Taoistische Reflektionen

21.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 1 (21)

von: tao

Musik: Gomer Edwin Evans – Variations on Pachelbel

Worin besteht die Notwendigkeit, zu gewinnen?
Warum möchtest du dich beweisen?

  Denn mit deinen eigenen Augen siehst du

und weißt du, dass du ein Nichts bist, du bist nichts;

und dieses Nichts-Sein wird ein Herzschmerz.

Du leidest, weil du nichts bist --

also mußt du dich vor den Augen anderer beweisen.

Du mußt in den Köpfen anderer

eine Meinung verankern

dass du jemand bist, dass du nicht ein Nichts bist.

Und dann schaust du in ihre Augen

und sammelst Meinungen, die öffentliche Meinung,

und mit Hilfe der öffentlichen Meinung

wirst du ein Image kreieren.

Dieses Image ist das Ego,

es ist nicht dein wirkliches Selbst.

Es ist ein widergespiegelter Ruhm, nicht dein eigener

es ist den Augen anderer entnommen.

Ein Prominenter

wird immer Angst vor anderen haben

denn sie können zurücknehmen,

was auch immer sie gegeben haben.

20.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 78 (13)

von: tao

Musik: Stephan Micus – Morning Breeze

Es geschieht tief in dir.
Gott atmet in dir,
Gott hat Durst in dir --
oder das Ganze ist durstig;
mit Gott ist die Ganzheit gemeint.
Der Teil ist bloß ein Teil.
Nachdem das Kind seinen ersten Atemzug getan hat
wird das zweite Phänomen in ihm entstehen --
und dann wird es eine Kettenreaktion sein,
und die ganze Kette muss verstanden werden.
Durst wird entstehen.
Dann wird Hunger aufkommen.
Dann wird ein Bedürfnis nach physischer Aktivität entstehen.
Dann wird Sex hochkommen.
Dann wird ein Bedürfnis nach mentaler Aktivität aufkommen.
Dann wird Liebe entstehen.
Dann wird ein Bedürfnis nach ästhetischer Aktivität da sein:
Poesie, Malen, Musik....
Das sind acht Aktivitäten.
Und dann entsteht
die neunte, die letzte:
Das Bedürfnis nach spiritueller Aktivität --
Meditation, Samadhi.

19.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (24)

von: tao

Musik: Music from the World of Osho – The Empty Heart

 
Das Denken kann gefaßt werden,
das Wesen aber kann nicht eingefangen werden.
Es gibt keine Netze dafür.
Das Denken kann sehr leicht aufgegriffen werden,
und ihr alle seid auf die eine oder andere Weise
eingefangen worden.
Weil du ein bestimmtes Denken hast,
wird dich eine Ehefrau oder ein Ehemann einfangen;
ein Geschäft, ein Vermögen, ein Posten,
irgendetwas wird dich einfangen.
Dafür gibt es Netze, Millionen von Netzen.
Und du kannst nicht frei sein, bevor du nicht frei vom Denken bist.
Du wirst immer wieder eingefangen werden.
Wenn du diese Frau verläßt,
wird dich sofort eine andere Frau wieder einfangen.
Du kannst nicht entkommen.
Du kannst dieser Frau entkommen,
aber du kannst den Frauen nicht entkommen.
Du kannst diesem Mann entkommen, aber wohin willst du gehen?
Kaum hast du den einen verlassen
da ist schon ein anderer in dein Leben gekommen.
Du kannst diese Stadt verlassen, aber wohin willst du gehen?
Eine andere Stadt wird dich einfangen.
Du kannst von dieser Sehnsucht ablassen,
aber eine andere wird zur Gebundenheit werden.
Das Denken ist immer gebunden, es ist schon gefangen.
Wenn du das Denken los läßt,
dann kann die Polizei dich nicht fassen.
 

