Goldene Blüte 2/1-6 (3)
Musik: Paul Horn – Vibrations
Musik: Paul Horn – Vibrations
Musik: Sheila Chandra – ABoneCroneDrone 5
Tao ist die Vision der Totalität, die Vision der Ganzheitlichkeit. Teile spielen keine Rolle; Teile haben an sich keine Bedeutung. Der Sinn gehört zum Ganzen, zur Einheit, zur organischen Einheit – wenn wir in den Teilen nach einem Sinn suchen, werden wir vergebens suchen. Nicht nur das, wenn wir darauf bestehen, in den Teilen nach dem Sinn zu suchen, werden wir den Sinn eher zerstören, als daß wir ihn finden würden. Es würde eine destruktive Einstellung sein.
Zum Beispiel existiert ein Gedicht nicht in den Wörtern, die es konstituieren, es existiert irgendwo jenseits der Worte. Es ist transzendental. Wenn wir die Wörter auseinandernehmen, die Sätze, die sprachliche Form, was werden wir dann erhalten ? Wenn wir ein Gedicht sezieren, wenn wir ein Gedicht zerteilen, töten wir damit eine lebendige Einheit. Es ist, als wenn wir den Körper eines Menschen sezieren würden – in der Zeit, in der wir es geschafft haben, den Körper des Menschen aufzuschneiden, ist der Geist weg. Was auch immer wir finden, wird ein toter Leichnam sein. Der Mensch ist in der Einheit, genauso wie das Gedicht in der Einheit liegt.
Wenn wir Poesie zerstückeln, werden wir Sätze vorfinden; wenn wir die Sätze zergliedern, werden wir Haupt- und Nebensätze finden; wenn wir die Haupt- und Nebensätze zergliedern, werden wir Worte vorfinden; wenn wir die Worte zerstückeln, dann bleibt noch das Alphabet übrig. Aber wo ist die Poesie – die Lyrik, die unser Herz hat erbeben lassen ? Wo ist diese Schönheit, die unser Wesen berührt hat, das uns Flügel verliehen hat ? Wo ist diese Vision ? In dem Alphabet ist nichts.
Wie ist all das verschwunden ? Unsere Herangehensweise war grundlegend falsch. Unser Herangehen war fundamental destruktiv und gewaltsam. Wir haben es zerschnitten. Poesie muß in ihrer Totalität gesehen werden. Sie muß als ein Ganzes erfaßt werden. Wenn wir sie als eine Ganzheit begreifen können, dann steuert jedes Wort etwas dazu bei; wenn wir sie nicht als eine Gesamtheit verstehen können, dann setzen die Wörter sie auch nicht zusammen. Die Wörter machen nur den Körper eines Gedichts aus, aber nicht sein Herz. Ja, das Herz kann nicht ohne den Körper existieren, aber das Herz ist nicht der Körper. Der Mensch kann nicht ohne den Körper existieren, das ist klar, aber der Mensch ist nicht bloß der Körper. Der Mensch ist weit mehr. Der Mensch ist weit höher. Er ist angebunden an den Körper, er lebt im Körper, aber er ist nicht der Körper als ein Körper. Der Körper ist der Tempel und der Mensch ist der Gott, der in ihm wohnt. Ja, wenn wir den Tempel zerstören, wird der Gott keine Bleibe mehr haben; er wird verschwinden, sich verflüchtigen. So verschwindet auch ein Gedicht. Das Gedicht ist der Gott, der in den Worten residiert, der Rhythmus, der Sinn, die Bedeutung, die Schönheit.
Die Botschaft des Taoismus ist, dass du dir keinen Charakter um dich herum erschaffen sollst, dass du dir keine bestimmte Persönlichkeit in dir herstellen sollst, dass du nicht an die Zukunft, nicht an Nirvana, nicht an Erleuchtung und nicht an Gott denken sollst. Gott ist nicht in der Zukunft, noch ist Gott in der Vergangenheit. Gott ist hierjetzt, immer hierjetzt. Gott ist genau dieser Zustand. Die Leute halten Gott immer für den Ursprung, den Urgrund. Sie begreifen das Wesentliche nicht. Gott ist nicht der Urgrund irgendwo weit, weit weg in der Vergangenheit. Gott ist nicht die Grundursache. Oder es gibt Leute, die halten Gott für das ultimative Ziel, wiederum weit, weit weg in der Zukunft. Entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft -- und so verfehlen sie ihn. Und Gott kennt nur eine Zeit, und das ist die Gegenwart. Das Jetzt ist ein anderer Name für Gott. Er ist genau diese Situation! Dieser Moment, innen und außen, ist Gott. Und Gott ist nicht etwas Geheiligtes, Heiliges, wieder weit weg im Himmel. Gott ist all die Zustände -- und mit alle sind alle gemeint: das Heilige und das Profane, der Körper und die Seele, Materie und Bewußtsein. Das Niedrigste des Niedrigen ist Gott, und das Heiligste des Heiligen ist Gott, und da gibt es nicht den geringsten Unterschied zwischen den beiden. Judas ist genau so viel Gott wie Jesus, denn es kann gar nichts anderes geben. Das sind alles bloß Rollen, bloß Aufführungen, gespielt auf der Bühne in einem Drama.
