Centi und die Flora
Was viele, mich eingeschlossen, bisher nicht über mich wussten: Ich bin Pflanzenmagierin. Ich verwandle lebende Pflanzen in tote Pflanzen.
Wobei das nicht immer so war. Nehmen wir als Status Quo mal Anfang April dieses Jahres. Mein Pflanzenbestand war (Ahaha, da schreibt sie sogar schon im Präteritum!) folgender:
Im Büro befinden (Ich geh mal wieder zu Präsens über, das macht das ganze spannender) sich zu diesem Zeitpunkt eine Birkenfeige auf Hydro und ein wunderschöner saftig-grüner Busch Bambusgras.
Ostern kam, damit war das Centi ein paar Tage nicht im Büro. Plan war, den Bambus noch mal ordentlich zu gießen und anschließend in den Schatten zu stellen, gemacht wurde nichts von beidem, dafür schien die Sonne zu Ostern besonders schön.
Als das Centi also aus dem Urlaub wiederkam, war sie stolze Besitzerin eines Blumentopfes voll Stroh.
Aber das kann mich ja nicht betrüben. In meiner Wohnung floriert es ja weiterhin. Da wären die beiden Grünlilien, eine davon mit weißen Streifen (sog. Sachsenfahne), es gibt da einen Affenbrotbaum, ein Usambaraveilchen, einen Efeu und eine Indikatorpflanze, deren richtigen Namen ich immer vergesse. Aber Indikatorpflanze - den Namen hab ich von Cari - trifft es, weil sie immer, wenn man sie nicht genug gießt, die Blätter hängen lässt. Gießt man sie dann wieder, erholt sie sich innerhalb von zwei Stunden. Diese Pflanze rettet wohl regelmäßig der restlichen Botanik meiner Wohnung das Leben, weil ich die anderen Pflanzen dann natürlich gleich mitgieße.
Alles unkaputtbare Pflanzen, nicht? Richtige Centi-Pflanzen, kann man gar nichts mit falsch machen.
Zu meiner großen Freude gibt es dann übrigens noch Nachwuchs, denn da sind ja noch acht kleine Kornblumenpflänzlein.
Nur die Heide und der Zitronenthymian, die waren mir schon über Winter eingegangen. Woran auch immer.
Aber das passiert ja mal, das kann mich ja nicht betrüben.
Als gute Pflanzen-Mutti hab ich über den Irland-Urlaub die empfindliche Indikatorpflanze ins Büro geschleift und meiner Kollegin die Verantwortung dafür aufgebürdet. Der Rest meiner Pflanzen konnte das ja ab. *protz* Die haben schon viel schlimmeres erlebt. Die gieß ich ja manchmal Wochen nicht.
Die Kornblumen kamen ganz schlau auf den Balkon, denn geregnet hatte es ja schon im April genug, da würden sie schon nicht eingehen.
Erinnert ihr euch noch an Mai '06? Die erste große Hitzeperiode des Jahres. Mei, was hattet ihr hier schönes Wetter (während es in Irland regnete). Aber was solls, drei von acht Kornblumen haben überlebt. Schwer verletzt zwar, aber egal. Das kann mich ja nicht betrüben, das passiert ja mal.
Von den restlichen dreien ist eine bei einer Höhe von 20cm (Lieber Leser: Diese Maßeinheit wird fern der Centi'schen Welt "Zentimeter" ausgeschrieben. Auch wenn es mich jedesmal kindisch freut, "Centimeter" zu lesen.) abgekratzt, der restlichen beiden haben immerhin noch geblüht, bevor sie von der sengenden Juli-Sonne trotz aller Gießbemühungen meinerseits weit vor ihrer Zeit strohisiert wurden.
Das konnte mich nun schon eher etwas betrüben, ließ mich aber noch nicht an meinem Händchen für Pflanzen zweifeln.
Das kam Ende dieses Wochenendes.
Weil: Mir ist der Affenbrotbaum eingegangen. Der Affenbrotbaum, ja? Ich meine, wir reden hier von einem alten, großen, stämmigen Affenbrotbaum.
Grashoppers Kommentar: "Affenbrotbäume wachsen doch sogar im Weltraum." Danke fürs Aufbauen.
Wie konnte das passieren?
Zuviel gegossen? Ich? Kaum.
Zu wenig gegossen? Einen Affenbrotbaum? Kaum.
Licht?
Licht. Dank anhaltender Hitze hatte ich wochenlang die Vorhänge zugelassen. Kein Licht. Ich wollte ja wenigstens eine Temperatur von 34°C halten. Ich fand ihn also umgekippt, mit nur noch der Hälfte seiner Blätter.
Als Notfallmaßnahme hab ich ihn gegossen (
) und auf den Balkon gebracht, damit er wieder Sonne abkriegt. Natürlich war das der erste Tag seit Wochen, an dem keine Sonne schien. Was auch sonst. Hab ein bisschen in der Erde gewühlt und fand, dass es doch ein wenig pilzig roch. Doch zu viel gegossen? Na, dann sollte ich jetzt wenigstens nicht mehr gießen.
Ah, Regen, wie schön.
Na, wird schon nicht so viel sein, der Baum (oder was davon übrig ist), bleibt auf dem Balkon.
Dann wollte das Centi noch ganz schlau sein und hat sich gedacht "Was für Menschen gut ist, kann für Pflanzen doch nicht schlecht sein." und hat etwas Anti-Hautpilz-Salbe in Wasser aufgelöst und dem armen Baum zu trinken gegeben. Jetzt aber wirklich kein Wasser mehr.
Um den Kreis zu schließen: Vorhin hat es wie aus Eimern gegossen und es geht ein recht unfeierlicher Wind draußen um.
War schön, dich gekannt zu haben, Affenbrotbaum.

Da hab ich auch schon mal geschafft, einen Affenbrotbaum tot zu gießen. Aber das mit der Hautpilzsalbe, das ist mir neu.
Meinen ersten Affenbrotbaum hatte ich bei mir aufgenommen, als er schon ein halbes Jahr unbeachtet ohne jegliche Pflege in einem unbenutzen Zimmer stand, daher kann ich sagen: weniger ist besser - beim Affenbrotbaum.