18.02.2010 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 1/7 (7)

von: tao

Musik: Kamal – Northern Lights

Konfuzius sagte:
"Es gibt keine Ruhe für die Lebenden."
"Dann werde ich sie niemals finden?" fragte der Schüler.
Natürlich, wenn es keine Ruhe für die Lebenden gibt, wann dann? Wann werde ich dann zur Ruhe kommen? Werde ich sie denn niemals finden? Wird dieser Alptraum für immer und ewig weitergehen? Und gibt es kein Ende dafür?
Konfuzius sagte:
"Du wirst.
Schau nach vorne zur hohen Kuppel deines Grabhügels
und wisse, wo du Ruhe finden wirst."
"Du wirst." Bedenke diese Worte. Das ist die größte Täuschung, die jemals von einem Menschen erfunden wurde: "Du wirst... nicht jetzt, irgendwann in der Zukunft... nicht hier, irgendwo anders." All die sogenannten "Religionen" haben dieses trügerische Hilfsmittel benutzt. Sie machen Versprechungen. Sie sagen: "Du wirst alles finden, was du willst, aber nicht jetzt... morgen." Und das Morgen kommt nie -- es kann nicht kommen, vom Prinzip her schon nicht. Die Zukunft kommt nie, denn immer wenn sie kommt, ist es die Gegenwart. Die ist immer jetzt, und jetzt, und jetzt. Wo immer du sein wirst, es wird jetzt und hier sein.
 

17.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 5 (15)

von: tao

Musik: Riley Lee – Ocean Mist


"Viel Gerede führt zu schneller Erschöpfung."
Je mehr Worte es in dir gibt, desto mehr siecht der Intellekt dahin, desto mehr rostet er. Aber unser Intellekt ist aus Worten geformt. Diese Wörtersammlung ist unser Schatz. Alles ist zur Statistik geworden. Die Mathematiker sagen: "Je größer dein Wortschatz, desto erfolgreicher bist du. Aus seinem Wortschatz können wir ableiten, wieviele Schritte zum Erfolg ein Mensch schon in seinem Leben absolviert hat." Der Erfolg eines Menschen wird an seinen Worten gemessen.
In gewisser Weise ist das, was sie sagen, korrekt. Worin besteht schon die Fähigkeit eines Politikers? Seine Fähigkeit besteht darin, dass er mit Worten spielen kann. Worin besteht die Fähigkeit eines religiösen Lehrers? Er kann mit Worten anderer Art spielen. Das gleiche gilt für einen Schriftsteller. Auch sein Erfolg hängt davon ab, wie er  mit Worten spielen kann. Die erfolgreichen Leute in der Welt sind diejenigen, die ihre überschüssige Energie in Worte investieren.
Daher diese Manie, Worte zu lehren. All unsere Erziehung ist ein Training in Worten. Je mehr Worte einer kennt, desto mehr Hoffnungen auf seinen Erfolg werden dadurch geweckt.
Traurig

16.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 22 (23)

von: tao

Musik: Aeoliah – Emanation of Grace

Christus ist für die Juden ein Fremder,
darum wurde er gekreuzigt.
Er war kein Insider,
für ihre Köpfe war er einfach unbegreifbar.
Er war unverständlich für ihr Denken und ihre Logik --
und Juden sind sehr logisch,
ein äußerst logisches, mathematisches
und berechnendes Volk.
Sie konnten diesen Mann nicht verstehen;
dieser Mensch lehrte verrücktes Zeug:
"Wenn jemand dir deinen Mantel raubt,
dann gib ihm auch dein Hemd."
Wenn jemand dich deines Mantels beraubt,
dann wehre dich tapfer dagegen,
lass ihn dich nicht so leicht berauben.
Und dieser Mann sagt:
Lass ihn den Mantel nehmen
und gib ihm auch noch dein Hemd!
Absurd! Darum konnte Jesus nicht akzeptiert werden.
Sogar die Christen haben ihn nicht akzeptiert.
Sie beten ihn an, aber sie haben ihn nicht akzeptiert --
warum sonst so viele christliche Kriege?
Christen haben so viele Millionen von Menschen getötet --
sie nennen es einen Kreuzzug, einen religiösen Krieg.
Wie kann es einen Religionskrieg geben?
Alle Kriege sind religionslos, irreligiös;
ein Krieg kann nicht religiös sein,
Gewalt kann nicht religiös sein.

