Kinokritiker

18.02.2005 um 22:59 Uhr

Berlinaletagebuch: 8.Tag




Jetzt kommen sie die letzten Wettbewerbsfilme der 55.Berlinale. Dabei Dänemark vs. China, ein Duell was sich durchaus als Fußball WM-Spiel eignen könnte, also hier das Ergebnis des aktuellen Spieltages.

Kong Que
Ich weiß zwar woran dies liegt, aber für mich haben schon seit längerer Zeit asiatische Filme einen weitaus größeren Reiz als die anderen. Es mag vielleicht daran liegen, dass dort auch die einfachsten Geschichten gemischt mit der, uns doch noch ziemlich fremden Kultur, einen völlig neuen Blick auf die Dinge werfen lässt.  Träume , Hoffnungen und Fehlschläge von drei Geschwistern stehen im Mittelpunkt des Regiedebüts von Kameramann Gu Changwei ("Lebewohl meine schöne Koncubine").Dabei spielt die Handlung am Ende der Kulturrevolution in den Siebzigern und gewährt neben den teils tragischen Schicksalen der Hauptcharacktere einen tiefen Einblick in das China dieser Zeit.Eine wirklich anrührige Geschichte mit der Moral, dass oft die größten Begabten und Talentierten in dieser Welt am schwersten haben und teilweise auch an ihren Fähigkeitenund Vorstellungen zerbrechen.

Siegchancen? EIn herrlicher Film und er verdient eine Bären. Für was? Das überlasse ich der Jury , denn das ist deren Job.

Angeklagt
WOW! Von unserem kleinen nördlichen Nachbern kommt für mich der überraschendste Film im Wettbewerb. Überraschend in der Hinsicht, dass er sowohl durch seine puritanische Ausstattung (Es ist kein Dogmafilm!) und tolle Schauspieler eine  Atmosphäre erzeugt, die diese überaus geniale Story perfekt in Szene setzt. Und es ist hier ganz klar , dass  beste Drehbuch imk Wettbewerb, auch wenn es dafür keinen Bären gibt. Das junge Mädchen Stine zieht sich immer mehr zurück. Im Gespräch mit einem Psychologen beschuldigt sie ihren Vater der Vergewaltigung. Es beginnt ein Prozess , bei dem der Vater nur seine Frau an seiner Seite hat. Er wird schließlich freigesprochen, nachdem Urteil treffen sie sich zu einem klärenden Gespräch mit Stine und hier zu einer überraschender Wendung.
Jacob Thuesens Regeidebüt, spielt mit dem Publikum. Er zwingt die Zuschauer permanent dazu, Stellung zu beziehen. Wie die Figuren auch, wird man gezwungen, die Indizien abzuwägen gegen das eigene Misstrauen. Man lernt, wie leicht man Dinge für wahr hält, die man glauben möchte.


Siegeschacen? Der Film hat großes Potenzial und sollte er in die Kinos kommen, was ich wirklich stark hoffe ist er absolutes Pflichtprogramm für jeden atmenden Cineasten. Am liebsten würde ich ihm einen ganzen Bärenkäfig geben.



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