Kinokritiker

16.02.2005 um 20:54 Uhr

Berlinaletagebuch: 6.Tag





The hidden blade
Als Fan des japanischen (und überhaupt des asiatischen) Kinos erwartete ich mit Spannung den japanischen Beitrag im Wettbewerb, voller Hoffnung , dass sich wenigstens dieser Film von den schlechten Wettbewerbsfilmen absetzt.Ich muss aber sagen, dass ich durchaus mit gemischten Gefühlen aus dem Kino gegangen bin. In the hidden Blade erzählt Yoshij Yamada (Oscar-Nominierung für "twilight samurai"), die Geschichte eines Samurais in der Zeit des Umbruchs anfang des 19 Jahrhunderts.Er sieht sich mit der neuen westlichen Technik konfrontiert und verfängt sich in Zweifeln über seinen Stand, seine Kultur und seine Identität. Nicht zu letzt verleitet ihn die Liebe zu einer Frau niedrigeren Standes zum Überdenken seines bisherigen Lebens.
Der Film erzählt diese Geschichte in langsamen Bildern und gefühlvoller Hintergrundmusik. Zu den Highlights gehören die Szenen in denen sich die die altgesottenen Samurai mit den neuen Schießwaffen ausernandersetzen, was unweigerlich zu vielen Lachern führt. Doch zu recht muss man bemängeln, dass viele Leute keinen Zutritt bzw. keine Zuneigung zum Bollywood-Kino haben und dass sich das Publikum für diese Art von Geschichte nicht interessiert.

Siegerchancen? Eigentlich keine , da der Film (wie viele andere auch) im Wettbewerb eher deplaziert ist.

Gespenster
Françoise (Marianne Basler) hat vor 15 Jahren ihr Kind verloren. Das damals dreijährige Mädchen wurde vor einem Berliner Supermarkt entführt und ist seitdem verschwunden. Jedes Jahr fährt die Pariserin nach Berlin, um nach Marie zu suchen.
Christian Petzolds neues Werk Gespenster ist der Nachfolger von "Wolfsburg".
Hier haben wir  wieder einen "Depri-Film", jedoch unterscheidet sich das ganze vom italienischen Beitrag gewaltig. Petzold versucht eindriglich mit geradezu poetischen Erzählsinn eine Geschichte zusammenzufassen, die  im Endeffekt auf nichts hinausläuft. Man sieht Menschen die den Tiergarten durchqueren.ISt man böse kann man sagen:"mehr ist da nicht".
Wahrscheinlich ist da auch mehr, nur schafft es Petzold nicht es rüberzubringen. Es gelingt dem Film nicht den
Blick auf die durch den Verlust des Kindes zerstörte Mutter und die in ihrer Stärke so hilflosen Mädchen zu schärfen.

Siegerchancen? Auch wenn er vermeitlich der beste deutsche Beitrag im Wettbewerb ist, sehe ich keine großen Chancen auf den Sieg.

Fateless
Un wieder einmal gibt es erfreuliches aus dem Wettbewerb zu berichten. Der nachnominierte ungarische Beitrag Fateless vom zweifachen Oscarnomminierten Kameramann
Lajos Koltai (Malena und Mephisto) , ist ein wirklich großes Stück ungarisches Kino mit einem grandiosen sehr jungen Hauptdarsteller und dem, ich weiß es hört sich verwunderlich an, besten Filmschnitt seit Jahren.Der Reihe nach:
Die Romanvorlage zu dem Film Fateless , nämlich der "Roman eines Schicksalslosen", bescherte dem Autor
Imre Kertesz nicht nur Weltruhm sondern auch den Literaturnobelpreis.
Bei Fateless handelt es sich also um einen Holocaust-Film, der so grandios in Szene gesetzt ist, dass ich jetzt an dieser Stelle schon mal einen sehr gewagte Prognose abgeben werde: Der Film könnte 2006 einen Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger FIlm holen und das zurecht.Wir sehen das Schicksal der ungarischen Juden im Zweiten Weltkrieg, dass besondere daran ist dennoch, dass es sich beim Hauptdarsteller um einen 14-jährigen Jungen handelt, der durch die "Vororte der Hölle" (gemeint sind die Konzentrationslager Auschwitz, Birkenau etc.) geschicht wird. Dabei erschüttert die Zuschauer die Verwahrlosung des Jungen
Gyurka , der ursprünglich mit langer Mähne immer mehr zum Spiegelbild seiner selbst wird.
Natürlich reiht sich der Film nahtlos ind die Reihe bekannter Holocaust-Filme ein wie "Schindlers Liste","Das Leben ist schön" und "Der Pianist". Und er zeigt deshalb auch nicht wirklich neues, doch man sollte sich die Frage stellen, muss er das überhaupt? Nein, muss er nicht, denn jedes am zweiten Weltkrieg beteiligte Land darf und muss sogar, sich filmisch mit seiner Rolle in dieser Zeit außernander setzten.Und wenn dies so geschieht wie , es Koltaj gemacht hat dann umso besser.
Ach da wäre noch die SAche mit dem SChnitt. Ich bin FAn von langen Hardcuts(für Laien, das Bild verdunkelt sich, man sieht ein-zwei Sekunden eine schwrze Leinwand und dann wird langsam wieder auf ein neues Bild geblendet.Man kann so die Szenen auch als Episoden ansehen) Der Film bekommt dadurch den Augenlid-Effekt, d.h. wir sehen das Leiden , das Grauen der Konzentrationslager schämenhaft, dafür aus nächster Nähe und wir haben das Gefühl wir würden unser Auge schließen und immer wieder dann öffnen, wenn sie unser Hauptdarsteller es tut (herrlich).

Siegerchancen? Auch wenn die Thematik rein  für den Wettbewerb betrachtet wieder einmal aus der Reihe tanzt, könnte bei Fateless der Dänemark-Effekt (lauter Effekte)  auftrete. 1992 bei der Fußball EM wurde Dänemark anchnominniert und hat anschließend gesiegt, dass könnte ich mir auch bei FAteless vorstellen.


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