15.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (15)

von: tao

Musik: Gomer Edwin Evans – Secret Love

Mit einer Erklärung schiebst du die Verantwortung
auf etwas anderes ab.
Trittst du jemandem auf den Fuß, dann sagst du nicht:
Ich war unbewußt, ich gab nicht acht,
darum stieg ich dir auf deinen Fuß.
Du sagst: Hier sind einfach zu viele Leute!
Ein Taoist kann dies nicht tun,
und wenn du dies weiterhin tust,
wirst du niemals taoistisch werden,
denn Taoismus bedeutet
dass du all die Verantwortung, die da ist, auf dich nimmst,
ohne Ausweichen, ohne Ausflüchte.
Je verantwortlicher du bist,
desto mehr Bewußtheit wird daraus entstehen;
je weniger du dich verantwortlich fühlst,
desto mehr wirst du immer unbewußter werden.
Immer wenn du das Gefühl hast, dass du nicht verantwortlich bist
wirst du einschlafen. Und das ist schon geschehen --
nicht nur in individuellen Beziehungen
sondern auf allen Ebenen der Gesellschaft.
Der Marxismus sagt,
dass die Gesellschaft für alles verantwortlich ist,
du bist nicht verantwortlich,
wie untaoistisch.
 

14.02.2010 um 02:17 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (24)

von: tao

Musik: Stephan Micus – Padre

 
Nenne irgendeine Dimension des Lebens
und die Taoisten haben sie schon
für ein inneres Training benutzt.
Dieser Mann, Gi Siau,
wurde vom Herrscher gebeten
einen Hahn für ihn zu trainieren.
Der König war am Kampf interessiert,
am Wettkampf,
und natürlich war er auch daran interessiert
dass sein Hahn den Wettbewerb gewinnt.
Sogar durch Hähne kämpfen unsere Egos.
Wir benutzen alles für das Ego,
sogar Spiele werden dadurch mißbraucht.
Dann bist du nicht am Spiel interessiert,
du bist nur daran interessiert,
wie du es gewinnen kannst --
das ist der Unterschied zwischen Spiel und Sport-
Im Spiel bist du am Spiel selbst interessiert --
Kinder spielen. Dann ist das Spiel schön,
und wenn dein ganzes Leben ein Spiel werden kann
wird es zu einer schönen Sache werden.
Beim Sport bist du nicht am Spiel an sich interessiert,
du bist am Endergebnis interessiert.
Fröhlich

13.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao 608

von: tao

Musik: Chinmaya Dunster – Full Moon


Ein Mensch, der ein Ladengeschäft betreibt, um seinen Wohlstand zu vermehren, ist auf der Suche nach dem Möglichen, wohingegen ein Mensch, der im Wald sitzt auf der Suche nach Gott, das Unmögliche sucht. Tatsächlich kann Gott nicht gesucht werden. Wenn alles Suchen aufhört, wird er gefunden in seiner Gegenwärtigkeit, hier und jetzt. Wegen der Suche kann er nicht gesehen werden. Wenn ein Mensch auf der Suche nach etwas schnell rennt, entgehen die Dinge um ihn herum seiner Aufmerksamkeit, und so rennt er genau an der Sache vorbei, nach der er Ausschau hält. Ein Mensch, der in einem Ochsenkarren reist, hat genug Gelegenheit, die Dinge um ihn herum zu betrachten, aber wenn ein Mensch in einem Flugzeug reist, entgehen ihm alle Details. Er kann die Blumen nicht sehen, er kann die Vögel nicht sehen, er kann nur geballte Formen sehen, da wo die Bäume sind. Wenn ein Mensch in einer Rakete reist, entgehen ihm sogar die Dschungel. Nichts kann mehr gesehen werden. Die Geschwindigkeit beeinträchtigt die Aussicht. Sowie die Schwungkraft der Sehnsüchte zunimmt, werden wir immer mehr blind. Der Staub, der aufgewirbelt wird, läßt uns gar nichts mehr sehen.

12.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (23)

von: tao

Musik: Deuter – Gaia Dreaming Herself Awake

 
Alle Fotografien gehören der Vergangenheit an.
Es ist schön und bedeutungsvoll, obwohl es absurd klingt,
aber es wird gesagt,
dass man einen Menschen wie Buddha nicht fotografieren kann.
Nicht dass man ihn nicht fotografieren kann --
aber in dem Moment, in dem das Foto gemacht ist,
hat sich Buddha schon bewegt.
Also ist das Foto immer aus der Vergangenheit
und gibt nie die Gegenwart wieder.
Du kannst Buddhas gegenwärtiges Gesicht nicht einfangen.
In dem Moment, in dem du es einfängst,
ist es schon wieder weiter.
In dem Moment, in dem du es verstehst, ist es schon weg.
Einer der Namen von Buddha ist "Tathagata".
Dieses Wort ist wirklich wundervoll, es heißt:
Genau wie der Wind kam er und ist er gegangen.
So wie der Wind gekommen und so auch wieder gegangen.
Du kannst den Wind nicht fotografieren,
du kannst keinen Lufthauch einfangen.
Bevor du ihn eingefangen hast, ist er schon wieder weg.
Er ist schon nicht mehr da.
Dschuang Dsi konnte nicht gefunden werden
weil die Polizei nach seiner Vergangenheit suchte
und er lebte in der Gegenwart. Er war ein Sein, kein Denken.

