Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

09.09.2011 um 22:13 Uhr

Der Männer-Wahnsinn

von: Sadeyes

Ja, ich bin noch da. Auch wenn ich es oft irgendwie nicht bin, bzw oft irgendwo ganz anders bin. Es ist momentan anstrengend, aber doch gibt es auch viele Einsichten. 

Meine Grenzengruppe macht mir recht viel zu schaffen. Danach habe ich oft Schmerzen im Hals, bin hin zu Atemnot und Panikattacken. Wenig schöne Momente sind das. Daher schaffe ich es an solchen Tagen auch kaum noch, zu arbeiten.
Wirklich sicher bin ich mir noch nicht, woher diese Reaktionen stammen. Ich habe das Gefühl, dass ich mich eigentlich durch Grenzen bedroht fühle. So, wie wenn ich alles verlieren könnte, wenn ich Grenzen stelle. Und diese Angst des totalen Verlustes scheint bei mir riesengroß zu sein.

Froh bin ich, dass der dritte Block gestartet ist. Bisher haben wir uns dreimal getroffen und auch da habe ich schon wieder sehr viel gelernt. Momentan geht es um all diese automatischen Gedanken und Denkfehler. Ich weiß, dass das eines meiner Knackpunkte ist und bin bereits gespannt, ob sich im Lauf von dem Block etwas ändern wird. 

Aber was mich momentan wohl am meisten beschäftigt ist der "Männer-Wahnsinn". Bei uns im Traumazentrum haben sie nun doch tatsächlich einen männlichen Therapeuten eingestellt. Würde ich ja noch verstehen, wenn sie den dann für die männlichen Patienten nehmen und die Frauen die weiblichen Patienten haben. Sind eh viiiel mehr weibliche Patienten, als männliche.

Aber nein, völlig unverhofft bekomme ich einen Anruf von einem Mann. Ein Mann! !!!
Mit sowas mag ich momentan gar nicht gern umgehen, weil wenn bei mir "unbekannt" auf dem Display erscheint und dann auch noch jemanden, den ich nicht kenne, höre, dann gehen bei mir alle Mauern hoch. Und dann sagt der auch noch, dass er mein zukünftiger Therapeut sein könnte.

In dem Moment ging erstmal alles durch mich durch. Ich hatte kein Vertrauen, dass das stimmt, weil uns eben niemand erzählt hat, dass es nun auch einen männlichen Therapeuten gibt. Gleichzeitig das Gefühl, nicht bei meiner jetzigen Therapeutin weg zu wollen, vom Traumazentrum "verraten" worden zu sein, denn wie können die mir sowas antun und überhaupt mein komplettes Unvermögen, mir vorzustellen, einem fremden Mann von einem Missbrauch zu erzählen, an dem mein ganzes Selbst sich noch nichtmal richtig erinnern möchte und kann.

Der Termin kam und irgendwie war es seeehr merkwürdig. Die erste Hälfte des Gesprächs war sehr schwierig. Teils, weil er erstmal sehr unsicher rüberkam, was bei mir nichts Gutes auslöst. Wenn schon ein Mann, dann muss ich das Gefühl haben, dass er stark genug ist, um das ab zu können. Und vor allem muss er irgendwo ja schon die Richtung angeben. Und nicht an seiner Lippe nagen und durch die Gegend schauen...
Ich hab ihn dann auch ziemlich mit Fragen bombadiert, so dass er schon irgendwann meinte, er würde sich wie beim Vorstellungsgespräch fühlen. Aber da kenn ich keine Gnade. Wenn es mit ihm funktionieren soll, dann muss ich erstmal für mich rausfinden, dass ich ihm das zutraue. Und irgendwas mit "trauen" drin fällt mir derzeit schwer... außer es wäre das "Trauen" mit dem "Miss" davor.

Lustigerweise schienen aber gerade meine Fragen dann irgendwann doch das Eis zu brechen und er hat sein Therapeutenselbst wiedergefunden. Ab da war das Gespräch eigentlich ganz okay. Ich hab ihm auch direkt gesagt, dass ich so kein gutes Gefühl habe, zu wechseln und ich bei dem einen Gespräch  für mich nicht rausfinden konnte, ob ich das wirklich dauerhaft kann und will oder nicht. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns fünf mal treffen, um uns besser zu beschnuppern.

Einmal davon ist bisher rum. Und ich kann nichts negatives gegen ihn sagen. Er war freundlich und spricht so, dass ich ihn verstehen kann (die Therapien sind in Niederländisch und meins ist eben weder perfekt noch fehlerfrei) und hat auch ein paar ganz gute Ansatzpunkte vorgeschlagen. Ich fand, dass ich mich eigentlich ganz tapfer geschlagen hab und ihm recht viel über mich erzählt habe (vom Missbrauch ist bisher natürlich noch gar keine Sprache). Trotzdem fällt es mir sehr schwer, ihn anzuschauen, wenn ich rede. Etwas, was ich bei meiner Therapeutin eigentlich nicht habe. So bin ich eigentlich mit einem guten Gefühl da raus gegangen....

Bis dann kurz darauf irgendwelche Alarmglocken von Neuem in mir angehen. Mann! Mann! Mann! leuchtet es ständig rot auf. Wirklich verstehen tu ich es nicht. E ist ein Mann und den seh ich zweimal die Woche. Mein Fysiotherapeut ist ein Mann und der sieht mich einmal die Woche halbnackt und berührt mich. Das macht mir auch nix aus..
Und irgendwie weiß ich auch, dass der Alarm gar nix mehr mit dem Therapeuten zu tun hab. Denn, wenn ich da bin, ist da kein Alarm. Erst später...

Irgendwie habe ich so die vage Idee, dass es daran liegt, dass ich mich in den letzten Jahren so abgeschlossen habe, dass alleine die Idee, dass nur irgendein Mann mir bzw meiner Gefühlswelt so nah kommt, Entsetzen auslöst.  Bei dem Gedanken merkte ich richtig, wie es in mir zu kämpfen anging und alle Gefühle anfingen durcheinander zu wirbeln. Ich saß da und habe minutenlang Rotz und Wasser geheult. Und trotzdem muss ich irgendwann zu einer Entscheidung kommen... in vier Wochen spätestens.