Musik: Johann Pachelbel – J.S. Bach / Suite (Overture) No. 2 in b BWV 1067: Badinerie
Wenn wir versuchen, still zu werden, dann können wir beobachten, wie alles Mögliche zu einer Störung wird, wie es uns ablenkt. Bloß ein Hund, der bellt, dem es überhaupt nicht bewußt ist, daß wir gerade versuchen, zu meditieren, der nichts gegen Meditation hat, der kein alter Feind ist, der nicht die geringste Rache an uns nimmt wegen irgendeinem Karma aus der Vergangenheit... Er hat bloß Spaß am Bellen; das ist seine Meditation. Vielleicht macht er ja sogar dynamische Meditation ! Er scheint moderner und zeitgemäßer zu sein als wir – wir machen gerade Vipassana und er macht schon die Dynamische Meditation ! Aber wir werden uns gestört fühlen. Er fühlt sich nicht gestört durch unser Vipassana und wir werden durch seine dynamische Meditation gestört aus dem einfachen Grund, daß wir dabei etwas erzwingen; es ist nicht natürlich. Es ist bloß eine sehr dünne Schicht des Stillseins, die wir irgendwie uns selbst aufgemalt haben. Tief innen bellen tausend Hunde in uns, und sie verstehen augenblicklich den Hund, der im Außen bellt, und sie spüren einen großen Drang, zurückzubellen. Die Ablenkung kommt von unseren inneren Hunden, sie kommt nicht von dem äußeren Hund; der äußere Hund ist überhaupt nicht verantwortlich dafür. Wenn unser Schweigen natürlich ist, wird das Hundebellen keine Ablenkung sein; es kann sogar unser Stillsein noch verstärken, es mag zu einem Hintergrund für unsere Stille werden. So kann das geschehen.
Wenn wir in der Nacht die Sterne sehen, diese schönen Sterne, haben wir dann jemals darüber nachgedacht, was mit diesen Sternen am Tag geschieht ? Sie gehen nicht weg – wohin können sie auch gehen ? Sie sind da, aber weil der Hintergrund nicht mehr da ist, weil die Dunkelheit nicht mehr da ist, können wir sie nicht sehen. In der Nacht funktioniert die Dunkelheit wie ein Hintergrund: Je dunkler die Nacht, desto mehr scheinen die Sterne. Sie strahlen nicht so sehr in einer Vollmondnacht, aber wenn der Mond überhaupt nicht da ist, sind die Sterne wirklich schön. Das gleiche gilt für ein wirkliches Schweigen: Alles, was sich normalerweise als eine Ablenkung auswirkt, wird hier zum Hintergrund. Der bellende Hund, der Verkehrslärm, jemand schreit, Kinder weinen, rennen herum, die Frau kocht Essen in der Küche – alles wird ein Hintergrund und alles vertieft unser Schweigen, weil wir uns eben nicht konzentrieren, wir üben keinen Zwang aus, wir wollen nichts erzwingen, wir sind einfach entspannt. Ständig passiert irgendetwas, wir bleiben ungerührt; wir bleiben absolut zentriert, und zwar anstrengungslos zentriert. Dies gilt es zu beachten: Tao lehrt uns anstrengungsloses Natürlichsein; es glaubt nicht an Anstrengung, wie dies Yoga tut. Yoga und Taoismus sind total entgegengesetzt zueinander. Darum konnte sich Yoga in China nicht durchsetzen.
Musik: Chorus of Tribes – Into Morocco
Das Leben ist zum Genießen da; es ist ein göttliches Geschenk. Aber Millionen Menschen sind in der Armee und bereiten sich gerade darauf vor, abgeschlachtet zu werden oder abzuschlachten. Und ihr ganzes Leben -- von morgens bis abends -- wird damit verbracht, zu exerzieren, zu marschieren, ihre Gewehre zu polieren, irgendwelche Anordnungen eines törichten Menschen zu befolgen: Links um, Rechts um. Und das tun sie ihr ganzes Leben lang! Und nicht einen einzigen Moment lang denken sie über das nach, was sie gerade tun -- was sie da mit ihrem Leben anfangen. Ist das Leben dafür da? Ist dies die Bestimmung des Lebens? Wenn du singst und tanzst, ist das vielleicht sinnvoll, aber sich nach links und rechts zu drehen, den gleichen Marsch jeden Tag zu tun, sich bloß auf den Tod vorzubereiten.... wie kann das Leben bloß eine Vorbereitung auf den Tod sein? Brutalität, Gewalttätigkeit und Gefühllosigkeit wird gelehrt -- nur dann können Millionen von Menschen zu Sklaven gemacht werden. Du denkst, du bist ein freier Mensch? Die Sklaverei ist bloß ausgeklügelter geworden, das ist alles.