11.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao 607

von: tao

Musik: Stephen DeRuby – Devotion

Das war Oshos Erfahrung: Als er ein Student war, war er über das Wissen seiner Professoren erstaunt, denn das war dreißig Jahre alt. Als sie jung waren, hatten sie es bei ihren Lehrern gesammelt. Seit damals hatten sie sich nicht darum gekümmert, was in der Zwischenzeit geschehen war. Dieses Wissen war absolut nutzlos. Osho stand ständig im Konflikt mit seinen Professoren. Er wurde aus vielen Hochschulen hinausgeworfen, ausgeschlossen, weil die Professoren sagten, dass sie ihm nicht gewachsen wären. Und er machte keine Schwierigkeiten. Er machte sie nur einfach darauf aufmerksam, dass das, was sie sagten, veraltet war. Aber das verletzt das Ego. Sie hatten es während ihrer eigenen Universitätstage gelernt und sie dachten, dass die Welt dort und dann stehen geblieben sei. Nun können sich Studenten nicht mehr auf die Lehrer verlassen und die Kinder können sich nicht auf ihre Eltern verlassen, daher droht überall in der Welt eine große Rebellion. Das hat mit nichts anderem zu tun. Die Studenten können nicht mehr ihre Lehrer respektieren. Bevor ihre Lehrer nicht ständig weiterlernen, können sie nicht mehr respektiert werden. Wofür? -- Es gibt keinen Grund. Und die Kinder können ihre Eltern nicht respektieren, denn die Einstellung ihrer Eltern wirkt sehr primitiv. Kleinen Kindern wird schon bewußt, dass das, was ihre Eltern sagen, altmodisch ist. Die Eltern werden ständig weiterlernen müssen, wenn sie ihren Kindern wachsen helfen wollen, und die Lehrer werden ununterbrochen weiterlernen müssen. Jetzt kann keiner mehr mit dem Lernen aufhören. Und diese Geschwindigkeit nimmt ständig weiter zu.

10.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao 606

von: tao

Musik: Stephan Micus – Part 1

Intelligenz ist nicht etwas, das erworben wird, sie ist eingebaut, sie ist angeboren, sie gehört einfach zum Leben dazu. Nicht nur Kinder sind intelligent, Tiere sind auf ihre eigene Weise intelligent, Bäume sind in ihrer eigenen Weise intelligent. Natürlich haben sie alle verschiedene Arten von Intelligenz, weil ihre Bedürfnisse differieren, aber es ist nun eine etablierte Tatsache, dass alles, was lebt, intelligent ist.

10.02.2010 um 02:52 Uhr

Goldene Blüte 3/10 (7)

von: tao

Musik: Benjy Wertheimer – Meditation of the Night

 

Mit der Idee des Ich ist es genau so, wie wenn man eine Fackel in die Hand nimmt und beginnt, die Fackel in der Hand zu drehen, sie kreisen und rotieren zu lassen. Dann wird man einen feurigen Kreis sehen, den es nicht gibt. Aber die Fackel bewegt sich so schnell, daß sie einen illusionären Feuerkreis erzeugt, das erschafft die Illusion eines Kreises aus Feuer. Er ist nicht da. Die Gedanken bewegen sich so schnell, daß sie die Idee des Ich erzeugen. Lü-tse sagt, man muss sich vom selbstbewußten Herzen zum nicht selbstbewußten Herzen bewegen: Man muss sich vom Ego zur Egolosigkeit bewegen, man muss sich vom Selbst zum Nicht-Selbst bewegen. Das Selbst ist der manifestierte Teil – winzig, sehr klein, vergröbert. Das Nicht-Selbst ist der unmanifestierte Teil – unbegrenzt, ewig. Das Selbst ist ein temporäres Phänomen, eines Tages geboren, wird es eines Tages sterben müssen. Das Nicht-Selbst, das Buddha anatta nennt, das Unselbst, ist Teil der Ewigkeit – niemals geboren und es wird niemals sterben – es bleibt für immer.

