24.07.,
Duisburg. Am gestrigen Tag enterte eine Gruppe von 30 Studierenden
des AK gegen Studiengebühren Duisburg-Essen und des
Protestkomitees Bochum das im Duisburger Innenhafen liegende NRW-Bank
Ideenschiff.
In den vergangenen Wochen haben es Studierende in Bochum und Münster
vorgemacht. Im Rahmen der Proteste gegen das
Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz (HFGG), mit welchem u.a.
Studiengebühren in NRW ermöglicht wurden, das
Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) und die repressive Art der Exekutive
stürmten die als Piraten verkleideten Studierenden das Schiff
und nahmen es mit Gesängen, Parolen, Transparenten und
Flugblättern in Beschlag. Die Mannschaft des Schiffes war derart
schockiert, dass sie nicht eingreifen konnte. Nicht einmal die
Security konnte die Aktion verhindern, auch nicht, als mit dem
Anzünden des Schiffes gedroht wurde. Im Zentrum der
Protestaktion stand die Rolle der NRW-Bank, welche an die
Studierenden Kredite zur Zahlung der Studiengebühren vergibt und
mit horrenden Zinsen an der Situation der Studierenden verdient. Im
folgenden ein Auszug aus dem Flugblatt, welches an alle PassantInnen
und BesucherInnen – welche sich während der Aktion durchgehend
mit den Studierenden solidarisierten - in der Nähe des Schiffes
ausgegeben wurde:
Liebe
Mitbürgerinnen und Mitbürger,
der Protest auf diesem Schiff wird
von Studierenden geführt, welche sich offen gegen den Bildungs-
und Sozialabbau in diesem Land einsetzen. Mit der Einführung des
Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetzes (HFGG) wird keinesfalls
eine Gerechtigkeit im höheren Bildungssystem hergestellt. Das
Land NRW bittet die Studierenden durch die Einführung von
Studiengebühren zur Kasse und will sich so schleichend aus der
Finanzierung der Bildung in diesem Land rausziehen. 500 Euro
Studiengebühren pro Semester sind nur der Einstieg hin zu
Elite-Universitäten, welche in Zukunft lediglich den Kindern
reicher Eltern zugänglich sein werden. Das Bundesland Hessen
macht es vor und führt bereits jetzt Studiengebühren von
bis zu 2400 Euro pro Semester ein.
75%
der Studierenden in NRW haben bereits jetzt einen bis mehrere
Nebenjobs, mit denen sie sich die Semesterbeiträge und die hohen
Lebenshaltungskosten gerade so leisten können. Zusätzliche
1000 Euro im Jahr kann kaum jemand erbringen. Dazu müssen
Kredite aufgenommen werden. Die NRW-Landesbank vergibt diese Kredite
an die Studierenden und nimmt dafür noch 6% Zinsen. Ein
namenhafter Ökonom errechnete, dass Studierende im Durchschnitt
mit über 30.000 Euro Schulden am Ende ihres Studiums dastehen
werden. Nicht-EU-Bürger/innen erhalten keinen Kredit. Frauen –
und insbesondere Alleinerziehende – benötigen durchschnittlich
die doppelte Zeit ihrer männlichen Mitbürger, um diese
Schuldensumme abzubezahlen.
Hier
handelt es sich um eine eindeutige Ungleichbehandlung unter den
Mitgliedern dieser Gesellschaft. Bildung muss in allen Bereichen
kostenlos bleiben, vom Kindergarten bis zum Hochschulstudium. Jede
Person muss die gleiche positive Chance haben, den Zugang zu höherer
Bildung zu bekommen.
Mit
der geplanten Einführung des Hochschulfreiheitsgesetzes (HFG)
will die Landesregierung in Kürze eine zweite Etappe in ihrem
neoliberalen Kurs erreichen. Den Hochschulen soll ein Hochschulrat
bei Seite gestellt werden, welcher von Vertreter/innen der Wirtschaft
dominiert wird.
Seit
Jahren laufen gegen diese Entwicklungen massive Proteste von Seiten
der Studierenden, Schüler/innen, Gewerkschaften und normalen
Bürger/innen. In letzter Zeit häuften sich diese Proteste.
Noch nie gab es gegen die Politik einer Landesregierung so viele
Proteste. Die Proteste verliefen durchgehend friedlich, bis sie durch
unverhältnismäßig gewalttätiges Verhalten von
Seiten der Polizei kriminalisiert wurden. Demonstrant/innen wurden
ohne Grund niedergeknüppelt, stundenlang eingekesselt, mit
Pfefferspray angegriffen und unmenschlich erniedrigt. Die Polizei
verletzte mehrere Menschen indem sie rücksichtslos mit
Einsatzfahrzeugen in die Menge fuhr. Eine Frau wurde von einem
Polizeimotorrad überfahren und dabei schwer verletzt.
Die
Demonstrierenden werden systematisch von der Polizei kriminalisiert.
Die Presse schaut oftmals nur weg, weshalb diese Tatbestände
bisher nur einem kleinen Kreis der Öffentlichkeit bekannt
geworden sind.
Diese
heutige Aktion richtet sich damit auch gegen das Vorgehen der
Polizei, welche mit allen Mitteln versucht, die Kritik an der
derzeitigen verlogenen Landespolitik zu unterdrücken.
Unterstützen
auch SIE den Einsatz für eine gerechte und demokratische Welt,
in der solche Missstände nicht aufzutauchen haben.
Machen
auch SIE auf diese Probleme aufmerksam, indem Sie diese weiter
erzählen oder sich an den heutigen und den kommenden Protesten
beteiligen.
Bildung
darf kein Sklave der Wirtschaft sein!
Protest ist keine
Straftat!
Das
Schiff blieb ungefähr zwei Stunden in der Hand der Studierenden,
bis sich diese zu einer Spontandemo durch den Innenhafen aufmachten,
welche ungehindert von Statten ging. In der kommenden Woche wird das
Ideenschiff in Oberhausen anlegen. Auch für diesen Wegpunkt
wurde bereits eine Aktion angekündigt.