gemacht, darum ist Gott "der Vater"; Kinder können nicht unabhängig sein, sie brauchen einen Vater. Wenn dein realer Vater verschwunden ist, dann brauchst du trotzdem einen imaginären Vater im Himmel, der dich kontrolliert; du bist nicht reif genug, du kannst nicht selbstständig sein, du mußt dich an jemanden anlehnen, an wen auch immer.
Taoisten haben kein Gotteskonzept -- nicht dass sie gottlos sind, sie sind höchst göttlich -- aber sie haben keine Gottesvorstellung; die Existenz ist genug. Es gibt keinen Schöpfer, es gibt keine Schöpfung, es gibt Ewigkeit. Dies ist immer so gewesen, dies wird immer so sein. Bist du erst einmal in Kontakt mit dieser ewigen Kontinuität innerhalb deines Wesens gekommen, mit dem Substrat, dann gibt es nichts mehr, über das du unglücklich sein könntest.
Du bist ewig, du bist unsterblich, es gibt keinen Tod für dich, weil es niemals irgendeine Geburt gegeben hat. Du bist unerschaffen, du  kannst nicht zerstört werden. Wie auch immer die äußeren Umstände sind, dein inneres Licht brennt hell weiter und das Lied geht weiter.
"Konfuzius, der auf einer Reise nach Wei war, sah ihn aus der Entfernung. Er wandte sich an seine Schüler und sagte: "Dieser alte Mann sollte es wert sein, dass man mit ihm spricht. Jemand sollte zu ihm gehen und herausfinden, was er zu sagen hat." (03.02.2006)
Sonstige

17.12.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 1/9 (11)

von: tao

Beschäftigt

Das Leben kann nicht irgendeinen Zweck haben, denn wenn das Leben irgendeinen Zweck hat, dann wird etwas wertvoller sein als das Leben, und wieder wird die Frage entstehen: Was hat es für einen Zweck? Wenn wir sagen: Das Leben ist dafür da, zur Wahrheit zu gelangen, dann wird Wahrheit zum wirklichen Zweck. Aber was ist dann der Zweck von Wahrheit? Wenn wir sagen: Das Leben ist dafür da, Gott zu suchen, dann entsteht die Frage: Was ist der Zweck von Gott? oder Gott zu erreichen? oder Gott zu verwirklichen? Am Ende mußt du das Wort "Zweck" aufgeben, schließlich mußt du es fallenlassen.

 

16.12.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 16 (20)

von: tao

 
Ein Mensch, der Angst vor dem Tod hat,
wird Angst vor dem Leben haben,
wird Angst vor der Liebe haben,
denn Liebe ist eine Blüte --
Liebe ist kein Geldstück.
Ein Mensch, der Angst vor dem Leben hat
mag sich verheiraten,
aber er wird sich niemals verlieben.
Ehe ist wie ein Geldstück, Liebe ist wie eine Rosenblüte.
Sie ist da, sie mag auch nicht da sein,
aber du kannst dir nicht sicher darüber sein,
sie besitzt keine gesetzliche Unsterblichkeit.
Eine Ehe ist etwas, an was du dich klammern kannst,
sie hat einen Eheschein, ein Familiengericht hinter sich.
Sie hat die Polizeimacht und die Politik hinter sich
und die werden alle kommen, wenn etwas schief läuft.
Aber bei der Liebe....
Da ist natürlich die Kraft der Rosen,
aber Rosen sind keine Polizisten, sie sind keine Politiker,
sie können dich nicht beschützen.
Liebe kommt und geht, die Ehe kommt einfach nur.
Sie ist ein totes Phänomen, sie ist eine Institution.
 
Verrückt