"Innerhalb unseres 1,83m großen Körpers müssen wir nach der Form streben, die schon existierte, bevor Himmel und Erde errichtet wurden."

Und innerhalb unseres 1,83 m großen Körpers haben wir diese ursprüngliche Qualität immer noch lebendig, sie vibriert immer noch – diese originale Eigenschaft, die da war, bevor Himmel und Erde gemacht wurden. Die Zenleute nennen es "das ursprüngliche Gesicht": Als noch nichts geboren worden war – nicht einmal die Erde, nicht einmal der Himmel – war alles  unmanifestiert; als alles noch Schweigen war, kein Ton war schon geboren; als keine Form da war und alles war formlos, war alles in Keimform. Wir haben diese ursprüngliche Stille in uns. Die Hindus nennen sie anahat nad. Die Zenbuddhisten haben auch einen speziellen Ausdruck dafür: "Den Ton einer klatschenden Hand". Das ist in uns, es ist unsere Realität. Dies zu kosten heißt unsterblich zu werden, es zu schmecken bedeutet, golden zu sein. Dann ist der Staub in das Göttliche transformiert. Das Ziel aller Alchemie ist, das niedrigere Metall in Gold zu transformieren.

"Wenn heutzutage die Leute sitzen

und nur ein oder zwei Stunden meditieren,

wobei sie nur auf ihre Egos schauen und dies Reflektion nennen,

wie kann irgendetwas dabei herauskommen ?"

Man kann in Meditation sitzen und nur auf das eigene Ego schauen. Das ist es, was die Leute Kontemplation nennen: Sie schauen in ihre Gedanken, sie verändern nicht die Gestalt, die Perspektive ihrer Aufmerksamkeit. Alles, was ihnen passiert, ist: Gewöhnlich sind sie mit so vielen Dingen beschäftigt, dass sie nicht in ihre Gedanken schauen können.

10.02.2010 um 02:14 Uhr

Quellender Ursprung 1/5 (1)

von: tao

Musik: Parijat – Ruparahi

"Als Konfuzius das Taishangebirge durchstreifte, sah er Yung Ki Ki durch das Hochmoor von Tscheng gehen, in einem struppigen Pelzmantel mit einem Strick um seine Hüfte gegürtet. Er klimperte auf einer Laute und sang dazu.

"Meister, was ist der Grund für deine Freude?", fragte Konfuzius.

"Meiner Freuden sind viele. Von den Myriaden von Dingen, die der Himmel erzeugte, ist die Menschheit das edelste – und ich habe das Glück, menschlich zu sein. Dies ist meine erste Freude.

Leute werden geboren, die keinen Tag lang leben oder gerade einen Monat, die niemals ihren Windeln entwachsen, aber ich habe schon an die neunzig Jahre lang gelebt. Dies ist meine Freude.

Für alle Menschen ist Armut die Regel und der Tod das Ende. Indem ich mich mit diesem Regelfall abfinde und mein Ende erwarte, was gibt es da noch, worum ich mich bekümmern müßte?"

"Gut!", sagte Konfuzius, "hier ist ein Mensch, der weiß, wie er sich selbst Trost verschaffen kann."

Das ist eine schöne Parabel, und sie ist nicht nur schön, sondern sehr subtil. Wenn du sie nur oberflächlich betrachtet, wirst du die Bedeutung verfehlen. Taoistische Gleichnisse sind nicht an der Oberfläche zu verstehen. Sie gehen sehr tief, und man muß schon tief hineingehen, sie betrachten und über sie meditieren, nur dann wird man ihre wahre Bedeutung kennenlernen. Oberflächlich gesehen erweckt diese Parabel den Anschein, als wenn sie zugunsten von Konfuzius wäre; an der Oberfläche scheint es so, daß dieses Gleichnis die Aussage hat, daß Konfuzius weise ist. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Es besteht ein großer diametraler Gegensatz zwischen der taoistischen Einstellung und der konfuzianischen Einstellung; Konfuzius ist so weit weg von der taoistischen Vision, wie es nur möglich ist. Konfuzius glaubt an das Gesetz, Konfuzius glaubt an die Tradition, Konfuzius glaubt an die Disziplin. Konfuzius glaubt an Charakter, Moral, Kultur, Gesellschaft und Erziehung. Taoismus glaubt an Spontaneität, Individualität und Freiheit. Taoismus ist rebellisch; Konfuzius ist sehr konformistisch.

