Ja, so wird das sein. Die Börsenkurse werden massiv anziehen. Die Firmen
werden massenhaft Leute einstellen. Das Dosenpfand wird abgeschafft.
Die Leute werden nicht mehr so sehr Geiz, sondern wieder eher Gier geil
finden. Und dabei wird die Konjunktur so grandios angekurbelt, dass der
angestammte Platz an der Wohlstandssonne, der so deutsch ist wie jeder
Liegestuhl auf Mallorca, wieder unser ist. Das sind die Sehnsüchte
derjenigen, die meinen, mit dem Kreuz neben der CDU oder FDP ginge es
uns besser.
Schon umweht die potentielle Kanzlerin der Erfolgsgeruch von Margaret
Thatcher. Da sollte man sich lieber die Nase zuhalten. Was waren das
denn für Erfolge? "Die Industrieproduktion brach ein, die
Arbeitslosigkeit stieg. Ende 1981 waren mehr als doppelt so viele
Menschen ohne Job wie bei Thatchers Amtsantritt: insgesamt 2,7
Millionen. Thatchers soziales Dogma verlangte nach dem Rückzug des
Staates, um die Unabhängigkeit des Individuums zu fördern. Gleichzeitig
führte ihr wirtschaftliches Dogma aber zu mehr Arbeitslosigkeit und
Armut – und damit zu mehr Abhängigkeit vom Staat. Ein Widerspruch, den
auch sie nicht lösen konnte." (zit. n.
http://zeus.zeit.de/text/2003/42/Thatcher) Am gleichen Dilemma
neoliberaler Politik scheiterte gerade Schröder. Was soll denn da die
Merkel besser machen?
Nun mag man einwenden, dass der Vergleich mit Thatcher wie üblich hinke.
Und - so wird von Merkelbefürwortern eingewandt, man schaue doch über
den Kanal und sehe ein Land mit einer erfreulich niedrigen
Arbeitslosenquote. Ja? Tatsache ist erstens, dass weniger als die Hälfte
der potentiellen britischen Arbeitskräfte einen Full-Time-Job im
eigentlichen Sinne hat und zweitens, dass auch aus diesem Grund die
Armut seit dem segensreichen Wirken der eisernen Lady stetig zugenommen
hat: Die Zahl der armen Familien verdreifachte sich, während die der
armen Kinderlosen um das zweieinhalbfache anstieg. (siehe
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soe/4734.html) Dass damit
einhergehend die Kriminalität so stark anstieg, dass europaweit
Großbritannien führend bei der Anzahl einsitzender Straftäter ist, ist
nur ein weiterer Mosaikstein im Bild einer durch Neoliberale und
Konservative heruntergewirtschafteten Gesellschaft.
Kurz: Wer diesen Irrsinn auch noch unserer Kanzlerkandidatin
anempfiehlt, wie das vor kurzem Peter Glotz getan hat, der hat nicht
mehr alle Tassen im Schrank.
Doch was bleibt von Angela Merkel übrig, wenn man sie des zu großen und
hässlichen Thatchermantels entkleidet? Ein dickes Mädchen, das auch mal
gerne Bundeskanzler sein will. Das erinnert an einen kleinen Mann, der
am Gittertor des Bundeskanzleramtes rüttelte und "ich will da rein!"
brüllte. So kam es dann auch. Und im Nachhinein fragt man sich: Warum
wollen die das eigentlich?
Die Merkelantilismus ist Schröderismus in scharz-gelb. Narzistischer
Ehrgeiz gepaart mit Überzeugungslosigkeit. Da tun sich beide nichts.
Warum also Merkel wählen? Nichts deutet darauf hin, dass sie das
strukturelle Problem des deutschen Föderalismus in den Griff bekommt,
eher ist zu erwarten, dass sie nach den künftigen
Landtagswahlniederlagen an den gleichen Herausforderungen scheitern wird
wie ihr Vorgänger. Und derweil wird die Armut in Deutschland und die
Zahl der Millionäre in Deutschland weiter zunehmen.
Denn das liegt mit Merkel vor uns: Die Börsenkurse werden auch mit ihr
in der nächsten schweren globalen Wirtschaftskrise massiv einbrechen.
Die Firmen werden weiterhin massenhaft Leute entlassen. Das Dosenpfand
bleibt (geht nämlich auf Töpfer und Merkel zurück). Die Leute werden
Geiz weiterhin geil finden müssen.
Vielleicht wird die Konjunktur auch mal wieder etwas kräftiger anziehen.
Doch die Wohlstandssonne wird weiterhin nur auf die scheinen, die
sowieso schon genug haben. Kann man das wollen?