Musik: Deuter – Silver Cloud
Musik: Benjy Wertheimer – Bhairavi

Musik: Osho Musicians – Lord Of The Full Moon

Musik: Deva Premal – All Is Welcome Here (Studio Version)
Musik: Danny Becher – Atmananda (pleasure of being one with supreme soul)
Ein paar Witze über Therapeuten:
Ein Therapeut geht gerade die Straße hinunter, als eine Frau mit einem Korb voller Blumen auf ihn zu kommt und sagt: "Möchten Sie Blumen kaufen, mein Herr ?"
"Nein danke."
"Aber möchten Sie denn nicht gerne der Frau, die Sie lieben, Blumen mitbringen ?"
"Hören Sie auf damit, meine Dame. Ich bin ein verheirateter Mann."
Ein alter Therapeut besucht einen anderen Therapeuten. "Freund", sagt er, "ich habe ein Problem. Ich bin achtzig Jahre alt und renne immer noch jungen Mädchen hinterher."
"Nun, Dein Fall ist ganz normal. Das passiert fast jedem in Deinem Alter", erwidert der andere Psychoklempner.
"Aber mein Problem ist, ich habe vergessen, warum ich hinter ihnen her bin."
Ein Psychotherapeut lacht laut in seinem Arbeitszimmer.
"Worüber lachst Du denn ?", fragt seine Frau.
"Ach, nichts besonderes, meine Liebe. Es ist bloß so, daß ich mir gerne selbst Witze erzähle, und dieser letzte, den kannte ich noch nicht."
Und der letzte:
Ein sehr alter Psychotherapeut kommt zu einer Prostituierten. Sie einigen sich über den Preis und der alte Mann fängt an, sich auszuziehen. Er legt seine Jacke ab, seine Krawatte, sein Hemd, und wirft das alles zum Fenster hinaus. Als er dann schon seine Hose in der Hand hält und sie gerade auch zum Fenster hinauswerfen will, packt ihn die Prostituierte am Arm und sagt: "Warum tust du das denn ? Wenn wir fertig sind, kannst du doch nicht nackt auf die Straße gehen."
"Naja", antwortet der alte Psychoklempner, "schau mal, Liebling, bis ich gekommen bin, werden diese Kleider sowieso schon aus der Mode gekommen sein !"
"Vollbringe das Nichtstun.
Nimm teil an der Nichtteilnahme.
Schmecke das Geschmacklose.
Ob es groß ist oder klein, viel oder wenig,
vergelte Haß mit Tugend.
Gib dich mit dem Schwierigen ab, während es noch leicht ist;
beschäftige dich mit dem Großen, solange es noch klein ist.
Die schwierigen Probleme der Welt
müssen angegangen werden, solange sie noch leicht sind;
die großen Probleme der Welt
müssen behandelt werden, während sie noch klein sind.
Deswegen der Weise
indem er sich niemals mit großen Problemen abgeben muß
vollendet er Größe.
Wer leichthin ein Versprechen macht
wird es oft schwer finden, sein Wort zu halten.
Wer viele Dinge zu leicht nimmt
wird vielen Schwierigkeiten begegnen.
Daher betrachtet sogar der Weise Dinge als schwierig,
und aus diesem Grund trifft er niemals auf Schwierigkeiten."
Das Leben ist kein Problem.
Es ist vielmehr ein Mysterium, das gelebt werden muß
kein Problem, das gelöst werden muß.
Aber es wird ein Problem,
und es wird deswegen zum Problem,
weil wir ständig irgendetwas verzögern,
weil wir Dinge auf morgen verschieben.
Musik: Danny Becher – Atmananda (pleasure of being one with supreme soul)

Musik: Miten with Deva Premal: Purnima
Musik: Music from the World of Osho: Entering the Mystery
Das Leben kann nicht irgendeinen Zweck haben, denn wenn das Leben irgendeinen Zweck hat, dann wird etwas wertvoller sein als das Leben, und wieder wird die Frage entstehen: Was hat es für einen Zweck? Wenn wir sagen: Das Leben ist dafür da, zur Wahrheit zu gelangen, dann wird Wahrheit zum wirklichen Zweck. Aber was ist dann der Zweck von Wahrheit? Wenn wir sagen: Das Leben ist dafür da, Gott zu suchen, dann entsteht die Frage: Was ist der Zweck von Gott? oder Gott zu erreichen? oder Gott zu verwirklichen? Am Ende mußt du das Wort "Zweck" aufgeben, schließlich mußt du es fallenlassen.