Der Taoismus ist der profundeste Non-Konformismus, der jemals irgendwo auf der Welt entwickelt worden ist, zu irgendeiner Zeit in der Geschichte; er ist seinem Wesen nach Rebellion. Diese Rebellion war also passiert und die taoistischen Mystiker, Lao-tse, Dschuang Dsi und Liä Dsi, machten sich ständig über die konfuzianische Einstellung lustig. Das hier ist ein spöttisches Gleichnis. Sein Spott ist auch sehr subtil, nicht derb. Man muß erst die oberflächliche Bedeutung verstehen, dann kann man auch auf den tieferen Sinn kommen...

 

09.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 15 (24)

von: tao

Musik: David Arkenstone – Heart of Spring

 
Die Natur dessen, was wir zu füllen streben, ist, leer zu sein, und daher kann es nicht gefüllt werden. Die letzte und grundlegende Definition, die Lao-tse für einen Menschen des Tao gibt, ist, dass er leer wie ein Tal ist. Wer sein Leer-Sein akzeptiert und nichts darum gibt, sich selbst zu füllen -- nicht aus Verzweiflung oder Niedergeschlagenheit oder aus einem Gefühl der Verlorenheit -- ist ein Mensch des Tao.
Der bekannte Hindi-Dichter Dinkar hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Für die Verlierer, der Name des Herrn". Die Verlierer haben nichts als den Namen des Herrn, der Name des Herrn bleibt ihnen. Wer verliert, kann gar nicht den Namen Gottes im Munde führen. Aber da er nun mal hilflos ist, hat er nichts sonst, worauf er sich stützen kann, also ist er gezwungen, dies zu tun.
Es ist leicht für uns zu verstehen, dass die Hand eines Versagers eine leere Hand ist, aber die Hand eines Gewinners erweist sich auch als leere Hand. Dies ist deswegen so, weil unsere innere Natur Leer-Sein ist. Wir können das Leer-Sein in uns nicht füllen, genau so, wie es unmöglich ist, die Sonne zu verdunkeln, weil es ihre Natur ist, mit Licht erfüllt zu sein.
Nichts kann gegen unsere Natur getan werden. Alle Anstrengungen, dies zu tun, werden am Ende erfolglos sein.

08.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (22)

von: tao

Musik: Kamal – Whale Dreaming

Es wurde einmal ein Mann von der Polizei festgenommen
und der Richter fragte:
Sagen Sie mir, was sagte der Polizist zu Ihnen
als sie verhaftet wurden?
Der Mann sagte: Darf ich hier vor Gericht
dieselbe vulgäre Sprache wiederholen, die er benutzte?
Werden Sie keinen Anstoß daran nehmen?
Es könnte Sie schockieren.
Der Richter sagte:
Lassen Sie die Vulgärsprache weg,
aber sagen Sie uns, was er sagte.
Der Mann dachte nach und sagte dann:
Also dann -- sagte der Polizist nichts.
Die Polizei, die vergeblich nach Dschuang Dsi fahndete (20.04.2005),
muss irgendeine Methode gehabt haben, ihn zu identifizieren,
irgendeine Idee, wie sie ihn finden und fassen können, seinen Typ.
Aber Dschuang Dsi hat keine Identität.
Von Moment zu Moment ist er ein Fließen, ein Flüssig-Sein.
Von Augenblick zu Augenblick reflektiert er die Existenz
und antwortet ihr.
Er hat keinen festen Aufenthalt, er ist heimatlos, gesichtslos.
Er hat keinen Namen.
Er ist keine Vergangenheit, er ist immer eine Gegenwart.

07.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 1 (39)

von: tao

Musik: Al Gromer Khan – Dance the Hadra

Du bist abhängig.
Ein Buddha steht da wie ein Berggipfel -- unabhängig.
Er hat all die Verknüpfungen mit der Welt abgeschnitten,
zu seiner Frau, zu seinem Kind, zu seinem Vater -- zu allem.
Er hat allem entsagt -- eine Säule der Unabhängigkeit.
Du bist ein Teil und Buddha ist ein Teil, der andere Teil.
Du magst häßlich sein, und er ist schön,
aber seine Schönheit existiert nur wegen deiner Häßlichkeit;
wenn du verschwindest, wird Buddha verschwinden.
Er wirkt weise wegen deiner Dummheit;
wenn du weise wirst, wird er nicht mehr weise sein.
Lao-tse ist das Phänomen der Interdependenz.
Das Leben ist wechselseitig abhängig:
Du kannst nicht abhängig sein,
du kannst nicht unabhängig sein --
das sind beides Extreme.
Genau in der Mitte, wo das Leben eine Balance darstellt,
ist die Interdependenz, die gegenseitige Abhängigkeit.
Alles existiert mit allem anderen zusammen,
alles ist vernetzt --
verletze eine Blume und du verletzt einen Stern.
 

06.02.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (23)

von: tao

Musik: Maneesh De Moor – Pure Essence

 
Das Denken ist wegen der Gesellschaft nötig.
Wenn ein Kind geboren wird
und es keiner Gesellschaft ausgesetzt ist
dann wird sich das Denken nicht entwickeln,
dann wird da kein Denken sein.
Das ist schon viele Male vorgekommen.
Es geschah in der Nähe von Kalkutta,
vor siebzig oder achtzig Jahren,
dass ein Mädchen von Wölfen verschleppt wurde
die dann für es sorgten und so wuchs es auf.
Sie war vierzehn,
als sie wieder von der Gesellschaft eingefangen wurde.
Aber sie war bloß ein Wolfskind;
da war überhaupt kein menschliches Denken.
Sie rannte auf allen Vieren, und sie war sehr gefährlich,
sie brauchte rohes Fleisch zum Essen. Und sie war sehr stark,
selbst acht starke Männer reichten nicht aus,
um sie unter Kontrolle zu halten.
Sie dachte wie ein Wolf.
Sie mußte mit Wölfen aufwachsen, in einer Wolfsgesellschaft,
also mußte sie ein Wolfs-Denken entwickeln.
Es war unmöglich, ihr das Stehen auf zwei Füßen beizubringen.
Sie probierte zwei oder drei Schritte, und dann wieder
fiel sie nach unten und war auf allen Vieren.
Aber sie konnte so schnell auf allen Vieren laufen
dass niemand mithalten konnte.

05.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao 605

von: tao

Musik: Oliver Shanti & Friends – Wilderness

 Zuerst hilft die Liebe denen, die lieben,

dann hilft sie denen, die geliebt werden.

Leute kommen zu mir, die sagen immer:

Der andere liebt nicht micht.

Niemand kommt und sagt: Ich liebe den anderen nicht.

Liebe ist zu einer Forderung geworden --

der andere liebt mich nicht!

Vergiß den anderen!

Liebe ist so ein schönes Phänomen,

wenn du  liebst, wirst du es genießen.

Und je mehr du liebst, desto liebenswerter wirst du.

Je weniger du liebst,

und je mehr du verlangst,

dass andere dich lieben sollten,

desto weniger und immer weniger bist du liebenswert.

04.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao 604

von: tao

Fröhlich
Gott hilft dir nur, wenn du wirklich total hilflos, absolut hilflos bist. In deiner absoluten Hilflosigkeit ist das Ego komplett weg. Was ist Hilflosigkeit? Egolosigkeit. Egolosigkeit ist Hilflosigkeit. Du kannst gar nichts tun. Wie kannst du da noch sein, wenn du gar nichts tun kannst? Das Ego funktioniert durch den Macher. Wenn du noch ein kleines bißchen tun kannst, dann ist die Hilflosigkeit nicht total. Und Gott kommt nur zu dir, wenn du total verloren bist. Wenn du wirklich hilflos bist, kommt Hilfe.
Werde total hilflos. Wenn du dich hilflos fühlst, bist du nicht total hilflos, fühlst du dich nicht total hilflos. Geh noch ein wenig tiefer da hinein. Dann wird ein Moment kommen, der Moment der Transformation wird kommen, wo du verschwindest und das Ganze alles in seine Hände nimmt.
Dieser Wirbelsturm hat nirgendwo ein Auge. Der Zyklon ist das Zentrum. Verlier dich selbst in diesem Sturm. Indem du dich selbst in diesem Wirbelsturm verlierst, findest du die Mitte. Aber die Mitte ist nicht vom Wirbelsturm getrennt. Gott ist nicht getrennt von der Welt, die Seele ist nicht getrennt vom Körper, der Geist ist nicht getrennt von der Materie.
Sonstige